Bereichsleiter des Bremer Umweltbetriebs geehrt

Heribert Eschenbruch erhält Goldenen Ginkgo

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Der Goldene Ginkgo wurde vom Präsidenten der DGG, Karl Zemann (li.) am 30. Juni in Bremen an Heribert Eschenbruch überreicht. Das goldene Ginkgoblatt wird seit 2001 vom Patzer Verlag gestiftet. Fotos: Mechthild Klett

Als langjähriger Kollege von Heribert Eschenbruch und Mitstreiter für das bremische Stadtgrün habe ich mich gern bereit erklärt, anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Goldenen Ginkgo durch die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft, seine Arbeit zu würdigen und in dieser Laudatio zusammenzufassen.

Bis letztes Jahr war ich, selbst auch Landschaftsplaner, als Leiter der städtischen Friedhöfe in Bremen tätig - mit ihren ganz speziellen Anforderungen und mit über 200 Hektar Fläche so groß wie der Bremer Bürgerpark.

Bremerhaven und Bremen

Heribert Eschenbruch hat nach seiner Gärtnerlehre und dem Abitur, das er auf dem zweiten Bildungsweg erwarb, an der TU Berlin das Studium der Landschaftsplanung absolviert. Nach beruflicher Praxis im Garten- und Landschaftsbau und in der Grünverwaltung von zwei Berliner Bezirken folgten Abstecher in die Themenfelder Ökologie und Umwelterziehung.

1990 dann wurde er im Gartenbauamt Bremerhaven für die Pflege und Entwicklung von Grünanlagen in der Seestadt verantwortlich. Von dort ist auch sein Einstieg in die Mitarbeit innerhalb der GALK (Gartenamtsleiterkonferenz) beim Deutschen Städtetag erfolgt, und zwar im Arbeitskreis "Organisation und Betriebswirtschaft".

Dieses Begriffspaar"Organisation und Betriebswirtschaft" sollte ab 1995 nicht zuletzt auch der Schwerpunkt seiner neu aufgenommenen Tätigkeit in der größeren Stadt des Zweistädtelandes - also Bremen - werden. Dort hatten gerade externe Gutachter zum ersten Mal eine Untersuchung der Gartenbauverwaltung vorgelegt und dabei Empfehlungen für Veränderungen vorgetragen. Auf dieser Grundlage ist das Gartenbauamt dann 1998 auch in den Eigenbetrieb Stadtgrün umgewandelt worden.

In einer der Grünanlagen im Wall, der die Altstadt umfasst, wurde traditionsgemäß ein Ginkgobaum gepflanzt.

Prof. Dr. Jürgen Milchert ergriff spontan das Wort, um von den Verdiensten Heribert Eschenbruchs und über ihr menschliches Miteinander zu berichten, (v. li.).

In Bremen, genau wie in vielen anderen Städten, hatte sich durch veränderte Rahmenbedingungen, vor allem wegen der geringeren Finanzmittel, vielfacher Klärungs- und Handlungsbedarf herausgestellt. Angesagt war jetzt die kritische Überprüfung von lange etablierten Strukturen und Standards. So ist es kein Wunder, dass die Tätigkeit von Heribert Eschenbruch durch weitere Projekte dieser Art und den hieraus erfolgten organisatorischen Konsequenzen geprägt war. So war also seine Ausgangslage. Jedoch hatte er bereits vorher erkannt, dass es für die Diskussionen mit Amts- und Betriebsleitern oder Geschäftsführern, mit Beratern und den besonders wichtigen Menschen im Rathaus elementar auf die eigene Datenlage und schlüssige Begründungen ankommt.

Zunächst allerdings stand die Nutzung der entwickelten Kennzahlen zur betrieblichen Steuerung im Vordergrund. Voraussetzung dafür war wiederum eine quantitative und qualitative Flächenübersicht aller Grünanlagen. Mit den vorhandenen Plänen war das jedoch nicht zu leisten. Deshalb war schnell klar, dass hier mit zeitgemäßer Technik ein Großprojekt in Angriff genommen werden musste: die Entwicklung eines digitalen Grünflächeninformationssystems mit allen notwendigen Differenzierungen.

