Beuth Hochschule heißt nun Berliner Hochschule für Technik

200 Jahre grüne Ausbildung in Berlin – 50 Jahre Fachhochschule

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Gartenbau Ausbildung und Beruf
Abb. 1: Das langjährige Anstaltsgebäude in Berlin-Dahlem bei Steglitz wurde im Jahr 1903 bezogen und diente bis 2006 dem Ausbildungsgang \'Landespflege\' der Technischen Fachhochschule Berlin als international bekannte Ausbildungsstätte für staatlich geprüfte Gartenmeister (ab 1909) beziehungsweise Gartenbautechniker und Staatl. gepr. Gartenbauinspektor nach der 2. Staatsprüfung (ab 1919). Die Berufsbezeichnung der Absolventen wechselte bis heute noch mehrmals. Foto: Jörg-Ulrich Forner

Die Gründungsphase

Die Anfänge der grünen Berufsausbildung in Deutschland liegen weit zurück. An dieser Stelle sollen ein kurzer Einblick in die unterschiedlichen Phasen, welche das grüne Bildungswesen nachhaltig geprägt haben, gegeben und schlaglichtartige Bezüge zur heutigen Hochschulausbildung hergestellt werden.

Am Anfang steht zunächst die Gründung des "Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in dem preußischen Staate" per Kabinettsorder des Königs Friedrich Wilhelm vom 4. Juli 1822. Dieser bis heute - seit 1910 unter dem Namen "Deutsche Gartenbau Gesellschaft" - bestehende Verein versammelte die zu diesem Zeitpunkt in Preußen bekanntesten Botaniker, Gärtner und Wissenschaftler.

Weitere Persönlichkeiten sowie kluge und interessierte Köpfe wie Humboldt-Brüder, Albrecht Thaer oder Karl Friedrich Schinkel, und Menschen aus allen Bevölkerungsschichten und Ländern sorgten dafür, den Gartenbau nach den Verheerungen der europäischen Besatzungs- und Befreiungskriege wieder auf das durchaus vielfältige Niveau des ausgehenden 18. Jahrhunderts zu bringen. Viele Anlagen, regionales Erfahrungswissen und auch fähige Gärtner waren durch die Kriegsgeschehnisse verloren gegangen. Sitz des Vereins war das damalige eher provinzielle Berlin.

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Abb. 2 a: Lageplan der Königlichen Gärtner-Lehranstalt im Jahr 1899. Der historische Lageplan aus Echtermeyers Denkschrift zum 75-jährigen Jubiläum im Jahr 1899 wurde mittels CAD unter Nutzung von georeferenzierten Bestandsdaten bearbeitet. Es zeigte sich, dass insbesondereim seit 1874 erweiterten Bereich an der Berlin-Magdeburger-Bahn die räumliche Maßhaltigkeit des überkommenen Planes nicht stimmt, sondern zeichnerisch „angearbeitet“ wurde. Die gesamten Flächenangaben sind jedoch annähernd korrekt im Textwerk wiedergegeben. Kompletter Plan in hoher Auflösung unter: www.stadtundgruen.de/ https://stadtundgruen.de/media/KGL_Lageplan_1899.jpg Foto: Jörg-Ulrich Forner
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Abb 2b: Lageplan der Königlichen Gärtner-Lehranstalt im Jahr 1899. Der historische Lageplan aus Echtermeyers Denkschrift zum 75-jährigen Jubiläum im Jahr 1899. Foto: Jörg-Ulrich Forner

Kräftig begann der Verein seine Aufgabe, die Gärtnerei zu fördern. Durch seine Mitwirkung konnte schon im Januar 1823 das aktive Gründungsmitglied Peter Joseph Lenné dem damaligen Minister der geistlichen Angelegenheiten, Freiherrn von Altenstein - der sich selber stark für den Gartenbau interessierte - die Grundzüge samt sehr konkreter Betriebspläne zur Errichtung einer Landesbaumschule bei Potsdam und einer Gärtner-Lehr-Anstalt in Berlin-Schöneberg vorlegen. Die Gründungsurkunde von Lehr-Anstalt und Baumschule datiert auf den 23. August 1823. Im selben Jahr, am 1. November 1823, gaben die Minister ihre Zustimmung zur Errichtung der Landesbaumschule in Potsdam-Geltow und der gleichzeitigen Gründung einer Gärtner-Lehr-Anstalt in Berlin-Schöneberg. Der Verein hielt dort, gleich gegenüber des früheren botanischen Gartens seine Sitzungen ab und auch ein stetig wachsender Lehr- und Versuchsgarten auf dem Grundstück des Schütze'schen Etablissements entstand hier mit der Zeit. Der Lehrbetrieb in Berlin-Schöneberg startete bereits zum 1. März 1824 mit zwölf so genannten Eleven, darunter ein so genannter Freischüler.

