Der Kahlenberger Waldfriedhof in Wien

Wo Gartenschriftsteller, Mönche und Fabrikanten begraben sind

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Detailansicht des Eingangstors, 2017. Foto: Christian Hlavac

Viele Einheimische und Touristen gehen die Serpentinen vom Kahlenberg, dem Wiener Hausberg, hinab, ohne den etwas versteckt am Straßenrand liegenden "Kahlenberger Waldfriedhof" zu besuchen. Dabei gehört er zu den interessantesten Friedhöfen Wiens. Der kleine "Gottesacker" der einst eigenständigen Ortschaft Josefsdorf (heute Teil des 19. Wiener Gemeindebezirks) wurde am 21. Dezember 1783 eingeweiht. Mehr als 140 Personen fanden bisher auf dem höchstgelegenen und gleichzeitig kleinsten Wiener Friedhof ihre letzte Ruhestätte. Heute haben - mit wenigen Ausnahmen - nur mehr die polnischen Patres Resurrektiones, die die nahe St. Josefs Kirche auf dem Kahlenberg betreuen und in deren Obhut seit 1906 der Friedhof steht, das Recht, auf diesem beigesetzt zu werden. Der Kahlenberger Waldfriedhof ist ein "europäischer" - im wahrsten Sinne des Wortes. So sind hier, am Rande einer europäischen Großstadt, nachweislich Menschen aus dem heutigen Belgien, aus Polen, Böhmen, Deutschland, Siebenbürgen, Ungarn, Nieder- und Oberösterreich sowie Wien begraben.

Geschichte des Friedhofes

Die älteste Ansicht des Camaldulenserklosters am Wiener Kahlenberg. Aus: Diarium oder camaldulensisches Tag-Buch. Wien 1754.

Das Grab von Charles-Joseph und Franziska de Ligne, 2014. Foto: Christian Hlavac

Die Eigentümer der Herrschaft Josefsdorf und somit des Friedhofsareals wechselten im Laufe der Jahrhunderte. Im Jahre 1628 erfolgte die Gründung eines Camaldulenserklosters am Kahlenberg durch Kaiser Ferdinand II. Mit dem Hofdekret vom 12. Jänner 1782 über die Aufhebung von Klöstern kontemplativer Orden in den habsburgischen Erblanden wurde unter Kaiser Joseph II. auch das Kloster am Kahlenberg aufgehoben. Der gesamte Besitz samt der entweihten Kirche, Camaldulenser-Eremie und Wäldern wurde vom staatlichen Religionsfond im April 1783 an Leopold von Kriegl abgegeben. Dieser verkaufte im Laufe der zweiten Hälfte des Jahres 1783 die 21 Zellenhäuser der Eremiten an private Interessenten. Die Pächter oder Besitzer der einzelnen Zellenhäuser wechselten in rascher Abfolge; unter ihnen war Charles-Joseph de Ligne, der später - wir kommen darauf zurück - am Kahlenberger Friedhof begraben wurde. Im Jahre 1789 war Kriegl nicht mehr zahlungsfähig; der Religionsfond als Hauptgläubiger holte sich den Kahlenberg wieder zurück. Das "Josefsdorf" genannte Dorf und die Kirche gingen 1795 im Versteigerungswege an das Chorherren-Stift Klosterneuburg. 1806 verkaufte dieses die Herrschaft an Josepha Traunwieser, welche 1819 an Fürst Johann I. von Liechtenstein weiterverkaufte. Im Jahre 1840 übernahm Fürst Alois II. von Liechtenstein die Herrschaft, der sie 1849 an den Wiener Schlossermeister Johann Finsterle verkaufte. Seit 1906 ist das Friedhofsareal im Eigentum der Kongregation von der Auferstehung Jesu Christi (Resurrektionisten).

