Bewegung und Begegnung im Freiraum

alla hopp!

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Landschaftsarchitektur
1 Teilbereich Modul 1; Bewegungsparcours für "Jedermann". Foto: Jonas Roth; 07/2018; Hemsbach

Im Rahmen der Förderaktion alla hopp! der Dietmar Hopp Stiftung wurden zwischen 2014 und 2017 in insgesamt 19 Städten und Gemeinden in der Metropolregion Rhein-Neckar Spiel- und Sport-Anlagen geschaffen. Sie sind 7000 bis 18.000 Quadratmeter groß.

Ziel des Programms war es, für alle Altersgruppen Bewegung und Begegnung zu fördern. Das dahinterstehende Credo lautet: "Bewegung fördert die körperliche und geistige Fitness. Gemeinsames Sporttreiben macht Spaß und stärkt den sozialen Zusammenhalt"¹. Das Förderprogramm beinhaltet zwei für die Freiraumplanung aktuelle Aspekte, die zukünftig an Bedeutung gewinnen werden: zum einen das Thema Bewegung im Freiraum, ein Aspekt der heute schon für viele Menschen wichtig ist. Er korreliert mit einem wachsenden Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung. Zum anderen der Aspekt der generationsübergreifenden Nutzung und der sozialen Begegnung im Freiraum. Aspekte, deren Bedeutung mit zunehmender gesellschaftlicher Differenzierung an Bedeutung gewinnen werden.

Im Masterstudiengang Landschaftsarchitektur der Hochschule Geisenheim wurden daher im Rahmen eines Forschungsmoduls exemplarisch anhand zweier ausgewählter Beispiele, der alla hopp! - Anlagen in Hemsbach und Bürstadt diese beiden Aspekte genauer beleuchtet. Mit empirischen Methoden² wurde untersucht, welche Angebote besonders interessant sind und zur Bewegung motivieren und inwiefern die Angebote soziale Begegnung - auch zwischen den Generationen - fördern. Beide Anlagen wurden vom Landschaftsarchitektur Büro Schelhorn geplant und realisiert.

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2 Teilbereich Modul 2; Kinderspielplatz für die Jüngsten – bei jedem Wetter. Foto: Grit Hottenträger; 08/2019; Bürstadt

Beschreibung der alla hopp!-Anlagen

Jede Anlage ist mit drei bis vier altersspezifischen Bereichen, sogenannten Modulen, ausgestattet, die durch ihre unterschiedlichen Angebote und Ausgestaltung die verschiedenen Altersgruppen zur Bewegung animieren sollen.

Das Modul 1 beinhaltet einen "Bewegungsparcours für Jedermann". Hierbei sollen ausgewählte Geräte, die Beweglichkeit, Koordination, Ausdauer und Kraft von Erwachsenen unterschiedlichen Alters stärken.

Im Modul 2, der "Kinderspielplatz für die Jüngsten - bei jedem Wetter", werden Spielmöglichkeiten in Form von Sandspielbereichen und bespielbaren Elementen aus Naturmaterialien, die die Sinneswahrnehmung und Bewegung von Kindern bis ca. sechs Jahre fördern, angeboten. Das Konzept von alla hopp! sieht in diesem Modul einen Pavillon vor, der Witterungsschutz und Sitzgelegenheiten anbietet.

Das Modul 3, ein "naturnaher Spiel- und Bewegungsplatz für Schulkinder", soll Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und zwölf Jahren ausreichend Raum für freies und kreatives Spiel bieten. Ausstattungselemente zum Klettern, Balancieren und Hangeln sollen die Motorik und Beweglichkeit schulen.

Das Modul 4 ist optional und wurde nur bei ausreichender Fläche durch Bewegungs- und Sportangebote für Jugendliche realisiert. In Hemsbach erfolgt dies über die sog. "Muckibude", eine Zusammenstellung aus Kraftsportelementen. Ortsansässige Sportgruppen und Jugendliche beteiligten sich im Planungsprozess bei der Gestaltung dieses Moduls.³

Wegeführungen mit unterschiedlichen Materialien verbinden die einzelnen Module, Geländemodellierungen gliedern den Raum. Ergänzt werden die Angebote durch eine Vielzahl variierender Sitzmöglichkeiten und einer Sanitäranlage.

Positive Resultate

Die beiden untersuchten Anlagen wurden sehr gut von Kindern und Familien angenommen, wobei die Beliebtheit und Präferenzen für die einzelnen Angebote zum Teil recht unterschiedlich waren. Positive Erkenntnisse der Untersuchung beziehen sich vor allem auf die gemeinsame Nutzung mancher Geräte, sowohl von Gleichaltrigen, als auch von unterschiedlichen Altersgruppen. Vor allem die Anordnung und Kombination mehrerer Ausstattungselemente animieren zu Bewegungs- beziehungsweise Spielabläufen.

