Historische Denkmäler und Gedenkstätten in Bulgarien

Granaten, Ufo und Mama Bulgaria

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Gartendenkmäler
Denkmal Mama Bulgaria in Veliko Tarnovo. Fotos, soweit nichts anderes angegeben: Pixie Jacobs, Anja Seliger

Als Orte der Chronik übernehmen Freiräume eine zentrale Funktion in der Gesellschaft und sind Teil des kollektiven kulturellen Erbes. Ihre Fülle an künstlerischem Ausdruck ist ein Archiv für die Denkmalpflege und Gartendenkmalpflege. Ihre Langlebigkeit macht Denkmäler und Gedenkstätten zu einem Abbild an Zeitgeschichte in kultureller Hinsicht. Ein langfristiger Erhalt der kulturellen Vielfalt setzt jedoch ihr Sichtbarmachen voraus, welchem wiederum das Sammeln und Dokumentieren dieser Mannigfaltigkeit vorausgeht.

Die Absicht einen Freiraum, der eine wechselvolle Geschichte widerspiegelt, zu erhalten, erfordert den Anspruch auf Authentizität. (Historische) Freiräume tragen in ihrer Komplexität zur kulturellen Vielfalt bei. Diese Vielfalt muss häufig erst in den Fokus gebracht werden, um sie der Bevölkerung zugänglich zu machen.

Projekt CultTour

Das EU-kofinanzierte Forschungsprojekt "CultTour (garden) heritage as focal points for sustainable tourism" verfolgte das Formulieren und Umsetzen von Strategien zum Erhalt und Aufwerten kulturell wertvoller Freiräume. Der Wert und der genius loci freiraumhistorisch relevanter Orte werden dabei erfasst und erhalten.

Von Januar 2011 bis Juni 2014 arbeitete ein Team von Landschaftsarchitekten der Universität für Bodenkultur Wien und der Technischen Universität Berlin sowie Tourismus-Experten der Fachhochschule IMC Krems am Erforschen von Freiräumen, fokusierend auf deren kulturelle Essenz und ihre Alternanz. Weitere Projektpartner/Innen kamen aus Bulgarien, Griechenland, Italien und Rumänien. Die zu erforschenden Pilotstandorte liegen in Veliko Tarnovo (Bulgarien), Avrig (Rumänien), Alexandroupolis (Griechenland) und Taranto (Italien). Die Pilotstandorte sind Freiräume unterschiedlichen Charakters: ein rumänischer Barockgarten, ein griechischer und italienischer Stadtpark, sowie eine bulgarische sozialistische Gedenkstätte.

Das Team der Landschaftsarchitekten arbeitete an der Analyse und Bewertung der bestehenden Situation in den ausgewählten Freiräumen. Ausgehend von den Pilotstandorten wurden in deren mittelbaren Umland weitere Freiräume aufgespürt, untersucht und bewertet.

Das Umland selbst ist durch autochthone Merkmale gekennzeichnet. Die Summe der gebietsprägenden Freiräume spiegelt diese typischen regionalen Aspekte wider. Die regionaltypischen Freiräume wurden im Projektrahmen zu einem Netzwerk verknüpft. Das Einbetten der ausgewählten Standorte in ein regionales Netzwerk sorgt dafür, dass diese Orte mittels ihrer Komplexität der ansässigen Bevölkerung bewusster werden. Menschen erkennen den Wert ihrer Freiräume und schenken diesem mehr Aufmerksamkeit und folglich Schutz und Pflege.

Teil der Forschung war es, die sichtbaren und unsichtbaren Beweggründe zum Errichten einer Gedenkstätte zu erkunden und somit die Einsicht in die Geschichte der Menschheit zu erweitern. Ob Motive sichtbar oder unsichtbar sind, ist zeitgebunden; sie unterliegen einem ständigen Wandel.

