Kommentar

Zur Lebenswertigkeit oder vor dem Abgrund?

von

Prof. Herbert Dreiseitl Foto: Lauterwasser

Durch den Hinweis eines Freundes wurde ich auf die bisher unveröffentlichten Texte der in Berlin lebenden Autorin Marica Bodroži? aufmerksam, die in einer Sendereihe des NDR Kultur Programms rezitiert wurde. Unter dem Titel "Pantherzeit" reflektiert sie in Anlehnung an ein Gedicht von Reiner Maria Rilke über die Jetztzeit der Corona-Pandemie. Sie beschreibt darin poetisch, aufrichtig und klug auch die Wirkung des Grüns in der Stadt, die wir erst jetzt in der Stille des Lockdowns zu bemerken und zu schätzen lernen.

Immer mehr Menschen werden gerade in der erzwungenen Reduktion auf die zentralen Qualitäten aufmerksam, die das Leben ausmachen. Und dazu gehören zweifelsohne die gesunde Stadt und Orte, die mit Grün verwoben sind, seien es Gärten und Parkanlagen, Dächer, Balkone, Grün in Innenräumen und an Fassaden von Gebäuden. Es ist nicht nur die Hochkonjunktur der Gartencenter und Inneneinrichtungshäuser zu beobachten, sondern auch die Besinnung auf die Straßen-, Park- und Stadtgestaltung zeigt den hohen Bedarf vieler Menschen an Grün vor der Haustür in ihrer Stadt und an ihrem Wohnort.

Die Umwelt zeigte bereits 2020 eine deutliche Erholung von den Auswirkungen menschlichen Handelns auf das Klima, auf den Artenschutz, die Biodiversität und den Erhalt der natürlichen Ressourcen. Wird davon etwas bleiben, falls die Pandemie vorübergeht? An dieser Frage werden wir mit unseren inneren Werten, Haltungen und Handlungen wie bewusste Ernährung, Reduktion oder Verzicht auf Reisen, auf luxuriöse äußere Reize und Ablenkungen an einen echten Scheideweg geführt, der noch nie in solcher Deutlichkeit bestand:

Entweder wir sehen uns in einer Opferrolle des Verlustes, verursacht durch die Pandemiebeschränkungen, die uns viele dieser Genüsse versagen und nach deren Ende vielleicht alles Vermisste nachgeholt und umso rücksichtsloser verbraucht und verlebt wird - in einer Haltung, die uns suggeriert uns wurde etwas weggenommen. Die andere Option liegt in der Besinnung, Reflexion und Verantwortung des eigenen Handelns aus Einsicht, in Freiheit und Selbstbestimmung, vielleicht auch mit neuen Erkenntnissen und einer entstandenen Geste der Dankbarkeit zu unserem Sein und in der Beachtung von allem Lebenswertem, das mit uns ist.

Die Pandemie zwingt jeden von uns zu einer inneren Stellungnahme: Entdecken wir, das was wirklich lebenswert ist, um es mit Dankbarkeit zu pflegen und zu schützen oder verfallen wir einem zwanghaften Konsum, der bekanntlich nur in den Abgrund führen kann? Damit ist die "Pantherzeit" nach Rilke auch in der Neuzeit unserer Städte und Innenwelt angekommen.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 02/2021 .

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