Wie werden sie von Mädchen und Jungen genutzt?

Sind Schulhöfe auch als öffentliche Spielräume geeignet?

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Klettern ist bei Jungen wie Mädchen sehr beliebt. Foto: Kölsch

Noch immer gibt es in vielen Städten und Gemeinden zu wenig Spielraum für Kinder. Dass Schulhöfe wunderbare Spielorte für Kinder und insbesondere auch für Mädchen sein können, belegt eine Studie an der Hochschule RheinMain am Studiengang Landschaftsarchitektur. Hier wurde die Nutzung von Schulhöfen an Nachmittagen untersucht. Mitarbeiterin war Dipl. Ing. Stephanie Kölsch.

Ausgangssituation und Ziel der Untersuchung

Untersuchungen von unterschiedlichen Spielplätzen (vgl. Hottenträger 2000, 2003, 2007; Homepage Hochschule RheinMain) wiesen immer wieder darauf hin, dass Spielchancen und Aneignung von Raum für Mädchen deutlich geringer sind als für Jungen. Auch werden raumgreifende Spiele, wie Ballspiele, Rollsport oder mit dem Fahrrad herumfahren auf Spielplätzen und auf Ballspielfeldern sehr selten von Mädchen gespielt - obwohl Ballspiele und auch Rollsport, wie Inlineskaten, in der Beliebtheitsskala von Mädchen weit oben angesiedelt sind (vgl. Knecht, Sambale 2001: 72f. und auch Rose 2002: 20).

Ein ganz wesentlicher Faktor war immer wieder der Aspekt von Sicherheit. Insbesondere Mädchen meiden Orte, an denen sie sich nicht ausreichend sicher fühlen. Daher drängte sich die Frage auf, ob Schulhöfe als "sichere" Spielorte eventuell sogar die besseren Spielplätze für Mädchen und Jungen, sein könnten.

Mädchen bei ihren Lieblingsbeschäftigungen: Schaukeln und Plaudern. Foto: Kölsch

Balancierbereiche im Schulhof der Schlossbergschule in Auerbach sind vor allem bei Mädchen beliebt Foto: Kölsch

Mädchen mögen Balancieren mehr als Jungen. Foto: Kölsch

Dieser Fragestellung wurde anhand von Nutzungsuntersuchungen von neun ausgewählten Schulhöfen im Rhein-Main-Gebiet nachgegangen.

Im Einzelnen wurden in der 2005 durchgeführten Studie folgende Fragen untersucht:

  • wie intensiv werden Schulhöfe an Nachmittagen von Mädchen und Jungen genutzt?
  • was tun Mädchen und Jungen auf den Schulhöfen, welche räumlichen Strukturen, welche Angebote werden genutzt?
  • wie sind die städtebauliche Rahmenbedingungen, wie Lage, Verkehr, Anbindung; etc. und die sozialen Rahmenbedingungen, zum Beispiel Betreuung, Anwesenheit von Hausmeistern etc.?
  • welche Konflikte treten auf? Welche Wünsche der Nutzer/-innen sind offen?

Letztendlich sollten auf zwei unterschiedlichen Planungsebenen Fragen geklärt werden: auf städtebaulicher Planungsebene stellte sich die Frage, welche Bedeutung Schulhöfe als öffentliche Spielräume - auch im Vergleich zu Spielplätzen - sowohl für Mädchen, wie auch für Jungen haben können; das umfasst ebenso die Frage, welche Rolle Schulhöfe in der Spielraumleitplanung übernehmen können. Auf der konkreten Ebene der Objektplanung, war die Frage, ob und wie Schulhöfe für Mädchen und Jungen funktionieren, wie sie gestaltet sein sollten und ob insbesondere Mädchen von der im Vergleich zu öffentlichen Spielplätzen größeren sozialen Sicherheit profitieren.

Zudem war von besonderem Interesse, ob Mädchen mehr raumgreifende Spiele spielen, als im öffentlichen Raum.

