Neue Lebensräume für Tiere und Menschen

BUGA Mannheim 2023: Renaturierung des Neckars

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BUGA Mannheim 2023 Bundesgartenschauen
Abb. 1: Die Maulbeerinsel trennt den Schifffahrts-Kanal vom alten Neckar-Arm. Foto: DBG

Noch bis zum 8. Oktober findet die Bundesgartenschau in Mannheim statt: im Luisenpark und auf Spinelli, einem ehemaligen Militärgelände. Eine Seilbahn verbindet beide Flächen miteinander. Sie führt auch über den Neckar, der nicht nur trennendes, sondern auch verbindendes Element der Geländebereiche ist. Im Zuge der BUGA Mannheim 2023 wurden 62 Hektar Gelände auf Spinelli entsiegelt. Das ermöglicht, dass sich Grünflächen im Nordosten der Quadrate-Stadt zu einem Grünzug verbinden. Der durchfließende Neckar erfährt eine ökologische Aufwertung durch die Renaturierung eines 3,3 Kilometer langen Abschnitts.

Der Neckar und der Neckarkanal Feudenheim durchschneiden den Grünzug Nordost, das Fließgewässer ist ein entscheidender Bestandteil der Grünflächen. Im Zuge der BUGA Mannheim 2023 und darüber hinaus wird nach Plänen des Karlsruher Wasserbau-Ingenieurbüros Kauppert ein 3,3 Kilometer langes Areal des Neckar-Altarms in Mannheim naturnah entwickelt.

Einst floss der Neckar in diesem Gebiet in Schleifen, bereits im 18. Jahrhundert wurde er bereits begradigt. In den 1920er Jahren wurde der Kanal für die Schifffahrt angelegt. Derzeit hat der Neckar nicht viel zu bieten für Tiere, die im Wasser leben. Durch eine Renaturierung ändert sich das. Der leicht mäandrierende Lauf schafft Lebensräume, so dass sich viele Arten, die an diesem Standort leben könnten, ansiedeln. Das macht den Neckar wiederum auch für Menschen attraktiver - etwa für die Luisenpark-Besucher, die den Fluss vom nördlichen Parkeingang in wenigen Schritten erreichen, aber auch für die Einwohner aus den angrenzenden Stadtteilen. Ein Ziel der Renaturierung ist es, die ökologische Vielfalt der Feudenheimer Au und des Altneckars zu verbessern, aber der Fluss ist nun auch erlebbarer durch eine verbesserte Struktur des Neckarvorlands.

"Die BUGA 23 ist der Antriebsmotor für die Strukturmaßnahmen am Neckar", sagt Dr. Christian Lerch, Leitung Parkanlage/Infrastruktur bei der BUGA Mannheim 2023. "Ohne die Bundesgartenschau wäre die Umsetzung des Grünzugs Nordost, und damit die Maßnahmen am Neckar, sicher erst viel später auf den Weg gebracht worden."

Mit der Renaturierung, die die Stadt Mannheim, das Land Baden-Württemberg und die BUGA Mannheim 2023-Gesellschaft gemeinsam durchführen, wird aber auch die EU-Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt. Die Richtlinie dient dem Schutz und der Verbesserung des Zustandes aquatischer Ökosysteme und des Grundwassers.

Die Renaturierung soll rund 17 Millionen Euro kosten. "Da die Neckarstrukturmaßnahmen auch für das Land eine wichtige Rolle spielen und damit die Forderungen aus der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie erfüllt werden, wird diese Maßnahme mit Landesmitteln gefördert. Für den Neckar ist somit eine Förderung der Bausumme bis zu 85 Prozent möglich", sagt Bernhard Wember.

Bei einem ehrgeizigen Projekt dieser Größenordnung kann viel Unvorhergesehenes eintreten, und so kam es bei den Bauarbeiten zu Verzögerungen. Unter anderem mussten Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg geräumt werden. Auch Niedrig- und Hochwasser machten erhebliche Probleme bei der Schiffsverladung und bei den Tauchvorgängen zur Kampfmittelräumung unter Wasser, sagt Wember. Zwei Hochwasserperioden verursachten einen vorübergehenden Baustopp.