Gedenken im Freiraum

Die Inhalte von Erinnerungen, ihr Erhalt und Verlust sind stark von der jeweiligen sozialpolitischen Lage geprägt. Jegliche Erscheinungsform verfügt über ein Erinnerungspotenzial, welches Erinnerungen im Menschen wachrufen kann. (vgl. Will, 2000: 115)

Eine Erscheinungsform fügt sich, ob ihres Habitus, in ein Habitat ein. Somit ist die Form der Reminiszenz und des Gedenken mehr oder minder an einen Raum gebunden. Die Erinnerungen sind an Orte geknüpft, sie haben ihren Platz, denn "Das Gedächtnis braucht, [...] Orte, es tendiert zur Verräumlichung, ähnlich wie die Geschichte zur Verzeitlichung neigt." (Borsdorf, Grütter, 1999: 4)

Eine Gedenkstätte bezieht sich auf ein historisches Ereignis, welches mit Boden und Raum vor Ort direkt verbunden ist. Entscheidende Aspekte des historischen Vorgangs prägen sich ein und werden unter anderem mittels Landschaftsarchitektur in Szene gesetzt.

"Wenn aber nun dieser Erinnerungs- und Überlieferungszusammenhang einer lebendig gehaltenen Tradition abbricht, werden damit auch die Gedächtnissorte unlesbar." (Assmann A., 1999: 68)

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Gartendenkmäler
Denkmal zur Schlacht von Pleven in Moskau.

Am Beispiel der bulgarischen Gedenkstätten, die aus der Zeit des Kommunismus stammen, wird der Bruch zu dem Kontext sichtbar, in dem diese Freiräume entstanden. Mitunter sind Gedenkstätten in einer Formensprache gestaltet, deren Aussage und Inhalt nicht jede Person erörtern kann. Entweder ist die Formensprache älteren Ursprungs und/oder sie hat eine unbekannte Diktion. Damit geht der Bezug zu den Gedenkstätten und ein Teil des kulturellen Erbes verloren. Der Verlust, der damit einhergeht, ist häufig als Identitätsverlust formuliert. Ein gewollter wie ungewollter Bruch zwischen Erinnerung und Gegenwart lässt den Menschen verstimmt zurück. Denn das individuelle und kollektive Sinnstiften ist eine Leistung der Erinnerung. Menschen bestätigen die Vergangenheit, um die Gegenwart zu erklären und um die Zukunft in Perspektive zu bringen. (vgl. Borsdorf, Grütter, 1999:2)

Aprilaufstand, Septemberaufstand, Russisch-Osmanischer Krieg in Bulgarien

Während der Recherchen zu Freiräumen in Bulgarien ist die Dichte und Dimension an Gedenkstätten und Denkmälern in Erinnerung an kriegsbedingte Ereignisse aufgefallen.

Häufig bietet ein Jahrestag Anlass, ein Denkmal oder eine Gedenkstätte in Erinnerung an diese historische Begebenheit zu errichten. Dabei wird zu unterschiedlichen Zeiten auf unterschiedliche Ereignisse zurückgegriffen. Wie hoch die Aufmerksamkeit ist, die einem solchen Geschehnis zuteil wird, hängt von den Intentionen der jeweiligen Machthabern ab.

Ein kurzer Einblick in die jüngere Geschichte Bulgariens zeigt Ereignisse, die zum Errichten von Denkmälern und Gedenkstätten im 20. Jahrhundert führten.

Ein Krieg, der ständig thematisiert wurde, war der Russisch-Osmanische Krieg. Die Gefechte fanden 1877-1878 überwiegend auf bulgarischem Territorium statt: Nachdem sich die bulgarische Bevölkerung im April 1876 gegen die fast 500-jährige osmanische Besetzung ihres Landes gewehrt hatte und dieser Aufstand blutig niedergeschlagen wurde, erklärte der russische Herrscher Zar Alexander II. ein Jahr später dem Osmanischen Reich den Krieg.

Dem Ende der osmanischen Herrschaft wurde immer wieder gedacht. Im ersten Nachkriegsjahr stand Bulgarien unter russischer Militärverwaltung, die bereits das Gedenken an den Sieg über die osmanische Herrschaft aufrechterhielt. Nach dem Berliner Kongress 1878 wurde das Fürstentum Bulgarien gegründet.

