Wie Wohnungsunternehmen zur Biodiversität beitragen können

Naturnahe Gärten im urbanen Umfeld

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Der Artenverlust gehört zu den drängendsten Herausforderungen unserer Zeit – und er zeigt sich im Kleinen. Gepflegte Grünanlagen gefallen vielen Menschen, sind aber für viele Tiere ökologische Wüsten. Das Artensterben findet nicht nur in Regenwäldern statt – wir beobachten es auch in unserem Umfeld. In vielen Wohnanlagen zeigt sich die Krise der Städte wie unter dem Brennglas: zu heiß, zu versiegelt, zu leblos. Doch gerade dort, wo die Natur schwindet, liegt auch ein enormes Potenzial für ihre Rückkehr – direkt vor unserer Haustür.
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1a + 1b Naturnahe Gestaltungen fördern Mensch und Natur. Fotos: Peter Müller, smu
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1a + 1b Naturnahe Gestaltungen fördern Mensch und Natur. Fotos: Peter Müller, smu

Naturnahe Stadtgärten bieten vielfältige Lösungsansätze: Sie verwandeln tristes Abstandsgrün in Rückzugsorte, die die biologische Vielfalt fördern, das Mikroklima verbessern und das soziale Miteinander fördern. Besonders die Wohnungswirtschaft kann zum Faktor für mehr urbane Natur werden, denn Wohnungsunternehmen verfügen über umfangreiche Grünflächen. Mit Mut, Fachwissen und Beteiligung lassen sich diese Flächen in artenreiche Gärten im direkten Wohnumfeld verwandeln.

Inspiration aus der Praxis: Erfolgreiche Projekte für naturnahe Stadtgärten

In den vergangenen Jahren hat die Stiftung für Mensch und Umwelt in Berlin eine Vielzahl von Wohnanlagen erfolgreich naturnah umgestaltet. Die ökologisierten halböffentlichen Flächen im wohnungsnahen Grün sind bis zu 2000 Quadratmeter groß und weisen unterschiedlichste Standortverhältnisse auf.

1. PikoPark Raschdorffstraße: Naturvielfalt auf kleinem Raum

Auf einer 290 Quadratmeter großen Fläche in Berlin-Reinickendorf hat die Märkische Scholle Wohnungsunternehmen eG gemeinsam mit Auszubildenden der OTA gGmbH einen lebendigen Naturgarten geschaffen. Zwischen Oktober 2021 und Mai 2022 entstand ein vielseitig strukturierter PikoPark mit geschwungenen Wegen, einer 20 Meter langen Trockenmauer aus Sandstein, stehenden und liegenden Totholzelementen sowie Wildbienennisthilfen. Drei Themenbeete – "Steinhabitat", "Magere Staudenmischpflanzung" und "Essbare Wildpflanzen" – präsentieren heimische Artenvielfalt auf kleinem Raum. Für die naturnahe Gestaltung erhielt der PikoPark die Gold-Auszeichnung der Kampagne "Tausende Gärten – Tausende Arten".

2. Remisenhof Spandau: Vom Wirtschaftshof zum Insektenparadies

Die Charlottenburger Baugenossenschaft eG hat ihren früher versiegelten Remisenhof in der Wegscheider Straße in Berlin-Spandau auf rund 360 Quadratmetern in einen blühenden Hotspot für Mensch und Natur verwandelt. Im Rahmen des Projekts "Treffpunkt Vielfalt" entstand zwischen Juni und November 2020 ein ökologisch wertvoller Innenhof mit 1600 Frühjahrsblühern, 1700 heimischen Stauden, 20 Gehölzen sowie Totholzstrukturen und Trockenmauern. Um die Bewohnerinnen und Bewohner für biologische Vielfalt zu sensibilisieren, informieren ansprechende Infotafeln über die Besonderheiten der neu entstandenen Lebensräume.

3. Naturgarten in Berlin-Köpenick: Naturerlebnis auf 1500 Quadratmetern

In der Kaulsdorfer Straße in Berlin-Köpenick setzte die Wohnungsbaugenossenschaft "Köpenick Nord" eG ein Zeichen für mehr Artenvielfalt im Quartier. Zwischen Januar und April 2023 entstand auf 1500 Quadratmetern ein großzügiger Naturgarten mit extensiven Blühflächen, Stein- und Totholzstrukturen sowie einem thematisch gestalteten Rundweg. Infotafeln an verschiedenen Stationen vermitteln anschaulich Wissen über Wildpflanzen, Insekten und ökologische Zusammenhänge. Für seine vorbildliche naturnahe Gestaltung wurde das Projekt mit Gold im Rahmen der Kampagne "Tausende Gärten – Tausende Arten" ausgezeichnet.

