Trauer

Pomologe Dr. Fritz Brudel verstorben

Am 29. Juli 2023 verstarb der Brandenburger Pomologe und Mitglied der Lenné-Akademie Dr. Fritz Brudel. Am 18.11.1933 in Ketzin geboren, war er schon von Kindesbeinen an am Thema Obst interessiert. Er studierte an der Humboldt Universität und wurde auch dort promoviert.
Lenné-Akademie für Gartenbau und Gartenkultur Obstbäume

Sein konkreter Einsatz für Potsdam, und hier insbesondere für die Russische Kolonie Alexandrowka, begann 1994 mit der Untersuchung der verbliebenen historischen Obstsorten in der Kolonie und der Erarbeitung einer Konzeption zur Rückgewinnung der einstigen Obstanlage.

Die Lenné-Akademie beauftragte ihn mit den Untersuchungen und 1995 legte er sein grundlegendes Gutachten vor: "Konzept zur pomologischen Rekonstruktion der russischen Kolonie Alexandrowka in Potsdam.", das bis zuletzt die Richtschnur für die gesamten gartenhistorischen Arbeiten blieb. Er fand noch 49 Apfel-, 26 Birnen-, 13 Süßkirschen-, zwei Sauerkirschen- und acht Pflaumensorten als Altbestand vor. Nicht alle aufgefundenen Sorten waren ursprünglich in der Kolonie vorhanden, aber durch einen Vergleich mit den im "Verzeichnis von Obstbäumen und Frucht-Sträuchern" von Peter Joseph Lenné aus dem Jahr 1829/30 gelisteten Sorten, konnten die historisch relevanten erkannt werden.

Ein besonderes Ereignis war die Entdeckung der "Borsdorfer Herbstrenette", bei Lenné vermutlich der "Herbst Borstdorffer". Das Institut für Obstbau in Müncheberg bestimmte diese in Brandenburg ausgestorbene historische Sorte, was in der Fachwelt als Sensation aufgefasst wurde. Der Baum lebt immer noch, geht aber sichtbar seinem Ende entgegen. Neue Veredelungen werden diese Kostbarkeit aber hoffentlich dauerhaft in der Kolonie erhalten.

Auf der Grundlage seiner Konzeption konnten in kongenialer Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt, ständig begleitet durch die Denkmalpflege, insgesamt 2611 Obstgehölze in 585 historischen Sorten ((inkl. Obststräucher) in der Kolonie wiederangepflanzt beziehungsweise erhalten werden. Das ist der dokumentierte Bestand von 2012.

Nachzulesen ist das alles in dem "Obstatlas der Russischen Kolonie Alexandrowka in Potsdam. Ein pomologischer Führer." von 2012, der von der Stadtverwaltung Potsdam herausgegeben wurde. Darin begründet Fritz Brudel seine Vorgehensweise ausführlich, und alle historischen Obstsorten werden beschrieben und zumeist farbig abgebildet. Bis heute ein nützliches Handbuch, welches wohl noch in einigen Restexemplaren käuflich erworben werden kann.

Um einige historische Sorten selber veredeln und heranziehen zu können, arbeitete er intensiv mit dem 1978 gegründeten Arbeitskreis Gatow (in Spandau) zusammen, der ehrenamtlich eine eigene kleine Baumschule betreibt. Nach einigen Jahren konnten die erfolgreichen Veredelungen in die Alexandrowka übernommen werden. In der Kolonie stand er auch im Rahmen von verschiedenen Veranstaltungen, zuletzt auch auf dem Gelände des dortigen privat geführten Museums, auch zusammen mit Kollegen wiederholt gern zur Obstsortenbestimmung zur Verfügung. Das wurde von den Bürgern stets gern und viel in Anspruch genommen.

In Werder sorgte Fritz Brudel dafür, dass die Jahrzehnte als verschollen geltende und um 1830 in Werder entstandene Werdersche Wachsrenette im Hof des Obstbaumuseums angepflanzt werden konnte. Sie gedeiht jetzt auch in der Sammlung der Alexandrowka. 1998 wurde diese seltene Apfelsorte in Berlin wiedergefunden.

Fritz Brudel galt als stets hilfsbereiter, freundlicher, kollegialer und sehr geschätzter Obstfachmann, den man stets gern zu Rate zog. Wir werden ihn vermissen und sein ehrendes Angedenken bewahren. Potsdam hat ihm eine der größten historischen Obstsammlungen des Landes Brandenburg zu verdanken!

Andreas Kalesse, Stadtkonservator i. R., Spandau

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