Dresdener Amtsleiter für Stadtgrün und Abfallwirtschaft Preisträger 2013

Detlef Thiel erhält "Goldenen Ginkgo"

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DGG-Präsident Karl Zwermann steckt Detlef Thiel den "Goldenen Ginkgo" ans Rever, ein goldenes Ginkgoblatt, das vom Patzer Verlag seit 2001 gespendet wird. Foto: Mechthild Klett

Die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft verleiht die Auszeichnung "Goldener Ginkgo" an Persönlichkeiten, die sich mit besonderem Engagement für die Gestaltung des öffentlichen Raumes eingesetzt haben. Der "Goldene Ginkgo" wird dieses Jahr dem Leiter des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft der Stadt Dresden, Herrn Detlef Thiel, verliehen. Diese Würdigung ist nicht nur eine Ehrung für Herrn Thiel. Sie ist auch Ehrung und Reputation für die Kolleginnen und Kollegen des Amtes und für die Stadt Dresden, die durchaus stolz sein kann, einen solchen Mitarbeiter in der Verwaltung zu haben.

Damit wäre das Wesentliche gesagt, ich könnte das Podium verlassen und die weiteren wichtigen Programmpunkte wie Preisverleihung, Empfang und Baumpflanzung könnten zielgerichtet und zügig durchgeführt werden. Doch so kurz darf eine Laudatio für einen Preisträger nun wirklich nicht sein. Deshalb möchte ich nochmals kurz auf die alt ehrwürdige Deutsche Gartenbau-Gesellschaft und den "Goldenen Ginkgo" zurückkommen.

Was veranlasst die 1822 gegründete Gesellschaft diese Auszeichnung zu verleihen? Und warum erst ab 2001? Sicherlich war um die Jahrtausendwende die rechte Zeit für einen solchen Preis gekommen. Auf der einen Seite die drängende Erkenntnis, dass lokales Handeln zum Schutz unserer Umwelt die Voraussetzung für die Lösung von globalen Umweltfragen ist und auf der anderen Seite gleichzeitig das Wissen, dass gut gestaltete öffentliche Räume zur urbanen Lebensqualität entscheidend beitragen können.

Weshalb wird der Preis explizit an verdienstvolle "... Persönlichkeiten kommunaler Verwaltungen und Institutionen ..." verliehen? Einer Auszeichnung würdig sind selbstverständlich alle Akteure für eine umweltbewusste Stadtgestaltung. Weniger deutlich ist im Allgemeinen jedoch, wie wichtig das Engagement einer kommunalen Verwaltung oder Institution an dieser Stelle ist. Hier erfolgen Weichenstellungen. Allerdings geht es weniger um Verwaltung, sondern vor allem um eine dynamische Weiterentwicklung und Gestaltung öffentlicher Freiräume für Pflanzen, Tiere und Menschen.

Und warum als Symbol ein "Goldener Ginkgo" - repräsentiert durch ein kleines, aber feines goldenes Ginkgo-Blatt? Das "Goldener" erklärt sich von selbst. Nicht Bronze, nicht Silber, sondern Gold - höchste Wertschätzung für den zu Ehrenden ist damit verbunden. Das Ginkgoblatt ist in der Regel zweigeteilt. Die Blattnerven verlaufen zunächst parallel und bündeln sich dann im Stiel. In der einen Blatthälfte könnte man all die vielfältigen Aufgaben bei einer Stadtentwicklung sehen. Jede einzelne Linie spiegelt einen oder auch mehrere Teilaspekte einer umweltgerechten Stadt wider.

Der Preisträger mit seinen Helfern beim Pflanzen des Ginkgo-Baums, (v.l.n.r.): Jan-Dieter Bruns, Spender des Ginkgo, Detlef Thiel, Karl Zwermann, Thomas Bleicher und Dr. Moritz Patzer, Verlagsleiter im Patzer Verlag. Foto: DGG

Die zweite Blatthälfte steht für aktive Menschen, die an deren Gestaltung mitwirken, eine Blattader zum Beispiel für Planer wie Landschaftsarchitekten oder Stadtplaner, eine für Kinder, eine für Naturschützer, eine für Politiker und so weiter. So wie als Voraussetzung für einen gesunden Baum in der Natur das Blatt des Ginkgos sich natürlich zum Ganzen fügt, müssen die Aufgaben der Stadtgestaltung und engagierte Menschen sich verbinden, um eine sinnvolle Entwicklung der Stadt zu sichern.

Nach dieser, zugegeben eigenwilligen Interpretation möchte ich mich jetzt dem zukünftigen Träger des Goldenen Ginkgo-Blattes und Landschaftsarchitekten Detlef Thiel zuwenden.

