Die Umgestaltung des Trammplatzes in Hannover

Zurück zu den Wurzeln und Vorwärts nach Weit!

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Visualisierung des neuen Trammplatzes Abb. Landeshauptstadt Hannover, Kamel Louafi Landschaftsarchitekten Berlin

1913 erhielt Hannover ein neues Rathaus im Stil des wilhelminischen Barock samt Parkanlage (Maschpark) und repräsentativem Vorplatz, heute Trammplatz. Im Krieg wurde das Ensemble Rathaus - Bauverwaltung - Museum, das den Platz an drei Seiten einfasste, zerstört. Eine Neugestaltung des Rathausvorplatzes fand unter dem Diktat der autogerechten Stadt statt: Die Verbreiterung der tangierenden Straße Friedrichswall zum Cityring ging auf Kosten des Maschparks und des Rathausvorplatzes. 1960/61 gestaltete der damalige Leiter des Garten- und Friedhofs-amtes Erwin Laage (1920-1997) die verbliebene Fläche in der damals typischen Weise. 1987 erfolgte die Unterschutzstellung als Denkmalensemble.

Der deutschlandweit beachtete Stadtdialog HannoverCity2020+ bot 2012 die Möglichkeit, dem Rathausvorplatz nach 100 Jahren zum zweiten Mal ein neues Gesicht zu geben. Ziel war es, den Platz wieder stärker an die Innenstadt anzubinden, die Trennwirkung des Cityrings zu überwinden und eine Stärkung der südlichen Innenstadt anzustoßen.

Die Anlage der 1960er-Jahre

Anlass für die völlige Umgestaltung der historischen Anlage war die Verbreiterung der Straße Friedrichswall. Die ursprüngliche Ausdehnung des Platzes wurde durch die Vorrangstellung des Verkehrs mit dem neuen sechsspurigen Cityring um circa ein Drittel beschnitten. Einer konsequenten Ebenen- und Raumtrennung für Autofahrer und Fußgänger folgend war die Innenstadt jetzt nur durch eine Fußgängerunterführung zu erreichen. Darüber hinaus wurde der Platz um circa drei Stufen weiter abgesenkt. Damit war das Gleichgewicht zwischen Bauvolumen des Neuen Rathauses und Platzraum empfindlich gestört.

Planungsentwurf des neuen Trammplatzes. Abb. Landeshauptstadt Hannover, Kamel Louafi Landschaftsarchitekten Berlin

Der Trammplatz in seiner Gestaltung von Erwin Laage, 1960er-Jahre. Foto: Stefanie Krihning

Unter diesen Voraussetzungen entwarf Erwin Laage mit seinen Mitarbeitern 1960 den Trammplatz, so wie er sich bis Anfang dieses Jahres präsentierte. 1961 war er vollendet.

Der Entwurf sah den Trammplatz vorrangig als Versammlungsraum für größere Menschenmengen und als Bewegungsraum für Fußgänger. Am Platzrand gelegene Aufenthaltsbereiche, gegen den Verkehr zusätzlich durch Hochbeete abgeschirmt, wurden mit freibeweglichen Gartenstühlen möbliert (die später entfernt wurden).

Das Verhältnis des Platzes zu seiner Umgebung war durch eine Gestaltung charakterisiert, die Hierarchien vermeidet und unabänderlich Hervorstechendes (das Rathaus) nicht noch betont. Eine quer ausgerichtete einheitliche Musterung der Platzfläche mit variantenreichem Linienspiel sowie die asymmetrische Anordnung der wenigen raumgliedernden Elemente orientierten sich gestalterisch eher auf das moderne Kestnermuseum hin. Auch die Vegetation wurde vorrangig als "Material" eingesetzt, als flächiger Farbträger, um grafische Effekte zu erzielen, raumgliedernd und quasi skulptural. "Die Pflanzungen waren weniger für den betrachtenden Naturfreund, geschweige denn zur Kontemplation, gedacht. Vielmehr wurde mit den in ihrer Farbigkeit heiter-kühlen Kompositionen eine plakative Wirkung erzeugt", charakterisiert Erika Schmidt das Konzept.

Die städtebaulichen Einschränkungen, insbesondere der unterirdische Zugang des Platzes durch den Tunnel, wurden jedoch zu einem dauerhaften Ärgernis für die Erreichbarkeit des hannoverschen Rathauses.