Die Suche nach der nationalen Vergangenheit Bulgariens lenkte den Blick auf den erst kurz zurückliegenden Sieg über die Osmanen, denn "1878 stand dem bulgarischen Staat nur ein begrenztes Repertoire an Nationalgeschichte zur Verfügung, erschien doch die Geschichte der Bulgaren im Osmanischen Reich, aus dem man sich gerade befreit hatte, wie ein historischer Abgrund, den es vielmehr zu überbrücken galt, als das er in die historische Tradition hätte eingepasst werden können." (Weber, 2006: 66)

Besonders die 30-jährige Wiederkehr, die mit der völligen Loslösung vom Osmanischen Reich einherging, führte zur Errichtung von Denkmälern und Gedenkstätten in Reminiszenz an die wiedergewonnene Unabhängigkeit Bulgariens. Ein Beispiel für eine solche Erinnerungsstätte ist der 1907 entstandene Skobelev-Park in Pleven.

Ein Denkmal, das an mehrere Kriegsereignisse erinnert, neben dem Russisch-Osmanischen Krieg auch an den Serbisch-Bulgarischen Krieg (1885-1886)1), den Ersten Balkankrieg (1912)2) sowie den Ersten Weltkrieg (1914-1918), steht im Zentrum Veliko Tarnovos. Das als Mama Bulgaria bezeichnete Monument wurde 1935 eingeweiht.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Kommunistische Partei in Bulgarien mittels Hilfe der Sowjetunion an die Macht kam, fand dieser Machtwechsel besonders in den ersten zehn Jahren Eingang in die Erinnerungskultur der Bulgaren. Beispielsweise sei hier das Monument für die sowjetische Armee von 1954 in Sofia genannt. (vgl. Mihov, 2012: 11)

Der Aufstand der Kommunisten im September 1923, der sich gegen die damalige rechtskonservative Regierung richtete und als erster antifaschistischer Aufstand in der Welt betitelt wurde, findet sich in der Ikonografie der Denkmäler und Gedenkstätten der 1960er Jahre wieder. Das Monument des Widerstandes von 1963 in Vidin, erinnert an dieses Ereignis. (vgl. Mihov, 2012: 11)

In den 1970er Jahren führten die Erinnerungsfeiern an den 100. Jahrestag der Unabhängigkeit Bulgariens vom Osmanischen Reich zu einer Dominanz neu errichteter Denkmäler und Gedenkstätten, die dieser Thematik gewidmet waren. Ein Beispiel hierfür ist der Boulevard General Skobelev in Pleven. (vgl. Mihov, 2012: 11)

In den 1980er Jahren boten zwei Jahre Gründe, Monumente zu errichten, um an die nationale Vergangenheit zu erinnern: 1981 feierte Bulgarien den 1300. Geburtstag des Ersten Bulgarischen Reiches sowie den 90. Geburtstag der Bulgarischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei.3) Diese beiden Jubiläen waren Anlass 1981 Buzludja zu erbauen; ein Gebäude und Denkmal inmitten des Balkangebirges. (vgl. Mihov, 2012: 11)

Im Jahr 1985 feierten die Bulgaren den 800. Geburtstag des Zweiten Bulgarischen Reiches, so dass beispielsweise in der einstigen Hauptstadt Bulgariens, in Veliko Tarnovo, das Assen-Denkmal eingeweiht wurde. (vgl. Mihov, 2012: 11)

Die oben beispielhaft angeführten Denkmäler und Gedenkstätten sind im folgenden Abschnitt ausführlich und unter Einbeziehung des landschaftsarchitektonischen Kontexts beschrieben.

Gartendenkmäler
Freiraum und Gebäude Panorama - Plevenska epopeja 1877 inPleven.
Gartendenkmäler
Boulevard General Skobelev in Pleven.
Gartendenkmäler
Beinhaus im Skobelev-Park in Pleven.

Skobelev-Park in Pleven

Die Stadt Pleven liegt unweit der rumänischen Grenze im Norden Bulgariens. Dieser Ort macht deutlich, wie historische Ereignisse öffentlichen Freiraum charakterisieren, verbinden und trennen. In Pleven wird der Russisch-Osmanische Krieg im Laufe von 100 Jahren und innerhalb verschiedener politischer Systeme wiederholt im öffentlichen Freiraum thematisiert und definiert.

