Wie öffentlicher Raum, Clubraum und privater Raum zusammenarbeiten

Räume von ihren Wirkungen aus denken

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Eine Quartiersstraße, jemand hat die Zone vor seinem Laden verschönert. Passant:innen setzen sich, kommen ins Gespräch. Andere nehmen dies wahr. Die Straße belebt sich. Auch der nächste Shop hat Sitzangebote und mobiles Grün aufgestellt. Nebenan parken weiterhin private Autos auf öffentlichem Grund.
Freiraumplanung
Abb. 1: Öffentlich wirksamer Raum in den Überlappungszonen unterschiedlicher Raumtypen. Darstellung: Nicola Sturm

In der Stadt treffen Räume aufeinander, die von verschiedenen Eigentumsverhältnissen, Zugangsrechten und Verantwortlichkeiten geprägt sind. Diese Räume sind jedoch keine abgeschlossenen Inseln. In ihren Wirkungen beeinflussen sie sich – sie überlappen einander.

Neben den direkten Wirkungen treten externe Effekte auf – positive wie negative. Diese wirken über die Räume hinweg, etwa als soziale Kontrolle oder Lärm. So entsteht Urbanität: Indem öffentliche, private und Clubräume zusammenarbeiten, zusammenwirken.

Die Überlappungszonen der Raumkategorien sind mit erhöhter "sozialer Energie" im Sinne Hartmut Rosas angefüllt. Oft bergen sie Konfliktpotenzial; vielfach aber tragen sie zu einer geselligeren, schöneren, grüneren Stadt bei, zu lebendigen Nachbarschaften und attraktiven Innenstädten.

In diesem Artikel nehmen wir die Überlappungszonen von öffentlichem Raum, privatem Raum und Clubraum genauer in den Blick. In der März-Ausgabe dieser Zeitschrift haben wir die Idee vom "Öffentlich wirksamen Raum" erstmals formuliert und anhand gärtnerischer Praktiken erläutert.

Das zugrundeliegende Konzept, angesiedelt zwischen Volkswirtschaftslehre und Freiraumplanung, stellen wir hier vertiefend dar und illustrieren es anhand von Räumen mit Sitzangeboten. Operationalisiert in Form einer Matrix wird es zu einem Instrument zur Analyse der öffentlichen Wirksamkeit urbaner Räume. Gleichermaßen kann es zur Bewertung sowie zur Steuerung von gewünschten oder unerwünschten Wirkungen genutzt werden.

Raumkategorien

Wir arbeiten mit drei Raumkategorien: dem öffentlichen Raum, dem privaten Raum und dem Clubraum. Öffentlicher Raum ist zugänglich für alle. Bei Übernutzung kann es zu einer Allmende-Situation kommen. Beispiele hierfür sind der Stadtpark und der Straßenraum. Privater Raum ist dadurch gekennzeichnet, dass der Zugang nur mit Erlaubnis möglich ist. Genutzt wird er primär durch die Eigentümer:innen. Beispiele sind private Gärten und Terrassen.

Als dritte Raumart führen wir den Clubraum in das freiraumplanerische Denken ein. Dabei gehen wir von einem weiten Clubbegriff aus, der sowohl formelle als auch informelle Clubs umfasst. Der Zugang ist begrenzt auf eine definierte Gruppe – über Mitgliedschaft, Eintrittsgebühr, Berechtigung, soziale Codes etc. Getragen und genutzt wird der Raum jedoch gemeinschaftlich. "Club" ist in dieser Lesart eine Gruppierung von Menschen mit gleichem Interesse oder Bedürfnis; oft kommen sie aus ähnlichen Milieus. So verstanden gibt es die Clubs der Cafébesucher:innen, der Boulespieler:innen oder der Gewerbetreibenden in einer Straße. Clubartige Nutzungen führen zu sozialem Kitt und Zusammenhalt, gerade auf der Quartiersebene. Sozialräumlich ist das Momentum des Gemeinschaftlichen von besonderer Relevanz.

