Die Landesgartenschau Fulda 2023 – vom Kulturgarten zur Fuldaaue

Sanfte Übergänge zwischen urbanem Raum und der Natur

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Abb.1: Die diesjährige Landesgartenschau in Fulda steht ganz im Zeichen der nachhaltigen Stadtentwicklung. Das Konzept verbindet in diesem Sinne bestehende Naherholungsgebiete wie die Fuldaaue mit neu geschaffenen Parkarealen. Foto: Landesgartenschau Fulda 2.023 gGmbH

Die diesjährige Landesgartenschau in Fulda steht ganz im Zeichen der nachhaltigen Stadtentwicklung. Das Konzept verbindet in diesem Sinne bestehende Naherholungsgebiete wie die Fuldaaue mit neu geschaffenen Parkarealen, wie dem "Park überm Engelshaus", dem Kulturgarten, dem "Garten am Sprengelsrasen" oder dem Sonnengarten.

Die Gartenschau führt außerdem einzelne Stadtteile zusammen und setzt sanfte Übergänge zwischen urbanem Raum und der Natur. Auch wollen die Planer der Gartenschau aktuelle Themen wie urbane Landwirtschaft und Biodiversität aufgreifen. Dabei soll in der Fuldaaue die gewerblich-industriell geprägte Kulturlandschaft im Einklang mit dem Naturraum neu entwickelt werden. Hierbei wird gezeigt, wie verschiedene Maßnahmen gegen den Klimawandel eingesetzt werden können, wie im Rahmen des Wassermanagements oder mit der Auswahl von geeigneten Baumsorten.

Im Konzept verankert ist zudem das Anknüpfen an die Erste Hessische Landesgartenschau in 1994 und das Einbeziehen des ehemaligen Geländes rund um das Umweltzentrum. Besucher und Besucherinnen betreten die Landesgartenschau über den Haupteingang an der ehemaligen Segelhalle. Der Bereich zwischen Uferbalkon und geöffneter Landbrücke ist nicht eingezäunt und erlaubt den Gartenliebhabern einen ersten Blick in das Gartenschau-Gelände.

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Abb. 2: Eines der zentralen Areale der Gartenschau ist das Gelände um die beiden Aueweiher, das bereits ein fester Bestandteil der Fuldaer Naherholungsflächen ist. Foto: Landesgartenschau Fulda 2.023 gGmbH
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Abb. 3: Die neu konzipierte Brücke "Überm Engelshaus" erlaubt eine Überquerung für Spaziergänger und Radfahrer und schafft eine durchgängige barrierefreie Rad- und Fußwegeverbindung bis in die Innenstadt hinein. Foto: Landesgartenschau Fulda 2.023 gGmbH

Fuldaer Naherholungsgebiet: die Aueweiher

Eines der zentralen Areale der Gartenschau ist das Gelände um die beiden Aueweiher, die bereits ein fester Bestandteil der Fuldaer Naherholungsflächen sind. Da die Weiher hauptsächlich durch Grundwasser gespeist werden, haben sie derzeit keinen Durchfluss, was sich negativ auf Wasserqualität und Gewässerökologie auswirkt. Im Rahmen eines Begleitprojekts zur Landesgartenschau werden diese Weiher von der Stadt Fulda saniert, mit dem Ziel, die Wasserqualität deutlich zu verbessern.

Im Sanierungskonzept inbegriffen ist auch die Zusammenlegung der beiden Weiher, um durch die größere Wasserfläche ein besseres biologisches Gleichgewicht zu erreichen. Ergänzt wird das Weiherareal durch ein breites Holzdeck, das als Uferbalkon an der nördlichen Uferkante liegt. Dieses dient als Ruhefläche sowie Aussichts- und Beobachtungspunkt. Wasser wird hier zum Leitmotiv einer modellierten Platzfläche. Im einen Teil des Platzes fließt das Wasser aus dem Überlauf des Weihers in mehreren Rinnsalen durch eine kiesige Fläche; im anderen Teil schlängeln sich wassergebundene Wege unter neuen und alten Bäumen und zwischen Treibholz-Hochbeeten hindurch. Kinder haben im Bereich des Nord- und Süd-Ufers die Möglichkeit zum Spielen.