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2 PikoPark in Berlin-Reinickendorf. Foto: Peter Müller, smu
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3 Naturnaher Innenhof in Berlin-Spandau. Foto: Dominik Jentzsch
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4 Klare Wegeführung und Strukturreichtum in Berlin-Köpenick. Foto: Dominik Jentzsch

Mehr Natur ins Stadtbild: Wie artenreiche Grünflächen Lebensräume schaffen

Städtische Grünflächen können weit mehr als nur optische Auflockerung zwischen Gebäuden sein: Sie haben das Potenzial, zentrale Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu werden – und elementare Bestandteile einer gesundheitsfördernden Wohnumgebung. Noch dominieren vielerorts monotone Rasenflächen oder pflegeleichte Strauchpflanzungen, die kaum ökologischen Wert besitzen. Dabei zeigen zahlreiche Projekte, dass schon kleine Veränderungen große Wirkung entfalten können.

PikoParks, entwickelt vom Wissenschaftsladen Bonn e. V. (WILA BONN, 2021), bündeln auf etwa 300 Quadratmetern alle wesentlichen Elemente eines Naturgartens: artenreiche Wildstaudenbeete, strukturreiche Totholzelemente, Trockenmauern und Wege aus wasserdurchlässigen, natürlichen Materialien. Inspiriert von den englischen "Pocket Parks", dienen sie als grüne Treffpunkte direkt im Wohnumfeld und binden die Anwohnerschaft aktiv ein.

Auch Trittsteinbiotope, nur 20 bis 40 Quadratmeter groß, ergänzen dieses Konzept auf kleinerer Fläche. Durch die gezielte Anlage von Wildstauden, Steinhaufen und Holzstrukturen vernetzen sie isolierte Lebensräume und fördern so die Ausbreitung und den Austausch von Arten in der Stadt. Besonders gezielt platzierte, kleine naturnahe Umgestaltungen – etwa von Parkplätzen – können die ökologische Vernetzung in Städten deutlich effektiver fördern als flächenmäßig größere, aber unkoordinierte Maßnahmen. Entscheidend ist nicht die Menge an Stadtgrün, sondern vor allem dessen Qualität und strategische Lage im urbanen Gefüge (Aghaloo et al., 2024).

Naturnahe, artenreiche Stadtgärten leisten in vielerlei Hinsicht einen wertvollen Beitrag. Begrünte Flächen verbessern das Mikroklima: Sie spenden Schatten, kühlen die Umgebung und speichern Regenwasser. Das mindert Hitzestress und beugt Überflutungen vor. Gleichzeitig steigern die Flächen nachweislich das Wohlbefinden der Menschen. Denn mehr Artenvielfalt erhöht die Lebenszufriedenheit und unterstützt die mentale Gesundheit – Studien zeigen, dass in Quartieren mit höherer Artenvielfalt weniger Antidepressiva verschrieben werden (Methorst et al., 2021; Marselle et al., 2020).

Ebenso können städtische Begrünungen auch physische Gesundheitsvorteile bieten. Eine Studie aus New York zeigt, dass die Präsenz von Straßenbäumen mit einer deutlich geringeren Asthmahäufigkeit bei Kindern verbunden ist. Das unterstreicht, wie wichtig Stadtgrün als Teil einer gesundheitsfördernden und sozial gerechten Stadtplanung ist (Lovasi et al., 2008).

Darüber hinaus schaffen naturnahe Flächen dringend benötigten Lebensraum für Wildbienen, Schmetterlinge, Vögel und Kleintiere. Schon kleine Flächen können Großes bewirken: In einem Hausgarten mit 250 Quadratmetern wurden über 1000 Arten nachgewiesen (Zehm et al., 2024). Aktuelle Erkenntnisse belegen, dass urbane Gebiete mit naturnahen Grünflächen eine signifikant höhere Biodiversität aufweisen als stark gepflegte, künstlich wirkende Gärten. Gerade naturnahe Elemente wie Totholz, Wildblumenwiesen und unversiegelte Böden sind entscheidend, um Insekten, Vögeln und anderen Kleintieren geeigneten Lebensraum zu bieten (Biella et al., 2025; Ulrich & Sargent, 2025).