Es ist bemerkenswert, dass bereits zu diesem frühen Zeitpunkt klar beabsichtigt war, auch Schülern aus sozial schwachen Verhältnissen die Möglichkeit einer Fachausbildung und Aussicht auf eine auskömmliche berufliche Stellung zu bieten. Bis dato tradierten die Hof- und Handelsgärtner das auf Ausbildungswanderjahren erworbene und im Berufsleben verfeinerte Anwendungswissen meist vom Vater auf den Sohn. Nun sollte das gärtnerische und gartenkünstlerische Fachwissen an einem Punkt konzentriert, ausgewertet, weiterentwickelt und an eine möglichst große Zahl an Absolventen weitergegeben werden, damit diese wiederum als Multiplikatoren an ihren späteren beruflichen Stationen in Preußen wirken konnten.

Der Verein sammelte die an ihn eingereichten und durch mehrjährig gewählte Fachausschüsse geprüften Fachvorträge sowie andere schriftliche Beiträge und dokumentierte sie in den regelmäßig erscheinenden, für Mitglieder kostenfreien 'Verhandlungen des Vereines'.

Mit anderen nationalen und internationalen Gartenbauvereinen und Institutionen wurden Sämereien, Früchte und Pflanzen getauscht, verteilt und Versuche durchgeführt. Hierdurch wurde eine Vielfalt an Obst- und Gemüsesorten in den heutigen deutschsprachigen Ländern gefördert.

Neuartig in der Lenné'schen Vernetzung von Ausbildung und Praxis war einerseits die konzentrierte Ausbildung an einem Ort, Zusammenführung des Wissens und Vereinheitlichung der Methodik der Wissensvermehrung sowie die Verbreitung auf viele preußische Regionen durch Neugründung anderer Ausbildungsstätten oder pomologischer Institute. Lenné weitete dabei den ursprünglich fokussierten, rückwärtsgewandten Blick auf die Ausbildung von wenigen Hofgärtnern für die solitären adeligen Garten- und Parkanlagen, und lenkte die Aufmerksamkeit in einem gebietsmäßig erweiterten Preußen auch auf die gesellschaftlichen Bedürfnisse.

Er hatte gleichzeitig das Gespür für die Notwendigkeiten einer immer stärker urbanisierten Lebenswelt in den Städten, die grüne Verbindungen und öffentliche Freianlagen aus stadthygienischen und sozialen Gründen benötigten. Diese modernen, neuartigen, meist kommunalen Freiraumtypologien professionell zu planen und baulich standardisiert umzusetzen, sowie dazu gleichzeitig das benötigte bewährte und schmuckhaft neue Pflanzenmaterial mittels staatlich initiierter Baumschulen mit Vorbildcharakter für den freien Markt bereitzustellen, war aus heutiger Sicht sehr fortschrittlich und vorausschauend.

Neu war im Vergleich zu zeitgenössischen Ausbildungsformen auch die direkte Verbindung von Praxis und Theorie mit einem festen Lehrerkollegium einer Lehranstalt. Sie hatte über das sogenannte Vorsteheramt immer auch einen externen Beobachter bei den Examina. Hinzukam ein fachkundiger Berichterstatter an den Gartenbauverein. Diese fruchtbaren wechselseitigen Impulse von Theorie und Praxis wurden also durch Personen mit beiratsähnlichen Positionen ermöglicht. Das Curriculum war auf eine dreistufige, maximal vierjährige Ausbildung für verschiedene spätere Berufsfelder ausgerichtet.

Die ausgebildeten Zöglinge erwarben je nach Ausbildungsdauer die Abschlüsse Gärtner (2 Jahre), Kunstgärtner (3 Jahre) oder Gartenkünstler (4 Jahre). Schon hier ist das bis heute international anerkannte deutsche duale Bildungssystem erkennbar, das später bis zum heutigen Zeitpunkt immer wieder zeitgenössische Anpassungen, Schwerpunktverlagerungen und auch Renaissancen erlebte. Die Schüler teilten sich auf und verbrachten den einen Tagesteil in der praktischen Ausbildung im Botanischen Garten. Den zweiten Teil erhielten sie Fachvorträge und direkte Anleitung durch die erfahrenen Ausbilder, die unter anderem am botanischen Garten oder auch an den königlichen Gartenanlagen tätig waren. Es wurde bereits früh darauf geachtet, dass immer die Möglichkeit bestand, das gelernte Anwendungswissen in seiner Theorie zu festigen und auch weiterzuentwickeln. So sind einige bis heute in der Praxis nützliche Gartenutensilien durch die Lehrer und auch Schüler entwickelt oder verfeinert worden.

