Bernd Schmidt-Knop mit Goldenem Ginkgo ausgezeichnet

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Das traditionelle Pflanzen eines Ginkgo von Bernd Schmidt-Knop (li.) und seinen Laudatoren, Hans-Peter Huch, Simone Raskob und Karl Zwermann. Fotos: Mechthild Klett

Unter Standing Ovations des Publikums nahm Bernd Schmidt-Knop Ende November den Goldenen Ginkgo der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft, DGG 1822, entgegen. Damit wird das überragende Lebenswerk des Leiters Eigenbetrieb Grün und Gruga in Essen gewürdigt, das er der kooperativen Entwicklung und Öffnung des Grüns und insbesondere des Grugaparks widmete.

Bernd Schmidt-Knop ist Preisträger des Goldenen Ginkgo 2015. Er leitete bis September 2015 mit Simone Raskob den Eigenbetrieb Grün und Gruga in Essen.

Unter Standing Ovations des Publikums nahm Bernd Schmidt-Knop die Auszeichnung vom Präsidenten der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822, Karl Zwermann, entgegen. Die blattförmige Nadel aus massivem Gold wird alljährlich vom Patzer Verlag gespendet.

Links Rainer Lingnau von der Baumschule Bruns, die den gepflanzten Ginkgo spendete, und rechts Heribert Eschenbruch, Preisträger des Goldenen Ginkgo von 2014.

Bereits 2010 wurde der Grugapark mit dem Ehrenpreis für nachhaltige Parkbewirtschaftung der Deutschen Bundesgartenschau ausgezeichnet. Im Jahr 2017 wird Essen zur Grünen Hauptstadt Europas gekürt. Bereits heute müssen 300 000 Bewohner Essens nicht weiter als 400 Meter gehen, um eine zusammenhängende und durchgehende Grünfläche zu erreichen. Erweiterungen sind geplant. An diesen Leistungen und Ehrungen trägt Schmidt-Knop zusammen mit Simone Raskob, seit 2005 als Beigeordnete und Erste Betriebsleiterin ebenfalls für Grün und Gruga verantwortlich, großen Anteil. Denn ihr gemeinsamer strategischer Ansatz, Grün als Motor für die Stadtentwicklung einzusetzen und ihn interdisziplinär mit den Bereichen Bildung, Gesundheit und Beschäftigung zu verknüpfen, gilt als vorbildlich für andere europäische Städte, die einen Strukturwandel dieses Ausmaßes zu bewältigen haben.

Die städtische Ausgangslage war für den Diplom-Ingenieur Schmidt-Knop nicht einfach. Essen verfügte in den 1960er-Jahren über 23 fördernde Zechenanlagen und hatte 750 000 Einwohner. Innerhalb von 20 Jahren wurden sämtliche Zechen geschlossen, die letzte 1986. Die Einwohnerzahl sank bis 1985 auf nur noch 620000. Der Schrumpfungsprozess dauert bis heute an, denn 2014 sind nur noch 577000, nachdem 2011 sogar nur noch 565 000 Einwohner gezählt wurden. Dieser Wirtschaftswandel führte zu sozialen Verwerfungen und brachte die öffentlichen Haushaltskassen in eine dramatische Lage.
Ein wichtiges Instrument zu Bewältigung des Strukturwandels war eine leistungsfähige Grünflächenverwaltung. 2002 erfolgte sogar die Ausgründung zum Eigenbetrieb Grün und Gruga. Ein Betrieb mit 500 Mitarbeitern, der es nicht nur schaffte, das Grün erfolgreich weiterzuentwickeln und zu vernetzen, sondern auch Einsparungen in Höhe von 20 Millionen Euro zu erwirtschaften.
"Über Lösungsansätze, wie mit immer weniger Geld der Standard beibehalten oder sogar verbessert werden kann, haben wir nicht nur in Essen, sondern immer wieder in Arbeitskreisen der Gartenamtsleiterkonferenz diskutiert", erläuterte Schmidt-Knop in seiner Dankesrede. Die Kooperation mit anderen Trägern war ein wesentlicher strategischer Ansatz, der in der prekären Lage, in der Essen sich befand, schließlich zum Erfolg führte.
"So kann sich der Grugapark heute auf ein Netzwerk aus Partnerschaften von weit über 30 Vereinen, Institutionen und Projekten stützen wie zum Beispiel die Mustergartenanlage, das Kurhaus, der Freundeskreis, der Stiftungsverein, die aus einer Ruine neu erbaute Kita des Kinderschutzbundes, das Haus des Waldes mit der Kreisjägerschaft, Oktorail - eine Zeitreise per Modelleisenbahn von 1965 bis heute oder das Hundertwasserhaus. All diese Veranstaltungsangebote und Einrichtungen haben die Besucherzahlen wieder erhöht und damit die Nachhaltigkeit der Parkentwicklung gesichert", erläuterte Laudator Hans-Peter Huch (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Verbraucherschutz, Grün und Gruga.

