Frankfurt am Main

"DemokratieWagen" - Erfahrungsraum für Diskussion zu Pandemie und Rassismus

Am 21. Oktober wurde der Demokratiewagen in Frankfurt am Main vorgestellt. Foto: Leander Frank

Am 21. und 22. Oktober 2020 wurde erstmals der DemokratieWagen in Frankfurt am Main vorgestellt: ein 20 Meter langer Gelenkbus, den der Verein "Mehr als wählen" gemeinsam mit Künstler*innen des interdisziplinären Ausstellungsprojekts Making Crises Visible zu einem mobilen Erfahrungsraum für Demokratie umgestaltet haben. Er soll in Zukunft verschiedenen zivilgesellschaftlichen Akteurinnen zur Verfügung stehen, die sich mit ihren Formaten für Demokratie und Beteiligung engagieren.

Die Idee dahinter: Der Bus kommt zu den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort in ihre Stadtteile. Er bricht mit dem herkömmlichen Verständnis, dass Demokratie nur an ausgewählten und "altehrwürdigen" Orten stattfinden kann. Der DemokratieWagen soll zeigen: Demokratie passiert überall. Egal wo man wohnt.

Die öffentliche Vorstellung des DemokratieWagens wurde an den zwei Tagen von einem vielfältigen Rahmenprogramm begleitet. In mehreren Workshops, einer öffentlichen Speakers Corner, der Vorstellung als "StreitBus" und zwei Podiumsdiskussionen sollen möglichst viele Frankfurter*Innen Gelegenheit haben, mit "Mehr als wählen" und den beteiligten Kooperationspartnern über die Zukunft der Demokratie (und aktuelle Krisen) ins Gespräch zu kommen.

Das Programm sowie weitere zukünftige Projekte realisiert "Mehr als wählen" in Kooperation mit dem Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Teilinstitut Frankfurt an der Goethe-Universität (FGZ), dem Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK/PRIF), dem interdisziplinären Ausstellungsprojekt Making Crises Visible (MCV), dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA) sowie der Bildungsstätte Anne Frank (BS Anne Frank¹.

Prof. Dr. Nicole Deitelhoff stellte das Format "StreitBus" des Frankfurter FGZ-Teilinstituts vor. Der DemokratieWagen soll ab Frühjahr 2021 als "StreitBus" konstruktiven Streit auch individuell erfahrbar zu machen.

Daran schloss sich eine Speakers Corner auf dem Paulsplatz an, bei der zur Leitfrage "Frankfurt streitet: Welche Konflikte und Krisen müssen aktuell zur Sprache gebracht werden - und wie sollen wir damit umgehen?" in etwa fünfminütigen Kurzbeiträgen Wissenschaftler*innen aus der HSFK und dem FGZ sprachen, bei dem aber auch Bürger*innen eingeladen waren, sich zu äußern.

Der DemokratieWagen in Frankfurt am Main. Ein Versuch im Freiraum, mit Bürger*innen ins Gespräch zu kommen – über Demokratie, Krisen und Rassismus. Ein Beispiel, dass Schule machen könnte – auch in anderen Großstädten. Foto: Leander Frank

Begleitet wurde die Aktion von einer Podiumsdiskussion in der Paulskirche mit dem Titel "Demokratie und Krise?". Dabei standen zwei Fragen im Vordergrund: Wie könnte eine Gesellschaft aussehen, in der Demokratie als grundsätzlich prozessual und veränderungsbedürftig verstanden wird: als unabgeschlossenes Projekt, das immer wieder erweitert und vertieft werden muss? Und wie kann eine solche Demokratie (besser) mit den vielfältigen, multiplen "Krisen" umgehen, die aktuell zu beobachten sind?

Dazu diskutierten nach einem Grußwort von Stadtrat Mike Josef (Dezernat Planen und Wohnen) und einer key note von Dominik Herold (mehr als wählen e. V.) Prof. Dr. Rainer Forst (FGZ, Goethe-Universität), Stadträtin Sylvia Weber (Dezernat Integration und Bildung), Mirrianne Mahn (Initiative Schwarze Menschen Deutschland) und Katharina Liesenberg (mehr als wählen e. V.).

Eine zweite Podiumsveranstaltung im stadtRAUMfrankfurt drehte sich um Rassismus im Alltag. Wie rassistisch ist unsere demokratische Gesellschaft? Welche Strukturen prägen unser Verhalten? Was kann man dagegen tun? Und wie solidarisieren wir uns mit Opfern rechter Gewalt und rechten Hasses? Diese Fragen diskutieren Dr. des Harpreet Cholia (Initiative 19. Februar Hanau), Eleonore Wiedenroth-Coulybaly (Initiative Schwarze Menschen Deutschland) und Malcolm Ohanwe.

"Mehr als wählen" e. V., gegründet 2018, ist eine Initiative von jungen Frankfurter*innen, die der Demokratie neue Impulse geben möchte. Das Team möchte langfristig Räume schaffen, in denen Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Überzeugungen zusammenkommen und gemeinsam über wichtige Fragen von Gegenwart und Zukunft debattieren. Und das nicht allgemein und abstrakt, sondern konkret: in Frankfurt/Main.

Weitere Informationen zum DemokratieWagen unter www.mehralswaehlen.de/demokratiewagen/, über den folgenden Link gibt es ein Handbuch, in dem Tipps gegeben werden, um selbst eine Initiative für mehr Demokratie zu gründen: www.mehralswaehlen.de/handbuch-demokratiekonvent/

Mechthild Klett m. HSFK/PRIF

¹ Am 21. Oktober wurde der DemokratieWagen offiziell von "Mehr als wählen" vertreten durch Ben Christian und Yannik Roscher, gemeinsam mit OB Peter Feldmann sowie unter Beteiligung von Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ), Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK/PRIF), Dr. des. Felix Kosok (Kurator des Busses, Making Crises Visible, Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK)), Dr. Meron Mendel (Bildungsstätte Anne Frank) und Stadträtin Sylvia Weber (Dezernat Integration und Bildung) eingeweiht.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 11/2020 .

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