Warum sich der Blick auf die Gartenschauen von 2022 lohnt

Gartenschau - Chancen, Risiken, Besonderheiten

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Abb. 1: Gartenschau Eppingen – Brückenschlag zwischen Bahnhof und Altstadt mit Weiher, Holzterrasse und Parkwiese. Foto: Katrin Korth

Die Beliebtheit von Gartenschauen ist ungebrochen. Auch das Jahr 2023 wird ein Jahr mit mehreren Schauen. Und wie immer werden hohe Erwartungen gesteckt, gelten doch Gartenschauen seit vielen Jahren als Erfolgsmodell für die Freiraum- beziehungsweise Stadtentwicklung der ausrichtenden Kommunen. Gleichzeitig gibt es mit jedem Gartenschaujahr Kritik, auch wenn diese verhalten ist, möglicherweise, um das Modell Gartenschau in seiner Gesamtheit nicht zu gefährden. Das hat zur Folge, dass sich am System der Gartenschauen nur wenig zu ändern scheint. Dabei gibt es Chancen, Risiken, Besonderheiten und Probleme, die eine nähere Betrachtung verdienen.¹

Positiv ist, dass fachliche und politische Ressourcen, Finanzmittel sowie Fördermittel unterschiedlicher Programme für die Gartenschauen in einer Intensität fokussiert werden, wie es kaum ein klassisches Städtebauförderprogramm vermag. Wirtschaft und Tourismus werden angekurbelt.

Für die Stadtgesellschaft sind die Schauen meistens ein besonderes Ereignis. Mangelnde Flexibilität und Zeitdruck in der Realisierungsphase, Verfügbarkeit von Grundstücken, dass starre Konzept der wettbewerblichen Verfahren, aber auch manch ein Mangel in der planerischen Konzeption können am Ende aber dazu führen, dass die gewünschte nachhaltige Wirkung nicht genügend eintritt. Die Verknüpfung von Daueranlage und temporärer Ausstellung gelingt nicht immer.

Die seit Jahrzehnten festgelegten Bausteine, mit denen sich die Betriebe der grünen Branche präsentieren, stellen mitunter ein Problem dar. Themengärten sollen das Können der Landschaftsgartenbaubetriebe zeigen. Dementsprechend aufwendig werden sie geplant. Dadurch erscheinen sie nicht selten losgelöst von den aktuellen Debatten um stadtklimaangepasste, Biodiversität fördernde und regionaltypische Bau- und Gartenkultur. Ähnlich sieht es bei den Beiträgen der Friedhofsgärtner aus. Auf den Gartenschauen werden aufwendige Einzelgrabgestaltungen gezeigt, obwohl der Trend zu leicht pflegbaren Urnengräbern beziehungsweise Urnenfeldern geht.

Den einzelnen Ausstellenden ist hierbei kein Vorwurf zu machen, der Fehler liegt im System. Das starre Format in der Einbindung der Grünen Verbände, die hier vermeintlich werbewirksame Präsentationsplätze erhalten und sich dafür privatwirtschaftlich einbringen müssen, führt dazu, dass nicht zwangsläufig das gezeigt wird, was gesellschaftlich relevant ist, sondern dass, wovon sich die Ausstellenden den größten Mehrwert versprechen.

Dabei verbleibt positiv anzumerken, dass sich immer noch Gartenbaubetriebe finden, die das Abenteuer Gartenschau auf sich nehmen, denn wirkliche Auftragsversprechen entstehen aus der Teilnahme an der Gartenschau kaum. Dennoch gibt es Anzeichen für eine Trendwende. Die Themengärten auf der Bundesgartenschau in Erfurt zeigten einen ermutigenden Umgang mit den aktuellen Debatten und präsentierten sich überwiegend als grüne Oasen.