Die Etablierungsphase

Die ersten 30 Bestandsjahre durchlief die Lehr-Anstalt die Kinderkrankheiten, die für Prototypen unvermeidlich sind, sei es durch Überalterung des Lehrkörpers oder durch inhaltliche Profilschärfung wegen Nachahmungskonkurrenz. Erstmalig wurden daher Mitte des 19. Jahrhunderts die Statuten der Lehr-Anstalt geändert. Es hatte sich als unpraktisch erwiesen, dass die Schüler verteilt bei den jeweiligen Hofgärtnern in Berlin und Umgegend wohnten und große Transferzeiten zu den Ausbildungsstätten hatten. Man bemerkte, dass die tägliche, körperlich anstrengende und oftmals jahreszeitlich bedingt einseitige Arbeit in den königlichen Garten- und Parkanlagen als Basisausbildung sehr viel Zeit und Kraft beanspruchte, die verhinderte, dass das sich sehr rasch erweiternde theoretische Wissen weiterhin innerhalb von vier Jahren vermitteln und nachhaltig festigen ließ.

Die Schöneberger Einheit arbeitete zudem lange defizitär. Dies führte unter anderem zu einer Zusammenlegung der Ausbildungsstätten nach Potsdam-Wildpark bei Sanssouci. Das dort erworbene, für einen funktionalen Anstaltsbetrieb umgebaute Palais war somit Ausbildungs- und auch Wohnstätte aller Jahrgänge der Potsdamer Schüler. Von hier aus wurden sehr intensive Tagesexkursionen zu den verschiedenen Garten- und Parkanlagen Berlins, Potsdams und Umgebung unternommen. Zudem gab es eine sehr gut ausgestattete Bibliothek. Die Schüler mussten ab 1854 nun bereits eine erfolgreich abgeschlossene Lehre vorweisen und eine Eingangsprüfung bestehen, bevor sie an der Lehranstalt Einlass fanden. Später folgten dann weitere zeitgemäße Anpassungen an die Rahmenbedingungen und Ausbildungsinhalte. Diese sehr erfolgreiche Zeit endete mit dem Tod Lennés im Jahre 1866.

Umzug der Königlichen Gärtner-Lehranstalt nach Dahlem

Ein nächster großer Umbruch entstand durch den Umzug der Gärtner-Lehranstalt von Potsdam-Wildpark nach Dahlem bei Berlin-Steglitz im Oktober 1903. Hier wurde in preußisch strukturierter und gestraffter Form die Idee umgesetzt, alle fachlich relevanten und verwandten Professionen in einem 8 Hektar großen, staatlich erworbenen Gelände außerhalb der stark verdichteten, aus allen Nähten platzenden Hauptstadt des Kaiserreiches zusammenzubringen. Praktischerweise war der neue Nachbar der aus dem beengten Schöneberg umgesiedelte Botanische Garten - mit seinen großen Palmenhäusern und zonierten Pflanzengesellschaften auf stark erweiterter Gesamtfläche. Die Lehranstalt erhielt ein neues Ausbildungsgebäude mit großzügigen Lehrräumen, Depots für die stark angewachsenen Pflanzensammlungen, stetig vermehrten Herbarien und umfangreichen Lehrmaterialen; zudem viele Morgen an Lehr- und Versuchsfläche im Freien, unterschiedlich temperierbare Anbauflächen unter Glas und sogar eine separate Dienstvilla für den Direktor in unmittelbarer Nachbarschaft. Hierzu gehörten etwa die Biologische Reichsanstalt und andere Fachinstitutionen, die dort teilweise bis heute residieren. Hier konnten nun jährlich mehr Schüler aufgenommen und ausgebildet in einen Fachkräfte suchenden Markt entlassen werden als das in Potsdam möglich war. Bis 1903 hatten 1026 Hörer die Lehranstalt besucht. Der urbane Standort bot viele Vorteile und Potenziale gegenüber dem noch weiterhin sehr ruralen Potsdam-Wildpark.