Die LGS Fulda verzichtet in 2023 auf Wassermanagement-Systeme. Dafür gilt in diesem Jahr eine spezielle Leitlinie, die darin unterstützt, ähnlich wie in 2022 angepasst und sparsam zu wässern: Die LGS erhielt die Genehmigung, für die Bewässerung der Neu-Pflanzungen Wasser aus dem Aueweiher ableiten zu dürfen. Im Rahmen eines Stufenplans werden einerseits die neu gepflanzten Bäume, Sträucher und Stauden und alle gärtnerisch gestalteten Flächen bewässert. Bei besonderer Wasserknappheit würden untergeordnete Wiesenflächen nicht mehr gewässert, danach alle anderen Hochgrasflächen. Sollte dies nicht ausreichen, wird letztlich auch auf die Bewässerung der Rasenflächen verzichtet.

Das Herzstück der Gartenschau

Die Gartenschau legt den Fokus auf das sinnliche Wahrnehmen der Natur. Mit allen Sinnen, wie schauen, riechen, schmecken, und (wohl-)fühlen soll die Natur wahrgenommen werden. Neben kunstvollen Blumenschauen kommen die Besucher daher auch in den Genuss von regionalen gastronomischen Spezialitäten. Bereichert wird das Programm von kulturellen Genüssen, wie Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen und Comedy, die sich mit aktivem Spiel und Spaß auf der Veranstaltungsfläche abwechseln.

Das Besondere in Fulda ist, dass sich vom Gelände der Gartenschau immer wieder ein Panoramablick auf die Stadt entfaltet. Im Zuge der Landesgartenschau wurden neue Parkareale geschaffen, die die Innenstadt künftig mit den Grünflächen verbindet. So wird der "Der Park überm Engelshaus" - der Name begründet sich auf dem alten Namen der Gemarkung - als ein neuer Parkteil geschaffen, um den "Garten am Sprengelsrasen" über den Stadtteil Neuenberg mit der Innenstadt zu verbinden. Zwischen diesem neuen Parkareal und dem Tiergarten liegt eine Hohle, die durch die neu konzipierte Brücke "Überm Engelshaus" eine Überquerung für Spaziergänger und Radfahrer erlaubt und eine durchgängige barrierefreie Rad- und Fußwegeverbindung von der Galerie bis in die Innenstadt schafft. Auch von diesem Panoramaweg aus ist die Silhouette der Stadt gut zu sehen.

Der Garten am Sprengelsrasen verbindet Tiergarten und Landwirtschaft. Dieser neu geschaffene Grünzug schließt die Lücke zwischen der "Bastion", dem Ende einer Grünanlage im Stadtteil Galerie und dem Tiergarten Fulda. Auf der vormaligen landwirtschaftlichen Fläche werden landschaftsgerechte Elemente der Freiraumplanung genutzt, um eine Parkanlage zu schaffen, die den Naherholungswert des Tiergartens erweitert und bis an den Stadtteil Galerie heranführt. Die Verzahnung zwischen Alt und Neu, zwischen dem neuen "Garten am Sprengelsrasen" und dem "Park an der Bastion" wird in der Planung durch ein Wiesen- und Aktionsband dargestellt, ein circa 12 Meter breites Band, in dem Attraktionen, wie Spielareale oder Picknickplätze liegen. Es erstreckt sich auf einer Länge von fast 200 Metern, vom Eingangsgebäude des Tiergartens bis in den alten Park an der Bastion.

Die Landesgartenschau gliedert sich in vier einzelne themenbezogene Areale auf: dem Wassergarten, Kulturgarten, Sonnengarten und Genussgarten. Das Pflanzenkonzept aller Bereiche stammt von Heuschneider Landschaftsarchitekten.

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Abb. 4 Der Geländeplan der LGS Fulda. Abb.: Landesgartenschau Fulda 2.023 gGmbH
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Abb. 5: Obst- und Gemüseanbau sowie Landwirtschaft sind Themen der Landesgartenschau in Fulda. Foto: Landesgartenschau Fulda 2.023 gGmbH

Im Wassergarten dominiert eine fernwirksame flächige Pflanzung, die im Frühjahrsflor in leuchtenden Farben strahlt mit Tulpen, Erysimum, Bellis, Myosotis, Ranunkeln und Viola cornuta. Der Sommerflor ist in leuchtenden warmen pink-orange-gelb Tönen gehalten, mit Dahlien, Cosmos, Zinnien, Ipomea, Löwenmäulchen, Lobelien und Verbenen.