Der Grugapark umfasst 60 Hektar Fläche und liegt direkt hinter der Messe Essen.

Begonnen hatte die Arbeit von Bernd Schmidt-Knop 1984 mit der Begrünung von ehemaligen Zechengeländen. Damals sorgte er als Abteilungsleiter mit dafür, dass nach und nach, aus vielen Einzelmaßnahmen ein Netz aus Grünflächen, Wald- und Wasserflächen entstand. Ab 1992 leitete er den Grugapark, der sich heute über eine Fläche von 60 Hektar erstreckt. Im Jahr 2002 übernahm er als Betriebsleiter den Eigenbetrieb Grün und Gruga, in dem er bis zu seinem Ruhestand im September 2015 tätig war, (s. a. Stadt+Grün 5/2010 mit dem Schwerpunkt "Essen - Kulturhauptstadt 2010").
Heute gehört Essen mit einem Grün- und Freiflächenanteil von 53 Prozent zu den grünsten Großstädten Deutschlands. So gibt es insgesamt 817 Grünanlagen mit einer Größe von 562 Hektar. Hinzukommen 60 Hektar Grugapark und 408 Spielplätze mit einem Umfang von 111 Hektar. Zuständig ist der Eigenbetrieb zudem für 277 Außenanlagen von Schulen und Kindertagesstätten, die weitere 148 Hektar Fläche ausmachen. Das Straßenbegleitgrün umfasst 221 Hektar, die 23 Friedhöfe rund 240 Hektar und weitere 95 Hektar kommen durch sonstige Grünflächen dazu. Zusätzlich sind auch noch 1750 Hektar Erholungsdauerwald mit eingestreuten Wald- und Obstwiesen vom Eigenbetrieb Grün und Gruga zu betreuen.
Anknüpfend an das ursprüngliche Konzept des Grugaparks als Volkspark für alle Essener sollte im Jahr 2000 das Profil mit den Themen Botanik, Tiere, Kunst, Veranstaltungen und Erholung wieder herausgestellt werden. Neu hinzukommen sollte das Thema Bildung. Im Blick hatte man eine "Schule Natur", aber auch die engere Zusammenarbeit mit dem Gartenbauzentrum und der Uni sowie das Thema Gesundheit mit dem Kur-Verein vor Ort. Geplant war, dass sich der Grugapark stärker öffnet - einerseits für mehr und neue Vereinsaktivitäten und Partnerschaften, aber auch mit neuen, besser zur Stadt und den städtischen Grünzügen orientierten Eingangsbereichen. In einem angedachten Grünflächen-Programm war der Grugapark als zentraler Knotenpunkt geplant, der von allen Stadtteilen über ein grünes Wegenetz gut erreichbar ist. Alle vorgesehen Maßnahmen wurden schließlich in einem Parkentwicklungskonzept unter breiter Bürgerbeteiligung realisiert. Dies führte dann in der Umsetzung zu einer Steigerung der Besucherzahlen und verbesserte so die Wirtschaftlichkeit des Grugaparks. Der Wassertherapiebereich im Kurhaus lief Ende 2006 nur zögernd an. Hier wurden Netzwerke aktiviert und mit Hilfe von Unternehmen, Institutionen, Fachleuten und einzelnen Persönlichkeiten die Zahl der Besucher erhöht.
Transparenz und frühzeitige Einbindung führten zu einer guten Anbindung der politischen Gremien der Stadt an die Arbeit des Eigenbetriebes: "Als Vorsitzender des Betriebsausschuss für Grün und Gruga kann ich feststellen, dass der Ausschuss über die Jahre in alle Planungen und Maßnahmen frühzeitig und umfassend eingebunden wurde. Eine besondere Rolle nahmen dabei die Arbeitskreise zu Themen der Park-, Wald- und Grünflächenentwicklung ein, die mit ihrer Zusammensetzung aus Fachinstitutionen, Unternehmen des GaLaBau, Landschaftsarchitekten, Naturschutz, Gartenbauzentrum, Essener Arbeit- und Beschäftigungsgesellschaft, EABG, Sport und Gesundheit, Gastronomie, Kultur sowie Kleingartenwesen uns Politikern eine umfassende Information und Abstimmung lieferten", bewertete Huch.

In Essen müssen mehr als die Hälfte der 577 000 Einwohner lediglich eine Entfernung von 400 Metern zur nächsten Grünfläche zurücklegen.