Wie Herr Thiel mir versicherte zählt er den Ginkgo zu seinen Lieblingsbäumen. Grundsätzlich beschäftigen ihn Bäume schon sehr lang und intensiv. Mit seinem Berufseinstieg beim Gartenamt Dresden 1987 gehörten Baumschutz und Baumpflanzungen im Stadtgebiet zu seinen Arbeitsschwerpunkten. Und von Anfang an hat er dazu beigetragen, dass der ehemals begrenzte Bestand an Ginkgobäumen in den Straßen der Stadt kontinuierlich vergrößert wurde. Ein weiteres Exemplar wird im Anschluss an diese Veranstaltung von ihm tatkräftig in der guten Tradition des Preises gepflanzt werden.

1993 übernahm Herr Thiel die Leitung des Grünflächenamtes. Das war also vor genau 20 Jahren und wir können damit nicht nur eine Preisverleihung, sondern auch sein Dienstjubiläum feiern. Dresden gehörte zwar bereits vor 1989 zu den wenigen Städten, die in der DDR ein Gartenamt besaßen, jedoch konnten mit den politischen Veränderungen auch neue Verwaltungsstrukturen organisiert werden. Ganz im Sinn der komplexen Aufgabe einer gesamtstädtischen Freiraumentwicklung gestaltete Detlef Thiel diese Neuausrichtung innerhalb der Verwaltung aktiv mit. Das Gartenamt mit Naturschutz, Friedhofs- und Kleingartenwesen war das Ergebnis. Eine sehr fachkompetente und zielorientierte Lösung.

Fotos: Soweit nicht anders gekennzeichnet, GALK e.V.

Inzwischen ist es das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft ohne Naturschutz mit Aufgaben der Unteren Forstbehörde, dem er als Leiter vorsteht. Ein nicht alltäglicher, aber durchaus spannender Mix an Aufgaben. Durch ein zusätzliches betriebswirtschaftliches Studium hat sich Detlef Thiel für die Leitung dieses Amtes qualifiziert. Seine bevorzugten Interessengebiete sind und bleiben jedoch die des Landschaftsarchitekten. Natur und Gestaltung sind die zwei wichtigen Kriterien dieses Berufes - oder besser - seiner Berufung, die ihn persönlich motivieren und helfen, Veränderungen zu akzeptieren und für eine "grüne Stadtentwicklung" zu nutzen.

Meine eigene Erfahrung lehrt mich, dass es gleichgültig ist, ob alter Wein in neuen Schläuchen angeboten wird, solange nur der Wein gut ist. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist genau das ein Ziel von Detlef Thiel. Gemeinsam mit hoch motivierten, fachlich gut ausgebildeten und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach Partnern in der Verwaltung, in der Politik und selbstverständlich auch in der gesamten Stadt suchen, um für eine gute städtebauliche Entwicklung Dresdens streiten zu können.

Sichtet man die große Zahl, der Grundlagenkonzepte für eine solche Entwicklung, an denen Detlef Thiel mitgewirkt hat und mitwirkt, ist mir nicht bange, dass dieses Ziel aus den Augen verloren wird. Straßenbaumkonzept - Spielplatzentwicklungskonzept - Gartendenkmalpflegekonzepte - Friedhofsentwicklungskonzept - Forsteinrichtungswerk - Kleingartenentwicklungskonzept und vieles anderes mehr.

Sogar ein Bankkonzept für die Dresdener Innenstadt gibt es. Die Liste der weiteren fachlichen Ziele für die nächsten Jahre dürfte die ganze Kraft des Preisträgers in Dresden fordern. All die aufgezählten Konzepte gilt es letztlich, ständig gemeinsam mit den Mitarbeitern weiterzuentwickeln und umzusetzen.

Sehr sympathisch sind mir dabei die bereits erwähnten Anstrengungen zum Erhalt und zur Erweiterung des Baumbestandes in Dresden. Bäume gehören zu unseren eindrucksvollsten Gestaltungselementen. Für sie gilt es auch, unter schwierigen Bedingungen Lebensräume zu schaffen. Was wären unsere Straßen, Plätze, Grünanlagen ohne die Blütenfülle der Bäume im Frühjahr, den Schatten der Baumkronen an heißen Sommertagen, die vergängliche Farbenpracht der Herbstblätter oder die Grafik der Baumkronen im winterlichen Himmel mit ihrem Versprechen auf ein neues Frühjahr.