Gartenschauevents sind Massenveranstaltungen mit Veranstaltungsformaten, die wirtschaftlich geprägt sind und möglichst hohe Besucherzahlen generieren sollen. Diese Situation wiederum bedeutet Flächendruck und Konzepte, deren Ausrichtung eben nicht auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist, sondern auf kurzfristige Effekte.

Angesichts der anstehenden medialen Inszenierung des kommenden Gartenschaujahres, bei dem in der Regel zunächst die planenden Büros ihre Entwürfe präsentieren, ist eine Auseinandersetzung und Bewertung am Ende von Gartenschaujahren bisher die Ausnahme.

Dabei lohnt sich der Rückblick, zeigt er doch, welche der gesteckten Ziele erreicht werden konnten, was funktioniert hat, welche Herausforderungen in der Nachnutzung absehbar sind und welche Erkenntnisse für weitere Gartenschauen absehbar sind. Die Ausrichtenden selbst können diesen Rückblick nur bedingt leisten.

Zum einen sind sie auf ihre eigene Schau fixiert, zum anderen ziehen sie, egal wie eine Schau verlief, immer ein positives Fazit. Das ist sogar nachvollziehbar, denn bei einer möglichen Bewertung muss berücksichtigt werden, dass neben der temporären Schau mit den Daueranlagen und zahlreichen Umfeldmaßnahmen langfristige Entwicklungen angestoßen werden, die sich mit der reinen Aufzählung von Besucherzahlen und des absehbar verbleibenden monetären Defizits schwierig bewerten lassen.

Es fällt deshalb schwer, sich nach einer Schau mit Aspekten auseinanderzusetzen, die Probleme bereitet haben oder vielleicht auch bereiten werden. Die Gartenschaumachenden sind zum Erfolg verpflichtet und niemand möchte sich im Nachgang einer umfassenden Kritik aussetzen oder diese anstoßen, hat man doch viele Jahre intensiv auf dieses Ereignis hingearbeitet, erhebliche Ressourcen und Finanzmittel investiert.

Rückblick auf die Schauen 2022

2022 fanden insgesamt vier Landesgartenschauen statt, in Torgau/Sachsen (ca. 20.000 EW), in Beelitz/Brandenburg (ca. 12 900 EW), in Neuenburg/Baden-Württemberg (ca. 12 400 EW) und in Eppingen/Baden-Württemberg (ca. 22.000 EW). Die Dopplung in Baden-Württemberg resultierte daraus, dass Eppingen aufgrund der Coronasituation seine Schau um ein Jahr verschoben hat.

Auch wenn die Ausgangssituation der teilnehmenden Kommunen unterschiedlich war, setzten sich doch alle Ausrichterinnen mit Stadtrandlagen auseinander und mit der dort vorherrschenden Mischung aus Kleingärten, Gewebeansiedlungen und Brachen sowie den Übergängen zur freien Landschaft. Teilweise waren die Übergangsbereiche der historischen Stadtstrukturen noch ablesbar und die Umgestaltungen fokussierten sich explizit auf die Areale um den Ortsetter - mit Gebäuderückseiten und Hausgärten, Resten von Stadtmauern und Stadtgräben.

An allen Standorten gab es prägende Infrastrukturen, für die es einen Umgang zu finden galt. Es darf vorausgesetzt werden, dass die ausrichtenden Städte und planenden Büros langfristig wirkende Entwicklungen anstoßen und grundlegende Verbesserungen bei den Freiraumqualitäten erreichen wollten. Wie in jedem Planungsprozess gab es vermutlich gewichtige Gründe, die dazu führten, dass anfangs wegweisende Ideen verworfen werden mussten. Dennoch zeigt der vergleichende Blick auf die Gartenschauen des Jahres 2022 sehr unterschiedliche Strategien, sowohl bei den temporären Schauen als auch bei den Daueranlagen.

