Zäune sind Markierung, Schutz und Trennung, aber auch Verbindung
Gardinen aus Metall und Holz
von: Dipl.-Ing.(FH) Thomas Herrgen
Grenzzäune wurden zuerst aus Holz, später aus Metall und Kunststoff errichtet, bis hin zu modernen "Zäunen" aus schlagsicherem Glas. Die historische Entwicklung des Zauns ist lange und wurde je nach Epoche und Zeitgeschmack unterschiedlich umgesetzt.
Gut eingezäunt
Seitdem Menschen begannen, Siedlungen zu bauen, gehörte die Abgrenzung zwingend dazu. Die Bewohner:innen von Zelten, Hütten und später Häusern haben ihr eigen Grund und Boden vor wilden Tieren oder Angreifern geschützt und entlang der Grenzen definiert. Die Entwicklung ging vom einfachen Flechtzaun über den Holzstaketenzaun bis zu schmiedeeisernen Kunstwerken im 19. Jahrhundert, die fast Gardinen aus Metall ähneln.
Heute ist der Zaun auch zum Designobjekt geworden; ergänzt um smarte Lösungen übernimmt er auch neue Funktionen, wie Einlasskontrollen, Türöffnungsautomatik oder Kameraüberwachung.
Gärten waren zu Beginn immer ein relativ kleines, eingezäuntes Stück Land, das vor allem vor Tieren, aber auch vor unbefugtem Betreten durch Menschen geschützt werden sollte. Das Wort "Zaun" entstand aus dem mittelhochdeutschen "zūn" (= Umzäunung, Hecke, Gehege) und aus dem altsächsischen/mittelniederdeutschen "tūn" (= Flechtzaun, Gehege, Garten). Im Mittelniederländischen wurde daraus "tuun" (= Flechtzaun, umzäunter Hof). Es hat den gleichen Wortstamm wie das zeitgenössisch niederländische "tuin" (sprich: taun), bedeutet dort aber Garten. Gleiches gilt für das englische Wort "town" (Stadt), bezogen auf die früheren Stadtmauern. Somit ist ein Garten immer etwas Umfriedetes, Eingezäuntes.
"Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und es sich einfallen ließ zu sagen, "Dies ist mein" und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der wahre Gründer der bürgerlichen Gesellschaft." (Jean-Jacques Rousseau, 1755 | Quelle: www.natur-zaun.de )
Der Erbauer eines Zauns ist somit sein Besitzer und der Zaun selbst auch ein Zeichen sozialer Klassen. Darüber hinaus werden Zaunarten entsprechend ihrer Verwendung unterschieden. Zu den Nutzzäunen gehören etwa Weide- und Gehegezäune in der Land- und Forstwirtschaft oder Stacheldraht- und Elektrozäune bei zu schützenden Einrichtungen, etwa dem Militär.
Temporäre Zäune wie der funktionale Bauzaun oder mobile Zäune, wie sie zum Beispiel bei Veranstaltungen genutzt werden, unterscheiden sich schlussendlich vom dauerhaften Zaun, wie er an Gärten und Freianlagen zu finden ist.
Deren Gestaltung, auch in Höhe und Dichte, hängt stark ab vom Sicherheitsbedürfnis der Bewohnenden und deren Wunsch nach Intimität (Schutz vor Einblicken), Rückzug und Abgeschiedenheit. Dementsprechend muss der Zaun schon durch sein Material, die Dimensionen und Abstände der Lattung eine bestimmte Stabilität aufweisen, damit er beispielsweise nicht überklettert werden kann.
Vor allem in größeren Städten aber auch auf dem Land gibt es eine Vielzahl von Zaunbauern, so Schreiner und Hersteller von Holzzäunen, Schlosser für Stahl- und schmiedeeiserne Zäune oder Anbieter von Kunststoffzäunen. Hinzu kommen Abgrenzungen aus Edelstahl, Cortenstahl, schlagsicherem Glas oder auch Gabionen. Die Welt der Zäune ist groß und vielfältig, auch was die Kosten betrifft.