Ein fürstliches Grab

Grab von Stephan Ziegler, 2017. Foto: Christian Hlavac

Grabkapelle der Familie Finsterle, um 1930. Foto: ÖNB

Zugewachsene Grabkapelle Finsterle, 2012. Foto: Christian Hlavac

Die historisch bedeutendste Person, die am Kahlenberger Waldfriedhof begraben wurde, ist Prince Charles-Joseph de Ligne (1735 Brüssel - 1814 Wien). Er stammt aus einer Reichsfürstenfamilie mit dem Stammschloss Beloeil (Wallonien), welches von 1714 bis 1794 in den Österreichischen Niederlanden lag. In Friedenszeiten lebte Ligne die meiste Zeit in Brüssel, in Paris oder auf dem Familiensitz Beloeil. Nachdem die Französische Revolution auch die Österreichischen Niederlande erreicht hatte und Österreich gegen die durch die Franzosen unterstützten Aufständischen eine Niederlage erlitt, verlor Ligne seine Besitztümer. Er übersiedelte daher im Jahr 1794 ganz in die Residenzstadt Wien. Bereits von 1790 an - bis zu seinem Tod - wohnte Ligne gelegentlich in sechs ehemaligen Zellen samt dazugehörigen Gärten der einstigen Camaldulenser-Eremie am Kahlenberg. Er nannte es sein "Refugium". Lassen wir an dieser Stelle Ligne seinen Besitz am Kahlenberg selbst beschreiben:

"In drei Viertelstunden [von Neuwaldegg entfernt] wird man vom Dörfchen durch den schönsten der Wälder nach dem Kaltenberg [Kahlenberg, Anm.] geführt. Das ist der Name eines Berges, der eine Stunde von Wien liegt, wo eine Gesellschaft die Gebäude der Karthäuser [sic!] gekauft hat. Wir sind unsrer sechs, welche diese kleine Colonie ausmachen, wo jeder eine oder mehrere solcher Zellen inne hat, die an sich selbst alle einander gleich, aber verschiedentlich ausgeziert, durch kleine Gärten von einander getrennt, und mit einer Mauer umschlossen sind, die bloß das Erdreich gegen den Abhang stützt, und in deren Ecke ich einen kleinen Tempel von zwölf kleinen, mit Fenstern geschlossenen Säulen gestellt habe, welcher mit Blech gedeckt ist und oben eine große Kugel trägt, wo alle Gesichtspuncte vereinigt sind. Dieses heißt Klein-Beloeil. In dem Refectorium jener armen Karthäuser [sic!], an deren Stelle wir getreten sind, habe ich nun ein Orangeriehaus zum Theater."

In der Nachwelt ist Ligne vor allem durch den Wiener Kongress, dessen erste Monate er als 79-Jähriger noch erlebte, berühmt geworden. Ligne prägte in Zusammenhang mit dem Kongress das berühmt gewordene, jedoch fast immer verkürzt zitierte Bonmot "Le congrès ne marche pas; il danse" oder nach anderen Quellen "Le congrès danse, il ne marche pas". In den allgemeinen deutschen Sprachgebrauch ist nur das sinnentstellende "Der Kongress tanzt" eingegangen, womit der feine Wortwitz des französischen Originals verschwunden ist. Charles-Joseph de Ligne ist aber nicht nur als Bonmot-Lieferant, Offizier, Diplomat, Philosoph, Dichter und Europa-Reisender, sondern auch als Gartenpublizist und Gartenbesitzer in die europäische Geschichte eingegangen. Festzuhalten ist, dass sein Werk "Coup d´oeil sur Beloeil et sur la plus grande partie des jardins de l´Europe" (deutsch: "Der Garten zu Beloeil nebst einer kritischen Uebersicht der meisten Gärten Europens") zu jenen zahlreichen Schriften in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gehörte, welche für die Stildiskussion bezüglich der damaligen Gartenkunst wesentlich waren.