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3 Teilbereich Modul 4; Bewegungsplatz für jugendliche Sportler. Foto: Jonas Roth; 07/2018; Hemsbach
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4 Teilbereich Modul 4; "Muckibude". Foto: Jonas Roth; 07/2018; Hemsbach

Bodentrampoline

So beispielsweise bei der Standortwahl und Anordnung der Bodentrampoline: Durch die Verteilung der Trampoline können Kleinkinder, Schulkinder und Jugendliche die Trampoline gleichzeitig und auf ihre eigene Art nutzen. Sie sind so angeordnet, dass sie Bewegungsabläufe und kreative Nutzungen anregen. Neben der eigentlichen spielerischen Verwendung wurden sie auch als Liegeflächen von Kleinkindern, Schulkindern und Jugendlichen genutzt. Ebenso krabbelten Kleinkinder auf dem Trampolin, während die Elternteile mit ihrem Körpergewicht das Trampolin in Schwung versetzten. Schulkinder traten häufig nahezu wettbewerbsartig gegeneinander an und dokumentierten Sprungabfolgen mit der Smartphone-Kamera. Durch die paarweise Anordnung der Trampoline konnten Personen nicht nur zeitgleich die Trampoline nutzen, es wurde auch Anreiz geboten, beide Trampoline in einen einzigen Sprung einzubeziehen, wodurch sich eine Erweiterung der Nutzungsmöglichkeit für dieses Gerät ergab.

Trampoline, die weniger exponiert platziert waren, wurden von weiblichen Schulkindern vermehrt für Tanzchoreografien genutzt, einem typischen Verhalten von Mädchen4. Auch die Kombination eines Labyrinths mit einem Trampolin ermöglicht eine interessante Spielvariante, da durch Hüpfen die Struktur des Labyrinths überblickt werden können.

Schaukeln

Ähnlich wie mit den Trampolinen verhält es sich mit der Auswahl und Anzahl der Schaukeln. Die Schaukelabläufe durch Doppelschaukel, Nestschaukel oder Tampenschaukel in Bürstadt oder die extra-hohen Schaukelgruppen in Hemsbach bieten die Möglichkeit, gemeinsam oder aber unabhängig voneinander parallel zu schaukeln und bilden einen "spielerischen Treffpunkt" für Freundesgruppen der Altersklassen Schulkinder bis junge Erwachsene. Schaukeln mit Sitzflächen, die für Erwachsene oder mehrere Personen ausgelegt sind, wurden von Familiengruppen gemeinsam genutzt. Dabei kamen Personen unterschiedlichen Alters immer wieder in einen kommunikativen Austausch mit fremden Personen. Die Schaukeln werden so zu beweglichen Sitzelementen, auf denen sich mehrere Personen miteinander unterhalten können, während sie gleichzeitig schaukeln.

Das Familienkarussell ist gerade unter dem Aspekt der Barrierefreiheit ein sehr großer Zugewinn für das generationsübergreifende Konzept. Kinder wie Erwachsene nutzen das Karussell gemeinsam spielerisch. In Hemsbach, wie auch in Bürstadt kann das Karussell als menschenverbindendes Element gesehen werden.

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5 Schaukeln für Kinder und Erwachsene. Foto: Grit Hottenträger; 08/2019; Bürstadt
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6 Familienkarussell. Foto: Grit Hottenträger; 08/2019; Bürstadt

Die alla hopp! -Geräte Mikadowald, Trailtreppe, Zimbelwald, Summstein und Spiegelwand werden vergleichsweise kaum angenommen. Der Mikadowald erfährt hierbei noch die interessanteste Nutzung, da er zum einen - überwiegend von Jungs, Jugendlichen und jungen Erwachsenen - zum Kräftemessen genutzt wird und zum anderen von Mädchen als Turngerät. Im U3-Bereich ist die Kombination von Wasser und Sand sowohl in Bürstadt als auch in Hemsbach ein absoluter Publikumsmagnet für Kinder bis zehn Jahre. Rasenhügel und modellierte Wege aus verschiedenen Bodenbelägen bieten eine spannende Alternative zu barrierefreien Wegen und sind nicht nur bei Kindern beliebt.