Historische Bedeutung erlangte Pleven im Sommer 1878, als dort, in der sogenannten Schlacht von Pleven, die erbittertsten Kämpfe zum Abzug der Osmanen aus Bulgarien stattfanden. Anlässlich des 100-jährigen Gedenktages an die Belagerung Plevens wurde ein Rundbau, das sogenannte "Panorama - Plevenska epopeja 1877", errichtet.

Als ein weithin sichtbarer Solitärbau steht das Panorama von Pleven auf einem Hügel südwestlich der Innenstadt. Am Fuße des Bauwerks erstreckt sich der Skobelev-Park. Er wurde 1907 auf der ehemaligen Befestigungsanlage eröffnet. In der Schlacht starben hier zahlreiche russische und rumänische Soldaten. Das Beinhaus und die Grabsteine im Park erinnern an die Todesopfer und machen diesen Freiraum zu einem weitläufigen Gedenkpark.

Kriegsreliquien sind als Elemente in das landschaftsarchitektonische Konzept integriert. So finden sich neben zahlreichen aufgestellten russischen Kanonen auch Granaten, die als Beeteinfassung dienen. Das Hauptwegesystem wurde mit braunen Kieselsteinen befestigt. Tuffstein kam beim Beinhaus und bei anderen architektonischen Elementen zum Einsatz. Der alte, teilweise verwilderte Gehölzbestand überdeckt an vielen Stellen die traurige Vergangenheit und macht den Skobelev-Park zu einem stillen Rückzugsort oberhalb der Stadt Pleven.

Die Materialien und Elemente, die Kieselsteine und Kriegsreliquien, wiederholen sich im öffentlichen Freiraum im Stadtzentrum Plevens: So finden sie sich ebenfalls im Freiraum, der die Kapelle St. Georg und das Museum "Zar Alexander II." umgibt.

Beide Objekte wurden 1907 eröffnet.

Dass sich ein Denkmal zur Schlacht von Pleven auch in Moskau befindet, zeigt die enge Verbindung und den gegenseitigen Einfluss, den Russland und Bulgarien hatten. Im Ilinski-Park wurde bereits 1887 ein gusseisernes Denkmal mit umfangreichem Skulpturenprogramm geschaffen.

Boulevard General Skobelev in Pleven

Den Skobelev-Park hügelabwärts durchquerend, gelangt man auf eine monumentale Treppenlandschaft, die den Blick über die Stadt Pleven freigibt. Ein Komplex aus Stufen, Rampen und Terrassen stellt die Verbindung des Skobelev-Parks mit der Innenstadt her. Die Bauzeit der Treppenanlage und der angrenzenden Bebauung fällt mit dem Errichten der städtischen Galerie "Ilija Beshkov" zusammen, die hier 1978 zum 100. Jahrestag der Schlacht eröffnet wurde.

Oberhalb der weitläufigen Treppenlandschaft thront eine Statue. Diese Skulptur symbolisiert eine weibliche Figur, die sich von ihren Fesseln befreit. Dieser Akt erinnert an die Befreiung Bulgariens unter Zuhilfenahme Russlands beziehungsweise der Sowjetunion 1877 und 1944. Beide Jahreszahlen finden sich auf zwei Sockeln, die die Frauenfigur rahmen und auf denen ursprünglich zwei Löwenfiguren, das Wappentier Bulgariens, standen.

Die Plätze, Treppen und Rampen sind durchgängig mit Platten aus weißgrauem Marmor und rotbraunem Ziegel befestigt. Die Verwendung dieser hochwertigen Materialien unterstreicht die Bedeutung dieses Ortes. Flachwachsende zeittypische Wacholderarten unterbrechen die strengen Kanten der Architektur. In ihrem originalen Zustand zeigt die Kombination aus Treppen und Pflanzen ein authentisches Bild ihrer Entstehungszeit.

Der Sieg in seiner ständigen Reflexion trägt in Pleven zur kulturellen und regionalen Identität der Bevölkerung und zur nationalen Bewusstseinsbildung bei. Das Thema zieht sich wie ein roter Faden durch das 20. Jahrhundert und präsentiert sich in unterschiedlichen Gestaltungsprinzipien, Materialien und Ausstattungselementen.