Der bereits seit dem 19. Jahrhundert immer wieder eingeforderten Fortsetzung der Fachausbildung für die ausgebildeten Absolventen der Lehranstalt an einer Hochschule, gar an einer eigenen Hochschule für Gartenbau, kam man 1924 ein großes Stück entgegen, da die Schüler nun als reguläre Studenten auch an den originalen Vorlesungen der Berliner Universität teilnehmen konnten. Lennés Ziel einer gärtnerischen Hochschulausbildung war nun nach 100 Jahren grüner Ausbildung in Berlin fast erreicht.

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Abb. 3: Das Gebäude der Königlichen Gärtner-Lehr-Anstalt in Potdam-Wildpark bei Sanssouci sowie einige der ehemaligen Wirtschaftsgebäude auf dem Gelände sind heute immer noch existent. Jedoch sind von dem früheren großflächigen Lehr- und Versuchsgarten keine erkennbaren vegetativen Strukturen mehr vorhanden. Noch bestehende originale Laubbäume, die die Versuchsflächen alleeartig umgeben haben, sind meist durchgewachsen oder Obstgehölze bereits altersbedingt verschwunden. Foto: Jörg-Ulrich Forner
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Abb. 4: Das neue Hauptgebäude der Königlichen Gärtner-Lehranstalt in Dahlem bei Berlin-Steglitz kurz nach seiner Eröffnung und Übergabe an die Ausbildung im Jahr 1903. Das moderne Anstaltsgebäude bot großzügige Lehrräume, Depots für die stark angewachsenen Pflanzensammlungen, stetig vermehrten Herbarien und umfangreichen Lehrmaterialen – außerdem viel Lehr- und Versuchsfläche im Freien, unterschiedlich temperierbare Anbauflächen unter Glas und sogar eine separate Dienstvilla für den Direktor. Foto: Jörg-Ulrich Forner

Die Weltkriege: ihre Folgen, Ortswechsel und Umbenennungen

Die Zeit während des 1. Weltkrieges brachte große Verluste und Erschwernisse. Nicht nur starben viele Lehrer und Schüler. Auch Versuchspflanzungen gingen ein und Gewächshäusern wurde zerstört. Noch heute erinnert eine steinerne Gedenksäule in Dahlem an die 71 nicht aus dem Krieg zurückgekehrten Mitglieder der Ausbildungsstätte. Teilweise mussten pensionierte ehemalige Absolventen als Ersatzlehrkräfte über 1918 hinaus eingesetzt werden. 1916 gab die Anstalt Lehrgänge für städtische Selbstversorger und im Gemüsebau für Kriegsversehrte. Auch in den 20er-Jahren bestimmten Materialmangel, geringes Budget, fehlende Schüler und Lehrer über weite Strecken das Ausbildungsgeschehen.

Die Ausbildung in den 30er-Jahren war bis 1945 zum Beispiel durch Gleichschaltung der Prüfungsordnungen geprägt. In den Gestaltungsdisziplinen kamen auch Entwurfsplanungen für "Wehrlandschaften" und "deutsche Landschaftsbilder" für besetzte Gebiete auf den Lehrplan. Es erfolgte 1935 die Umbenennung in Versuchs- und Forschungsanstalt für Gartenbau (VuFA) und eine Verteilung auf viele Orte "in die Provinz" wie etwa Marquardt, Bornstedt, Falkenrede oder Satzkorn. Der 2. Weltkrieg brachte erneut große Verluste und Beschädigungen an den Anstaltsgebäuden und Gewächshäusern mit sich. Die seit über 100 Jahren stetig gewachsene Bibliothek erlitt einen Totalverlust und musste mühsam bis heute schrittweise wiederaufgebaut werden. Durch die Teilung der Stadt Berlin und die Einrichtung zweier politischer Systeme mit Sonderstatus für zonierte Stadtbereiche unterlagen auch die grünen Ausbildungsstätten einer Aufteilung. Einige der insgesamt sieben Institute, die sich seit der Eröffnung des Standortes Dahlem etabliert hatten, wurden der heutigen Technischen Universität Berlin im Westteil Berlins, andere der heutigen Humboldt Universität in Ostberlin zugeordnet, je nachdem, welcher Magistrat in den Nachkriegswirren am schnellsten reagierte, deutliche Ansprüche stellte und vor allem eindeutige Direktorenpersönlichkeiten benannte.