Die Wege sind im Wechselflor gehalten, mit einer leuchtenden Pflanzung in rhythmischer Gliederung. Beim Frühjahrsflor dominieren die Farben von Tulpen, Erysimum, Bellis und Viola cornuta. Im Sommerflor sind es Dahlien, Cosmos, Zinnien, Ageratum, Ipomea und Fenchel.

Um das Bleichhäuschen ist eine Picknickwiese in einer fröhlich anmutenden Mosaikpflanzung angelegt. Der Frühjahrsflor strahlt wiederum in leuchtenden Farben, locker gruppiert, mit Tulpen, Erysimum, Lunaria und Viola cornuta; der Sommerflor mit Fenchel, Verbena bon, Dahlien, Cosmos, Zinnien, Ageratum und Ipomea.

Im Genussgarten unterstützen in die Ferne leuchtende Wechselflorbänder bei der Orientierung durch den Park. Der Frühjahrsflor greift die Logofarben (gelb und hellblau, umgebender Rasen als grün) mit Tulpen, Viola cornuta, Myosotis, Erysimum auf. Der Sommerflor ist im Farbverlauf gelb, hellgrün und hellblau gehalten, mit Zinnien und kleinblütigen Tagetes. Hellgrün schimmern Dill, Ipomea batatas und Phalaris 'Pure Gold'. Zum Blau tragen Angelonia ang., Cynoglossum amabile sowie Delphinium 'Cheer Blue' bei.

Auch der Kulturgarten ist in wegebegleitendem Wechselflor gehalten und zeigt eine leuchtende Pflanzung mit rhythmischer Gliederung. Hier wird die von A24 geplante Wiesenidee aufgegriffen und jeweils monochrom umgesetzt, dabei wird jeweils die Farbe übernommen, die sich im angrenzenden Staudenbeet dauerhaft entwickeln wird. Im Frühjahrsflor sind Tulpen, Myosotis, Bellis und Viola wittrockiana+cornuta zu sehen, im Sommerflor Lavatera trimestris, Löwenmäulchen, Zinnien, einfache Dahlien, Sommerastern, Bartnelken und Gomphrena.

An bestimmten Plätzen widmet sich die Pflanzung unterschiedlichen Themen: um den Holzsteg wachsen so beispielsweise niedrige robuste, bodendeckende Pflanzen (Erigeron karvinskianum, u. a.), die gelegentlichen Tritt vertragen, sowie seitlich hohe Sichtschutzpflanzen, um einen eigenen Raum zu schaffen. An den Trampolinen wurden sehr hohe Blütenpflanzen gesetzt, die den Ansporn geben sollen, auch hoch zu hüpfen. Die Hängematten sind von zarten, sich leicht bewegenden Gräsern und zierlichen Pflanzen wie Stipa tenuissima umsäumt. Die Tischtennis-Plätze werden von einer Mischung von pomponartigen Blüten umgeben, mit Dahlien, Mutterkraut, Zinnien und Panicum virg. 'Ponytails'.

Der Sonnengarten bildet sich aus einer artifiziellen Hügellandschaft mit Wiesenansaat und einer Streuobstwiese. Hier laufen farbintensive Beete an den Bänken zusammen. Auch hier ist der wegebegleitende Wechselflor ist in einer fröhlich leuchtenden Pflanzung mit rhythmischer Gliederung gehalten. In der wiesenhafte Mischpflanzung dominieren Bauerngartenpflanzen, wie niedrige Tulpen, Kaiserkronen, Erysimum und Viola cornuta mit Myosotis im Frühjahrsflor und eine überwiegend gelb-orangefarbene Farbmischung mit Zinnien, Lavatera, Dill und kleinen Mengen Centaurea cyanus im Sommerflor.

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Abb. 6: Die einzelnen Gartenareale der LGS Fulda. Abb.: Landesgartenschau Fulda 2.023 gGmbH

Gemeinsame Baumpflanzaktion

Darüber hinaus steht auch die Klimaproblematik auf der Landesgartenschau im Mittelpunkt. Angeregt von der Initiative dreier Fuldaer Schülerinnen hat die Stadt Fulda gemeinsam mit der Landesgartenschau gGmbH unter dem Motto "Fulda Klima braucht Dich" eine große Baumpflanzaktion gestartet. Insgesamt sollten 2023 Baumsetzlinge in Fulda und Umgebung gepflanzt werden, um so einen Beitrag zur Reduzierung von CO2 in der Luft zu leisten.