In Bremen als erster Großstadt mit einem solchen Vorhaben war Heribert Eschenbruch sein Motor. Er brachte es in seinen Arbeitskreis der GALK so intensiv ein, dass es letztlich auch dort zu einem Pilotprojekt wurde.

Hier war sie also, die Verbindung zwischen lokaler Praxis mit ihren Erkenntnissen und Ergebnissen sowie der Ableitung von grundsätzlichen Aspekten. Resultat waren konkrete Empfehlungen für den Aufbau von Grünflächeninformationssystemen aus dem Arbeitskreis heraus im Rahmen einer Darstellung für die GALK, die damit allen interessierten Städten zur Verfügung gestellt werden konnte.

Inhaltlich war Heribert Eschenbruch in Bremen zuständig für Parks, Kinderspielplätze, Freiräume an Schulen, Sportanlagen und das öffentliche Grün der Kleingärten. Hinzu kamen die Straßenbäume und verschiedene Sonderanlagen. In seiner Zeit waren durch immer wieder reduzierte Finanzmittel auch deutliche Personaleinsparungen unvermeidbar. Grünflächen und Bäume dagegen haben stetig zugenommen. Mit Optimierungen des Maschinenparks und in der Organisation hat Heribert Eschenbruch darauf reagiert. In letzter Zeit sind jedoch auch dafür in der Lokalpresse kommentierte Grenzen deutlich geworden, zu Lasten der Pflegequalität! Die richtigen Konsequenzen daraus müssen jetzt allerdings nach seiner kürzlichen Verabschiedung die neuen Verantwortlichen entwickeln!

Die Rolle als von vielen Seiten bedrängter Abteilungs- und Bereichsleiter hat Heribert Eschenbruch kreativ und selbstbewusst ausgefüllt. Darüber hinaus war er im Eigenbetrieb Stadtgrün etliche Jahre auch als stellvertretender Geschäftsführer tätig und damit quasi oberster Stadtgärtner: Immer für eine bessere Ausstattung gekämpft und dann aus den meistens doch wieder reduzierten Mitteln erstaunlich viel gemacht. Dabei hat auch seine gute Vernetzung in der bremischen Verwaltung geholfen, manches Projekt mit zusätzlichen Finanzmitteln an Land zu ziehen.

Natürlich war das alles nur möglich mit einer motivierten Belegschaft um ihn herum! Von der Ingenieurs- über die Meisterebene bis hin zu den Gärtnerinnen und Gärtnern in den Pflegebezirken hat sie - auch in schwierigen Phasen mit Veränderungen und Unsicherheiten - immer dazu beigetragen, Bremens grüne Seiten gut sichtbar werden zu lassen.

Der hin und wieder angedrohten strukturellen Privatisierung der Grünpflege mit dem Risiko kurzfristiger Leistungserbringung ohne Nachhaltigkeit hat Heribert Eschenbruch die Vorteile von Erfahrung und Kontinuität bei der Pflege und Entwicklung des städtischen Grüns auch rechnerisch entgegenstellen können. Auf diese Weise wurde ein exemplarischer Wettbewerb mit Firmen des Garten- und Landschaftsbaus im Rahmen eines gesonderten Projektes erfolgreich bestritten. Bei dieser Gegenüberstellung sind seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bessere und preiswertere Arbeitsleistungen attestiert worden. Allerdings mit der gleichzeitigen Feststellung, dass die zur Verfügung stehenden Finanzmittel auf Dauer nicht ausreichend sind für eine substanzerhaltende Pflege! Sicherlich hat auch dieses Resultat dazu geführt, dass die Privatisierung kommunaler Dienstleistungen in Bremen gegenwärtig kaum ein Thema mehr ist, eher im Gegenteil.

Anschließend an die Pflanzung überreichte Ralf Mischke, Gärtnermeister der Grünflächenunterhaltung in Bremen eine Urkunde für eine Baumpatenschaft an Heribert Eschenbruch.