Es folgten weitere Umbenennungen wie 1946 in Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau, 1960 in Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau - Ingenieurschule für Gartenbau (Berlin-Dahlem) und schließlich 1966 in Staatliche Ingenieurakademie für Gartenbau (SIAG). Die seit den 1920er-Jahren existierende Abteilung Obst- und Gemüseverarbeitung wurde umbenannt - und thematisch erweitert - in "Lebensmitteltechnologie".

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Abb. 5: Auf der rückwärtigen Südseite der "KGL" wurde zu Beginn des 20 Jahrhunderts ein großer Staudensichtungsgarten angelegt, der im Jahr 2012 mit Mitteln der Klassenlotterie wieder gartendenkmalpflegerisch hergestellt wurde. In den vergangenen Dekaden brachte insbesondere die Ausweitung der Gebäude der Freien Universität Berlin viele Verluste an Flächen, Vegetationsbeständen und auch Gebäuden (u. a. Gewächshäuser). Foto: Jörg-Ulrich Forner
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Abb. 6: Die verschiedenen Ingenieurschulen in Berlin sowie die Staatliche Ingenieurakademie für Gartenbau (SIAG) wurden im Rahmen der Neugründung der Technischen Fachhochschule Berlin ab 1971 auf dem Campus in Berlin-Wedding zusammengeführt. Die grüne Ausbildungsstätte verlieh den "Ingenieur (grad.) für Gartenbau und Landespflege" und ab 1984 hießen die Absolventen dann "Diplomingenieur für Gartenbau und Landespflege". Foto: Jörg-Ulrich Forner

Die Technische Fachhochschule Berlin

Die "Technische Fachhochschule Berlin" (TFH) konnte mit dem "Gesetz über die Fachhochschulen im Lande Berlin" vom 27.11.1970 am 1. April 1971 gegründet werden. Die bisherigen Dozenten wurden nun zu "Professoren" berufen. Der Akademische Senat beschloss die Bildung von 13 Fachbereichen, wobei der sehr praxisorientierte Studiengang "Landespflege" im Fachbereich 11 angesiedelt wurde. Die früheren Akademie-Direktoren wurden nun durch Dekane und Fachbereichsräte ersetzt. Der Berliner Wissenschaftssenator drängte zwar parallel auf eine Gesamthochschulinitiative, die jedoch nach einer jahrelangen Diskussion unter wechselnden politischen Motivationen schließlich in den Jahren 1980/81 beendet wurde.

Das Modell "TFH" war und ist weiterhin erfolgreich: die TFH gewann schnell an Größe und Attraktivität, und stellt mit den vereinigten Ingenieursschulen das umfangreichste Ausbildungsangebot an ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen in der heutigen Hauptstadtregion dar. Die Zahl der immatrikulierten Landespflege-Studierenden stieg von anfänglich ca. 40 im Jahr 1971 auf deutlich über 50 in den Jahren bis zur Wiedervereinigung. Jährlich gingen auch in den folgenden Jahren immer ca. 50-60 Absolvent*nnen in den durch die dynamisch veränderte Umwelt- und Naturschutzgesetzgebung geprägten Berufsstand ab. Auch in den 1990er-Jahren erlebte der Studiengang eine hohe Nachfrage, da der "Aufbau Ost" und auch die besondere städtebauliche Situation in Berlin einen großen Bedarf an Fachkräften der Landschaftsarchitektur sowie Landschafts- und Umweltplanung benötigte.

Der seit 1999 vorangetriebene Bologna-Reform-Prozess machte eine Umwandlung des bisherigen Diplomstudienganges "Landespflege" in einen heute 7-semestrigen Bachelor Landschaftsarchitektur im Jahr 2006 und einen konsekutiven heute 3-semestrigen Master "Urbanes Pflanzen- und Freiraum-Management" im Jahr 2009 erforderlich. Der Lehrplan wurde dabei diesbezüglich erneut jeweils an eine kammerorientierte Planungsausbildung beziehungsweise kommunal-orientiertes Projekt- und Freiraum-Management angepasst. Die grüne Ausbildung war nun im Fachbereich V Life Sciences and Technology mit verwandten Studiengängen wie Gartenbau oder Lebensmitteltechnologie zusammengefasst. Dadurch sollten Synergiepotenziale bei der Lösung von heutigen und zukünftigen Herausforderungen wie dem Klimawandel, den Biodiversitätsverlusten oder der städtischen Verdichtung erkannt und genutzt werden.