Vorgehensweise und angewandte Methodik

Es wurden neun Schulhöfe ausgewählt, die zumindest in Teilen als Spielräume umgestaltet sind und bei denen klar war, dass sie nachmittags von Kindern genutzt würden. Bei der Auswahl handelt es sich um Schulhöfe mit Spielgeräten und mit großen Asphaltflächen, das heißt, auch mit Möglichkeiten zum Ballspielen und für raumgreifende Spiele.

Die empirischen Untersuchungen fanden ausschließlich vor Ort statt. Ihre Nutzung wurde mit Hilfe eines qualitativen Erhebungsdesigns, wie Nutzungskartierungen, teilnehmende Beobachtungen, Interviews mit Mädchen und Jungen, sowie ExpertInneninterviews untersucht. Untersuchungszeitraum war von 15 Uhr bis 18 Uhr. Zielgruppe waren Mädchen und Jungen zwischen 6 und 14 Jahren.

Ergebnisse

Zur Intensität der Nutzung von Schulhöfen durch Mädchen und Jungen - der Schulhof ein wichtiger Spielort?

Die Ergebnisse belegen, dass Schulhöfe ebenso intensiv wie Spielplätze genutzt werden, wenn sie entsprechende Rahmenbedingungen und Ausstattung aufweisen.

Im Vergleich mit Ergebnissen von Spielplatzuntersuchungen, das heißt, mit "gut funktionierenden" Spielplätzen (aber ohne besondere Attraktivitäten wie Wasserspielangeboten) liegt die Anzahl der Kinder in sieben von neun Fällen vergleichbar hoch oder sogar etwas höher¹. Das heißt von der Nutzungsintensität können sieben der untersuchten Schulhöfe durchaus mit Spielplätzen gleich gesetzt werden, das gilt auch für den Anteil an Schulkindern zwischen sechs und elf Jahren.

Auf allen Schulhöfen ist der Anteil der Altersgruppe der Schulkinder (6-11 Jahre) am höchsten - mit Ausnahme der IGS Mainz, bei der es sich um eine weiterführende Schule handelt. Jugendliche ab zwölf Jahren bis etwa 14 Jahre waren auf den meisten Schulhöfen in geringerer Zahl noch anzutreffen, jedoch waren es interessanterweise meist sehr viele Mädchen.

An drei Schulen waren relativ viele Jugendliche anwesend, die Ursachen sind unterschiedlich: Bei der Hebbelschule/Wiesbaden und der IGS Mainz sind weiterführende Schulen vorhanden, während alle anderen Schulen nur Grundschulen umfassen. Die Comeniusschule in Frankfurt a.M. stellt insofern eine Ausnahme dar, da sie sehr intensiv von Jungen zum Fußballspielen genutzt wird und aus diesem Grund Jungen hier absolut dominieren. Auf Grund dieser räumlichen Verdrängung waren hier vergleichsweise wenige Mädchen anzutreffen. Der Anteil der Kleinkinder ist erwartungsgemäß dort besonders hoch, wo Angebote für Kleinkinder und kleinräumige Spielstrukturen vorhanden sind.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Schulhöfe, die aus reinen Asphaltflächen bestehen, werden von Kindern kaum zum Spielen und Aufenthalt an Nachmittagen angenommen - außer wenn Jungen sie zum Fußballspielen nutzen. Schulhöfe werden jedoch von Kindern dann gut genutzt, wenn sie einerseits attraktive Spielgeräte aufweisen und andererseits räumlich strukturiert sind. Kaum angenommen werden zudem Schulhöfe, die von anderen Kindergruppen, wie Horte, "besetzt" sind.

