Untersuchungen zu ihren Entwicklungen im kommunalen Grün

Dauerhafte Schaupflanzungen an zehn Gartenschau-Standorten

von:
Stauden
1. Pyramidenstümpfe Potsdam im Sommer 2018. Foto: Daniela Kuptz

Pflanzplaner kreieren für Gartenschauen besondere Kompositionen von Staudenpflanzungen. Sie demonstrieren mit den Pflanzen neue Verwendungsmöglichkeiten unter Einbeziehung bekannter und neuer Gattungen, Arten und Sorten. Viele dieser Pflanzungen gehen nach der Schau in das dauerhafte Grün der Kommunen über. Die Beobachtung dieser Staudenpflanzungen gibt Aufschluss über ihre Dauerhaftigkeit anhand ihrer Entwicklung im Beet und in ihrem Verhalten untereinander.

Über die Lebensdauer von Staudenpflanzungen finden sich einzelne Angaben in der Fachliteratur. Aussagen zur Dauerhaftigkeit von einzelnen Gattungen und Arten werden angedeutet (Jelitto Schacht & Simon, 2002), aber wenig Untersuchungen zur Lebensdauer von Pflanzkompositionen.

Die Gruppierung nach verschiedenen Lebensaltern fassen Gattungen nach ihrer Ausdauer im Beet zusammen (Hansen & Stahl, 1963, S. 33-38, Bouillon, 2013, S. 23):

  • Kurzlebige Stauden: zwei bis fünf Jahre, Optimum im ersten und zweiten Jahr nach der Pflanzung, Wildarten sehr lebendig, Bereicherung durch Versamung, Beispiele: Gaillardia, Verbascum
  • Mäßig dauerhafte Stauden: fünf bis zehn Jahre, Optimum im zweiten bis vierten Jahr nach der Pflanzung, gute Pflege kann Lebensalter verlängern, Beispiele: Nepeta, Delphinium, Lupinus
  • Dauerhafte Stauden: zehn bis 20 Jahre, Beispiele: Heliopsis, Hemerocallis, Phlox
  • Sehr dauerhafte Stauden: bis über 20 Jahre, Beispiele: Hosta, Miscanthus, Paeonia, Rodgersia.

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Dauerhaftigkeit von Staudenpflanzungen wird von den Faktoren Standort, Planung, Artenauswahl und Pflege beeinflusst. Im Sichtungsgarten Weinheim rechnet man mit sieben Jahren bis zur ersten weiterentwickelnden Pflege für Staudenpflanzungen allgemein (Schmidt & Hofmann, 2010). Mit diesem Durchschnittswert sind die ökologischen Strategietypen nicht einzeln betrachtet. Ruderalstrategen wie Gaillardia suchen sich immer wieder Nischen, die sie alleine besiedeln können. Das Individuum ist kurzlebig, aber die Gattung bleibt über einen längeren Zeitraum (>5 Jahre) im Beet vertreten. Diese ökologischen Verhaltensweisen sind für die Planung genauso wichtig wie die Beachtung der Lebensbereiche (Bouillon, 2013, S. 42).

Gartenschaupflanzungen sind vor allem auf den Schaueffekt im Durchführungsjahr im zweiten oder dritten Standjahr angelegt. "Ausstellungspflanzungen lassen sich daher nicht einfach in nachhaltige Pflanzungen umwandeln" (Bouillon, 2013, S. 201). Nach der Gartenschau steht den Kommunen für ihre Unterhaltungspflege weniger Budget zur Verfügung. Dennoch bieten ehemalige Gartenschaustandorte Beispiele von reifen Staudenpflanzungen (Kuptz, 2017, S.355 ). Diese Anlagen, die das Durchführungsjahr der Gartenschau überdauert haben, sollen hier untersucht werden. Der Faktor Pflege spielt für die Entwicklung eine entscheidende Rolle und wird im Anschluss an diese Untersuchung zum Thema. Hier richtet sich der Blick zunächst auf die Pflanzenauswahl und ihre Kombination im Beet.