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Abb. 2: Artifizielle Wassertische als Zitat des historischen Mühlkanals in Eppingen. Foto: Katrin Korth
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Abb. 3: Ermutigender Beitrag der Landschaftsgartenbaubetriebe in Eppingen. Foto: Katrin Korth
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Abb. 4: Promenade entlang der Stadtmauer mit integrierten Gärten in Eppingen. Foto: Katrin Korth

Brückenschlag zwischen Bahnhof und Altstadt in Eppingen

In Eppingen bildete die Gartenschau den vorläufigen Schlusspunkt eines langfristig angelegten Stadtentwicklungsprozesses. Der S-Bahnanschluss an Karlsruhe sowie die Entscheidung, die über verschiedene Standorte verteilte Verwaltung in einem erweiterten Rathaus zu konzentrieren, waren Katalysatoren für das Entstehen einer verkehrsberuhigten, lebenswerten Innenstadt. Ausgehend von einem spektakulären Rathausanbau wurde eine behutsame Innenstadtsanierung initiiert, die 2014 mit dem Deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet wurde.

Die Gartenschau sollte nun den Brückenschlag zum Bahnhof schaffen. Die vorstädtischen und zergliederten Areale waren bestimmt durch einen Mix aus überdimensionierten Straßen, Industrie, Gewerbe und großflächigem Einzelhandel innerhalb von Resten der Auenlandschaft der beschaulichen Elsenz und des Hilsbaches, begrenzt durch die in Teilen noch vorhandene Stadtmauer und das 1879 errichtete Bahnhofsgebäude der ehemaligen badischen Staatsbahn. Die Stadtmauer bildete das Rückgrat der Gartenschau.

Entlang von Staudenbändern sowie 14 linear aufgereihten, artifiziellen Wassertischen als Zitat des historischen Mühlkanals verläuft nun ein Spazierweg, der private und öffentliche Gärten einbindet. Zwischen Bahnhof und Altstadt spannt sich als große Geste die sogenannte Parkwiese mit Weiher und Holzterrassen auf.

Den Auftakt auf der Stadtseite bildet ein Wasserspielplatz als generationenübergreifender Begegnungsort. Die am Zusammenfluss von Elsenz und Hilsbach gelegene Badestelle erhielt eine bauliche Fassung mit einer geometrischen Plattform, Trittsteinen und Sitzstufen. Das, was schon bei der Reaktivierung der Innenstadt gelang, glückte ein weiteres Mal. Bürgerinnen und Bürger betrachteten die Gartenschau als ihre Veranstaltung und machten aus den sorgsam gesetzten, planerischen Visionen, die weitgehend sensibel und mit feinem Blick für das Detail umgesetzt wurden, ihr spezifisches Eppinger Erleben.

Dieses spezifische Eppinger Erleben zeigte sich bei den einbezogenen privaten Gärten genauso wie bei den Gärten der Landschafts- und Friedhofsgärtner, die zeitgemäße und tatsächlich nachahmenswerte Beiträge einbrachten. Selbst der Garten des BUND wirkte nicht wie ein trotziges Statement für mehr Biodiversität, sondern war eine einladende Geste, wie Artenschutz und Gartengestaltung verbunden werden können.

Mit der Gartenschau sind mehr als 1000 Quadratmeter neue Staudenflächen entstanden, die hoffentlich langfristig pflegbar bleiben, und die gnädig darüber wegschauen lassen, dass einige Elemente wie die Wassertische, die Plattform an den Bächen und die Holzterrasse mit dem Höhensprung zum Bahnhof in Größe und Ausprägung leicht überdimensioniert oder stark artifiziell erscheinen.

Urbanes Konzept in Neuenburg

Auch in Neuenburg, im Südwesten Baden-Württembergs am Rhein gelegen, sollte ein Brückenschlag gelingen. Die im 19. Jahrhundert durch Johann Gottfried Tulla realisierte Korrektur des vormals mäandrierenden Flusses hatte Fluss und Stadt voneinander abrücken lassen. Als weitere Zäsur verläuft zwischen beiden die stark befahrene und laute Autobahn A 5.

