Neue Urnenwand auf dem Friedhof in Meckenbeuren

Urnenbestattung im Trend

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Friedhofstechnik
Die neue Urnenanlage führte dem ehemals brachliegenden Grünareal des Friedhofs eine neue Nutzung zu. Die Wand wurde so konzipiert, dass sie jederzeit erweiterbar ist. Foto: Annette Straßer, Büro Helmut Hornstein

Waren früher klassische Erdbestattungen selbstverständlich, so ist heute ein eindeutiger Trend hin zur Urnenbeisetzung festzustellen. Dabei werden neue Formen der Bestattung nachgefragt, die nur einen geringen Pflegeaufwand benötigen. In Meckenbeuren entstand eine individuell gestaltete Urnenwand, die sich am Gestaltungsstil des restlichen Friedhofskomplexes orientiert und Aufenthaltsqualität bietet.

Trend im Bestattungswesen - Pflegeleichte Gräber

In Deutschland sterben jährlich etwa 850.000 Menschen. In gut 50 Prozent der Sterbefälle wird eine Feuerbestattung gewählt - Tendenz zunehmend. Wie der Bundesverband deutscher Bestatter e.V. dokumentiert, ist der Anteil an Kremationen in Großstädten besonders hoch. Bundesweit betrachtet liegt der Norden und Osten an der Spitze, wobei gegenwärtig auch ländliche Gegenden im Süden und Westen nachziehen. Die Nachfrage nach Urnenbeisetzungen steigt allgemein enorm an.

Ein Hauptgrund für diese Entwicklung im Bestattungswesen liegt im Trend hin zum "pflegeleichten Grab". Der Zeitaufwand für die spätere Pflege soll so gering wie möglich gehalten werden, vor allem wenn keine Angehörigen mehr vorhanden sind oder die Hinterbliebenen nicht in der Nähe wohnen. Um dem demografischen Wandel und den veränderten Ansprüchen Rechnung zu tragen, werden zunehmend individuelle Formen der Bestattung nachgefragt.

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Die kreisförmige Urnenwand auf dem Friedhof in Meckenbeuren bildet einen Raum mit Aufenthaltsqualität – ohne dass ein Gebäude entstanden ist. Foto: Annette Straßer, Büro Helmut Hornstein

Forderung nach einer Urnenwand in Meckenbeuren

Im letzten Jahr errichtete das oberschwäbische Meckenbeuren auf dem bestehenden Friedhof eine neue Urnenwand. In der 13.000 Einwohner zählenden Gemeinde haben inzwischen die Feuerbestattungen die herkömmlichen Erdbestattungen übertroffen. Die Forderung nach einer neuen Form der Urnenbeisetzung mit geringem Pflegeaufwand kam daher aus der Bevölkerung. Aber auch die Gemeindeverwaltung hatte Interesse an der Erstellung einer Urnenanlage, da noch weitere Gründe dafür sprachen: So liegt beispielsweise der Grundwasserspiegel im gesamten Friedhofsgebiet hoch und der Boden ist sehr lehmhaltig. Das führt zu langen Liegezeiten der Erdgräber. Da gleichzeitig der Bedarf an Bestattungsflächen gestiegen ist und eine Erweiterung des bestehenden Geländes nicht möglich ist, hätte ein neues Friedhofsareal im Gemeindegebiet festgelegt werden müssen. Dies konnte mit dem Bau der Urnenwand umgangen werden, da hierfür wesentlich weniger Platz beansprucht wurde.

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Bei Sonnenschein erzeugen die blauen Glasbruchsteine in den Fugen der Urnenwand interessante Lichtreflexionen. Foto: Annette Straßer, Büro Helmut Hornstein
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Auf dem vorgelagerten Balkon können Angehörige vor der jeweiligen Urnenkammer ihren Blumengruß hinterlassen. Foto: Annette Straßer, Büro Helmut Hornstein

Gesamtkonzept Friedhof mit Urnenanlage

Die Urnenwand sollte auf einem bisher ungenutzten Grünareal des Friedhofs errichtet werden, das als Abstandsfläche zur anschließenden Bebauung diente. Erdbestattungen sind hier nicht erlaubt. Nach Abstimmung mit den angrenzenden Anwohnern willigten diese aber einer Urnenanlage in dem Bereich ein. Der dichte Bewuchs wurde ausgelichtet und in großen Teilen gerodet, so dass nur erhaltenswerte Gehölze, wie die große Hainbuche, stehen blieben. Unter diesem Großbaum fand die Urnenanlage ihren Platz und führte so dem ehemals brachliegenden Teil des Friedhofs eine neue Nutzung zu.

Die bisherige Gestaltung der Aussegnungshalle, des Brunnens und der Eingangstore lag in den Händen des ansässigen Kunstschmieds Oskar Hafen, der alle Metallobjekte im gleichen Stil entwarf und fertigte. Die neue Urnenwand sollte zum Gesamterscheinungsbild des Friedhofs passen - eine Forderung des von der Gemeinde gegründeten Ausschusses für Bestattungskultur. Das Landschaftsarchitekturbüro Hornstein aus Überlingen bekam den Auftrag, die Gesamtplanung und Umsetzung zu übernehmen.