Ähnlich wie in Pleven wurde mit der Errichtung des weithin sichtbaren Schipka-Denkmals im Balkangebirge verfahren. Die Gedenkstätte steht auf einem weiteren Schauplatz des Russisch-Osmanischen Krieges und somit in enger Beziehung zur Geschichte des Ortes. Das turmartige Monument wurde 1934 eingeweiht und ist Teil eines großzügigen Gedenkparks. (vgl. Jacobs, Furchtlehner, Seliger, 2014: 40ff)

Gartendenkmäler
Assen-Monument in Veliko Tarnovo.

Assen-Monument in Veliko Tarnovo

Veliko Tarnovo liegt in Zentralbulgarien und war von 1185 bis 1393 die Hauptstadt des Zweiten Bulgarischen Reiches. Ein Freiraum, der das Bild dieser Stadt auf besondere Weise prägt, ist die Assen-Gedenkstätte. Diese Gedenkstätte befindet sich oberhalb des Jantra-Flusses, der an dieser Stelle eine Halbinsel bildet. Auf diesem exponierten, weithin sichtbaren Platz ließ man 1928 eine Kunstschule errichten. Gegenüber des heute als Galerie benutzten Gebäudes wurde 1985 das Assen-Denkmal aufgestellt. Der Anlass zur Errichtung dieses Denkmals war der 800. Jahrestag des Aufstandes der beiden Bojarenbrüder Asen und Peter, die die Stadt von Byzanz befreiten und Veliko Tarnovo damit zur Hauptstadt des bulgarischen Staates machten. Das von Krum Damyanov geschaffene Denkmal ist von einem terrassenförmig aufgebauten Platz umgeben, der sich wie eine Bühne der gegenüberliegenden Altstadt präsentiert und gerne von der heimischen Bevölkerung als Treffpunkt genutzt wird. (vgl. Jacobs, Schwaba, 2013: 5ff)

Gartendenkmäler
Zwei Fackeln tragende Hände und Buzludja Denkmal.
Gartendenkmäler
Buzludja Denkmal und Freiraumgestaltung.

Buzludja im Balkangebirge

Auf dem Weg von Veliko Tarnovo nach Kazanlak liegt inmitten des Balkangebirges die Gedenkstätte Buzludja. Weithin sichtbar auf einem Gipfel gelegen, wurde dieses UFO-förmige Gebäude 1981 samt umgebendem Freiraum errichtet. Den Entwurf fertigte der Architekt Georgi Stoilov. Für die Ausführung zeichnete die Abteilung für Hoch- und Tiefbau der bulgarischen Armee verantwortlich. Den eigentlichen Bau übernahm eine große Anzahl freiwilliger ziviler Helfer. Zahlreiche bekannte bulgarische Künstler beteiligten sich an der dekorativen Ausgestaltung der Innenräume.

Der Anlass zur Errichtung dieses Denkmals war das 90-jährige Jubiläum der Gründung der Bulgarischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei an dieser Stelle. Außerdem feierte Bulgarien 1981 den 1300. Geburtstag des Ersten Bulgarischen Reiches. Neben der Funktion eines Denkmals diente das Gebäude als Versammlungsort der Kommunistischen Partei, was auch die großzügige Platzgestaltung im Außenraum erkennen lässt.

Am Fuße des Hügels wurde zusätzlich ein Denkmal in der Form von zwei Fackeln tragenden Händen platziert.

In seiner Funktion, den Aufstieg zum Buzludja-Denkmal zu markieren, unterstreicht es die historische Bedeutung dieses Ortes. Ein System aus Plattenwegen und Plätzen aus Naturstein bindet die Landschaftsarchitektur und Architektur in die umgebende Landschaft ein.