Ein Glücksgriff war das Integrierte Rheinprogramm, welches der Gartenschau vorgeschaltet war und die direkt am Rhein befindlichen Areale umfasste. Das verbuschte Gelände wurde geöffnet. Die Rheinauen, die auch die Funktion von Überflutungs- und Rückhalteräumen haben, wurden als naturnahes Refugium reaktiviert. Die Planenden der Gartenschau entschieden sich für eine große Geste, um den Großstrukturen Landschaftsraum mit Fluss und Autobahn eine großzügige Struktur entgegenzusetzen, ohne die ihrer Meinung nach keine erlebbare Parkstruktur hätte entstehen können.

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Abb. 5: Renaturiertes Rheinufer in Neuenburg. Foto: Katrin Korth
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Abb. 6: Punktuelle Interventionen im Gartenschaugelände Neuenburg. Foto: Ute Gaus

Ziel war auch, eine "gewisse Urbanität an den Rhein zu bringen"². Die Wettbewerbsjury folgte dieser Idee. So entstand das 700 Meter lange und 30 Meter breite, geradlinige Band der Rheinterrasse. Dieses Band erhielt einen Spielplatz und zwei dauerhafte Ausstellungsgärten, alle zusammen sind Hauptelemente des Parks. Die Idee ist nachvollziehbar, dennoch ist fraglich, ob die Idee des Bandes innerhalb der bereits vorhandenen Strukturen dieser Zwischenlandschaft mit Kleingärten, Sportplätzen, dem Gebäude des Wasser- und Schifffahrtsamtes und den Ohren des Autobahnkreuzes die angemessene Antwort bereithalten kann.

Fraglich ist auch, ob Urbanität für eine Kleinstadt und die ländlich geprägte Struktur am Oberrhein überhaupt die angemessene Antwort ist, vor allem wenn zum Rhein hin ein naturnah gestalteter Bereich folgt. Die Gartenschau selbst wurde engagiert und mit viel Liebe durchgeführt. Die Vielzahl kleinräumiger Interventionen war das, was Besuchende positiv bewerteten.

Eine Herausforderung bei der Neuenburger Gartenschau war der Planungsprozess von zehn Jahren, denn während eines solch langen Zeitraums verschieben sich gern einmal die Prioritäten. Ob das Areal ohne starke Nutzungsschwerpunkte langfristig funktioniert, muss sich in den nächsten Jahren erweisen, die Zäsur der Autobahn ist nach wie vor stark, die Wege zum Park bleiben weit.

Punktuelle Interventionen in Torgau

Torgau im Nordosten von Sachsen idyllisch an Elbe und Elberadweg gelegen, setzte stark auf die Themen Spiel, Sport und Bewegung, was bereits vor der Schau die Frage aufwarf, ob dieses Konzept langfristig funktionieren wird.

"Wer nicht pflanzt, der wird das Blühen nicht sehen und nicht ernten", gab Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer der Schau zur Eröffnung mit auf den Weg. Diese offenbarte jedoch vor allem bei den Pflanzungen Defizite, im Hitzesommer 2022 funktionierten einige Wechselflorpflanzungen nicht, was offenbar nicht nur an der Trockenheit lag.

Zwar wurde der im 19. Jahrhundert angelegte Stadtpark Glacis mit seiner waldartigen Anmutung saniert und erhielt neue, weitgehend barrierefreie Wege und einen neuen Spielplatz, doch die punktuellen Interventionen entlang der Wege und am Gewässer wirkten entweder sehr provisorisch, überdimensioniert oder in ihrer Gestaltungssprache aus der Zeit gefallen.