Sein intimer Bezug zu seinem Aussichtsberg, dem Kahlenberg, kam auch nach Lignes Tod deutlich zum Ausdruck: Er ließ sich auf ausdrücklichen Wunsch am Kahlenberger Friedhof bestatten. Ligne selbst hat sich in seinem oben erwähnten Hauptwerk kritisch zur Grabmalkultur in vielen zeitgenössischen Gärten geäußert: "Mißbrauch hat man von Grabmälern gemacht, und macht ihn noch immer. Man hat Küchen, Keller, Speisegewölbe und noch geringere Verhältnisse in dergleichen Formen gehüllt. Wahre, der Traurigkeit gewidmete Denkmäler müssen nicht ins Auge fallen." Seine eigene Begräbnisstätte am Abhang des Kahlenberges entsprach somit seiner Vorstellung. Im Gegensatz zur Abgeschiedenheit seiner Grabstelle verlief sein Begräbnis am 15. Dezember 1814, das zwei Tage nach seinem Tod stattfand, mit viel Aufsehen: Um 12.00 Uhr fand die öffentliche Einsegnung des Feldmarschalls in der Wiener Schottenkirche statt. Der Trauerzug wurde - wie bei Begräbnisfeierlichkeiten von Feldmarschällen üblich - von einem schwarzen, geharnischten Ritter am Pferd begleitet. Das Begräbnis war ein gesellschaftliches Ereignis, an dem als Beobachter in der Stadt, an der Stadtmauer oder an den Fenstern Kaiser, Fürsten und Diplomaten teilnahmen, die zum Kongress nach Wien gekommen waren. Der Orientalist und spätere erste Präsident der Akademie der Wissenschaften Joseph von Hammer-Purgstall dürfte einer der wenigen gewesen sein, der den Leichenzug Lignes bis zum weit entfernten Kahlenberger Friedhof begleitete. Im Familiengrabfeld Ligne wurden später auch seine Frau Prinzessin Franzisca Xaveria Maria von Liechtenstein (1739 Wien - 1821 Wien) und seine Enkelin Sidonie (1787 Brüssel - 1828 Wien) beigesetzt.

Dass sich Charles-Joseph de Ligne auf diesem abgeschiedenen Friedhof begraben ließ, hatte nicht nur den Grund der geographischen Nähe zu seinem "Refugium" am Kahlenberg: Gegen Ende des 18. Jahrhunderts ist bei Europas Adel eine intensive Auseinandersetzung mit dem Tod und der Vergänglichkeit zu beobachten. Dem Grabmal als einem Bestandteil eines der Natur nachempfundenen Landschaftsgartens oder in der "freien" Natur kam die Rolle eines Stimmungsträgers zu. Bei der Entwicklung des Grabmals außerhalb von Friedhöfen ist jedoch auch die Entwicklung der offiziellen Bestattungsregeln zu beachten: In einem Hofdekret 1783 verordnete Kaiser Joseph II. die Verlegung der innerstädtischen Friedhöfe auf Plätze vor dem Linienwall und das sofortige Verbot aller Klöster- und Kirchenbegräbnisse innerhalb der Stadt Wien. Im Jahre 1788 erfolgte - ebenfalls durch Joseph II. - eine Lockerung dieser Bestimmung, womit die Anlage von Gräbern auch außerhalb von Friedhöfen auf Privatgrund erlaubt war, sofern diese außerhalb der Stadt lagen und die bestehenden Vorschriften respektiert wurden. Einzelgräber in "freier Natur" basierten daher einerseits auf sanitätstechnisch-hygienischen Überlegungen und dem zeitgeistigen stimmungsvollen Naturempfinden, andererseits boten sie den Adeligen durch eine Ruhestätte abseits der Städte und Dörfer eine Alternative zum josephinischen Verbot der pompösen Bestattungen in Kirchen.

Patres, eine Schönheit und ein Schlosser

Grab von Karoline Traunwieser, 2017. Foto: Christian Hlavac

Wildwuchs beim Familiengrab Ligne im August 2012. Foto: Christian Hlavac

Von 1784 bis 1882 wurden in Summe 148 Verstorbene am Kahlenberger Friedhof bestattet. Die meisten stammten aus Josefsdorf und vom nahe gelegenen Leopoldsberg. Dazu kamen in späterer Zeit nachweislich zumindest drei weitere Personen und bis dato zwölf Patres der Resurrektionisten, dessen Grabstätte von einem Salvator mundi überragt wird.