Viele Hochschulen gaben sich in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends einen individuellen Namen, um im Wettbewerb der um Köpfe und Töpfe konkurrierenden Ausbildungsstätten sichtbarer zu werden. Auch die TFH folgte diesem Trend und benannte sich am 1. April 2009 auf Beschluss der Akademischen Versammlung vom 17. Januar 2008 in "Beuth Hochschule für Technik Berlin" um. Dies sollte an den "Vater der Ingenieursausbildung" Christian Peter Wilhelm Beuth erinnern. Allerdings wurden gute zehn Jahre später deutliche Zweifel, dann schließlich konkrete schriftliche Dokumente aus "Stammtischrunden" des frühen 19. Jahrhunderts über antisemitische Äußerungen Beuths bekannt und öffentlich, die Beuth als Namenpatron für eine tolerante, weltoffene, gleichberechtigte und diskriminierungsfreie Ausbildungsstätte untragbar machten. In der Akademischen Versammlung der Hochschule am 28.01.2021 wurde beschlossen, dass die Hochschule den Namen Beuths ablegt und zum 01.10.2021 die neue Bezeichnung Berliner Hochschule für Technik erhalten soll. Dieser Umbenennung war ein intensiver hochschulinterner und auch öffentlich-transparenter Diskussionsprozess vorausgegangen, den auch Historiker mit einer kritischen geschichtlichen Aufarbeitung begleiteten.

Der neue Standort Tegel

Nach Senatsbeschlüssen in den frühen 2000er-Jahren wurde ein Ende des Flugbetriebs des Flughafens Tegel festgelegt. Im Nachgang sollte die Hochschule für Technik bis zum Jahr 2012 dort als Ankermieter einziehen und einen neuen Wissenschaftsstandort um ein neues Stadtquartier entwickeln. Nach Verzögerungen des BER-Flughafens in Schönefeld ist Tegel nun geschlossen und der Einzug der Hochschule ist für das Jahr 2027 eingeplant: Das letzte Flugzeug ist gelandet, die nächste Phase ist gestartet.

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Abb. 7: Die Studiengänge "Landschaftsarchitektur" (B.Eng.) und "Urbanes Pflanzen- und Freiraum-Management" (M. Eng.) können seit 2006 auch eine Gewächshausanlage mit zeitgemäßen Lehr- und Forschungseinrichtungen sowie einen modernen Lehrgarten auf dem Campusgelände in Berlin-Wedding nutzen. Foto: Jörg-Ulrich Forner

Literatur

  • Echtermeyer, Th. 1903: Die Königliche Gärtner-Lehranstalt in Dahlem-Berlin, In: Möller's Deutsche Gärtner-Zeitung, herausgegeben von Ludwig Möller-Erfurt, 18.Jahrgang, Nr.45, 1903, Verlag von Ludwig Möller in Erfurt, Druck von Fried. Kirchner in Erfurt, S.540-541. (Abb. 3)
  • Echtermeyer, Th. 1899: Die Königliche Gärtner-Lehranstalt am Wildpark bei Potsdam. 1824-1899. Festschrift zur Erinnerung an das fünfundsiebzigjährige Bestehen, bearbeitet von Th. Echtermeyer, Inspektor der Königl. Gärtner-Lehranstalt am Wildpark bei Potsdam. Verlagsbuchhandlung Paul Parey, Berlin.
  • Jühlke, F. 1872: Die Königliche Landesbaumschule und Gärtnerlehranstalt zu Potsdam. Geschichtliche Darstellung ihrer Gründung, Wirksamkeit und Resultate nebst Cultur-Beiträgen. Herausgegeben von F. Jühlke, Verlag von Wiegandt & Hempel, Berlin.
  • Link, Fr. 1824: Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Königlich Preußischen Staaten, Erster Band, Druck bei August Rücker, Berlin, S. 19ff. (u. folgende Bd.)
  • Taylor, J. 1827: Part III. Miscellaneous Intelligence, Art. I. Foreign Notices. Germany, In: Loudon, J. C. 1827: The Gardener's Magazine, and Register of Rural & Domestic Improvement, conducted by J. C. Loudon, Longman, Rees, Orme, Brown and Green, London, S.84-86.
Prof. Dr.-Ing. Jörg-Ulrich Forner
Autor

Beuth Hochschule für Technik Berlin, FG Bautechnik, Bauabwicklung und Projektmanagement

Beuth Hochschule für Technik Berlin

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