Die temporären Interventionen der Gartenschau waren wie zufällig gesetzt und verloren sich innerhalb der Parklandschaft. Der junge Garten wurde als weitgehend versiegelter Raum mit aneinander gereihten Angeboten für Bewegung und Sport gestaltet, bestimmend war die rund 1500 Quadratmeter große, betonierte Skateparkfläche mit dem angrenzenden (temporären) grünen Klassenzimmer, einer Schotterfläche mit einigen Hochbeeten und Insektenhotels.

Der junge Garten ähnelte insgesamt eher einem Sportplatz als einem Garten. Einzig die Eichwiese offenbarte so etwas wie eine Parklandschaft, sieht man einmal von den Ausblicken auf Rückseiten von Kleingärten und Gewerbegrundstücken ab. Möglicherweise konnten in Torgau nicht alle Ideen realisiert werden. Dennoch war die Programmatik für die Daueranlagen vor allem auf bauliche, additiv aneinandergereihte Höhepunkte ausgerichtet.

Das freiräumliche Gesamtkonzept war kaum ablesbar. Das machte es den Besuchenden schwer, was sich an vielen negativen Bewertungen im Internet widerspiegelte.³ So bleibt als Erinnerung an diese Schau vor allem der Aussichtsturm "Deichgucker", der einen schönen Blick auf die Elbelandschaft bot und der durch seine Lage am Elberadweg auch in der Nachnutzung eine Attraktion bleiben dürfte.

Bei allem wohltuenden Engagement vieler Ehrenamtlicher war diese Landesgartenschau im Veranstaltungsjahr enttäuschend. Es steht zu hoffen, dass die geplanten Nachnutzungen die für die Stadtentwicklung erhofften Effekte bringen werden.

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Abb. 7: Aussichtsturm Deichgucker in Torgau. Foto: Katrin Korth
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Abb. 8: Parkbereich Eichwiese mit Blick auf Rückseiten in Torgau. Foto: Katrin Korth
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Abb. 9: Naturnah gestalteter Weiher mit baulicher Intervention. Foto: Katrin Korth
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Abb. 10: Hitzesommer im Stadtpark Glacis. Foto: Katrin Korth

Funktionierende Pflanzkonzepte in Beelitz

Gar nicht weit entfernt ließ sich in Beelitz im südlichen Brandenburg zeitgleich sehen, wie man auch in einem Hitzesommer funktionierende und ansprechende Pflanzkonzepte realisieren kann. Die Kleinstadt Beelitz, mit den klassischen Problemlagen kleiner Orte im ländlichen Raum, hat eine baukulturell interessante Altstadt, die durch die Gartenschau eine Aufwertung erhielt.

Auch hier wurde der Ortsetter in den Fokus genommen. Der Nutzungsmix aus Kleingärten, vorstädtischen Gewerbebetrieben, Garagen, städtischem Klärwerk, Wiesen und Streuobstwiesen, Brachflächen und von Bächen durchzogenen Feuchtwiesen wurde aufgeräumt, gegliedert und als offener Landschaftsraum gestaltet. Dabei gelang ein sensibler Umgang mit den vorhandenen Landschaftsstrukturen. Die temporären Pflanzungen, teils basierend auf der Themensetzung Gemüseanbau, wurden mit Bedacht gesetzt.

Das Wasserband, auch hier ein Zitat an den früheren Mühlenfließ und die historische Nutzung des Areals, wurde als Staudenband und robuster, steinerner Wasserlauf entlang des Hauptweges inszeniert. Vorteilhaft erwies sich, dass die Pflanzungen in einigen Bereichen schon einige Jahre im Voraus realisiert wurden, so reichten die Wurzeln der Bäume und Sträucher an das Schichtenwasser heran und kamen weitgehend ohne Bewässerung aus.