Schulhöfe werden von Mädchen gleich intensiv und zum Teil sogar intensiver angenommen als von Jungen, wenn sie entsprechend "mädchenfreundlich" gestaltet sind. Die höchsten Anteile an Mädchen zwischen sechs und elf Jahren weisen - mit deutlich mehr als 50 Prozent - zwei Schulhöfe auf, die professionell geplant wurden und somit in ihrer Gesamtheit differenzierte räumliche Strukturen und Spielangebote aufweisen. Das bedeutet, dass Schulhöfe - wahrscheinlich sogar besser als viele der öffentlichen Spielplätze - sehr gut von Mädchen genutzt werden können.

Die Anzahl der Mädchen sinkt jedoch deutlich, wenn Fußballspielen dominiert und damit Jungen Räume besetzen. Auch werden nicht einsehbare Spielbereiche, die sich hinter Schulgebäuden befinden - besonders von Mädchen - deutlich weniger oder gar nicht genutzt.

Spielpräferenzen und -verhalten von Mädchen und Jungen

Die Nutzung von Schulhöfen gleicht in vielem der Nutzung von Spielplätzen, jedoch lassen sich auch eindeutige Unterschiede zu diesen feststellen. Unterschiede zwischen Schulhöfen, die zu Spielräumen umgestaltet sind, und herkömmlichen Sand-Geräte-Spielplätzen bestehen zunächst in ihrem "Setting", das heißt, ihrer Gesamtstruktur und Gestaltung: Schulhöfe verfügen neben Spielangeboten immer auch über große, weite und asphaltierte Flächen, die sich für bewegungsintensives Spiel und Spiele mit Mobilitätsgeräten hervorragend eignen. Zudem ist der Nutzungsdruck - wenn nicht gerade die Asphaltfläche zum Fußballspielen von Jungen besetzt wird - insgesamt geringer. Das heißt, es sind weniger Kinder bezogen auf die Fläche vorhanden. Die Kinder können sich räumlich besser verteilen, sofern die Spielangebote entsprechend angeordnet sind und damit auch Konkurrenzdruck ausweichen. Positiv hervorgehoben wurden bei den Interviews von Mädchen wie Jungen, dass Schulhöfe über große weite Flächen verfügen, dass es schön ruhig sei, wobei die Mädchen in diesem Zusammenhang auch auf die allzu "vollen" Spielplätze hinwiesen.

Betrachtet man die Spielpräferenzen differenziert nach Gender, so bestätigen sie zunächst bisherige Ergebnisse: "typisch" für Jungen ist, dass Fußballspielen höchste Priorität hat. Bei den Spielgeräten sind für Jungen vor allem Klettern beliebt, aber auch Schaukeln und bewegungsintensive Spiele, wie Fangen und Verstecken oder mit dem Fahrrad herumfahren. Jungen spielen tendenziell motorisch "wilder" als Mädchen und nehmen Spielräume in ihrer Gesamtheit in Anspruch, wobei bei den Schulhöfen völlig abgelegene Bereiche auch von Jungen nicht genutzt wurden. Insgesamt - und das gilt auch für das Spielverhalten auf Schulhöfen - sind die Jungenspiele im Gegensatz zu Mädchenspielen häufiger konkurrenzbetont - vor allem das beliebte Mannschaftsspiel Fußball, aber etwa auch Tischtennis. Auch liegen den Mannschaftsspielen der Jungen andere Interaktionsmuster zu Grunde, als den "Mädchenspielen". Das Verhalten von Jungen auf Schulhöfen entspricht weitestgehend dem auf Spielplätzen, allerdings gibt es einen deutlichen Unterschied: während Kinder auf Spielplätzen sehr selten beim Spielen von Tischtennis zu beobachten sind, spielten Jungen auf den untersuchten Schulhöfen recht häufig und mit Ausdauer Tischtennis.