Folgende Forschungsfragen sollen beantwortet werden:

Material und Methodik

  • Wie viele und welche einzelnen Taxa sind besonders dauerhaft und konkurrenzstark?
  • Welche Planungen und Bepflanzungssysteme haben sich über längere Zeit am jeweiligen Ort bewährt?

Für die Untersuchung wurden zehn Orte in verschiedenen Klimaregionen ausgesucht (siehe Karte). Weitere Kriterien der Auswahl sind:

  • Raumprägende Staudenpflanzung des öffentlichen Grüns (Größe >100 m²)
  • Thematischer Teil eines ehemaligen Gartenschauparks (Lageplan)
  • Staudenpflanzung im Original mit möglichst geschlossener Pflanzendecke erhalten
  • Die Pflanzung ist im Stil nach 1990 entstanden (New German Style, New American Garden) (Reif, 2013)
  • verfügbarer Pflanzplan, der mit dem heutigen Bestand verglichen werden kann
  • Lebensbereiche Gehölzrand, Freifläche oder Steinanlage.

Zehn verschiedene Standorte

Zunächst wurde kartiert, welche Pflanzen aus dem Originalplan noch erhalten sind. Die Anzahl der vorgefundenen Gattungen und Arten wurde ins Verhältnis gesetzt zu der ursprünglichen Anzahl aus der Planung. Im weiteren Verlauf der Untersuchungen wurde das Ausbreitungsverhalten der einzelnen erhaltenen Pflanzen im Vergleich zum Pflanzplan erfasst. Daran lässt sich ablesen, welche Pflanzen sich besonders entwickeln konnten. Ihre Einstufung in die Strategietypenordnung erhöht das Verständnis über ihr Verhalten. Diese Ergebnisse wurden den "Bepflanzungstypen" der verschiedenen Pflanzplaner gegenüber gestellt (Bouillon, 2013, S. 81).

Mit zunehmendem Alter der Anlagen ist eine Abnahme der gepflanzten Arten durch "einwandernde Konkurrenten" oder die Dominanz einer einzelnen Art anzunehmen (Witt, 2006, S. 137). Die prozentuale Vielfalt der Taxa im Vergleich zur Originalplanung fällt hier unterschiedlich aus. Der Standort Potsdam sticht mit 70 Prozent erhaltenen Pflanzen heraus.

Weitere hohe Werte über 50 Prozent (dunkelgrüne Säulen) erreichen nur die Anlagen Gera, Koblenz und Hamburg, die 2006, 2010 und 2011 angelegt wurden. Im Mittelfeld (40-50 Prozent, mittelgrün) liegen die Anlagen Mosbach, Bad Zwischenahn, Rostock und Rietberg, wobei Mosbach mit einem Alter von über 20 Jahren hervorsticht. Zum Vergleich: In einer "langfristig konzipierten Staudenpflanzung" sollten nach drei bis vier Jahren "wenigstens 50 Prozent der Arten" enthalten sein (Witt, 2006, S. 137). Liegt der Flächenanteil (graue Säule) dieser erhaltenen Arten am Gesamtbeet höher als die Pflanzenvielfalt (grüne Säule), so kann von einer großflächigen Ausdehnung der Konkurrenzstarken bei abnehmendem Artenspektrum ausgegangen werden (Beispiel Mosbach).

Niedrige Werte (20-33 %, hellgrün) sind in Würzburg und Norderstedt zu finden. Als dauerhaft und ausbreitungsstark erweisen sich folgende Pflanzen an mindestens zwei bis vier Standorten, siehe Tabelle:

Alle zehn Pflanzungen haben sich im Vergleich zum Pflanzplan verändert. Die Vielfalt der Gattungen und Arten hat unterschiedlich stark abgenommen. Die oft regelmäßigen Pflanzmuster (schuppenförmig, quadratisch) haben sich in organisch geformte Gruppen einzelner Taxa aufgelöst. An einigen Orten sind die Bestände einzelner Gattungen miteinander durchdrungen (Verlaufspflanzung).