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Historische Entwicklung
Frühe "Zäune" und Umfriedungen gab es schon zu prähistorischer Zeit. Doch die Geschichte des (Garten-) Zauns beginnt mit der Sesshaftwerdung des Menschen, dem Bau von Siedlungen und der Kultur der Landnutzung vor etwa 10.000 Jahren. Mit den errichteten Zäunen aus natürlichen Materialien wie Ästen, Zweigen oder Steinen wurden Felder, Äcker und ganze Dörfer umfriedet, um Wildtiere fernzuhalten.
Auch in der römischen Antike dienten Zäune zum Schutz der Zier- und Nutzgärten, sie wurden aber auch aus ästhetischen Gründen eingesetzt. Römische Gärten waren bereits kunstvoll gestaltet, mit Zäunen sollten räumliche Bereiche definiert und Privatsphäre geschaffen werden. Bei mittelalterlichen Gärten an Klöstern und Burgen wurden sie verwendet, um die darin angebauten Heilpflanzen und Kräuter zu schützen.
Relativ niedrige Einfriedungen aus Holz oder Mauern umgaben sie. In der Renaissance entstanden höfische Gärten mit kunstvollen Landschaften. Zäune wurden für ornamentale Zwecke eingesetzt und bestanden in der Regel aus Schmiedeeisen mit dekorativen Elementen.
Zur Zeit des Kolonialismus in Nordamerika errichteten Siedler Holzzäune, um das Vieh von Äckern und Feldern fernzuhalten, oder sie wurden um Siedlungen herum zum Schutz gebaut. Während der viktorianischen Ära in Großbritannien erlebten Gärten eine Blütezeit, und Zäune spielten eine wichtige Rolle bei der Gartengestaltung.
Weiße Holzzäune an Vorgärten, aber auch für die auf der Rückseite liegenden Wohngärten der Häuser waren beliebt und wurden oft mit Spitzendetails verziert. In Zentraleuropa kamen schmiedeeiserne Zäune ab den 1870-er Jahren immer mehr in Mode. Sie waren durch neue Fertigungstechniken erschwinglich geworden, sehr beliebt und prägten etwa in Frankreich (Seconde Empire 1852-1870) und Deutschland (Gründerzeit ab 1871) die Gestaltung von Gärten und Vorgärten.
Bei modernen Zäunen des 20. Jahrhunderts variierte die Materialität stark, darunter Metall, Kunststoff, Holz und sogar Beton (u.a. DDR, Ostblock). Die Funktionalität von Zäunen verlagerte sich noch mehr auf Aspekte der Sicherheit und der Privatsphäre hin.

Unterschiede nach Regionen
Je nach Lage, zum Beispiel in den Bergen, dem Breitengrad, der Nähe zu Wald, Meeren und Seen entstanden unterschiedlichste Einfriedungen und Zäune. Traditionell wurde immer mit dem vor Ort verfügbaren Material gearbeitet. Weit verbreitet, nicht nur im Alpenraum, ist der aus Holz bestehende Kreuzzaun, auch "Jägerzaun" oder in der Schweiz "Hörnlizaun" genannt.
Alle Alpenländer sind reich an Wald und so steht Holz in sehr großen Mengen zur Verfügung. Typisch für Südtirol und alle Bergregionen sind Speltenzäune. Die einzelnen Senkrechtelemente ("Spelten") werden aus gespaltenen Stämmen hergestellt und ausschließlich mit biegsamen Zweigen zusammengeflochten, ohne sonstiges Material. Ursprünglich und hauptsächlich für Weiden, Felder und Äcker entwickelt schmücken sie heute auch naturnahe Gärten, Wiesen und gestaltete Bereiche innerhalb von Ortschaften.
Ganz anders sieht es im Flachland und an den Küsten aus. In den Niederlanden schützen verdrahtete Holzstaketenzäune in den Dünen davor, dass zu viel Sand verweht wird. Dünenschutz ist ein (überlebens-)wichtiger Aspekt für das Land am Meer. Und die Menschen in den Häusern hinter den Dünen haben diese Zaunbauweise kopiert und für ihre Gärten übernommen.