Öffentlich wirksamer Raum – Definition

Öffentlich wirksamer Raum entsteht in den Überlappungszonen zwischen öffentlichem Raum, Clubraum und privatem Raum (Abb. 2). Die Öffentlichkeit nimmt diesen Raum wahr, nutzt ihn und erfährt dessen Wirkungen sowie externe Effekte. Der Raum ist sozial wirksam – durch seine Sichtbarkeit und seinen Einfluss auf Wahrnehmung, Verhalten und Interaktion. In der Überlappung führen die Eigenschaften der Räume zu speziellen Wirkungen in unterschiedlichen Situationen. Das Modell vom Öffentlich wirksamen Raum geht von der Erstellung und Nutzung von Räumen aus, nicht von Eigentumsverhältnissen. Entscheidend ist, ob ein Ort im Alltag wahrgenommen und wie er genutzt wird. "Nutzung" kann dabei auch eingeschränkt sein – einen Vorgarten kann man nicht betreten, aber man kann sich an ihm erfreuen.

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Freiraumplanung
Abb. 2: Straße mit temporärem Mobiliar und Begrünung Abbildung: Constanze A. Petrow/ Nicola Sturm

Externe Effekte

Über die direkte Wirkung eines Raumes hinaus – auf der Terrasse vor einem Imbiss kann man sich treffen, kann essen und trinken – generiert jeder Raum externe Effekte. Positive externe Effekte sind beispielsweise die Belebung des öffentlichen Raumes, die Steigerung von sozialer Interaktion, aber auch Beiträge zu Gesundheit, Klimaregulation und Biodiversität. Negative externe Effekte sind Müll, Unsicherheit, Vandalismus oder die Dominanz einer Gruppe.

Positive und negative externe Effekte lassen sich in einem Raum zu einem Gesamtergebnis addieren – dem Nettoeffekt. In der Überlappung von Räumen können sich die positiven externen Effekte kumulieren oder reduzieren. Sie kumulieren etwa, wenn Baumscheiben an einer Straße von einem Club (einer lokalen Bürgerinitiative) gepflegt werden. Es entsteht eine höhere ästhetische Qualität, aber auch Gemeinschaftsbindung und Identifikation. Positive Effekte reduzieren sich, wenn sich zum Beispiel Außengastronomie über den Gehweg ausbreitet, zu Engstellen für Passant:innen sowie Lärmbelastung für die Anwohner:innen führt.

Positive externe Nettoeffekte entstehen durch die Zugänglichkeit und Durchlässigkeit eines Raums, durch Sichtbarkeit, zumindest Einsehbarkeit, und Erlebbarkeit, durch Nutzungsvielfalt und soziale Mischung, durch ökologische Wirksamkeit und Biodiversität. Nicht zuletzt ergeben sie sich aus der Gestaltqualität, die jedoch vielfältig sein kann – auch Patina und Shabby Chic können die Atmosphäre und Identität eines Orts bereichern.

Matrix der Raumwirkung

Die Kernzone öffentlicher Wirksamkeit zeichnet sich durch einen hohen Anteil öffentlichen Raums und einen positiven Nettoeffekt aus. Dies sind Räume mit großem Mehrwert für die Allgemeinheit, zum Beispiel ein belebter Platz mit vielfältigen Angeboten, sozial stabil und weitgehend konfliktfrei.

Der Geheimtipp hat einen niedrigen Anteil öffentlichen Raums, aber einen positiven Nettoeffekt. Diese Orte bereichern das öffentliche Leben, lassen es komplexer und vielgestaltiger werden. Oft überraschen sie, auch ästhetisch. Beispiele sind Vereinsgärten mit hoher öffentlicher Sichtbarkeit oder gepflegte Vorgärten.

Die Problemzone zeichnet sich durch einen hohen Anteil öffentlichen Raums, aber einen negativen Nettoeffekt aus. Es handelt sich um Orte, die mehr Probleme als Nutzen stiften, zum Beispiel Angst- und Gefahrenräume oder Räume, in denen eine Gruppe dominiert und andere verdrängt.