Heute umfasst das ungefähr rechteckige, rund 1300 Quadratmeter große Areal nur noch sieben Grabstellen mit Grabdenkmälern vor allem aus dem Zeitalter des Biedermeier. Begraben ist neben den drei Vertretern der Familie Ligne zum Beispiel der Seidenfabrikant Stephan Ziegler (1768 Krems - 1832 Wien). Eine schwarz lackierte Urne, über die ein Tuch drapiert ist, krönt den erhaltenen Grabstein Zieglers, dessen scharf geschnittener Kopf in einem Bronzerelief sichtbar wird. Insgesamt sind sechs Familienmitglieder in den zwei Ziegler-Grüften beigesetzt worden.

Auffällig ist die neogotische Gruft der Familie des Schlossermeisters Johann Finsterle (1811 Wien - 1855 Wien) im nordöstlichen Eck des Areals. Das Tor der Gruftkapelle wird im oberen Bereich durch eine Engelsgestalt und dem Schriftband "Grabstätte der Familie Finsterle" abgeschlossen. Im heute schmucklosen Inneren haben sich nur mehr Reste eines Freskos erhalten.

Neben Charles-Joseph de Ligne ist Maria Karolina (am Grabstein: Karoline) Traunwieser (1794 Wien - 1815 Wien) sicherlich die bekannteste hier bestattete Persönlichkeit. Sie wurde in Wien als Tochter des bürgerlichen Handelsmannes Johann Michael Traunwieser geboren. Sie galt laut dem bereits erwähnten Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall als die schönste Wienerin zur Zeit des Wiener Kongresses. Sie starb 1815 im Alter von nur 21 Jahren an Lungenschwindsucht. Hammer-Purgstall schwärmte 1811 von ihr als "wirklich himmlische Schönheit". Warum die in der Stadt Wien verstorbene Karoline auf diesem Friedhof begraben wurde, lässt sich einfach erklären: Ihre oben bereits erwähnte Mutter Josepha Traunwieser, deren Lebensdaten unbekannt sind, besaß bis 1819 die Herrschaft Josefsdorf.

Die Steinplatte am Grab von Karoline Traunwieser wurde im Herbst 1963 von der Hammer-Purgstall-Gesellschaft mit Unterstützung des Bundesministeriums für Unterricht in Granit erneuert, da die alte unleserlich geworden war. Die drei Inschriften (Dichterverse) auf der Platte konnten damals wiederhergestellt werden, weil sie einst in Franz Sartoris "Mahlerischem Taschenbuch" (Wien 1817) veröffentlicht wurden.

Unter den am Friedhof Begrabenen befinden sich auch zufällig vor Ort verstorbene Personen, wie zum Beispiel Anna Maria Bareis, die im Februar 1785 erfroren am Kahlenberg gefunden wurde. Auch Selbstmörder, wie den Seidenfabrikanten Josef Garstritt (begraben 1821), setzte man hier bei.

Nicht weit vom Grab Lignes befand sich noch 1937 ein schlichter Grabstein für die in den 1830er-Jahren verstorbenen Schwestern Franziska, Antonie und Albertine Hoßner, welche Gesellschafterinnen der Erzherzogin Maria Anna (Tochter von Kaiser Franz Stephan und Maria Theresia) waren und auf dem Kahlenberg ein Haus erworben hatten. Es ist eines von vielen Gräbern, die im Laufe des 20. Jahrhunderts unwiederbringlich verschwunden sind.