Potsdam

Die durchschnittliche Niederschlagsmenge liegt in Potsdam mit 550 Millimeter pro Jahr unter dem Mittelwert der übrigen Standorte, denn hier herrscht kontinental getöntes Klima mit warmen trockenen Sommern und kalten Wintern und nur fünf Monaten über 10 Grad. Die Pyramidenstümpfe in Potsdam bieten dem Lebensbereich sonnige, trockene Steinanlage. Die Planer haben sich an dieser Vorgabe orientiert und vor allem Stauden ausgesucht, die auf diese Standortbedingungen spezialisiert sind. Der gewählte Bepflanzungstyp ist eine Mischung aus einer Driftpflanzung (Iris-Arten in Streifen) und einer Mosaikpflanzung (alle anderen). Dies Muster hat sich in 17 Jahren zu einer "Geselligkeitsstufenpflanzung" (Bouillon 2003, S. 87) verändert.

Ihr Verhalten ist geprägt von einer hohen Stresstoleranz bei einem geringen Konkurrenzverhalten. Langlebige wie Iris elatior-nana, Helianthemum Hybriden, Salvia officinalis haben sich etabliert. Die Pflanzung wurde 2008 nach den Pflanzplänen überarbeitet, kurzlebige Arten wurden nachgepflanzt. Die Beetflächen haben an Flächendeckung verloren, der Schotter wird sichtbar, schützt aber gleichzeitig vor Wildkrauteinflug. So lässt sich die Planungsidee noch eindeutig ablesen: Graulaubige trockenheitsresistente Stauden mit jahreszeitlichen Blühaspekten. Durch die Trockenmauern liegen die Beete erhöht und sind gegen Störungen wie Überlaufen geschützt.

Bad Zwischenahn

Bad Zwischenahn hat eine Jahresniederschlagsmenge von 700 Millimeter und bietet dem Lebensbereich sonnige, trocken bis frische Steinanlage bei fünf Monaten über 10 Grad. Allerdings befindet sich die Anlage im ozeanischen Klima der Norddeutschen Tiefebene mit etwas höheren Jahresniederschlägen, milderen Wintern und mäßig warmen Sommern. Die Vielfalt in Bad Zwischenahn hat sich um mehr als die Hälfte reduziert. Der Bepflanzungstyp ist mit quadratischen Blöcken von ein bis 2 Quadratmetern der Mosaikpflanzung zuzuordnen. Diese Blöcke haben sich über die Jahre in kleinere Bestände verwandelt. Das Muster ähnelt heute einer Geselligkeitspflanzung mit starkem Aspekt von Verbascum nigrum und großen Flächen von Geranium sanguineum.

Durch den offenen Boden im Beet konnten sich Ruderalstrategen wie Oenothera biennis neu etablieren und die eigentliche Planungsidee verändern. Achnatherum calamagrostis, Euphorbia myrsinites und Gyphsophila repens aus der ursprünglichen Planung haben sich punktuell ausgebreitet. Im Vergleich zu Potsdam sind hier viele Gattungen in gleichen Geselligkeiten gepflanzt, damit wurde ihr Verhalten wenig berücksichtigt.

Koblenz

Koblenz liegt im mittleren Rheingraben mit einem Jahresniederschlagsmittel von 700 Millimeter und sechs Monaten über 10 Grad. Das bedeutet warme Sommer und milde Winter. Die Beetfläche liegt im Lebensbereich Freifläche und teilweise am Gehölzrand des Eichenbosketts mit trockenem bis frischem Boden. Taxa, deren Standortamplitude in beide Bereiche hineinreichen, zeigen hier ein deutliches Ausbreitungsverhalten wie Vernonia crinata und Veronicastrum virginicum, während zum Beispiel Clematis heraclifolia (Lebensbereich Gehölzrand) in der Freifläche rückläufig ist. Das Bepflanzungsmuster ist eine Blockpflanzung (20-80m²) mit eingestreuten Großstauden wie Gräsern. Aconogonon 'Johanniswolke' hat sich über die Jahre sehr ausgebreitet und unterbricht die Wirkung der Blockpflanzung. Mischungen von Lythrum salicaria und Salvia nemorosa haben sich auf die Gattung Salvia reduziert (siehe Foto 7).