Der Staatsrat Wolfgang Golasowski lud zur Besichtigung der prachtvollen Rathaushalle ein: Von ihr lasse sich allerdings nicht auf den Umfang des Stadtsäckels für die Grünflächenpflege schließen…

Mitarbeit in grünpolitischen Gremien

Mit der Bertelsmannstiftung und der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) entwickelte er 1993 bis 1996 die bundesweiten interkommunalen Vergleichsringe für den grünen Sektor, das sogenannte IKO-NETZ. Hierbei werden Ausstattung, Kosten und Qualität von Grünanlagen sowie die Struktur für ihre Steuerung in den Kommunen verglichen. Diese Werte bieten den Fachleuten und auch der Lokalpolitik Vergleichsmöglichkeiten und Entscheidungshilfen sowie die Gelegenheit, von den Besseren zu lernen. Seit 1997 leitete Heribert Eschenbruch den Arbeitskreis "Organisation und Betriebswirtschaft" bei der GALK. Mit ihm entwickelte er diverse Parameter und Kennzahlen für das Stadtgrün. Zusammengefasst wurden die Ergebnisse jeweils in "Empfehlungen", die von der GALK veröffentlicht wurden.

Beispielhaft seien genannt:

  • 1995: Struktur einer Grünflächendatei
  • 1998: Einrichtung einer digitalen Grünflächenverwaltung
  • 1998/2012: Kennzahlen für die Erstellung und Unterhaltung von Grünanlagen
  • 2002: Kennzahlen für die Ausstattung mit Maschinen und Geräten

Die Bewertung ihrer Grünanlagen durch die Bürgerinnen und Bürger war ihm ebenfalls wichtig, auch welche Bedeutung diese als Standortfaktor für eine Stadt haben und was besser gemacht werden sollte. Die in seinem Arbeitskreis vorbereiteten Bürgerbefragungen finden seit 2004 statt. Mittlerweile via Internet nach angemessener lokaler Vorbereitung. Zudem wirkte Heribert Eschenbruch in der Fachkommission Friedhof und Stadtgrün beim Deutschen Städtetag mit. Und zu guter Letzt ist er auch noch einer der Vizepräsidenten der GALK.

In der Konsequenz bedingten sich beide Aufgabengebiete von Heribert Eschenbruch - Tätigkeit in der Grünverwaltung einer Halbmillionenstadt sowie fachbezogene Gremienarbeit - und ergänzten sich gegenseitig in idealer Weise. Viele Fragestellungen des bremischen Arbeitsalltags sind so direkt mit den Erfahrungen und Lösungen anderer städtischer Grünverwaltungen konfrontiert worden. Und umgekehrt konnten so die Daten und Erkenntnisse aus der Grünverwaltung in Bremen eingebracht werden in den interkommunalen Diskurs.

Elemente wie "Benchmarking" und "Best practice" gehören im Bereich des Stadtgrüns auch durch sein Engagement zum selbstverständlichen und unverzichtbaren Instrumentarium eines landesweiten Austausches mit inhaltlichen Vergleichen. Und nicht zu vergessen: Die Zusammenarbeit in solchen Arbeitskreisen ermöglicht erst fundiertes "Netzwerken", das mittlerweile fast genau so wichtig ist wie die fachliche Arbeit!

Abschluss und Appell

Die Anerkennung seiner beruflichen Leistungen in der skizzierten Arbeitsteilung kommt auch in der Verleihung des "Goldenen Ginkgo" durch die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft zum Ausdruck. Ein mehrstämmiger Ginkgobaum hat aus diesem Anlass auf der Altmannshöhe in den Wallanlagen einen Platz für die nächsten 100, ach was, 1000 Jahre gefunden - als i-Tüpfelchen auf den Ausklang seiner langen und erfolgreichen Arbeit für das Bremer Grün mit Arbeiten und Anregungen für viele Kolleginnen und Kollegen in anderen Städten.