Einen Höhepunkt bildete das Grüne Klassenzimmer, welches in Zusammenarbeit mit der Grünen Liga, einem 1990 gegründeten Netzwerk ökologischer Bewegungen aus der DDR, entstanden ist. Mit dem Slawendorf wurde ein herausragender, grüner Lernort für Kinder geschaffen, ausgehend vom Grundgedanken, dass es für eine zukunftsfähige Entwicklung im ländlichen Raum eine engagierte und aufgeklärte, nachfolgende Generation braucht. Dieser Lernort wird auch 2023 weiter betrieben. Ungewöhnlich war auch die Integration des Klärwerks aus den 1920er Jahren, welches zu einem begehbaren Wasserspiel umgestaltet wurde.

Wichtiges Ziel der Gartenschau Beelitz war ein neues Erleben von Stadt und Garten. Dabei verschwanden die Grenzen zwischen mittelalterlichem Stadtkern und Gartenschaugelände. So war der Stadteingang auf den ersten Blick völlig unscheinbar. Wenn die Besuchenden durch das Tor der Alten Posthalterei in den idyllischen Hinterhof mit seiner Gartenwirtschaft traten, wähnten sie sich in einem Gartencafé mit Blick auf die neue Parkanlage. Ansprechende Staudenpflanzungen, die dank eines individuell abgestimmten Bewässerungskonzeptes auch in der Hitze funktionierten, sicherten die hohe gärtnerische Qualität der Schau.4

Auch in Beelitz gab es einige bauliche Elemente, die bei näherem Hinsehen unangemessen steinern erschienen, doch insgesamt wurde mit dieser Schau viel Grün für die Stadt gewonnen.

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Abb. 11: Hauptweg in Beelitz, Staudenbänder und robustes Wasserelement. Foto: Katrin Korth
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Abb. 12: Temporäre Pflanzungen. Foto: Katrin Korth
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Abb. 13: Neuinterpretation des ehemaligen Klärwerkes. Foto: Katrin Korth
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Abb. 14: Stufenanlage zum Wassererleben. Foto: Katrin Korth

Fazit

Die Eindrücke entstanden im Jahr der Gartenschauen. Empfehlenswert wäre, die Anlagen noch einmal einige Jahre nach dem Schaujahr zu besuchen. Dann zeigt sich, wie tragfähig die planerischen Konzepte für die Freianlagen wirklich sind und ob die Areale als Teil des Stadtraums begriffen werden.

Wünschenswert wäre, wenn auch Preisrichterinnen und Preisrichter der wettbewerblichen Verfahren, Fördermittelgeber in den Fachbehörden und Landespolitik nicht nur bei der Eröffnung im Gartenschaujahr zugegen sind, sondern sich auch im Nachhinein mit den Ergebnissen auseinandersetzen.

Auch ein kritisches Hinterfragen des Verhältnisses von baulichen Interventionen und freiräumlich-gärtnerischen Aspekten wäre wünschenswert. Dabei geht es nicht darum, die Gartenschauen kleinzureden, sondern ihre Qualität zu verbessern.

Schließlich gilt zu berücksichtigen, dass Gartenschauen kein Allheilmittel sein können für jedes freiräumliche oder stadträumliche Problem. Hier wären andere Förderinstrumente wünschenswert, gerade auch im Hinblick auf Klimawandel und Klimaanpassung. Und zum Schluss: ohne Pflege kann kein Garten und keine Gartenschau zum Kleinod werden.

Anmerkungen

¹ Siehe hierzu Katrin Korth: Gartenschauen - weiter So? Analysen, Kritik, Empfehlungen. In Stadt+Grün 4/2019.

² Vergleiche Christina Bauer: Stadt-Land.Fluss. Die Landesgartenschau in Neuenburg wagt den großen Wurf. In Stadt+Grün 4/2022.

³ Siehe u. a. www.webwiki.de/landesgartenschau-torgau.de.

4 Hitze und Trockenheit stellen Laga vor große Herausforderungen, abgerufen unter laga-beelitz.de/hitze-und-trockenheit-stellen-laga-vor-grosse-herausforderungen/

Dr.-Ing. Katrin Korth
Autorin

Freiraum- und Verkehrsplanerin

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