Über 2.500 Besucher auf dem Augsburger Messegelände

Deutsche Baumpflegetage brechen zum Jubiläum alle Rekorde

Wie stark das größte Baumpflege-Event Europas im Laufe der Jahre an Bedeutung gewonnen hat, ließ sich zum Jubiläum erkennen. Die 30. Ausgabe brach alle Rekorde - der Ticketshop musste frühzeitig geschlossen werden. Über 1700 Experten der Baumpflege zeigten sich vom Angebot der Fachvorträge und dem Kletterforum begeistert. Rund 850 Gäste besuchten die dazugehörige Messe mit ihren 160 Ausstellern. Für die Fachleute aus 35 Nationen wurde das Messegelände der Fuggerstadt zu einem großen Familientreffen der Branche.
Deutsche Baumpflegetage
Die 30. Ausgabe der Deutschen Baumpflegtage entfachte trotz familiärer Atmosphäre spannungsgeladene Debatten. Foto: Danilo Ballhorn

Das Miteinander unter den Baumpflegern beeindruckte die Veranstalter Prof. Dr. Dirk Dujesiefken und Thomas Amtage. Besonders begeistert waren die beiden von der Resonanz junger Auszubildender und Interessierter. Die Messe zeigte eindrucksstark, dass Deutschland weiterhin führend in der Baumpflege ist. Aussteller und Referenten aus aller Welt sorgten für ein attraktives Rahmenprogramm. Der Andrang brachte den Messesaal an die Kapazitätsgrenze. So blieben die Türen für einige Teilnehmer zum Vortrag "Gute Argumente für den Erhalt von Altbäumen" im Kletterforum geschlossen, weil das Platzkontingent erschöpft war.

Die Schwammstadt als Dosenöffner für hitzige Debatten

Mit der Schwammstadt im Fokus ging es am zweiten Tag der Fachvorträge heiß her. Die Erfahrungsberichte zum Stockholmer Modell für verbesserte Baumstandorte von Britt-Marie Alvem aus Stockholm und Tomas Stoisser aus Graz entfesselten die Diskussionsfreude. Wie zukunftsträchtig ist das designierte Baumpflanzsystem der Zukunft für Innenstädte wirklich, wenn in Trockenperioden die Bäume dennoch gewässert werden müssen, befanden kritische Stimmen im Publikum. Die Resultate des Stockholmer Systems könne man erst als erfolgreich deklarieren, wenn die Bäume an den Standorten ihre zu erwartende Größe erreicht haben, so der Tenor einiger Fachleute. "Es geht nicht darum, alle Bäume im Stockholmer Modell zu pflanzen", verteidigte Stoisser seine Darstellungen. Vielmehr ginge es darum, Bäume an engen Standorten wie Haltestellen in das Stadtbild zu integrieren.

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Deutsche Baumpflegetage
"Noch nie hörte man beim Rundgang über das Messegelände so viele Sprachen wie in diesem", zeigte sich Veranstalter Prof. Dr. Dirk Dujesiefken von den 160 Ausstellern aus aller Welt begeistert. Foto: Danilo Ballhorn

"Wir brauchen salztolerante und klimafitte Bäume für die Innenstädte", appellierte Stoisser. Es könnten keine Erfolge erzielt werden, wenn die Pflanzenauswahl für die Standorte nicht geeignet sei. Innovative Pflanzsysteme wie die Skeletterde des Stockholmer Modells würden sich nur in Kombination mit den richtigen Baumarten langfristig bewähren können. "In Graz verwenden wir das Stockholmer System selbst bei der Sanierung von alten Baumstandorten", betonte er. Monitoring und Controlling beim Einbau der Skeletterde wären unverzichtbar, um Fehler zu vermeiden. Städteplaner, Architekten und Baumpfleger müssten gemeinsam Initiativen schaffen, um unbebaute Flächen in den Städten zu begrünen, so Stoisser weiter.

In der schwedischen Hauptstadt würde der übermäßige Streusalz-Einsatz auf Radwegen die Baumvitalität am stärksten bedrohen, erklärte Alvem. Zudem würden die die Niederschläge seltener, dafür aber heftiger werden. Um die Ansätze des Stockholmer Modells zu optimieren, forsche die skandinavische Metropole an der Düngung der Baumsubstrate. Hierfür werden die Auswirkungen durch die Düngung mit Mykorrhiza-Pilzen, künstlicher Düngemittel und Bokashi (einer "Kompostsoße", die aus Bioabfällen von Mikroorganismen hergestellt wird) erprobt. Nach vier Jahren würden die Forscher dann die Wurzelzuwächse untersuchen.

Deutsche Baumpflegetage
Spektakuläre Kletterakrobatik in luftiger Höhe konnten die Besucher im Kletterforum bestaunen. Foto: Danilo Ballhorn

Königliche Altbäume als Schöpfer der Jugend

Den charismatischen Höhepunkt setzte Mark Rotteveel vom Baumpflegeunternehmen "Pius Floris" am letzten Veranstaltungstag. Im "Oranje"-Cowboy-Hut betrat der Niederländer die Bühne, um das Analyse- und Bewertungstool von Bäumen "i-Tree" in Entertainer-Manier vorzustellen. Mithilfe der Software lässt sich die Funktion von Bäumen in sieben Kategorien bilanzieren. So könnte mit "i-Tree" das Konzept für die städtische Infrastruktur entwickelt werden, um die Umweltvorteile von Bäumen für den urbanen Raum zu quantifizieren und die Lebensqualität der Bevölkerung langfristig zu steigern. Anlass für das traditionelle Requisit war der "Koningsdag", bei dem der Geburtstag des niederländischen Königs zelebriert wird.

"Wir Menschen verstehen eines nicht: Was uns Bäume voraushaben", erklärte Tom Joye vom Brüsseler Forum für grünes Fachwissen "inverde". "Bäume können sich selbst verjüngen", ergänzte er seine schlitzohrige Einleitung. Bei der Bewertung von Altbäumen würde man sich oft an Details aufhalten, statt Bäume als Gesamtbild zu betrachten. Neben der Primärkrone können Bäume auch eine Zweitkrone ausbilden oder vom Stammfuß neu austreiben. Bevor über Altbäume das Todesurteil gesprochen wird, sollte den Bäumen die Zeit gegeben werden, ihre natürliche Entwicklung zu durchleben, so Joye weiter. Eine akkurate Beurteilung von Bäumen sei nicht möglich, da die Meinungen der Baumpfleger immer auseinandergehen werden. "Es ist zu einfach, Bäume zu fällen aus den unterschiedlichsten Gründen", unterstrich Rotteveel die Ausführungen von Joye.

Danilo Ballhorn

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