Pflanzenkolumne

Die Koniferen sind tot. Es leben die Koniferen!

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In allen Größen, Formen und Farben galten sie einst als Modebäume der Nachkriegszeit, später als Sinnbild gärtnerischer Geschmacklosigkeit – Koniferen. Botanisch betrachtet zählen sie zu den Nacktsamern (Gymnospermen), meist immergrünen Gehölzen wie Kiefern (Pinus), Zypressen (Cupressus), Lebensbäumen (Thuja) oder Wacholder (Juniperus).
Baumarten Landschaftsarchitektur
Atlas-Zeder (Cedrus atlantica) und die Himalaya-Zeder (Cedrus deodara) auf einem Kinderspielplatz in Wien. Foto: Dominic Wachs

Auch heute noch leiden sie unter einem schlechten Ruf. Doch ist dieser angesichts des Klimawandels und urbaner Extremstandorte noch gerechtfertigt, wenn es doch mehrere Arten gibt, die robust, genügsam und hitzetolerant sind?

Besonders in privaten Gärten der 1960er bis 80er Jahren dominierten sie das Bild – als Sichtschutzhecken, als Ausdruck gepflegter Ordnung, als Symbol der bürgerlichen Gartengestaltung. Thuja, Scheinzypresse, Blaue Atlas-Zeder und Co. standen für Pflegeleichtigkeit und eine gewisse gestalterische Konformität. Ein Bild, das sich bis heute in so manchen Vorgärten erhalten hat.

Doch mit dem Erstarken der Umweltbewegung ab den 1970er Jahren und ihrer breiten gesellschaftlichen Verankerung in den 1980ern gerieten sie zunehmend in die Kritik: monotone Pflanzungen und geringe ökologische Wertigkeit. Heimische Laubgehölze und naturnahe Pflanzkonzepte traten an ihre Stelle. Die Konifere wurde zur Projektionsfläche eines gestalterischen und ökologischen Paradigmenwechsels – und verschwand aus dem Bild einer modernen Stadt- und Gartengestaltung.

Diese Kritik ist nicht unbegründet: Viele öffentliche und private Pflanzungen aus den genannten Jahrzehnten waren tatsächlich artenarm, gestalterisch wenig innovativ und ökologisch weitgehend unbedeutend (#cotoneasterdammeri).

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Baumarten Landschaftsarchitektur
Kupfer-Felsenbirne (Amelanchier lamarckii) gemischt mit der Wald-Kiefer (Pinus sylvestris) auf der Dachbegrünung des Toni-Areals in Zürich. Foto: Dominic Wachs

Dass Koniferen eine enorme morphologische und ökologische Bandbreite aufweisen und an städtische Standorte gut angepasst sein können, bleibt in der Debatte um klimagerechte Pflanzungen oft unerwähnt. Mit dem zunehmenden Druck durch den Klimawandel rückt eine Eigenschaft der Koniferen wieder in den Vordergrund: ihre Resilienz.

Viele Nadelbaumarten kommen mit Trockenheit, Hitze, verdichteten Böden, erhöhten pH-Werten und Luftschadstoffen besser zurecht als klassische Straßen- und Parkbäume wie Spitz-Ahorn (Acer platanoides) oder Winter-Linde (Tilia cordata). Arten wie Schwarz-Kiefer (Pinus nigra), Libanon-Zeder (Cedrus libani) oder Spanische Tanne (Abies pinsabo) stellen daher eine interessante Alternative für innerstädtische Extremstandorte dar. Städte wie Wien und Kopenhagen zeigen eindrucksvoll, wie sich Nadelgehölze gestalterisch in das urbane Grün integrieren lassen und vielfältige Baumkonzepte für ein ästhetisch ansprechendes und spannendes Stadtbild sorgen.

Gleichzeitig geraten für die Landschaftsarchitektur traditionelle und bisher als trockenheitstolerant gehandelte Nadelbaumarten unter Druck. Die heimische Wald-Kiefer (Pinus sylvestris) etwa dürfte in Zukunft vielerorts ihre sogenannte "Klimahülle" verlassen – also jene klimatischen Toleranzbereiche (Jahrestemperaturmittel, Frost- und Trockenphasen, Niederschlagsverteilung, Vegetationsperiode), in denen sie dauerhaft konkurrenzfähig bleibt und gegenwärtig noch gedeiht.

Auch ökologisch ist eine Differenzierung erforderlich: Zwar sind viele Nadelbaumarten für generalistische Tierarten weniger attraktiv, da diese meist andere Baumarten bevorzugen, doch bieten sie spezialisierten oder strukturgebundenen Arten – etwa Eulen, Meisen oder Kleibern – einen spezifischen Lebensraum. Ihre immergrüne Struktur und ihr dichter Wuchs machen sie besonders im Winter zu einem wichtigen Rückzugsort für Vögel und Kleinsäuger. Einige Singvogelarten – darunter Rotkehlchen, Zilpzalp und Buchfink – bevorzugen bei der Habitatwahl strukturreiche Mischungen aus Laub- und Nadelgehölzen. In Kombination mit einer vielfältigen, naturnahen Unterpflanzung können gezielt eingesetzte Nadelgehölze ein integraler Bestandteil biodiversitätsfördernder Pflanzkonzepte sein.

Dennoch: Eine unkritische Rückkehr zur übertriebenen Verwendung von Nadelgehölzen wäre ebenso kurzsichtig wie ihre pauschale Ablehnung. Ihr gestalterischer Wert, ihre ökologische Rolle und ihre stadtklimatische Eignung müssen wie immer differenziert betrachtet werden.

Was wir brauchen, ist keine ablehnende Haltung gegenüber Baumarten, die durch eine falsche und exzessive Verwendung in ein schlechtes Licht gesetzt wurden, sondern ein reflektierter, vielseitiger Umgang mit dem vorhandenen Potenzial. Selbst negativ behaftete Arten können einen Anlass geben, Gestaltung, Funktion und Ökologie neu zu denken.

"Die Koniferen sind tot" – das war vielleicht voreilig. "Es leben die Koniferen" – aber bitte mit Augenmaß.

Dominic Wachs

M. Sc. Dominic Wachs
Autor

Freiberuflicher Pflanzplaner, Doktorand TU Berlin

Technische Universität Berlin

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