Hamburg

Hamburg ist ozeanisch geprägt mit einem Jahresniederschlagsmittel von 700 Millimeter und einer Jahrestemperaturamplitude von 16,3 Grad. Der Standort ist mit seiner sonnigen Lage und den geschlossenen Gefäßen (Blumenschiffe) als trockene Freifläche oder Beet einzustufen. Petra Pelz verwendete hier Kombinationen aus zwei oder drei Gattungen in organisch geschwungenen Blöcken von mehreren Quadratmetern. Gräser und Aspektbildner wie Crocosmia, Hemerocallis und Helenium setzen Höhenakzente in den Flächen. Dieser Eindruck hat sich fünf Jahre nach der Gartenschau verändert. Zwar sind 60 Prozent erhaltene Arten vorhanden, aber einige Stauden sind auf kleine Gruppen reduziert. Gerade trockenheitsliebende Pflanzen aus dem Lebensbereich trockenes Beet oder trockene Freifläche sind zurückgegangen. Robuste Beetstauden wie Hemerocallis, die einen frischen Boden bevorzugen, sind stabil geblieben.

Norderstedt

Norderstedt liegt wie Bad Zwischenahn in der Norddeutschen Tiefebene, mit Jahresniederschlägen von 700 Millimeter und milden Wintern bei + 0,5 Grad. In Norderstedt haben sich trotz der Kaninchenplage folgende Taxa etablieren und sogar ausbreiten können: Aster ageratoides 'Ashvi', Geranium nodosum und G. oxonianum. Aster ageratoides ist ein C-Stratege und durchsetzungsstark als auch langlebig. Die Lage der Pflanzung in der Freifläche und am Gehölzrand unter den Birken entspricht ihrem Lebensbereich. "Die Mosaikpflanzung lässt ein gewisses Maß an Dynamik zu, so dass der Ausfall einer Art durch die anderen Stauden verdeckt" wird beziehungsweise zuwächst (Bouillon, 2013, S. 85). Eine zweijährige Kaninchenplage hat den Artenbestand stark dezimiert und die Beete durch Gangbauten teilweise zerstört. Kirengeshoma palmata Miscanthus und Phlomoides sind erhalten geblieben.

Würzburg

Das Klima von Würzburg ist vergleichbar mit Koblenz mit 700 Millimeter Jahresniederschlag vorwiegend im Sommer und kühleren Wintern unter 0 Grad. Es ist die älteste der zehn untersuchten Anlagen mit einem ursprünglich kleinteiligen Pflanzsystem aus der Geselligkeitsstufenpflanzung. Mit weniger als 50 Prozent der Originaltaxa hat sich diese Staudenpflanzung stark verändert. Obwohl es sich um einen trockenen Standort handelt, überzeugt Rudbeckia nitida mit einem deutlichen Zuwachs. Auch Rudbeckia. fulgida var. sullvantii 'Goldsturm' ist noch vorhanden, wenn auch rückläufig. Ebenso langlebig sind Astern wie A. ericoides und A. novi-angliae. Die hohe Durchmischung von neuen Art wie Alchemilla mollis oder Carex pendula hat die Pflanzung verändert, trotzdem ist ihre Wirkung ansehnlich, da die Pflanzendecke geschlossen wirkt und jede Jahreszeit ihre Blühaspekte bietet.

Mosbach

Mosbach im Süden von Deutschland liegt im milden Klima des Neckars mit sieben Monaten über 10 Grad und einer Jahresniederschlagsmenge von 700 Millimeter. Die 20-jährige Anlage, die als Daueranlage geplant war (Orel, 1997), ist als schuppenförmige Mosaikpflanzung ausgeführt worden. Diese hat sich in eine Blockpflanzung entwickelt. Einartbestände von mehr als 25 Quadratmetern prägen das Bild der Anlage. Die Idee der Blattstrukturen lässt sich immer noch gut ablesen, obwohl sich die Vielfalt um 50 Prozent verringert hat. Konkurrenzstarke Strategen wie Alchemilla mollis, Bergenia crassifolia und Epimedium perralchicum 'Fronleiten' sowie E. versicolor 'Sulphureum' haben die Flächen erobert.