Pflanzenvielfalt statt Einheitsgrün

Von den etwa 3500 heimischen Blütenpflanzenarten in Deutschland (Tackenberg, 2022) wird in Gärten nur ein kleiner Bruchteil genutzt – Schätzungen zufolge kaum mehr als 60 Arten. Das Potenzial liegt weitgehend brach. Naturnahe Gärten setzen daher bewusst auf Pflanzenvielfalt mit heimischen Wildpflanzen. Diese sind an Boden und Klima angepasst, robust und vermehren sich oft von selbst. Vor allem aber sind sie ökologisch relevant: Viele Insekten sind hoch spezialisiert und auf bestimmte einheimische Pflanzen angewiesen. So frisst die Raupe des Kaisermantels ausschließlich Veilchen, und manche Wildbienen sammeln Pollen nur auf wenigen heimischen Korbblütlern. Zierpflanzen aus anderen Kontinenten können solche Funktionen meist nicht erfüllen – heimische Schmetterlinge können sich auf einer Fläche mit Mahonie oder Rhododendron nicht reproduzieren. Auch die gängigen Kirschlorbeer- und Thujahecken bieten ökologisch keinen Wert.

Statt auf sterile Exoten zu setzen, sind Wildarten mit ungefüllten Blüten zu wählen. Gefüllte Zuchtformen liefern keinerlei Pollen oder Nektar. Wildformen dagegen bieten reichlich Nahrung und sind oft robuster. Mit gestaffelten Blühzeiten von Frühjahr bis Herbst entsteht ein durchgehendes Nahrungsangebot für Bestäuber – und bringt zugleich mehr Farbe und Abwechslung ins Wohnumfeld.

Insekten – die unterschätzten Helfer

Insekten bilden die artenreichste Tiergruppe der Erde und übernehmen in Ökosystemen unersetzliche Aufgaben. Sie bestäuben die meisten Blütenpflanzen und sichern so unsere Nahrungsgrundlage. Sie wirken als "Landschaftsgärtner", indem sie Pflanzen verbreiten (z. B. Ameisen, die Samen transportieren) und Lebensräume mitgestalten. Viele fungieren als Gesundheitspolizei, indem sie "Schädlinge" und Krankheitsüberträger in Schach halten (z. B. fressen Marienkäfer Blattläuse). Ihre Larven arbeiten als Recycler, die Totholz, Falllaub und Aas zersetzen und Nährstoffe verfügbar machen. Nicht zuletzt sind sie eine unverzichtbare Nahrungsquelle für viele Tiere wie Vögel oder Amphibien.

Dabei werden Insekten trotz ihrer enormen Leistungen zu oft übersehen. Außer der Honigbiene finden die meisten in der Öffentlichkeit kaum Beachtung – jede dritte heimische Insektenart ist in ihrem Bestand gefährdet (BfN, 2021). Naturnahe Anlagen schützen also nicht nur ein paar hübsche Falter, sondern können zu Rettungsinseln für Insekten werden.

In urbanen Wohnquartieren sind diese folglich ein Gewinn für Mensch und Natur – dabei zählt jeder Quadratmeter.

Wohnungswirtschaft als Partner: Chancen für mehr Biodiversität in Wohnquartieren

Die Bestände von Wohnungsunternehmen verfügen über große Freiräume – von Höfen über Spielplätze bis Vorgärten. Dieses Potenzial für Stadtnatur bleibt oft ungenutzt. Angesichts der Naturverarmung und zunehmender Klimarisiken tragen Wohnungsanbieter Verantwortung, ihre Quartiere ökologisch und resilient aufzuwerten. Einige Vorreiter haben das verinnerlicht und verwandeln ihre Außenanlagen in gestaltete Grünstrukturen mit ökologischer Tiefenwirkung.

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5 Trittsteinbiotop in Berlin-Westend. Foto: C. Seidel
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6 Naturnahes Grün bietet Teilhabe und ist gesundheitsfördernd. Foto: Sebastian Runge

"Wo Beton Platz macht für Pflanzen, gewinnt nicht nur die Natur – sondern auch die Stadt."

Die gezielte Entsiegelung urbaner Flächen zugunsten von Grünstrukturen ist eine der wirksamsten Strategien moderner Stadtentwicklung. Eine niederländische Modellstudie zeigt: Wird kompakte Bebauung mit mindestens 30 Prozent Vegetationsanteil (davon 10 % Bäume) kombiniert, können die CO2-Emissionen um bis zu 70 Prozent, der Materialverbrauch um 70 Prozent und der Flächenbedarf um die Hälfte reduziert werden. Gleichzeitig sinkt die lokale Temperatur um bis zu 0,4 Grad Celsius – ein klarer Beitrag zur Klimaanpassung.

Diese Zahlen machen deutlich: Es braucht keine großflächigen Parks, um Wirkung zu erzielen – sondern strategisch platzierte grüne Infrastruktur. Jeder entsiegelte Quadratmeter verbessert Mikroklima, Artenvielfalt und Lebensqualität – und macht Stadtgrün zu einem zentralen Baustein nachhaltiger Infrastruktur (Van Oorschot et al., 2024).