Trotz der Vorgabe, dass nur mehr die Resurrektionisten-Patres am Kahlenberger Friedhof begraben werden sollen, gibt es immer wieder Ausnahmen: Der Präsident der österreichischen Caritas Leopold Ungar lebte zeitweise im nahegelegenen Schönstattzentrum. Er fand 1992 auf diesem Friedhof seine letzte Ruhestätte. Das aktuell letzte Begräbnis war 2015 die Beisetzung des Pianisten Jaros?aw Madroszkiewicz.

Restaurierungen und Pflegemaßnahmen

Der von Sträuchern befreite Friedhof im August 2017. Foto: Christian Hlavac

Zustand des Friedhofzaunes 2012. Foto: Christian Hlavac

Das durch einen umfallenden Baum (?) zerstörte Gedenkkreuz für Charles-Joseph de Ligne, 2014. Foto: Christian Hlavac

Der Kahlenberger Friedhof samt anheimgefallenen Grabmälern steht nach Paragraph 2a (Unterschutzstellung durch Verordnung kraft gesetzlicher Vermutung) des österreichischen Denkmalschutzgesetzes unter Schutz. Die Rahmenbedingungen erschweren jedoch eine langfristige Sicherung der Grabstätten und eine sichere Begehung des Friedhofes durch Besucher: er liegt abgelegen, neue Bestattungen sind extrem selten und somit können keine Friedhofsgebühren lukriert werden, die in kontinuierliche Pflegemaßnahmen investiert werden könnten.

Alle historischen Beschreibungen und Zeichnungen sowie die ältesten fotografischen Aufnahmen vom Anfang des 20. Jahrhunderts zeigen einen Friedhof, der ringsum von Wald - dem "Wienerwald" (Grüngürtel im Westen Wiens) - umgeben ist. Vor allem aufgrund der wenigen Bestattungen - einst wie heute - und dem sich dadurch ergebenden geringen Interesse der Öffentlichkeit an diesem Friedhof sowie aufgrund der natürlichen Ausbreitung von Gehölzen verfielen manche Grabstätten, andere Areale verwaldeten. Kleine Ausbesserungs- und Reinigungsarbeiten samt Rodungen durch die Resurrektionisten lassen sich erstmals für das Jahr 1922 nachweisen. 1934 teilte ein in der Wiener Innenstadt lebender Polizeioffizier der Zentralstelle für Denkmalschutz (vormaliges und nachmaliges Bundesdenkmalamt) mit, dass "auf dem stimmungsvollen Friedhof am Kahlenberg (Josefsdorf) in letzter Zeit mutwillige Beschädigungen von Denkmälern vorgekommen sind." Im Sommer 1935 wurde von einer durch die Kongregation der Resurrektionisten eingesetzten Kommission bekanntgegeben, dass die beabsichtige Sicherung der Grabmäler 3000 Schilling kosten werde. Um den "Stimmungswert" des Friedhofes "nicht zu beeinträchtigen", sollten sich laut Zentralstelle für Denkmalschutz die Instandsetzungsarbeiten jedoch "nur auf die Sicherung der Grabmäler und des Gittertors" beschränken. Die 1935/1936 durchgeführten Baumeister- und Steinmetzarbeiten (Aufrichten der Steine, Schließen der Steinfugen, Restaurierung der Gruftkapelle) wurden nach einem Lokalaugenschein durch einen Referenten der Zentralstelle für Denkmalschutz als "zufriedenstellend" bezeichnet.

Der Zustand nach Ende des Zweiten Weltkrieges muss so schlecht gewesen sein, dass in der Nachkriegszeit Kurt Apfel, der spätere Leiter des Döblinger Bezirksmuseums, samt Familie und der in Josefsdorf wohnende Hans Danzmayr Erhaltungsarbeiten auf eigene Veranlassung durchführten. In den 1960er-Jahren nahm sich der privat gegründete "Kahlenbergverein" seiner an. Die Renovierungsarbeiten wurden im Jahr 1966 abgeschlossen. Die erste Renovierung der Grabstätte der Familie Ligne erfolgte bereits mehr als 50 Jahre zuvor. Am 2. November 1911 fand die feierliche Einweihung der im Auftrag des Militär-Maria Theresien-Ordens renovierten Grabstätte des Ordensritters Ligne statt. Bei dieser Aktion wurde auch das Sandsteinkreuz beim Grab Lignes renoviert, welches der Inschrift zufolge von Verwandten zum Andenken an den Fürsten errichtet wurde. Mit großer Wahrscheinlichkeit war ein durch einen Sturm umgefallener Baum im Jahre 2014 dafür verantwortlich, dass dieses Kreuz in der oberen Hälfte zerbrach.