Belastungsflächen weisen einen niedrigen Anteil öffentlichen Raums bei negativem Nettoeffekt auf. Sie sind hinderlich für eine allgemeine Nutzung, etwa ein privat betriebener Strand, ein Ausgehviertel im Wohngebiet oder ein als Parkplatz genutzter Stadtplatz.

Aus den vorangegangenen Überlegungen lässt sich eine Matrix entwickeln, in die jede konkrete Raumsituation eingeordnet werden kann.

Die Zuordnung eines Raums zu einem Quadranten kann sich ändern – zwischen Tag und Nacht, in saisonalen Rhythmen, in Abhängigkeit vom Wetter oder durch Events. Teilweise ist sie steuerbar.

Unterlegt mit einer mathematischen Modellierung können wir die soziale Leistungsfähigkeit eines Raumes nach definierten Parametern auch quantifizieren.

Die erste Matrix (Abb. 3) zeigt die Integration von privatem Raum in den öffentlichen Raum, die zweite (Abb. 4) die Integration von Clubräumen in den öffentlichen Raum. Zur Veranschaulichung der vier Raumtypen haben wir ihnen Beispiele zugeordnet, die genauer kommentiert werden.

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Abb. 3 a-d: Matrix Öffentlicher Raum / Privater Raum. Darstellung: Nicola Sturm, Fotos: Constanze A. Petrow

3 a – Temporäre Stadtmöblierung, Wiesbaden

Die Zone vor einem Laden in einer innerstädtischen Straße wurde temporär mit einer Holzbank, einem Teppich, einem Pflanzkübel sowie Sitzkissen und frei beweglichen Stühlen möbliert. Dies verwandelt eine sonst dem Verkehr vorbehaltene Fläche in einen Aufenthaltsraum. Die Möblierung schafft einen Treffpunkt für Kundschaft und Anwohner:innen.

Öffentlich wirksamer Raum entsteht durch die Überlagerung: Der Straßenraum bleibt öffentlich, wird aber durch die private Initiative und in der Folge eine temporäre Clubwirkung geprägt. Positive Effekte sind eine erhöhte Aufenthaltsqualität, Verkehrsberuhigung und damit gesteigerte Sicherheit sowie eine ästhetische Aufwertung. Negative Effekte sind Einschränkungen für den Autoverkehr, potenzielle Konflikte wie Lärm sowie die Kurzlebigkeit des Mobiliars mit dem Risiko schneller Abnutzung.

Der Raum weist einen hohen öffentlichen Anteil und überwiegend positive Nettoeffekte auf. Damit ist er dem "Kern öffentlicher Wirksamkeit" zuzuordnen. Das temporäre Mobiliar verwandelt eine Transitfläche in einen Aufenthaltsraum.

3 b – Vorgarten, Wiesbaden

Der Vorgarten präsentiert sich als ein kleiner, klar abgegrenzter Zwischenraum zwischen Wohnhaus und öffentlichem Straßenraum. Ein Metallzaun bildet die Grenze zum Gehweg, er signalisiert Besitz, Sicherheit und Abgrenzung, lässt aber Einblicke zu.

Hinter dem Zaun entfaltet sich ein improvisierter Aufenthaltsraum: unterschiedliche Stühle sind locker verteilt, ergänzt durch einen roten Liegestuhl, der den Blick auf sich zieht. Die Vegetation wächst teilweise ungeordnet, unterstützt aber den Eindruck von Bewohntheit und gelebtem Alltag. Die Fassade zeigt Spuren von Alterung. Patina kann von Außenstehenden als "authentische Schönheit" wahrgenommen werden, aber auch als Vernachlässigung.

Es entsteht ein Raum mit hoher öffentlicher Wirksamkeit: Der Vorgarten ist formal privat, funktioniert aber als sichtbarer Kommunikations- und Begegnungsraum der Hausgemeinschaft. Stühle und Zaun senden unterschiedliche Botschaften: Die Stühle signalisieren Leben, Nachbarschaft und Gemeinschaft, der Zaun hingegen schließt die Öffentlichkeit aus und macht klar, dass die Nutzung exklusiv bleibt.