Heribert Eschenbruch hat zwar wesentlich dazu beigetragen, Daten und Tabellen für das städtische Grün zu entwickeln. Diese Daten sind heute Voraussetzung für Berechnung, Planung und Steuerung im städtischen Grünmanagement und haben interkommunale Vergleiche erst ermöglicht. Aber: Sie sollten ja nur Werkzeuge und Vorbereitung für die eigene Argumentation sein. Nutzen und Schönheit der Anlagen für die Bevölkerung zu erhalten und zu entwickeln, das war sein eigentliches Ziel!

Seit vier Wochen im Ruhestand, stellt er seine Erfahrungen noch der GALK und damit jüngeren Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung. Außerdem gibt er in Seminaren verschiedener Anbieter sein Wissen weiter an die nächste Generation. Er wird aufpassen müssen, dass sein Haus- und sein Kleingarten dabei nicht zu kurz kommen.

Heribert Eschenbruch (re.) mit Steffen Kunkel, Landschaftsplaner und ehemaliger Leiter der städtischen Friedhöfe Bremen, der die Laudatio auf seinen früheren Kollegen hielt.

Ein wichtiges Anliegen von Heribert Eschenbruch war und ist es schließlich auch, sich für eine klar erkennbare grüne Fachverwaltung mit entsprechenden Strukturen einzusetzen. Bekanntlich wurden in etlichen Städten seit der Jahrtausendwende Ämter und Betriebe zusammengelegt. Meistens wurde dann das grüne Aufgabengebiet mit anderen technischen Bereichen unter einem Dach vereint. In Bremen ist so der Umweltbetrieb entstanden. Allerdings ist dies vielfach mit neuen Problemen einhergegangen, wie etwa mit Reibungsverlusten durch falsch platziertes Fachwissen oder erschwerter Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit.

Insgesamt haben sich Brüche und Unstimmigkeiten ergeben, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind und sich auch nicht sofort auswirken: Aspekte der Garten- und Friedhofskultur haben keine transparente Zuordnung mehr. Sie sind nicht mehr verortet und mit der praktischen Arbeit verknüpft. Obwohl sie zu der ganzheitlichen grünen Aufgabenstellung gehören, ja die Grundlage dafür bilden. Es ist deshalb an der Zeit, Entscheidungen, die zu grünen Anhängseln in der kommunalen Verwaltung und Planung geführt haben, objektiv und selbstkritisch zu hinterfragen.

Eine grüne Fachverwaltung soll erkennbar sein und von der Öffentlichkeit als kompetenter, ganzheitlicher Dienstleister wahrgenommen und geschätzt werden.

Sie kann als "grünes Gesicht" einer Stadt auftreten (…) und Lindenalleen duften, Blumenzwiebeln sprießen oder Kieswege knirschen lassen oder, oder, oder. Denn: "Kümmern um Grün" ist deutlich mehr als Rasen mähen und Bäume schneiden: Es ist eine elementare Voraussetzung dafür, dass wir auch in Zeiten des Klimawandels in Verdichtungsräumen leben und arbeiten können!

Es lohnt sich deshalb ganz besonders für das Stadtbild und die Bürgerzufriedenheit - und letztlich auch für kluge politische Akteure - die, gemessen am Gesamthaushalt, vergleichsweise geringen Kosten für das städtische Grün in auskömmlicher Weise und dauerhaft bereit zu stellen!

Bei alle dem, was heute hier insgesamt an Anregungen und wohlmeinenden Aussagen für das Stadtgrün und seine Strukturen präsentiert und zustimmend aufgenommen worden ist: Es ist ja leider so, dass in unserer schnelllebigen Zeit vieles verdrängt und wieder vergessen wird. Dann bleibt es bei mehr oder weniger schönen Reden und die Dinge nehmen ihren Lauf. Aber sogar dabei kann der Ginkgobaum helfen - als Präparat aus seinen Blättern eingenommen werden nämlich Erinnerungen belebt und Aktivitäten unterstützt. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!

Anmerkung

Der Text beruht auf der Laudatio, die Steffen Kunkel anlässlich der Preisverleihung zum "Goldenen Ginkgo" an Heribert Eschenbruch am 30. Juni 2014 in Bremen gehalten hat.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 08/2014 .

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