Benjes und Knicks
Zäune aus Totholz-Material werden seit mehr als 40 Jahren in Norddeutschland gebaut. Die so genannte Benjeshecke (benannt nach ihren Erfindern, den Brüdern Hermann und Heinrich Benjes) besteht aus gegenüberliegenden Holzpfosten-Paaren, mit einem seitlichen Abstand von etwa zwei Metern. Zwischen die Pfosten-Paare wird Totholz, wie Astschnitt, Zweige, Reisig usw. eingesteckt, teilweise auch geflochten.
Die Benjeshecke ist somit eigentlich ein Zaun, der vor Winderosion schützen soll. Er bietet jedoch Vögeln, Siebenschläfern, Igeln, Wildbienen und anderen Tieren Unterschlupf. Sammeln sich Samen an, wird der "tote" Zaun nach und nach lebendig, eine Eigenschaft, die gut zu jedem Naturgarten auch andernorts passt.
Hingegen sind Wallhecken oder "Knicks" von Beginn an lebendige "Zäune". Die in Norddeutschland und vor allem in Schleswig-Holstein typischen Erd- und Steinwälle zwischen landwirtschaftlichen Parzellen sind bis einen Meter hoch und bis zu zwei Metern breit, teilweise auch größer. Zur Bepflanzung der Wälle holten die Bauern Sträucher aus den Wäldern der Umgebung, etwa Schlehen (Prunus spinosa), Hasel (Corylus avellana) und Hain- bzw. Weißbuchen (Carpinus betulus).
Gegen Viehbiss pflanzten sie Dornenbüsche oder Spreizklimmer wie Brombeeren (Rubus sect. Rubus), Heckenrosen (Rosa corymbifera) und nochmals Schlehdorn an die Ränder. Die Knicks sollten das Land vor Winderosion, Wild und benachbarten Weidetieren schützen. Um die Hecken schneller zu verdichten, wurden die Büsche immer wieder seitlich angeschnitten und sehr lange oder herausragende Zweige umgeknickt, so kam es zur Bezeichnung "Knicks". Innerhalb weniger Jahre entstehen dadurch dichte lebende Zäune. Im kleineren Maßstab können sie auch als Einfriedung von Gärten gebaut werden.




Zeitgenössische Designs
Die Vielzahl von Zauntypen der Gegenwart ist auf unterschiedlichste Bedürfnisse zugeschnitten und ästhetische Fragen spielen eine immer größere Rolle. Zäune sind ein wichtiger Aspekt der Gartenkultur, insbesondere bei Vorgärten mit ihren repräsentativen Funktionen. Aufgrund ihrer Stabilität überdauern Zaunanlagen oft Jahrzehnte und so ist es nicht ganz unbedeutend, sich mit ihrer Gestaltung im Zuge von Neuplanungen und Umgestaltungen zu beschäftigen.
Auch der Aspekt der Nachhaltigkeit ist gegenwärtig sehr wichtig. Umweltfreundliche Materialien, wie Holz und andere nachhaltige Bauweisen gewinnen immer mehr an Bedeutung. Das schließt recycelte Materialien, wie Kunststoffe (z.B. aus PET-Flaschen), energieeffiziente Herstellungsprozesse und Produkte ein, die sich am Ende ihrer Lebensdauer erneut recyceln lassen.
Je nach Architektur und Gartenarchitektur passen sich moderne Zäune mit minimalistischen Designs an die Gesamtgestaltung an. Klare Linien, einfache Formen und die Verwendung von neutralen Farben sind charakteristisch für zeitgenössische Gartenentwürfe und die Einfriedung. Darüber hinaus werden moderne Zäune auch als modulare Systeme angeboten, die es den Eigentümer:innen ermöglichen, die Höhe, Form, Breite und andere Eigenschaften ihres Zauns nach persönlichen Bedürfnissen anzupassen.
Moderne Zäune können auch durch innovative Designs auffallen. Dies reicht von wellenförmigen Mustern über geometrische Formen bis hin zu künstlerisch gestalteten Elementen, bei Ausführung in unterschiedlichsten Materialien. Zu einem schönen Garten gehört ein lebendiger Zaun. Bei naturnahen Gärten wird es eher der Holzzaun, zum Beispiel aus Edelkastanie sein, bei puristischen der Metall- oder Stabgitterzaun.