Die Wirkung auf die Straße ist damit doppeldeutig: Passant:innen sehen Zeichen von Lebendigkeit und menschlicher Präsenz – ein positives Signal im Sinne von Sicherheit und sozialer Kontrolle. Gleichzeitig können die improvisierte Möblierung und die gealterte Fassade als "Unordnung" interpretiert werden. Der Vorgarten ist damit ein klassisches Beispiel für einen "Geheimtipp".

3 c – Schaufensterzone, Paris

Vor einem gehobenen Designerladen im Pariser Stadtviertel Marais ist der Sockelbereich mit einer Reihe schwarzer Metallstifte bestückt. Die historische Fassade besitzt eine hohe ästhetische Qualität und die städtebaulich vorgesehene Nische vor dem Schaufenster hat Potential zum Aufenthalt.

Die Spikes wirken jedoch abweisend, sie sind ein Beispiel für Defensive Architecture. Das gestalterische Detail verändert die Harmonie des Ortes und damit seinen externen Nettoeffekt grundlegend. Positive informelle Nutzungen wie kurzes Sitzen (auch durch das Personal des Ladens), welche die soziale Kontrolle und Attraktivität der Straße steigern würden, werden verhindert. Negative Nutzungen wie nächtliches Lagern ebenso; sie verschwinden aber nicht vollständig, sondern verlagern sich in die Nachbarschaft.

Im Ergebnis sinkt die öffentliche Wirksamkeit des Raums in den Problemzonen-Bereich. Sinnvoll wäre vielmehr eine Gestaltung, die negatives Verhalten begrenzt, aber kleine, wertsteigernde Aufenthalte ermöglicht.

3 d – Parkplatz, Wiesbaden

Im dicht bebauten Wiesbadener Westend liegt der Elsässer Platz. Derzeit wird er zu einem Freiraum umgebaut, zuvor aber wurde er jahrzehntelang als Parkplatz genutzt. Alte Platanen bilden einen grünen Rahmen. Aufenthaltsflächen, Sitzgelegenheiten, Gastronomie oder Spielbereiche fehlten vollständig.

Die soziale Qualität des Platzes war gering. Wer sich hier aufhielt, tat dies zum Parken oder auf dem Weg zum Auto. Verweilen, Begegnung oder gemeinschaftliche Nutzungen entstanden kaum. Nur bei Festen verwandelte sich der Platz in einen belebten öffentlichen Raum, mit Ständen und Aufenthaltsqualität.

So war der Elsässer Platz eine Belastungszone im Herzen Wiesbadens. Seine Umgestaltung zu einem Quartiersfreiraum ist dennoch bis heute umstritten.

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Abb. 4 e-h: Matrix Öffentlicher Raum / Clubraum. Darstellung: Nicola Sturm, Foto 4f: Staffan Cederborg/ WikiCommons, CC BY-SA 2.0 Fotos 4e, 4g, 4h: Constanze A. Petrow

4 e – Außengastronomie, Marburg

Die Altstadt von Marburg ist geprägt von einer lebendigen Atmosphäre, die maßgeblich durch Außengastronomie entsteht. Menschen sitzen an Tischen und trinken Kaffee, andere gehen vorbei. Der Ort ist ein Paradebeispiel für einen Öffentlich wirksamen Raum, in dem sich öffentlicher, privater und Clubraum überlagern.

Der öffentliche Raum ist verkehrsberuhigt und begrünt. Die Gastronomie zieht sich in den Straßenraum hinein. Damit wird ein Teil davon für Gäste reserviert – wer konsumiert, ist Teil dieses "Clubs", wer nicht, bleibt Beobachter:in. Diese Überlagerung macht den Ort besonders wirksam. Die Außengastronomie zieht Menschen an, Passant:innen bleiben eher stehen, der Platz wird zum Treffpunkt.