Fußballspielen beansprucht größere Flächen und verdrängt bei unstrukturierten Schulhöfen andere Nutzungen. Foto: Kölsch

Kinder beim Fußballspielen Foto: Kölsch

Mädchen beim Spielen. Foto: Kölsch

Fußball wird intensiver gespielt, wenn im Umfeld kein Bolzplatz vorhanden ist, oder wenn markierte Ballspielfelder mit Ballfangzäunen auf den Schulhöfen zur Verfügung stehen. Da auf den Schulhöfen aber auch häufig einfach auf den Asphaltflächen gekickt wird und damit das Spielerische vor dem Konkurrenzbetonten in den Vordergrund rückt, waren auf den Schulhöfen auch ab und zu (und deutlich öfter als in den Ballkäfigen) Mädchen zu sehen, die zusammen mit Jungen Fußball und andere Ballspiele spielten.

Das Spielverhalten von Mädchen auf Schulhöfen bestätigt ebenfalls in vielem bisherige Erkenntnisse, jedoch zeigt sich darüber hinaus auch ein deutlich erweitertes Spielverhalten bei Mädchen im Vergleich zu Spielplätzen.

Die Spielpräferenzen entsprechen bisherigen Untersuchungen: so sind bei Mädchen vor allem die Schaukeln sehr beliebt, aber ebenso klettern sie sehr gerne. Kommunikation, das heißt, andere treffen, beisammensitzen, plaudern, hat für Mädchen einen deutlich höheren Stellenwert als für Jungen und entsprechend sieht man - vor allem auch noch ältere, jugendliche - Mädchen gerne beim Erzählen, manchmal auch zusammen mit Jungen. Gefragt sind hierbei auch überdachte Sitzbereiche.

Rollenspiele haben für die jüngeren Mädchen bis etwa zehn Jahre einen deutlich höheren Stellenwert als für Jungen. Sie werden gerne in Hüttchen gespielt, aber auch Tischtennisplatten können dafür genutzt werden. Da Rollenspiele störanfällige Spiele sind, das heißt, bei Unterbrechung durch andere Kinder, relativ leicht beendet werden, können Schulhöfe bei entsprechender Ausstattung hierfür gut geeignet sein, besser als die oftmals sehr vollen Spielplätze.

Große Bedeutung haben auch für Mädchen Laufspiele wie Fangen und Verstecken. Auch hierfür sind die Schulhöfe bestens geeignet, da große weite Flächen vorhanden sind. Mädchen - wie auch Jungen - betonten bei den Interviews immer wieder, dass sie ganz besonders das Flächenangebot schätzten. Sowohl Rollen- wie auch Laufspiele werden von Mädchen aufgrund des geringeren Nutzungsdruckes auf Schulhöfen öfter gespielt als auf Spielplätzen. Spielangebote, die in erster Linie das Körpergefühl und subtilere Formen der Bewegung, Geschicklichkeit und Gleichgewichtssinn ansprechen, wie sie auf dem Schulhof der Schlossbergschule in Auerbach und auch dem Kleinen Hof der Hebbelschule in Wiesbaden gestaltet wurden, werden ebenfalls in erster Linie von Mädchen angenommen. Jungen dagegen sind deutlich weniger an diesen Angeboten interessiert. Wichtig ist hierbei, dass zusammenhängende Spielabläufe stattfinden können. Vereinzelt herumliegende Baumstämme wurden beispielsweise auffallend weniger genutzt, als wenn sie integriert sind in Spielabläufe.

Anders als auf Spielplätzen sieht man Mädchen auf Schulhöfen insgesamt öfter bei raumgreifenden Spielen: neben Fangen und Laufspielen, spielen Mädchen auch mal Ballspiele, bevorzugt in gemischten Gruppen mit Jungen (und nicht auf den abgesteckten Feldern!). Positiv wirkt sich hierbei die Anwesendheit von betreuenden Personen aus, wie zum Beispiel Betreuer von Gruppen, die auf den Schulhof für eine Weile zum Spielen kommen. Das bedeutet andererseits auch, dass durch "Animation" das Ballspielen, was durchaus als eines der Lieblingsspiele von Mädchen genannt wird, ebenso Inlinefahren, gefördert werden könnte.