Auch wurde die Laage'sche Gestaltung durch das Einbringen einer weiteren Brunnenanlage sowie mehrerer Kunstwerke und Gedenksteine, den Verlust der typischen Pflanzungen und die Vergrößerung der Baumbeete mit den Jahren verwässert. Die intensive Nutzung des Platzes als Versammlungs- und Veranstaltungsort hatten zu irreversiblen Schäden geführt, so dass er seine Funktion als "Visitenkarte" einer Landeshauptstadt kaum noch erfüllte.

Zeitgenössische Gartenkunst in historischem Kontext

Nach dem Stadtdialog HannoverCity2020+ entschied sich der Rat der Stadt für eine Neugestaltung des Trammplatzes. Auf der Basis der Dialog-Ergebnisse entwickelte die Bauverwaltung Hannover (Stadtgestalter LA Thomas Göbel-Groß) einen Vorentwurf, der - unter Erhalt von Baumveteranen, Brunnen, Freitreppe und Rathausumfahrt - stärker an die ursprünglichen Raumbezüge und Qualitäten des Trammplatzes anknüpft. Darüber hinaus lag ein besonders Augenmerk auf der barrierefreien, direkten Anbindung zur City.

Die Neuplanung setzt wieder auf eine stärkere Betonung der axialen Beziehung von Straßenraum, Platz und Neuem Rathaus - einen Ansatz, den auch die Denkmalbehörden befürworteten. Unterstützt wird die Verzahnung des Ensembles durch die Anhebung des Platzes um ca. zwei bis drei Stufen auf das ursprüngliche Niveau. Der ebenerdige Zugang zur City wird über eine neue Querung des Friedrichswalls erreicht, der unterirdische Zugang geschlossen und das "Tunnelloch" der Platzfläche zugeschlagen.

Eine flache Freitreppe über die gesamte Breite schafft vom Friedrichswall aus ein einladendes Entree zum Rathaus. An der Treppe finden sich Leuchten und Sitzblöcke, von denen man den Blick auf die Schmuckfassade genießen kann. Fünf Rampen ergänzen die seitlichen Treppen und ermöglichen mobilitätseingeschränkten Menschen den barrierefreien Zugang. Gleichzeitig gewährleisten sie die Anlieferung für Veranstaltungen. Unterirdische Anschlüsse halten die für Großveranstaltungen notwendige Technik vor.

Mit der Entsiegelung der Busspur auf dem Friedrichswall wurde bereits ein erster Schritt gemacht hin zu einer neuerlichen "Umarmung" des Trammplatzes durch den Maschpark.

Die gartenkünstlerische Durcharbeitung der Entwurfsplanungen erfolgte durch den Berliner Landschaftsarchitekten Kamel Louafi. Mit Bezug auf die reiche skulpturale Rathausfassade wird ein florales Pflastermuster aus Naturstein teppichartig auf den Platz gelegt und damit das Thema "gärtnerischer Schmuckplatz" neu interpretiert. Ornamentale Sitzmauern schützen die großen alten Bäume (Platanen, Säuleneichen) und integrieren sie zugleich in den Platz. Durch sorgfältige Wurzelsondierungen konnte frühzeitig die Lage der Starkwurzeln ermittelt und bei der Detailplanung berücksichtigt werden.

Die Kosten der Platzumgestaltung belaufen sich auf circa 2 850 000 Euro. Der Rückbau des Tunnellochs wurde im Januar 2014 begonnen, der eigentliche Platzumbau wird von Juni bis Ende 2014 erfolgen.

Nachdem eine Überplanung des Rathausvorplatzes Hannover, des Trammplatzes, öffentlich wurde, lud die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur DGGL zu einer Diskussion ein. In ihren Vorträgen legten Prof. em. Dr. Erika Schmidt, Dresden, für die Gartendenkmalpflege und Stadtgestalter Thomas Göbel-Groß als Vertreter der Stadt Hannover Ihren Blick auf die Qualitäten der 1960er-Jahre-Anlage einerseits und auf die neue Stadtplatzgestaltung für heutige Ansprüche andererseits dar.

Die Umgestaltung hat mittlerweile begonnen. Die nachfolgende Darstellung fasst die Positionen der beiden Vortragenden zusammen und kann vielleicht zu einer fachlichen Meinungsqualifizierung bei zukünftigen Entscheidungen beitragen.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 06/2014 .

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