Auch ökonomisch ist der Effekt positiv: Gastronomie stärkt den Einzelhandel und trägt zum urbanen Erleben bei. Die historische Umgebung mit Sandsteinfassaden und Kopfsteinpflaster verstärkt den ästhetischen Eindruck.

Doch die Gastronomie beansprucht Teile des öffentlichen Raums, wodurch Nicht-Konsument:innen weniger Aufenthaltsflächen haben. Bei großem Andrang entstehen Engpässe für Fuß- und Radverkehr. Die Geräuschkulisse kann für Anwohner:innen belastend sein. Diese negativen Effekte sind im Verhältnis zur positiven Gesamtwirkung jedoch eher moderat.

Der Platz ist eindeutig der Kategorie "Kern öffentlicher Wirksamkeit" zuzuordnen. Er weist einen hohen öffentlichen Anteil auf, verbunden mit starken positiven Effekten.

4 f – Prinzessinnengarten, Berlin

Der Prinzessinnengarten an seinem alten Standort Moritzplatz: Mitten in der Stadt, verborgen unter einem dichten Blätterdach, fühlt sich dieser Aufenthaltsbereich wie ein geheimer Garten an. Menschen sitzen beieinander, reden, essen, trinken und genießen die besondere Atmosphäre.

Der Ort ist mehr als ein Urban Gardening-Projekt – er ist ein Beispiel für einen öffentlich wirksamen Raum, der zwischen öffentlichem, privatem und Clubraum vermittelt. Er ist offen zugänglich, wird aber durch einen Betreiber organisiert und nachts abgeschlossen. Damit entsteht ein hybrider Charakter.

Die Wirkung des Ortes ist positiv: Das Blätterdach spendet Schatten und sorgt für Kühlung. Gleichzeitig entsteht eine starke soziale Komponente. Die dichte Begrünung vermittelt Geborgenheit und verleiht dem Ort eine fast intime Qualität. Der Zugang ist nicht an Konsum gebunden.

In der Matrix des Öffentlich wirksamen Raumes liegt dieser Raum in der Kategorie Geheimtipp. Er hat einen mittleren öffentlichen Anteil, erzeugt aber hohe positive Nettoeffekte. Er ist kein öffentlicher Park, sondern ein besonderer, atmosphärisch aufgeladener Ort, der Menschen anzieht und die Lebensqualität im Quartier erheblich steigert.

4 g – Stadtplatz, Düsseldorf

Der Worringer Platz ist ein städtischer Knotenpunkt, eine Tramlinie teilt ihn mittig. Der Platz zeichnet sich durch eine hohe Sichtbarkeit und Durchwegbarkeit aus. Er wird von der Drogenszene genutzt und gilt daher seit Jahren als Problemplatz. Auch hier überlagern sich öffentlicher Raum, privater Raum und informeller Clubraum. Die Überschneidung macht den Platz zu einem öffentlich sehr wirksamen Raum.

Positiv ist die gute Zugänglichkeit für alle, das Potenzial als urbaner Treffpunkt. Bäume gliedern den Raum und bieten im Ansatz Atmosphäre. Das Image als Problemplatz prägt jedoch die Wahrnehmung. Mobiliar aus Glas und Beton lädt kaum zum Sitzen ein.

Die Präsenz der Gruppen macht den Platz für viele zum Angstraum. Hinzu kommt eine starke Verkehrsbelastung an den Rändern. Die Gestaltung wirkt unharmonisch und ohne erkennbare Aufenthaltsqualität. Damit fällt der Platz in die Kategorie der Problemzone. Er ist stark öffentlich wirksam, im Moment allerdings überwiegend negativ. Er steht beispielhaft für die Ambivalenz zentraler urbaner Räume, die durch negative externe Effekte belastet sind.