Eine weitere Restaurierung des Ligne´schen Familiengrabfeldes erfolgte 2002/2003 mit Hilfe des Wiener Altstadterhaltungsfonds. Bei dieser Restaurierung ging es in erster Linie um die Einfriedung des Grabfeldes - einem von einem Eisengitter bekrönten Mauerrechteck. Die drei mächtigen Grabsteine (polierte Granitblöcke) waren - und sind auch heute noch - gut erhalten.

Ab dem Jahre 1978 wurden Spenden für die Errichtung einer neuen Einfriedung für das gesamte Friedhofsareal gesammelt. Der Kahlenbergverein, das Döblinger Bezirksmuseum und die Erste österreichische Spar-Casse standen hinter der Aktion, die nach mehreren Etappen erst im Spätherbst 1982 zum Erfolg führte: der kompletten Neueinfriedung des Kahlenberger Friedhofes. 30 Jahre danach befand sich der Zaun (54 Betonpfeiler mit Holzlatten) in einem schlechten Zustand. Zusätzlich reduzierten schnell wachsende, wild aufkommende Gehölze den Blick auf die Grabstellen und die Finsterle-Gruft. Eine deutlich sichtbare Verbesserung brachte 2014 eine Aktion der Resurrektionisten: Der Zaun wurde repariert und das gesamte Friedhofsareal von wild aufgekommenen und zu groß gewordenen Sträuchern und Bäumen befreit. Dies führte zu einem völlig neuen Raumerlebnis. Seit langer Zeit ist nun das gesamte Areal zu übersehen, und alle Grabstellen sind frei von Bewuchs zu erleben. Auch kleine Arbeiten an einigen Grabstellen wurden durchgeführt sowie ein Gedenkstein für jene Polen errichtet, die bei der Entsatzschlacht um Wien im Jahre 1683 ihr Leben verloren hatten. Jetzt müssten nur noch Renovierungsarbeiten in der Finsterle-Gruft durchgeführt werden, um einen guten Zustand dieses abgeschieden gelegenen und im wahrsten Sinne des Wortes merkwürdigen Friedhofes zu erreichen. Wie weit eine kontinuierliche Pflege der Grünanlage (Entfernung von wild aufkommenden Gehölzen und verkehrssichernde Baumpflegemaßnahmen), die auch die Grabstellen vor Schäden bewahrt, finanziert und durchgeführt werden kann, muss derzeit leider offen bleiben. Zu wünschen ist diesem "Kleinod" eine engagierte Öffentlichkeit, die sich dieses Denkmals würdigt erweist.

Literatur

Danzmayr, Hans: Der Waldfriedhof in Josefsdorf am Kahlenberg. Aufstellung der 148 Männer, Frauen, Buben und Mädchen von Josefsdorf und Leopoldsberg, die in diesem höchst gelegenen Waldfriedhof Wiens ihre letzte Ruhestätte gefunden. Wiener Katholische Akademie (Hrsg.). Wien 1984.

Hlavac, Christian: Prince Charles-Joseph de Ligne. Ein Kosmopolit des 18. Jahrhunderts und seine Wohnsitze in Wien und Umgebung. In: Nebenschauplätze. Jahrbuch der Österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des 18. Jahrhunderts, Bd. 28, S. 27-51. Verlag Dieter Winkler. Bochum 2014.

Döblinger Museumsblätter, verschiedene Jahrgänge.

Akten im Bundesdenkmalamt.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 11/2017 .

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