"Er hielt in den hinter uns liegenden zwei spannenden Wettbewerbsjahren die ,grünen' Fäden in der Hand und kann nun mit Stolz und uns gemeinsam seinen ,grünen Daumen' nach oben halten", sagte die Dresdener Oberbürgermeisterin Helma Orosz in ihrem Grußwort. Foto: Mechthild Klett

Thomas Bleicher hielt die Laudatio für Detlef Thiel zur fachlichen Würdigung seiner Leistungen in Dresden. So ist Dresden unter anderem erster Preisträger beim nationalen und beim europäischen Wettbewerb "Entente Florale" 2013. Foto: Mechthild Klett

Und was wären unsere Gesellschaft und unsere Städte ohne Kinder? Denn Spielplätze sind ein anderes wichtiges Themenfeld, dem sich Detlef Thiel mit aller Kraft und den zur Verfügung stehenden Mitteln zuwendet. Weit mehr als nur der klassische Spielplatz erfährt dabei seine Aufmerksamkeit. Die gesamte Stadt als Spielort zu betrachten und Kinder als Betroffene und Experten an diesen Planungen zu beteiligen, sind wichtige und immer wieder praktizierte Möglichkeiten zur Steuerung einer qualitativ guten Spielraumentwicklung. Und das trotz knapper Kassen und nur begrenzt verfügbarer Flächen. Auch das ist eine Aufgabe, bei dem Herr Thiel und seine Mitstreiter meine Sympathie haben. Damit sind jedoch nur zwei der vielen weiteren anspruchsvollen, schönen, aber manchmal auch weniger schönen und trotzdem wichtigen Aufgaben von mir benannt worden, die Herr Thiel während seiner Arbeit im Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft beschäftigt haben und hoffentlich noch lange erfolgreich von ihm gemeistert werden.

Und es ist noch etwas unbedingt hervorzuheben: Wer Herrn Thiel kennt, weiß, dass diese Arbeit weit über den Dienstalltag hinaus reicht. Eine Vielzahl von ehrenamtlichen Aufgaben und Leistungen tragen seine Handschrift. Getreu dem Motto "Wer viel kann, soll auch viel leisten" engagiert sich Detlef Thiel in Kuratorien, Modellprojekten, Kommissionen, Verbänden und Vereinen im Interesse des Berufes.

Nur zwei Beispiele für diese glückliche und erfolgreiche Symbiose zwischen Beruf und Ehrenamt möchte ich an dieser Stelle benennen. Seine seit 1995 währende Tätigkeit in der Kunstkommission Dresden und die ab 2005 erfolgreiche Leitung des bundesweit agierenden Arbeitskreises "Kleingartenwesen" in der Gartenamtsleiterkonferenz. Unschwer lässt sich das breite Spektrum seiner Interessen, seiner Ausdauer und Beständigkeit über viele Jahre erkennen.

Selbstverständlich ist ein so umfangreiches Pensum nicht von ihm allein zu bewältigen. Aber sein persönlicher herausragender Anteil ist unbestritten. Herr Thiel hat Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das fängt in seinem Sekretariat an und reicht in die vielen Verästelungen seines großen Verantwortungsbereiches. Die Erfolge des Amtes und gerade auch die mehrfachen Erfolge bei einem Wettbewerb wie "Entente Florale" sind das Ergebnis vieler Mitstreiter im Amt, in der Verwaltung und in der Bürgerschaft der Stadt. Sie alle mitzureißen, zu motivieren und zu inspirieren, ist seine Pflicht und sein Können als Leiter dieses Amtes.

Bürgerbeteiligung ist für Detlef Thiel keine Worthülse, sondern ein sehr persönliches Anliegen und er macht sie sich zu Eigen durch seine direkte Beteiligung an solchem bürgerschaftlichem Engagement. Besorgt muss man sich fragen: Was - und eine Familie hat er auch noch?

Feiern mit dem Preisträger: (v.l.) Jan-Dieter Bruns, Spender des Ginkgos, der im Anschluss an die Preisübergabe gepflanzt wurde, Preisträger Detlef Thiel, DGG-Präsident Karl Zwermann und Dr. Moritz Patzer, Verlagsleiter des Patzer Verlages. Foto: Mechthild Klett

Eine Eigenschaft Detlef Thiels möchte ich noch erwähnen. Er ist ehrlich, er verstellt sich nicht. Wenn er schlechte Laune hat, dann merkt man es. Wenn es ihm gut geht, spürt man es auch. Bei der Fülle der Aufgaben und den immer wieder nachwachsenden Problemen ist es nicht einfach, sich ständig neu zu motivieren. Wer seinen Chef auch öfters mal zum Feiern einlädt, oder sich von ihm einladen lässt, schafft einen Ausgleich für anstrengende Stunden und kann entspannende Augenblicke gemeinsam genießen. Der an Herrn Detlef Thiel verliehene "Goldene Ginkgo 2013" soll Anerkennung und Ansporn für das gesamte Amt, aber unbedingt und besonders für ihn selbst sein. Herzlichsten Glückwunsch für zum "Goldenen Ginkgo 2013"!

Anmerkung

Der Text beruht auf der Laudatio, die Thomas Bleicher anlässlich der Preisverleihung zum "Goldenen Ginkgo" an Detlef Thiel am 9. Oktober 2013 in Dresden gehalten hat.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 12/2013 .

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