4 h – Strand, Mittelmeer

Strände gehören zu den ursprünglichsten öffentlichen Räumen. Sie sind Gemeingut, zugänglich für alle. Doch vielerorts zeigt sich ein anderes Bild: Reihenweise aufgestellte Liegen und Sonnenschirme, bewirtschaftet von Hotels oder privaten Anbietern, verwandeln sie in eine regulierte Infrastruktur. Formal bleiben sie ein öffentlicher Raum, faktisch werden sie jedoch privatisiert. Der Zugang ist an eine Hotelzugehörigkeit oder die Zahlung einer Gebühr gebunden.

Damit entsteht ein hybrider Raum: öffentlich sichtbar, aber in der Nutzung stark kontrolliert. Ein de-facto-Clubraum, der das Gemeingut überlagert. Für viele Nutzer:innen bringt die Struktur Vorteile. Liegen und Schirme sorgen für Komfort und Bequemlichkeit. Tourismuswirtschaft und lokale Anbieter:innen profitieren. Auch die Ordnung am Strand wird durch die Möblierung klar geregelt.

Doch der Strand verliert seine Offenheit. Wer nicht zahlt, hat oft keinen Zugang oder fühlt sich ausgeschlossen. Die Gleichförmigkeit der Reihen reduziert die ästhetische Vielfalt. In der Matrix des Öffentlich wirksamen Raumes ist dieser Strandabschnitt eine Belastungsfläche – ein Raum mit niedrigem öffentlichem Anteil und ambivalenten Effekten.

Schlussfolgerungen

Das Modell des Öffentlich wirksamen Raums lenkt den Blick auf die Co-Produktion von städtischen Qualitäten, auf Gewinne und Verluste als Resultat räumlicher Überlappung.

Das Modell stellt nicht zuletzt Denkfiguren infrage, die oft reflexartig abgerufen werden. Was als "Privatisierung" problematisiert wird, hat häufig Effekte der Belebung, Geselligkeit und höheren sozialen Kontrolle in Stadträumen.

Ausschlaggebend sollte daher immer der Nettoeffekt sein. Was als "Konsumzwang" geframt wird, betrifft Treffpunkte mit einem Angebot zum Essen und Trinken und der Verfügbarkeit von Toiletten, aber auch mit einem geschützten Raum, in dem sich viele Menschen lieber aufhalten als auf einer Bank. Im besten Fall sind es Third places, Orte mit hoher Identifikationskraft neben der eigenen Wohnung und dem Arbeitsplatz.

Räume, die innerhalb einer vielfältigen Gesellschaft Gemeinschaft fördern und Zusammenhalt stiften, die Gründe geben zu bleiben und sich im öffentlichen Raum aufzuhalten, die nicht für alle gleichermaßen zugänglich und interessant sind, aber ein Gewinn für sehr viele. Clubs beleben Räume zuverlässig und bilden den Nukleus für weitere Aktivitäten. Clubräume in Überlappung mit öffentlichem Raum sollten jedoch nie auf Kosten der Allgemeinheit gehen.

Die Verantwortung für eine lebendigere, schönere und grünere Stadt kann indes geteilt werden, und in jüngerer Zeit mehren sich Aktivitäten in den Überlappungszonen. Auch die Klimaanpassung wird nur durch ein Zusammenwirken gelingen, etwa durch Fassadenbegrünung an privaten Gebäuden oder durch Bäume, die Kommunen an Privatpersonen verschenken, die sie in ihre Vorgärten pflanzen und dauerhaft pflegen.

Für die Stadt- und Freiraumentwicklung impliziert das Modell vom Öffentlich wirksamen Raum, Stadträume nicht isoliert zu betrachten, sondern die Überlappungszonen stets mitzudenken, die Verschränkung von Räumen zu fördern, Synergien herzustellen, Mitmachen zu ermöglichen, kollektive Kreativität zu mobilisieren und dadurch den Sozialraum anzureichern und zu stabilisieren.

Prof. Dr. Constanze A. Petrow
Autorin

Landschaftsarchitektin und Professorin für Freiraumplanung und Gesellschaft

Hochschule Geisenheim University
Dipl.-Volksw. Wilhelm Spatz
Autor

Fachgebiet Baubetrieb und Projektmanagement, Hochschule Geisenheim

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