Der Grugapark gehört zu einem Netzwerk von Grünflächen, das sich über die ganze Stadt spannt.

Bernd Schmidt-Knop und seine Kollegen vom Eigenbetrieb Grün und Gruga hätten an zahlreichen Projekten und Programmen gezeigt, dass Grünflächen- und Parkmanagement insbesondere in Form von Partnerschaften und Bündnissen mit anderen Institutionen gerade auch bei knappen Kassen erfolgreich sein kann, so Huch.
Neben den hilfreichen Kooperationen gab die Grünflächenplanung einsetzend mit dem Zechensterben mit dem Programm "Begrünung Essener Norden" schon im letzten Jahrhundert wichtige strategische Impulse für die Stadtentwicklung, wie Simone Raskob, zweite Leiterin des Eigenbetriebs, erläuterte: "Auf der Basis weit in die Stadtteile hinein verzahnter Grünordnungsplanungen wurde auf den verlassenen Zechenarealen konsequent mit der 'Begrünung Essener Norden', einem zunächst 14, dann 50 und später weit über 100 Grünflächen umfassenden Handlungsprogramm die komplette nördliche Stadthälfte mit neuen Parkanlagen, Grünverbindungen, Wald- und Spielflächen bei gleichzeitiger Altlastensanierung nachhaltig als Wohn- und Gewerbestandort sowie Erholungsraum erfolgreich aufgewertet. Ergänzt wurde diese umfassende Begrünung durch Wohnumfeldprogramme vor allem mit Baumpflanzungen und neuen Spielbereichen in den übrigen Stadtteilen". Die Politik habe den Wert dieser Grünentwicklung für Essen frühzeitig erkannt und durch weiterführende Beschlussfassungen die Arbeit der Grünverwaltung begleitet und unterstützt. So wurde ab 2002 mit dem Programm "Essen - Neue Wege zum Wasser" begonnen, um das Grünflächensystem zu vervollständigen.
"Wieder als Beitrag zur Stadtentwicklung konzipiert, wurde gezielt Freiraumqualität als Mittel zur nachhaltigen Verbesserung und Gestaltung des Stadtraumes eingesetzt. Im Mittelpunkt stand die Ausnutzung der Freiraumpotenziale der südlichen wie der nördlichen Stadthälfte und vor allem die durchgängige Verbindung dieser Freiräume mit den innerstädtischen Grünanlagen sowie den Wohnquartieren", sagte Raskob.
Wesentlicher strategischer Ansatz des Grünflächenmanagements sei dabei die Bildung und Nutzung von Netzwerken mit Partnern, deren Interessenlage sich mit der des Eigenbetriebes in weiten Teilen deckte. Hierzu gehörten die Emschergenossenschaft, der Regionalverband Wohnungswirtschaft, die Essener Arbeit - Beschäftigungsgesellschaft
(EABG), Verband Garten- und Landschaftsbau, Sport und Gesundheit, zahlreiche Stadtämtern, der Stadtverband der Kleingärtner sowie weiteren Organisationen. Sie konnten gemeinsam zahlreiche attraktive durchgängige Grünverbindungen für den inzwischen deutlich angewachsenen Radverkehr schaffen. Zudem entstanden in diesem Rahmen neue Wasserflächen und Uferzonen als Ziel- und Aufenthaltspunkte. Als Kümmerer und Nutzer wurden Vereine und Bürgergruppen zum Teil schon in den Planungsprozess eingebunden. Sie sollen die attraktiven Flächen mitpflegen und unterhalten. Die sei eine wesentliche Voraussetzung für die Nachhaltigkeit, so Raskob.
Eine besondere Herausforderung für Essen war der Jahrhundertsturm ELA am 09. Juni.2014. "Von der zügigen Bewältigung der stadtweiten Gefahren im Baumbereich und Abarbeitung der Folgen bis hin zur Einleitung der klimaangepassten Neubepflanzung und -gestaltung der öffentlichen Grünflächen",so Raskob, leistete der Eigenbetrieb Großartiges. Auch in dieser Notlage habe sich einmal mehr die langjährige Partnerschaft und Zusammenarbeit des Eigenbetriebes mit Unternehmen und anderen Institutionen der Stadt bewährt.
Das Lob für diese besonderen Leistungen verteilte Schmidt-Knop in seiner Dankesrede dann auf weitere Schultern: "Das heute hier ausgezeichnete Engagement sowie die besonderen Qualitäten der Grün- und Freiflächen in Essen sind Teil einer Gesamt-Leistung von mehreren Generationen vorausschauender und zugleich zupackender Personen und Institutionen, die frühzeitig erkannt haben, dass sie gemeinsam viel für das Stadtgrün bewegen können. Daher möchte ich diese Auszeichnung durch die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft sehr gern erweitern auf die heute hier versammelten Personen, die sehr großen Anteil an dieser Leistung haben".
Noch vor wenigen Jahrzehnten war Essen einer der größten Zechen-Industriestandorte Europas und litt unter den Folgen ihres Niedergangs. Dass Essen heute nicht nur eine grüne Stadt ist, sondern als solche auch immer stärker wahrgenommen wird, beruhe auf der Erkenntnis, dass vernetzt und gemeinsam geplante und umgesetzte Begrünungsprogramme entscheidende Impulse für neues Wachstum geben, ja sogar zu einem starken und ausdauernden Motor der Stadtentwicklung werden können. Das Essener Grünflächensystem sei aber auch auf die Entschlossenheit der Essener zurückzuführen, die Grünprojekte trotz vieler Hindernisse umzusetzen, erläuterte Schmidt-Knop.