Zu Designgärten passt vielleicht Cortenstahl, Glas oder die schmale Gabione am besten, während funktionale Zäune aus Maschendraht (z.B. Kleingärten), Gittermatten (Spiel- und Sportanlagen) oder Kunststoff (z.B. Müllplätze mit Sichtschutz) bestehen. Zäune gibt es für jeden Geschmack, jede Anwendung und jeden Preis.
(K)ein Blick in den Garten
Neben der Markierung der Grundstückgrenzen und der Sichtbarmachung in die dritte Dimension hinein steht der Sichtschutz beim Zaunbau mit an oberster Stelle. Der Wunsch nach Privatsphäre hat die Nachfrage nach Zäunen mit Sichtschutzfunktionen erhöht. Vertikale Lamellen, undurchsichtige Materialien wie Folien, Bleche, Holzplatten und Bauweisen mit Kombinationen verschiedener Elemente werden verwendet, um neugierige Blicke zu unterbinden.
Zäune schützen bei entsprechender Bauweise auch vor Wind und Schall. Dann werden sie vollflächig dicht bzw. doppellagig mit schalldämmendem Material dazwischen errichtet. Die Fundamentierung ist bei Windschutz entsprechend höher zu dimensionieren und sie sollte von einem Statiker überprüft und berechnet werden, vor allem im Bergland und an der See wegen des höheren Winddrucks.
Moderne Zäune lassen sich auch mit Beleuchtung und Videokameras ausstatten oder integrieren intelligente Funktionen. Die so genannte Smart-Fence-Technik entstand mit der Entwicklung von Smart-Home-Technologien. Dazu können Alarmanlagen, Bewegungsmelder, automatische Tore oder Überwachungssysteme gehören, die über Smartphones gesteuert werden. Im Zeitalter der Digitalisierung ist sehr vieles möglich.



Sicherheit und Technik
Zuvor mussten sich Hausbesitzer:innen auf die Bauweise verlassen, insbesondere, dass Zäune keine Leiterfunktion hatten, die Oberseite mit Spitzen (aber nicht messerscharf) ausgestattet war und die senkrechten Zaunstäbe respektive -latten möglichst eng angeordnet waren, um das Hindurchsteigen zu verhindern. Dabei geht es auch darum zu unterbinden, dass Kinder ihren kleinen Kopf dazwischen klemmen und ihn beim Rückziehen nicht wieder herausbekommen, sich im schlimmsten Fall gar strangulieren.
Es gilt je nach regionaler Gesetzeslage, dass der Abstand maximal circa zehn bis zwölf Zentimeter beträgt. Engere Abstände sind erlaubt, größere nur dann, wenn sie wieder ausreichend breit sind. Zäune können zugleich auch Absturzsicherungen sein, wenn sie auf hohen Mauern oder an abschüssigem Gelände errichtet werden. Sie müssen dann nicht nur besonders stabil gebaut und fundamentiert werden, je nach theoretischer Falltiefe ist bei dieser Funktion eine Zaunmindesthöhe zwischen 80 und 120 Zentimetern einzuhalten. Auch dies regeln kommunale oder regionale Bauvorschriften, wie Satzungen und Landesbauordnungen, ergänzt von DIN-Normen und weiteren Regelwerken.
Wer einen (Garten-) Zaun plant oder baut und alle technischen, rechtlichen und ästhetischen Fragen von vornherein klärt und berücksichtigt, kann sich am Ergebnis durchaus mehrere Jahrzehnte lang erfreuen. Und Zäune trennen nicht nur, sie verbinden auch Nachbarn etwa beim vielzitierten Plausch über den Gartenzaun.
In Corona-Zeiten wurden Dinge wie Decken, Essen und Getränke für Bedürftige an Zäune gehängt und die Empfänger konnten sich die Sachen abholen. Auch Proteste, Unmutsäußerungen und Demonstrationen finden oft vor und an Zäunen etwa von Botschaften, Parteizentralen und ähnlichen Institutionen statt. So sind und bleiben Zäune doch auch "politisch" – leider.
Rechtliche Fragen und Antworten zu Einfriedungen, Zäunen, Grenzen usw.
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