Urnenanlage als Skulptur

"Wir wollten einen Raum schaffen, ohne dabei ein Gebäude zu erstellen", so erläuterte der Landschaftsarchitekt Helmut Hornstein Idee und Konzeption der Urnenanlage. Die Anlage sollte keine Konkurrenz zur bestehenden Aussegnungshalle darstellen, sondern die bestehende Friedhofsgestaltung konsequent fortsetzen. Als kreisförmige Anlage mit Pergola erzielt sie eine räumliche Wirkung, die Leichtigkeit und Transparenz bewahrt.

Um Aufenthaltsqualität zu schaffen, wurde eine halbrunde Sitzbank vorgesehen. Trauernde können sich darauf niederlassen und sich dem Gebet und der Einkehr widmen. Besonders schön ist von hier aus auch der freigelegte Blick ins Naturschutzgebiet "Ried" - Ruhe und Weite so weit das Auge reicht.

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Die halbrunde Sitzbank lädt zum Verweilen und zur Andacht ein. In der Kombination der zurückhaltenden Pflanzung mit der schlichten und dezenten Materialwahl schafft das Landschaftsarchitekturbüro Hornstein aus Überlingen hierfür einen ruhigen Rahmen. Foto: Annette Straßer, Büro Helmut Hornstein

An vielen bestehenden Urnenwänden ist zu beobachten, dass Hinterbliebene zu Fest- und Trauertagen gerne an Ihre Verstorbenen mit Blumen und Kerzen erinnern. Oft stehen diese Dinge dann ungeordnet auf dem Boden. Daher hatte der Landschaftsarchitekt vom Bodensee die Idee, die Urnenkammern in Meckenbeuren mit einem vorgelagerten Balkon in Form eines durchgängigen Bandes zu versehen. Hier können die Angehörigen ihren Blumengruß oder ein Licht vor der Kammer platzieren - gleichzeitig entfällt das ungeordnete Durcheinander am Fuße der Urnenwand. Einzig nach aktuellen Beerdigungen sind Blumengebinde auf dem Boden für drei Wochen erlaubt.

Bei der Wahl der Materialien sah der Planer zeitlose Klassiker vor: Die einzelnen Urnenkammern aus grauen sandgestrahlten Betonfertigteilen werden mit Platten aus dunklem Basalt verschlossen. Die Pergola aus schwarz lackiertem Stahl mit einem vergoldeten Kreuz in der Mitte fertigte der ansässige Kunstschmied. Einzig die "blauen Lichtfugen" als modisches Zitat bilden dezente Kontraste. Bei entsprechendem Sonnenstand bewirken die mit blauen gebrochenen Glassteinen befüllten Spalte interessante Reflexionen.

Auch das Bepflanzungskonzept passt sich dem dezenten Design an und bildet einen ruhigen Rahmen. Da die individuellen Blumengebinde auf dem "Balkon" der Urnenkammern bereits Farbakzente setzen, vermied der Landschaftsarchitekt in der Begrünung der Anlage auffällige, farbintensive Blüten. Er wählte Gräser, Bodendecker und Kletterpflanzen mit zurückhaltendem Blütenschmuck. In der Kombination mit den Materialien schaffte das Überlinger Büro so einen würdevollen Raum der Trauer.

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Die vorgefertigten Urnentürme wogen jeweils neun Tonnen. Sie wurden von einem Kettenbagger über eine stillgelegte Bahntrasse angeliefert, die außerhalb des Friedhofsgeländes verlief. Foto: Annette Straßer, Büro Helmut Hornstein

Planung, Bau und Nutzung

Eine besondere Herausforderung beim Bau der Urnenanlage stellte die Anlieferung der vorgefertigten Urnentürme dar. Innerhalb des Friedhofsgeländes konnte der Aufstellort mit den etwa neun Tonnen schweren Elementen nicht angefahren werden, da die bestehenden Wege nicht für diese Belastung ausgelegten waren. Der Transport erfolgte deshalb außerhalb des Friedhofes auf einer stillgelegten Bahntrasse mit einem Kettenbagger.

Die Planung und Durchführung des Projektes fand in enger Abstimmung der Gemeinde mit dem Landschaftsarchitekturbüro Hornstein statt. So konnte auch die genehmigte Gesamtbausumme von etwa 130.000 Euro inklusive Freianlagen eingehalten werden. In den neuen 36 Kammern finden nun jeweils bis zu fünf Urnen Platz. Falls die Nachfrage in der Gemeinde weiter steigt, ist die Urnenwand so angelegt, dass sie jederzeit erweitert werden kann.

Am Ende weihte die evangelische und katholische Kirchengemeinde nach zwei Monaten Bauzeit in einem ökumenischen Gottesdienst die neue Urnenanlage ein. Meckenbeuren bietet damit seiner Gemeinde eine zeitgemäße, "pflegeleichte" Bestattungsmöglichkeit an -gleichzeitig konnte mit der Umnutzung des abgelegenen Friedhofteils eine Neuausweisung von Friedhofsflächen vermieden werden.

Dipl. Ing. (FH) Annette Straßer
Autorin

Landschaftsarchitektin, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

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