Mit 59 Prozent Grün ist Essen auch eine der grünsten Städte in Deutschland.

Der Grugaturm als Wahrzeichen des Parks.

Schon im letzten Jahrhundert hatten in Zeiten wirtschaftlicher Depression und hoher Arbeitslosigkeit die Projekte Gruga und Baldeneysee gezeigt, dass Grün- und Freiflächen gewinnbringender und auch nachhaltiger wirken, "wenn die Grünprojekte zugleich mit den Zielen und Interessen der Beschäftigungsförderung, der Qualifizierung, der Stadtentwicklung, der Wirtschafts- und Messeförderung, von Sport und Gesundheit sowie des Stadt-Marketing planvoll vernetzt werden", sagte Schmidt-Knop.
In diesem Zusammenhang sei das bereits erwähnte, in den 1970er- bis 1990er-Jahren unter der Amtsleitung Horst Schröder und Peter Volkmer realisierte Programm zur Begrünung des Essener Nordens zu betrachten. Da noch die durchgehenden Verbindungen vom Norden zum Süden, von West nach Ost, die Grün-Anbindung möglichst aller Wohngebiete und ihre Verbindung mit Freizeit-Zielen wie dem Grugapark, aber auch weitere attraktive Wasserflächen fehlten, seien es mutige Mitglieder des Betriebsausschusses und Essener Vertreter bei der Emschergenossenschaft gewesen, die das Programm "Neue Wege zum Wasser" unterstützt haben, um den Umbau des Emschersystems für ein neues Grünflächenprogramm zu nutzen. Sie forderten, Stadtteile und Freiräume, die zuvor durch die Emscherzuläufe und Eisenbahntrassen getrennt waren, zu verbinden. Gleichzeitig barg die Entkopplung von Schmutz- und Regenwasser durch die Emscher Genossenschaft das Potenzial, vorhandene Wasserflächen aufzuwerten und neue anzulegen.
Daran besonders beteiligt war das Team der EABG, die trotz knapper finanzieller Ressourcen die flexible Organisation zur Umsetzung der Planungen stellte. Von Beginn an wurde das Projekt tatkräftig durch Essener Fachunternehmen des Garten- und Landschaftsbaus und Essener Landschaftsarchitekten unterstützt. Die Mitglieder des Betriebsausschusses Grün und Gruga und des Aufsichtsrats der EABG flankierten das Programm Essen - Neue Wege zum Wasser mit Beschlüssen, das Programm als Teil der Stadtentwicklung zu nutzen. Im Laufe der Jahre kamen weitere wichtige Akteure und Unterstützer hinzu - wie etwa die Kleingärtnerorganisationen, das Bildungszentrum Gartenbau, einer der größten deutschen Bildungseinrichtungen des Dienstleistungsgartenbaus mit seinem Leiter, Dr. Karl-Heinz Kerstjens, sowie der Essener Sportbund unter Wolfgang Rohrberg und die Gemeinschaft Essener Turnvereine.
Zukünftig würden die Themen Klimaveränderung und Verdichtung des Stadtraumes zu den neuen Herausforderungen des Essener Eigenbetriebs Grün und Gruga zählen. Mit neuen Netzwerk-Partnerschaften und einer planvollen Grünflächenentwicklung könne diesen Herausforderungen aber wirkungsvoll begegnet werden, sagte Schmidt-Knop.
Im Ruhestand wird sich Bernd Schmidt-Knop der Wiedergewinnung von regulären Bademöglichkeiten an der Ruhr als Teil des Programms Essen - Neue Wege zum Wasser widmen und auch dort wichtige Projektpartner einbinden.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 01/2016 .

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