Sitzgelegenheiten

Auch Sitzgelegenheiten können bewegungs- und spaßfördernd sein. Die variierende Gestaltung in Ausprägung und Höhe der Sitzgelegenheiten können unterschiedliche Verweilbedürfnisse verschiedener Altersklassen befriedigen. Erhöhte Sitzbänke, welche Jung und Alt zum Teil vor Herausforderungen stellen, bieten eine gut funktionierende Ergänzung zu den herkömmlichen Sitzgelegenheiten. Die Beschattung dieser ist ebenso von Bedeutung für die Nutzer*innen, wie auch die Ausrichtung. Die Möglichkeit Anderen bei der Nutzung der Anlage zuschauen zu können, fördert nicht nur Begegnung mit Fremden und die Teilhabe an Gemeinschaft, sondern animiert zugleich, sich ebenfalls sportlich oder spielerisch zu betätigen. Besonders bei Senior*innen stößt die Vielzahl an Sitzmöglichkeiten auf dem Areal auf positive Resonanz. Die Varianz und Vielzahl an Sitzmöglichkeiten bietet auch Rückzug und Erholung. Gerade Familiengruppen nutzen Picknick-Tischgruppen als "Platz der Gruppe", an dem die Kinder nach dem Toben wieder auf ihre Familie treffen und gemeinschaftlich die vorbereiteten oder am Kiosk erworbenen Speisen und Getränke genießen.

Kostenfreie Toilette, Trinkwasserspender, Kiosk, W-Lan

Bei den Befragungen wurde die kostenfreie Toilette wie auch der Trinkwasserspender als sehr wichtig eingestuft. Diese Einrichtungen ermöglichen eine längere Aufenthaltsdauer. Ein in der Nähe befindlicher Kiosk beziehungsweise Cafés sind ebenfalls positive Einrichtungen. Durch sie konnten eine größere Heterogenität der Nutzer*innengruppen geschaffen werden: so gibt es beispielsweise Kaffee und Kuchen für Senior*innen, Getränke für Afterwork-Zusammenkünfte, und Geburtstagsangebote für Kinder. Positiv ist auch das Angebot von kostenfreiem W-Lan, wodurch die Kommunikation über die Anlage hinaus stattfinden kann. So konnten neben Jugendlichen häufiger Migranten beim Telefonieren in den Anlagen beobachtet werden. Dadurch besteht die Möglichkeit andere Kulturen wahrzunehmen, was zu gegenseitiger Akzeptanz und Toleranz führen kann.

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7 Sitzgelegenheiten. Foto: Grit Hottenträger; 08/2019; Bürstadt
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8 Trailtreppe. Foto: Jonas Roth; 07/2018; Hemsbach

Regen- und Sonnenschutz

Laut Befragungen und Beobachtungen sind der Regen- und Sonnenschutz, gerade im U3-Bereich, den Besucher*innen sehr wichtig. Kurzanhaltende Regenschauer können so überdauert werden. Fitnessgeräte und Klettermöglichkeiten werden in den Befragungen allgemein als bedeutsam angesehen, auch wenn in Hemsbach die Nutzung der Kletterwand auf Kinder beschränkt ist. Die Fitnessgeräte wurden in der Praxis in den wenigsten Fällen von Erwachsenen sportlich genutzt.

Resümee

Das Konzept der alla hopp!-Anlagen geht davon aus, dass die Nutzer*innen das Risiko selbstständig einschätzen und die Geräte und Ausstattungselemente eigenverantwortlich nutzen. Dadurch wird Mut und Selbstvertrauen gestärkt und die Anlage bleibt für Besuchender*innen länger reizvoll. Die Risikobereitschaft der Nutzer*innen wird durch neue Herausforderungen aktiviert, beispielsweise durch höhere Einbauten oder verschiedene Schwierigkeitsstufen. Durch sogenannte Einstiegsfilter wachsen die Kinder mit der Anlage und ihren Herausforderungen. So bleibt der Spielbereich für einen längeren Zeitraum für sie spannend.

Insgesamt ergaben die Befragungen der Besucher*innen der beiden Anlagen eine große Zufriedenheit mit dem Angebot der Module und der Auswahl an Geräten sowie der Gestaltung. Die Angebote der alla hopp!-Anlagen zielen vorrangig auf Bewegung und auf die spielerische Förderung von Kleinkindern und Schulkindern ab. Auch für Familien sind die alla hopp!-Anlagen attraktiv und werden gerne als Ausflugsziel genutzt.

Anmerkungen

1 alla-hopp.de/team-alla-hopp/das-team/.

2 182 Interviews mit Besucher*innen (155 Erwachsene und 27 Kinder), Experteninterviews, teilnehmende Beobachtungen und Kartierungen bei ausgewählten Modulen.

3 Insgesamt wurde bei dem Projekt sehr viel Wert auf Partizipation gelegt.

4 Insgesamt konnten immer wieder gendertypische Verhaltensweisen bei Mädchen und Jungen, wie auch Frauen und Männern beobachtet werden.

Prof. Dr. Ing. Grit Hottenträger
Autorin

Hochschule Geisenheim, Zentrum für Landschaftsarchitektur und Urbanen Gartenbau

M. Sc. Jonas Roth
Autor

Freiraumplaner und Meister im Garten- und Landschaftsbau

M. Sc. Lukas Weber
Autor

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Hochschule Geisenheim University

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