Relativ häufig wurden Mädchen auch beim Fahrradfahren beobachtet: sie fahren Runden auf dem Schulhof oder spielen intensiv auf aufgemalten Verkehrsparcours. Während Jungen eher mit dem Fahrrad herumfahren und - wenn vorhanden - über Hügel sausen, üben Mädchen Geschicklichkeit und richtiges Verkehrsverhalten. Naturmaterialien, wie Früchte, Blätter, Kieselsteine und Stöckchen regen dagegen besonders Mädchen zu kreativen Spielen und Rollenspielen an.

Unterschiedliche Altersgruppen von Kindern an drei Nachmittagen.

Auffällig war, dass Mädchen abgelegene Bereiche des Schulgeländes weniger häufig als Jungen nutzten, dass für sie die einsehbaren Bereiche wichtiger sind als für Jungen. Allerdings sei angemerkt, dass Jungen auch bevorzugt in einsehbaren Bereichen spielten. Das ausgeprägtere Bedürfnis nach Sicherheit bei Mädchen hat sich bei Untersuchungen von öffentlichen Spielplätzen sehr viel prägnanter dargestellt, als bei den Schulhöfen. Schulhöfe sind als "bekannte" Orte und durch Anwesenheit von Hausmeistern und oft auch Erwachsenen (wie Eltern) insgesamt als "sichere" Orte einzustufen. Vorteilhaft ist hier auch, dass Erwachsene aus sozialen Randgruppen (Fixer, Obdachlose oder auch einfach Bier trinkende Männer), die Kinder ängstigen können, auf Schulhöfen fehlen. Ebenso waren bei den untersuchten Schulhöfen keine besonderen Probleme mit Jugendlichen vorhanden, was auf Spielplätzen auch bisweilen zu Verdrängungen führt.

Vergleich zu öffentlichen Spielplätzen

Grundsätzliche Unterschiede der räumlich-gestalterischen Struktur ("Setting") und damit verbundene positive Auswirkungen auf das Spielverhalten der Kinder wurden bereits beschrieben. Gut gestaltete Schulhöfe, das heißt, räumlich differenzierte Strukturen und differenzierte Spielangebote können für Jungen wie für Mädchen positive Spielorte darstellen und - vor allem bei Mädchen - zu erweitertem Spielverhalten führen. Schulhöfe können somit eine andere Spielqualität als Spielplätze bieten. Positiv wirkt sich vor allem auch aus, dass Schulhöfe durch die Kontrolle von Hausmeistern und Erwachsenen, die zum Beispiel mit Kleinkindern anwesend sind, in sozialer Hinsicht sehr sichere Orte für Kinder darstellen. Es entstehen zwar auch mal Konflikte mit anderen Kindern, im Allgemeinen mit Jungen, jedoch sind keine Personen anwesend, die zu Verdrängungen führen könnten. Bei den untersuchten Schulhöfen kam es auch zu keinen Verdrängungen oder Problemen mit Jugendlichen.

Ein weiteres positives Merkmal ist, dass Schulhöfe durch Hausmeister besser sauber gehalten werden, auch ist Hundedreck hier kein Problem. Dreck und Verwahrlosung stört Kinder, Mädchen wie auch Jungen. Für Kinder - und hier sind es besonders die Mädchen - ist ein "schönes" und sauberes Ambiente von großer Bedeutung. Schulhöfe können daher für Kinder zu wichtigen alternativen Spielorten werden.