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Die Phase

Das Großprojekt Renaturierung ist in vier Projektphasen aufgeteilt, von denen zwei erst nach der Bundesgartenschau in Angriff genommen werden. Im Rahmen der BUGA Mannheim 2023 wurde zunächst der Neckar im Bereich westlich der Riedbahnbrücke aufgewertet - Phase West. Hier stand die Erlebbarkeit des Wassers im Vordergrund, Menschen sollten das Ufer erreichen können. In der Feudenheimer Au, Phase Nord, ging es dagegen um die Entwicklung der Feuchtbiotope. Das Gewässer verbindet die beiden BUGA-Standorte miteinander, und von der Seilbahn aus, die zwischen Spinelli und Luisenpark verkehrt, ist der renaturierte Neckar zu sehen. Phase Ost - der östliche Neckarbereich - und Phase Süd - der Anschluss der Feudenheimer Au an den Fluss - erfolgen nach der Bundesgartenschau.

In Phase West wurde an der Riedbahnbrücke das Ufer abgeflacht, so dass Städter*innen nun das Wasser erreichen können. Gleichzeitig wurden Strukturen geschaffen, die Lebensraum für Fische ermöglichen. Das Ziel ist es, dass heimische Fische wie zum Beispiel als Leitfischarten Barbe und Nase hier laichen und dass Jungfische Lebensraum finden. Dafür benötigen sie gewisse Strukturen, die zuvor nicht vorhanden waren. Das Ufer wurde leicht mäandrierend gestaltet, so dass sich die Strömungsgeschwindigkeiten verändern. Fließ- und Stillgewässer sind nun vorhanden, letztere dienen auch bei Niedrigwasser als Angebot für Fische. Schilfgürtel, Raubäume, Lahnungen tragen zur Vielfalt bei - ganz unterschiedliche Rückzugsräume auch für Vögel und Amphibien sind entstanden.

In Phase Nord sind in der Feudenheimer Au, die früher eine Neckarschleife war, verschiedene Feuchtbiotope entstanden. Aber auch zum Beispiel Fledermäusen werden mit zwei Türmen Nisthilfen geboten. Ein Wasserlauf verbindet ein Oberflächengewässer sowie drei Trittsteinbiotope - von Menschen künstlich angelegte Biotope, in denen Arten Lebensraum finden und von denen sie sich ausbreiten und das Areal besiedeln können. Ein Bodenfilter mit Schilfröhricht im südlichsten Biotop verbessert die Wasserqualität. Zunächst wird noch mit Grundwasser gearbeitet, denn durch die ungünstige Qualität mit Gehalt von Nitrat und Phosphat kann das Neckarwasser momentan nicht in die Feudenheimer Au gespeist werden.

Besucher*innen der BUGA Mannheim 2023 sehen den umgestalteten Neckar von oben, wenn sie mit der Seilbahn zwischen den Geländen pendeln. Aus der Gondel fallen vor allem die abgeflachten Ufer ins Auge. Gab es vorher Wiesen mit steilen Böschungen zum Wasser, gehen sie nun allmählich ins Wasser über. Erkennbar sind auch die Uferrücknahmen und Ufervorschüttungen, die dem Neckar seinen neuen, leicht mäandrierenden Verlauf geben. Auch die beiden Nebengewässer im Westen sind zu sehen. Die BUGA Mannheim 2023 bietet im Rahmen des Programms Führungen zu den renaturierten Flächen an.

Nach der BUGA Mannheim 2023

Direkt nach der Bundesgartenschau soll der Neckar östlich der Riedbahnbrücke entwickelt werden - Phase Ost. "Die Fertigstellung wird im Frühjahr 2025 erwartet", sagt Bernhard Wember. In einem weiteren Schritt, Phase Süd, wird der Neckar an die Feudenheimer Au angeschlossen, über ein natürliches Gefälle soll er in die Au fließen können. Gefiltert werden wird das Flusswasser dann durch das Schilfröhricht. Wann hiermit begonnen wird, steht noch nicht fest.

