Ergebnisse eines Schweizer Forschungsprojektes

Gesundheitsförderung in Landschaftsentwicklungskonzepten

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Ästhetisch wertvolle, landwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaften sind Naherholungsräume mit Potenzial für Gesundheitsförderung. Foto: Reto Hagenbuch

Forschungsresultate unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen bestätigen den positiven Zusammenhang zwischen Landschaft und der Förderung der menschlichen Gesundheit. Inwiefern wird dieser Zusammenhang bereits in vorhandenen Konzepten und Planungsinstrumenten der Landschaftsentwicklung berücksichtigt? Dieser Frage ging ein Forschungsprojekt der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der Hochschule Luzern (HSLU) nach.

Die Erkenntnisse hinsichtlich der gesundheitlichen Risikofaktoren in der Landschaft wie zum Beispiel Lärm, schlechte Luft, Einschränkung des Bewegungsraumes oder soziale Isolation fließen bereits heute in Konzepte der Landschaftsplanung und -gestaltung ein. Allerdings weisen Abraham et al. (2007) darauf hin, dass die meisten Interventionsansätze auf die Reduktion und Eindämmung krankmachender Umweltfaktoren fokussieren. Obwohl die Fachliteratur zur gesundheitsfördernden Wirkung von Landschaft (Schutzfaktoren) bei weitem nicht so ausführlich ist wie diejenige zu gesundheitsgefährdenden Aspekten (Belastungsfaktoren), gibt es seit einigen Jahren eine zunehmende Anzahl wissenschaftlicher Studien, die zeigen, dass das Wohnen in Städten und städtischen Agglomerationen nicht zwangsläufig gesundheitsschädigend ist. Ins Zentrum des Interesses rücken dabei auch Aspekte der Gestaltung von Grünanlagen und von Kulturlandschaften.

Studien, die darauf abzielen, wie diese Erkenntnisse in der Planungspraxis umgesetzt werden können, fehlten bislang aber weitgehend. In der heutigen Landschaftsplanung und -entwicklung wird den Aspekten der Gesundheitsförderung - im Sinne von Stärkung der Schutzfaktoren - kaum Bedeutung beigemessen beziehungsweise gezielt berücksichtigt.

Mit dem Planungsinstrument Landschaftsentwicklungskonzept (LEK) steht der Landschaftsplanung jedoch ein Instrument zur Verfügung, das sich in der Praxis aufgrund des prozessorientierten und interdisziplinären Ansatzes für die nachhaltige Landschaftsentwicklung von Gemeinden und Regionen bewährt hat. Im Rahmen eines Forschungsprojektes am Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der ZHAW ist nun in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Prävention/Gesundheitsförderung der HSLU analysiert worden, inwiefern gesundheitsfördernde Aspekte berücksichtigt werden, beziehungsweise hinsichtlich welcher Aspekte das Planungsinstrument LEK allenfalls ergänzt werden könnte. Hierfür wurden die beiden Dokumente Werkzeugkasten LEK (HSR 2002) und das LEK der Gemeinde Cham (LEK Cham 2005) exemplarisch beigezogen und mittels qualitativer Inhalts-analyse basierend auf einem theoriegeleiteten Kategoriensystem untersucht. Die Studie wurde als Teil der europäischen Forschungsinitiative COST Aktion 866 Green Care in Agriculture durchgeführt und vom schweizerischen Staatssekretariat für Bildung und Forschung (SBF) finanziert.

Als Basis für die gesundheitsfördernde Wirkung einer Landschaft sollen im Rahmen eines LEK angenehme Landschaftserlebnisse konzipiert und umgesetzt werden. Die explizite Berücksichtigung von Erlebnissen ephemerer Erscheinungen (beispielsweise von Jahreszeiten und Wetterphänomenen), landschaftlicher Naturnähe und Vielfalt sind dabei wichtige Aspekte. Foto: Reto Hagenbuch

Die inhaltsanalytische Untersuchung hat ergeben, dass zahlreiche Aspekte der Gesundheitsförderung bereits heute Bestandteil von LEKs sind und in der Landschaft umgesetzt werden (unter anderem Landschaftsbild, Erholung, naturnahe Gestaltung). Dies geschieht jedoch ausdrücklich nicht vor dem Hintergrund der Gesundheitsförderung. Darüber hinaus hat die vorliegende Studie auch Aspekte identifiziert, die in heutigen LEKs fehlen oder zu wenig stark berücksichtigt werden, welche jedoch hinsichtlich der gesundheitsfördernden Wirkung einer Landschaft wichtige Funktionen übernehmen (unter anderem soziale Interaktionen, Spaziergangsnutzung, kulturelle Aspekte, ephemere Erscheinungen). Mittels einer gezielten und bewussten Berücksichtigung bestehender Synergien und der Integration zusätzlicher Aspekte, kann die gesundheitsfördernde Wirkung einer Landschaft erhalten und gesteigert werden. Des Weiteren dürfte in der Anwendung des Planungsinstruments LEK ein Paradigmenwechsel nötig werden: Das bisher geltende Primat der ökologischen Aufwertung ist zu Gunsten einer stärkeren Verknüpfung von Zielen einer nachhaltigen Landschaftsentwicklung und gesundheitsfördernden Landschaftsqualitäten aufzuweichen.

Der soeben veröffentlichte Projektschlussbericht (Hagenbuch et al. 2011) fasst das Projekt zusammen. Insbesondere werden darin Handlungsempfehlungen und Umsetzungsvorschläge präsentiert, mit welchen in Zukunft Aspekte der Gesundheitsförderung explizit in LEKs einbezogen und dadurch gezielt berücksichtigt werden können. Insbesondere ist es auf der Basis dieser Studie möglich, gesundheitsfördernde Entwicklungsziele und -maßnahmen für eine Agglomerationslandschaft zu formulieren und so die Nutzung des gesundheitsfördernden Potentials zu optimieren.

Als Weiterführung der Studie beziehungsweise als Umsetzungsteil wird nun in dem im Juli 2011 gestarteten LEK der Stadt Wädenswil ein Bereich Gesundheitsförderung integriert und durch ZHAW-Mitarbeitende bearbeitet.

Dieser Text wurde im In Side-Mitteilungsmagazin der Konferenz der Beauftragten für Natur- und Landschaftsschutz (KBNL) 3/11 publiziert.

Bezugsadresse Projektschlussbericht:
Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW, Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen, Campus Grüental, Postfach, CH-8820 Wädenswil, Telefon: (0 58) 9 34 59 10, E-Mail: dett@zhw.ch

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 03/2012 .

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