Rietberg

Rietberg an der Ems bietet einen der feuchtesten Standorte aller zehn Orte in der Luvseite des Teutoburger Waldes mit 900 Millimeter Jahresniederschlag. Der Lebensbereich Freifläche trocken bis frisch in voller Sonne ist hier Standortbedingung. Die Pflanzplanerin hat die Auswahl der Stauden an diesen Gegebenheiten ausgesucht. Mit der Mosaikpflanzung im rechtwinkeligen Raster ist eine vielfältige Pflanzung entstanden, die heute ein organisches Grundmuster angenommen hat. Die zehnjährige Pflanzung hat sich auf 65 Prozent der originalen Anzahl reduziert, kurzlebige Arten sind Gaura lindheimeri und Centranthus ruber sind verschwunden, konkurrenzstarke wie Sanguisorba tenuifolia konnten sich ausbreiten.

Rostock

Rostock bietet mit einem ozeanisch beeinflussten Klima milde Winter, aber nur geringen Jahresniederschlag von 600 Millimeter. Der Bepflanzungstyp ist eine Mischung aus großen Blöcken kombiniert mit einzelnen Gräsergruppen. Das Thema der Pflanzung "Gräser und ihre charmanten Begleiter" lässt sich nach 15 Jahren nicht mehr eindeutig ablesen. Obwohl die Gräser die Pflanzung dominieren, haben sich die Begleitstauden auf kleine Gruppen reduziert. Cephalaria gigantea hat, obwohl nur punktuell gepflanzt, alle Beete durchdrungen und schwächere Gattungen wie Rudbeckia fulgida var. deamii verdrängt. Heute präsentiert sich die Pflanzung vor allem aus wenigen hohen konkurrenzstarken Stauden. Auffällig ist eine geringe Bodenabdeckung, fast 46 Prozent der Beetfläche liegt offen und bietet Nährboden für einfliegende Samen. Ein Bepflanzungstyp lässt sich aktuell nicht zuordnen.

Gera

Gera liegt wie Potsdam im kontinentalen Klima mit 600 Millimeter Jahresniederschlag. Die Pflanzung von Petra Pelz ist im Blockmuster angelegt, das heute zu einem Monoblockmuster tendiert. Die Lebensbereiche Beet, Freifläche und Gehölzrand prägen die vier untersuchten Beete. Die alteingewachsenen Laubgehölze haben den Feuchtegrad entschieden verändert, so dass einige Stauden komplett ausgefallen sind. Bistorta amplexicaule konnte sich hier etablieren und ausbreiten.

Diskussion

Obwohl Schaupflanzungen nicht auf Dauerhaftigkeit angelegt sind, können diese Pflanzungen länger als drei Jahre erhalten werden. Die kartierten Pflanzungen beweisen sogar eine Lebensdauer von zehn bis fünfzehn Jahren. Damit verbunden sind ein Rückgang der Artenvielfalt und eine Veränderung der Bepflanzungstypen bei einer nahezu geschlossenen Pflanzendecke in den Sommermonaten. Trotzdem bieten diese Anlagen einen gestalterischen Wert im Gesamtkonzept der Parks wie Gespräche vor Ort belegen.

Vier von zehn Standorten zeigen mehr als 50 % der ursprünglichen Pflanzenauswahl, drei davon sogar acht, zehn oder siebzehn Jahre nach der Gartenschau (siehe Diagramm). In der Überzahl zeigen sich die konkurrenzstarken Hochstauden als besonders dauerhaft durch Flächenbesetzung (Typ 4) und Flächenausweitung (Typ 6, siehe Tabelle). Der hohe Anteil der Gräser beweist ihre vielfältige Verwendung in unterschiedlichen Bepflanzungstypen.