Das Fachteam der Landesgartenschau kümmerte sich um die Bestellung geeigneter Setzlinge. Gesucht waren einheimische, mittelgroße Baumarten, die im mitteleuropäischem Klima auch künftig gut gedeihen oder Arten, die gerade beginnen, bei uns heimisch zu werden, wie Baumhasel, Hainbuche, Edelkastanie, Elsbeere, Stieleiche, Speierling, Eberesche, Buche, Feldahorn oder Feldulme. Insgesamt wurden 2023 Baumsetzlinge an mehr als 300 Familien, Schulen, Kitas, Unternehmen und Organisationen aus Fulda und der Region verteilt, die diese dann selbstständig gepflanzt haben.

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Abb. 7: Eine Woche lang wird in Fulda die Dahliensymphonie gefeiert. Foto: Landesgartenschau Fulda 2.023 gGmbH
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Abb. 8: Die Gäste der 7. Hessischen Landesgartenschau in Fulda können sich auf jahreszeitlicheSchauen, die Landesmeisterschaft der Floristen und die Präsentation von Exoten freuen. Foto: Landesgartenschau Fulda 2.023 gGmbH

Christopher Ernst gestaltet Blumenschauen

Ein weiterer Schwerpunkt der Gartenschau sind zwölf Blumenschauen im Genussgarten, die der amtierende Deutsche Meister der Floristen, Christopher Ernst aus dem thüringischen Kindelbrück verantwortet. Im Fokus seines Konzepts steht unter anderem Nachhaltigkeit, denn eine schöne Gestaltung schließe Ressourcen sparen nicht aus, wie Christopher Ernst erläutert. Daher hat er bei der Logistik Einsparungen vorgenommen, auf Kunststoffmaterial verzichtet und statt Einweg- Mehrweggefäße bei der Anlieferung verwendet.

Dem Thema Klimawandel widmet der Thüringer besondere Beachtung. Immer wieder lenkt er die Aufmerksamkeit der Betrachter seiner Werke auf Pflanzen, die höheren Temperaturen standhalten können. Für die heißen Sommermonate fallen etwa Blumen wie Dahlien aus, die für hohe Temperaturen in einer Halle ungeeignet sind. In den insgesamt zwölf Blumenschauen im Genussgarten sind in der Zeit vom 27. April bis 8. Oktober Schauen mit folgenden Mottos zu sehen: Blütenerwachen, Orchideenwelten, Rosenträume, Blumentheater und Gartenzauber. Weitere heißen Farbexplosion, Wasserspiel, Urlaubsfieber, Fernweh oder Genussreise.

Das Berliner Büro A24 Landschaft war der 1. Preisträger in einem internationalen Wettbewerb. Allerdings sind zentrale Punkte des Plans der Landschaftsarchitekten nicht verwirklicht worden. So wurde der Städtebauliche Entwurf von A24 Landschaft und yellow z, die Stadt an die Fuldaaue heranzuführen, nicht weiterverfolgt und damit die Chance einer langfristigen städtebaulichen Entwicklung vertan. Zudem wurde die Oberflächengestaltung einer Betonrampenanlage nicht umgesetzt, wodurch die Rampenanlage recht wuchtig wirkt. Der Südsteg als Abschluss des Aueweihers wurde nicht umgesetzt aufgrund nicht erfolgter Kampfmittelberäumung. Eine weitere nicht realisierte Idee war die Austrittsstelle des Krätzbaches in den offengelegten Fuldakanal als besonderen Ort zu gestalten.

Für die Landesgartenschau steht insgesamt ein Budget (Investitionshaushalt) in Höhe von 16 Millionen Euro zur Verfügung, darin enthalten sind 3,4 Millionen als Zuschuss vom Land Hessen. Die restliche Summe trägt die Stadt Fulda. Die Organisatoren rechnen mit 500.000 bis 600.000 Besucherinnen und Besuchern.

Dr. Andrea Brill
Autorin

Brill PR

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