Die Neu- oder Umgestaltungen bieten einige Vorteile. Grüne, vielfältige Außenanlagen erhöhen die Wohnzufriedenheit, verbessern das Quartiersimage und können langfristig den Immobilienwert steigern (Wang et al., 2024).

Veränderungen im Wohnumfeld stoßen anfangs mitunter auf Vorbehalte, weil die Ästhetik naturnaher Gärten ungewohnt erscheint. Doch durch Information und Beteiligung der Mieterschaft lässt sich eine hohe Akzeptanz für neue naturnahe Freiräume erreichen. In den Berliner Projekten wurden Umweltbildungs-Aktionen, gemeinsame Pflanzungen und kleine Feste durchgeführt – Skeptiker konnten so als Mitstreiter gewonnen werden.

Urbane Biodiversität braucht starke Partner – die Wohnungswirtschaft kann einer davon sein. Um dies nicht allein zu stemmen, gibt es Unterstützung. Städtische und kommunale Förderungen – insbesondere das Programm "Natürlicher Klimaschutz in Kommunen" (siehe KfW-Programm 444; BMUV, 2023) und Programme der Städtebauförderung – ermöglichen Wohnungsunternehmen über die Kooperation mit Kommunen Zuschüsse von bis zu 90 Prozent für naturnahe Grünflächengestaltung, Baumpflanzungen, Entsiegelung und begleitende Maßnahmen wie Öffentlichkeitsarbeit zu erhalten. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um im Wohnungsbau neue Maßstäbe für naturfreundliche Freiräume zu setzen – auch wenn manche Vorbehalte, vor allem in der Pflege, erst noch entkräftet werden müssen.

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7 Die Dunkelfransige Hosenbiene ist spezialisiert auf Korbblütler. Foto: Hans-Jürgen Sessner
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8 Die Raupen des Kaisermantels sind auf Veilchen angewiesen. Foto: Stoutcob
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9 Jeder Quadratmeter für mehr Stadtnatur zählt. Foto: Stiftung-Mensch-Umwelt

Pflegekonzept: Selektives Gärtnern – Weniger ist mehr

Ein häufiger Einwand gegen naturnahe Anlagen ist die vermeintliche Herausforderung beim Pflegeaufwand. Doch für Naturgärten gilt: "So viel wie nötig, so wenig wie möglich." Anfangs ist eine intensivere Betreuung nötig, aber sobald sich ein stabiles Pflanzengefüge etabliert hat, sinkt der Aufwand. Zwei bis drei Pflegegänge im Jahr können dann, je nachdem, wie repräsentativ die Fläche sein soll, ausreichend sein, um diese zu unterhalten. Langfristig können trotz höherer Anlagekosten Einsparungen erzielt werden.

Wichtige Elemente des nachhaltigen Pflegekonzepts sind:

  • Selektives Gärtnern: Nicht jede spontan aufkommende Pflanze gilt als "Unkraut". Es werden nur sehr ausbreitungsfreudige Arten wie Giersch oder Quecke und invasive Neophyten konsequent bekämpft, während erwünschte Wildpflanzen sich ausbreiten dürfen (Stiftung für Mensch und Umwelt, 2023).
  • Angepasste Mahd statt Dauermähen: Wiesen nur ein- bis zweimal im Jahr mähen statt alle zwei Wochen. Das Schnittgut entfernen; auf Teilflächen stehen lassen, damit Kleintiere Rückzugsorte finden.
  • Laub und verblühte Stängel belassen: Abgeblühte Stauden bleiben bis zum Frühjahr stehen und bieten Vögeln Nahrung und Insekten Unterschlupf. Herbstlaub darf unter Gehölzen liegen bleiben und dort vererden. Reisighaufen bieten Igeln Winterquartiere.
  • – Verzicht auf Dünger und Pestizide: Statt Düngemitteln und Chemie sorgt eine standortgerechte Pflanzenauswahl für vitale Pflanzen.

Dieses "Weniger ist mehr" erfordert ein Umdenken bei Pflegepersonal und Dienstleistern, führt jedoch zu dauerhaft robusten Grünflächen. Wildpflanzen säen sich selbst aus und erhalten die Bepflanzung ohne ständiges Nachpflanzen lebendig. Häufiges Mähen, Düngen oder Wechselbepflanzungen entfallen. Auch fallen weniger Grünabfälle zur Entsorgung an, da Laub und Schnittgut auf der Fläche bleiben und dort Nährstoffe liefern. Die Praxis zeigt: Ist der Ansatz verinnerlicht, können naturnahe Flächen fachgerecht und kosteneffizient unterhalten werden.