Aber auch die stresstoleranten oder - angepassten Stauden können an entsprechenden Standorten sehr dauerhaft sein wie Salvia officinalis oder Heuchera Hybride 'Palace Purple'. Die Ruderalstrategen bilden das Schlusslicht mit nur zwei Vertretern.

Die Untersuchung zeigt, dass sich Extremstandorte mit langlebigen stresstolerierenden Stauden am besten eigenen, um ein Bepflanzungsmuster über mehr als fünfzehn Jahre zu erhalten. Die Steinanlage in Potsdam bietet extreme Standortbedingungen und ermöglicht es dadurch den langsam wachsenden, stresstoleranten Stauden sich zu entwickeln. Im Gegensatz dazu ist die Anlage in Bad Zwischenahn durch den offenen Boden einer höheren Dynamik für Neuansiedlungen ausgesetzt. Durch die flächige Präsenz von Oenothera tetragona tendiert das Beet zum Ruderalstandort. Je besser also Pflanzenauswahl und Standortbedingungen aufeinander abgestimmt sind, desto eher lässt sich eine Pflanzung erhalten.

An den Standorten Hamburg, Koblenz und Rietberg spielt die Dynamik eine Rolle, ausgelöst von den wuchsstarken, langlebigen Hochstauden (C-Strategen, Typ 6.4). Ihr extremes Wachstum hat bereits kurzlebige C-Strategen wie Agastache rugosa verdrängt. Auf Dauer (+ 10 Jahre) werden sich diese großflächigen Pflanzsysteme in ihrer Artenvielfalt weiter verringern (siehe Gera und Rostock). Ihre Dauerhaftigkeit als Pflanzensystem löst sich auf zu Einartbeständen. Diese rasante Entwicklung bedarf einer fachkundigen Pflege, um das Originalbild zu erhalten. Lässt man die Dynamik der Staudenpflanzungen hingegen zu, so verliert sich die ursprüngliche Planungsidee. Je statischer eine Pflanzung angelegt ist, desto besser lässt sich ihre Vielfalt und Gestaltung erhalten.

Die Aussage über die Artenvielfalt der erhaltenen Pflanzen lässt die Frage nach den übrigen Pflanzen im Beet offen, die nachträglich eingetragen sind. Ihr Anteil kann die Planungsidee bereichern oder aber auch verfremden. Analyse und Vergleich der verschiedenen Pflegemodelle erfolgt im Anschluss.

Literatur

Bouillon, JM 2013. Handbuch der Staudenverwendung Empfehlungen für Planung, Anlage und Management von Staudenpflanzungen ; 25 Tabellen.

Hansen, R, Stahl, F 1963. Unser Garten.

Jelitto, L, Schacht, W, Simon, H 2002. Die Freiland-Schmuckstauden : Handbuch und Lexikon der Gartenstauden.

Kuptz, D. 2017. Die Gartenkunst. Die Bedeutung von Gartenschauen für die Staudenverwendung. Worms: Wernersche Verlagsgesellschaft mbH.

Michael, T 2018. Diercke Weltatlas.

Orel, C. 1997. Gartenpraxis. Ulmers Pflanzenmagazin. Ein Garten aus Astern und Verwandten. Faszination des Vergehenden. Stuttgart: Ulmer.

Reif, J. 2013. Gartenpraxis. Ulmers Pflanzenmagazin. Die Renaissance der Staudenverwendung 1980-1995. Staudenverwendung von 1995 bis 2005. Stuttgart: Ulmer.

Schmidt, C, Hofmann, T. 2010. Dega. Stuttgart: Ulmer Verlag.

Witt, R 2006. Nachhaltige Pflanzungen und Ansaaten Kräuter, Stauden und Sträucher ; für Jahrzehnte erfolgreich gärtnern ; naturnah, praktisch, neu ; mit Unkräuter-Lexikon Ottenhofen: Naturgarten Verlag Ottenhofen.

Dipl.-Ing. Daniela Kuptz
Autorin

Landschaftsarchitektin, Hochschule Neubrandenburg University of Applied Sciences Fachbereich LG Landschaftswissenschaften und Geomatik, Lehrgebiet Pflanzenverwendung

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