Seit dem Zusammenbruch des sozialistischen Regimes wird das Gebäude von offizieller Seite ignoriert. Allerdings dient es heute als Ausflugsziel für die heimische Bevölkerung. Als reizvoller, verlassener Ort fand er Aufnahme in die aktuelle bulgarische Reiseliteratur. (vgl. Jacobs, Furchtlehner, Seliger, 2014: 40ff)

Schlussbetrachtung

"A number of iconic communist-era monuments have been dismantled since the fall of the totalitarian regime, but more than hundred of them remain standing. After the political changes of the 1989, the state has abandoned and disowned them. No official institution today knows their exact number and many archives relevant to their history have been destroyed." (Mihov, 2012: 11)

Wie Mihov erwähnt, ist in Bulgarien eine große Anzahl an Gedenkstätten aus der Zeit des Kommunismus - entstanden in freundschaftlicher Verbundenheit zur ehemaligen Sowjetunion - dem kontinuierlichen Zerfall preisgegeben. In anderen Staaten dagegen sind Kriegsgedenkstätten vertraglich geregelt. Am Beispiel Österreichs findet sich dies im Artikel 19 des Staatsvertrages von 1955. (vgl. https:// www.ris.bka.gv.at)

In der Bundesrepublik Deutschland ist diese Passage im Zwei-plus-Vier-Vertrag aus dem Jahre 1992 integriert und verpflichtet dazu, die Kriegsdenkmäler der Sowjetarmee und der anderen Alliierten zu bewahren. (vgl. www.ag-friedensforschung.de)

Im Falle Bulgariens sind nach bisherigen Recherchen lediglich vereinzelte Gedenkstätten mit rechtlichem Schutz versehen. (vgl. Mihov, 2012: 13)

In Anlehnung an Mihov bezüglich der zerstörten Archive, bestätigte sich im Zuge der Recherche die lückenhafte Informationslage zu den Denkmälern und ihren Freiräumen. Oexle appelliert die Vergangenheit ausnahmslos und vollständig zu dokumentieren: "Denn auch das kleinste Teil, das in der Überlieferung gerettet wurde, kann eines Tages dazu dienen, eine Konstruktion der Vergangenheit aufzubrechen, die einseitig war und daher letztlich unzutreffend. Aber es muss wenigsten in die Archive gerettet werden, darf nicht ganz und gar verloren gehen." (Oexle 2001: 28)

Die bulgarischen Gedenkstätten und Denkmäler fordern, ob ihrer Vielgestaltigkeit und ihres hohen landschaftsarchitektonischen Anspruchs, zu einer intensiveren Erforschung und Dokumentation auf.

Anmerkungen

1) 1885/1886 kam es zwischen Serbien und Bulgarien zu einem Krieg, bei dem es um die Vorherrschaft auf dem Balkan ging.

2) Bulgarien schloss sich 1912 mit Serbien, Griechenland und Montenegro zusammen, um das unter Osmanischer Herrschaft stehende Makedonien für sich zu gewinnen.

3) Ab 1919 bis 1924 und ab 1948 bis zum 1. April 1990 auch als Bulgarische Kommunistische Partei bezeichnet.

LITERATUR

culttour.eu

Borsdorf, Grütter, "Orte der Erinnerung: Denkmal, Gedenkstätte, Museum", Frankfurt am Main, Campusverlag, 1999.

Jacobs, Furchtlehner, Seliger, "Regional Landscape Identity in Bulgaria. Open spaces around Veliko Turnovo", Wien, Universität für Bodenkultur, 2014.

Jacobs, Schwaba, "Local Survey - Fact Book Boruna -Park", Wien, Universität für Bodenkultur, 2013.

Oexle, "Memoria und Erinnerungskultur im Alten Europa - und heute", in: Escudier, "Gedenken im Zwiespalt. Konfliktlinien europäischen Erinnerns", Göttingen, Wallstein-Verlag, 2001.

Mihov, "Forget your past: communist-era monuments in Bulgaria", Bulgaria , Janet 45 Publishing, 2012.

Weber, "Auf der Suche nach der Nation. Erinnerungskultur in Bulgarien von 1878-1944", Münster Lit-Verlag, 2006.

www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe 30.06.2014

www.ag-friedensforschung.de/regionen/Deutschland/2plus4.html 30.06.2014

Autorin

 Anja Seliger
Autorin

Gartenbauwissenschaftlerin und Landschaftsarchitektin

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