Für die Wohnungswirtschaft bietet sich hier ein strategisches Handlungsfeld: Indem sie in naturnahe Gestaltung investiert, positioniert sie sich aktiv im Spannungsfeld zwischen Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung. Durch artenreiche Grünflächen in ihren Beständen kann sie ihr Portfolio erweitern und sich aktiv für die Artenvielfalt einsetzen. Alle Beteiligten – vom Vorstand bis zum Auszubildenden – sollten diese Chance ergreifen. Naturnahe Stadtgärten sind weder Luxus noch Marginalie – sie sind ein zentraler Baustein für eine lebenswerte, zukunftsfähige Stadt.

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10 Einweihungsfeier in Berlin-Spandau. Foto: Sebastian Runge
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11 Ein Reisigkreis bietet Lebensraum. Foto: Peter Müller

Literatur

  • Aghaloo, S., McDonald, R. I., Trammell, T. L. E. & Dorsey, J. (2024): Nature-based solutions for urban biodiversity: spatial targeting of green infrastructure. Science of the Total Environment 940: 170075. DOI 10.1016/j.landurbplan.2024.105169
  • Bundesamt für Naturschutz (BfN) (2021): Rote Liste der gefährdeten Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 5: Wirbellose Tiere (Teil 3). Bonn: Bundesamt für Naturschutz.
  • Biella, P., Bani, L., Caprio, E., Casale, A., & Palestrini, C. (2025): Biodiversity-friendly practices to support urban nature across ecosystem levels in green areas at different scales. Urban Forestry & Urban Greening 105: 127456.
  • BMUV/Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (2023): Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz. Kabinettsbeschluss vom 19. März 2023. BMUV, Berlin.
  • Lovasi, G. S., Quinn, J. W., Neckerman, K. M., Perzanowski, M. S., & Rundle, A. (2008). Children living in areas with more street trees have lower prevalence of asthma. Journal of Epidemiology & Community Health, 62(7), 647-649. doi:10.1136/jech.2007.071894
  • Marselle, M. R., Bowler, D. E., Watzema, J., Eichenberg, D., Kirsten, T. & Bonn, A. (2020): Urban street tree biodiversity and antidepressant prescriptions. Scientific Reports 10(1): 1–11.
  • Methorst, J., Rehdanz, K., Mueller, T., Hansjürgens, B., Bonn, A. & Böhning-Gaese, K. (2021): The importance of species diversity for human well-being in Europe. Ecological Economics 181: 106917.
  • van Oorschot, J., Slootweg, M., Remme, R. P., Sprecher, B. & van der Voet, E. (2024): Optimizing green and gray infrastructure planning for sustainable urban development. npj Urban Sustainability 4: 25. doi.org/10.1038/s42949-024-00178-5?
  • Stiftung für Mensch und Umwelt (2023): Der Handlungsleitfaden: Naturnahe Gestaltung von Wohnquartieren. Praxistipps für Planung, Anlage und Pflege, ISBN 978-3-00-075040-3.
  • Tackenberg, D. O. (2022): Vorzugsausgabe: Die Flora von Deutschland. Alle heimischen Arten: Artbeschreibungen, Verbreitungskarten und Abbildungen von mehr als 2500 wildwachsenden und häufig kultivierten Farn-und Blütenpflanzen. Inklusive Bestimmungsschlüssel zu den Familien und Gattungen. Favoritenpresse.
  • Ulrich, J. & Sargent, R. D. (2025): Urban landscapes with more natural greenspace support higher pollinator diversity. Ecological Applications 35(1): e70005. doi.org/10.1002/eap.70005
  • Wang, D., Xu, P.-Y., An, B.-W. & Guo, Q.-P. (2024): Urban green infrastructure: bridging biodiversity conservation and sustainable urban development through adaptive management approach. Frontiers in Ecology and Evolution 12: 1440477.
  • Wila Bonn/Wissenschaftsladen Bonn e. V. (Hrsg.) (2021): PikoPark. Treffpunkt Vielfalt. Naturnahe Gestaltung von Wohnquartieren. Bonn; 19 S.
  • Zehm, A., Blick, T., von Brackel, W., Brau, M., Fuchs, H. & Guggemoos, T. (2024): 1000 Arten im Garten – selbst kleine Hausgärten können zur Artenvielfalt beitragen. Anliegen Natur 46(1): 63–74.
 Dominik Jentzsch
Autor

Stiftung für Mensch und Umwelt

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