Einschränkend soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass bei einer Befragung von Lotte Rose in Schulklassen ein Teil der Kinder angab, nicht auf Schulhöfen zu spielen (vgl. Rose 2001, unveröff.). Die Gründe sind unbekannt, vielleicht, weil es in diesen Fällen interessantere Spielplätze gab, aber vielleicht auch, weil kein positiver Bezug zur Schule vorhanden ist. Man kann also nicht davon ausgehen, dass Schulhöfe Spielplätze grundsätzlich ersetzen könnten. Wohl können sie aber eine wichtige Ergänzung und Alternative darstellen. Das zeigte sich bei der vorliegenden Untersuchung auch darin, dass selbst Schulhöfe, in deren unmittelbarer Nähe ein Spielplatz lag, dennoch intensiv als alternativer Spielraum und als Rückzugsort genutzt wurden.

Fazit und Ausblick

Will man die Spielraumsituation in Städten und Gemeinden für Kinder quantitativ und qualitativ verbessern, sollte es aus freiraumplanersicher Sicht Ziel sein, alle Schulhöfe grundsätzlich nachmittags öffentlich zugänglich zu machen und sie als Spielräume (um-) zu gestalten. Die in der Umgebung wohnenden Kinder, Jungen und ganz besonders Mädchen könnten hiervon profitieren, denn nur wenn Kinder möglichst viele Erfahrungs- und Erlebnisräume offen stehen, können sie sich zu selbständigen Erwachsenen entwickeln. Je dichter ein Stadtteil bebaut ist, desto geringer ist im Allgemeinen die Freiraumstruktur. Je weniger wohnungsnahe Freiflächen, Spielstraßen und Spielplätze etc. als Spielorte vorhanden sind, desto größere Bedeutung kommt dem Schulhof als Spielort zu. Vorraussetzung für die Nutzung durch Kinder ist jedoch eine Gestaltung, die räumlich strukturiert ist und vielfältige und adäquate Angebote aufweist. Wichtig ist insbesondere, dass die Spielangebote sich in einsehbaren Bereichen befinden und keine Verdrängungen durch raumgreifende Spiele, insbesondere durch Fußballspielen, stattfinden können.

Literatur und Forschungsprojekte

Grit Hottenträger: Die Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen fördern - eine Aufgabe der Freiraumplanung. In: Landeshauptstadt München (Hg.) Spielräume für Mädchen. Lesebuch mit wissenschaftlichen Untersuchungen, Praxisprojekten und Beispielen. Selbstverlag, München 2001.

Grit Hottenträger: Aktuelle Tendenzen in der Spielraumplanung. Bausteine für mädchenfördernde Spielräume. In: FH Wiesbaden (Hg.) Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung 2000-2002. S. 26-33.Wiesbaden, 2003.

Grit Hottenträger: Nutzungsuntersuchungen von drei Waldspielparks in Frankfurt a.M. unter Berücksichtigung von Altersgruppen und Gender; in Zusammenarbeit und mit dem Frauenreferat und Grünflächenamt der Stadt FFM (unveröff. Manuskript 2007; 138 S.; Mitarbeit Dipl. Ing. S. Kölsch).

Landeshauptstadt München, Gleichstellungsstelle für Frauen (Hrsg.): Spielräume für Mädchen. Selbstverlag München, 2002.

Rose, Lotte: Abschlussbericht zum Projekt "Kinderspielräume im Frankfurter Nordend. Eine Kinderbefragung an Schulen". Fachhochschule Frankfurt a.M., FB Soziale Arbeit; Frankfurt a.M. 2001 (unveröff. Manuskript).

Sambale, Eva und Evelyn Knecht: Spielforscherinnen und Spielforscher unterwegs. In: Landeshauptstadt München, Gleichstellungsstelle für Frauen (Hg.). Spielräume für Mädchen. Selbstverlag München, 2002.

Anmerkungen

1) Die Vergleichsbasis bezieht sich auf Spielplätze in Wohngebieten mit Geschosswohnungsbau oder auch etwas lockerer Bebauung, nicht jedoch auf Spielplätze in hochverdichteten Altbauquartieren - hier dürften die absoluten Besucherzahlen höher liegen. (vgl. Hottenträger 2000 und 2003)

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 05/2012 .

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