Das, was bis zur BUGA Mannheim 2023 fertig gestellt wurde, darf sich nun weiterentwickeln. "Für das Gelände wird ein Entwicklungs- und Pflegekonzept entwickelt", sagt Wember. Dabei geht es um die Pflanzen der Ausgleichspflanzungen und der Pflanzen, die zur Ufersicherung in den Prallhängen eingesetzt wurden. Doch nicht alles wird von Menschenhand gestaltet. Der Neckar darf sein Ufer selbständig verändern. Durch die unterschiedlichen Wasserstände und -strömungen werden neue Kiesbänke, Mulden und Vorlagerungen geschaffen.

Das Neckarvorland bestand vor der Renaturierung aus Wiesen, von denen Heu gewonnen wurde. Auch die neuen Ufer werden mit heimischen Wiesendruschgut - samen natürlicher Wiesen - angesät. Gepflegt werden die Flächen dann durch den Pächter.

"Für die Bürger*innen wird durch diese Maßnahme die Natur zurück in die Stadt geholt", sagt Wember. "Insbesondere wird durch die großflächige Uferabflachung der Neckar erlebbarer. Die Menschen können nun direkt ans Ufer gelangen und den Neckar und die Tiere beobachten."

Für die Flora und Fauna wurden durch die Strukturmaßnahmen Stillwasserbereiche, sandig-kiesige Ufer geschaffen, welche teilweise mit Buhnen versehen sind. Das ermöglicht den einheimischen Fischen optimale Voraussetzungen. Biber erhalten insgesamt 6,6 Kilometer neu gestaltete Uferbereiche, wo sie ausreichend Wohn- und Lebensraum finden. "Ein Biberpärchen hat sich bereits an den Ufern niedergelassen und einen Biberbau bezogen", sagt Wember. Für die Vögel wurden während der Bauphase 68 Nisthilfen aufgehängt, die auch nach Abschluss der Arbeiten vor Ort belassen wurden. Die neuen Ausgleichspflanzungen bieten ebenfalls neue Lebensräume. Gänzlich sich selbst überlassen wird die Maulbeerinsel im Projektgebiet - das ausgewiesene Naturschutzgebiet wird sich eigenständig entwickeln können.

Der Grünzug Nordost

Der Mannheimer Grünzug Nordost spielt eine besondere Rolle für die Renaturierung des Neckars. Die Stadt Mannheim plant und realisiert den Grünzug Nordost als einen Schritt auf dem Weg zu einem radialen Grünsystem. Er erstreckt sich über rund 230 Hektar vom innerstädtischen Luisenpark über den Sportpark, die Feudenheimer Au, das Spinelli-Gelände bis zu den Vogelstang-Seen. Rund drei Viertel dieser Flächen sollen grün sein und für ein besseres Klima in der Mannheimer Innenstadt sorgen. Nur auf etwa einem Viertel ist Wohnbebauung geplant. Weite Bereiche bleiben frei, was zur Verbesserung des Stadtklimas führt: Kalte Luft entsteht hier und wird in Richtung Wohnbebauung transportiert. Die BUGA Mannheim 2023 spielt eine entscheidende Rolle in der Umsetzung des Grünzugs. Denn mittels der Fördergelder, die im Rahmen der Bundesgartenschau generiert wurden, kann der Grünzug Nordost realisiert werden.

"Die BUGA entwickelt aus den vorhandenen Flächen und dem ehemaligen Kasernengelände wertvolle naturnahe Bereiche und gibt der Natur die Möglichkeit, sich wieder artengerecht zu entwickeln", sagt Bernhard Wember, BUGA 23-Projektleiter Neckar-Renaturierung. Nach dem Ende der sechsmonatigen Gartenschau werden Flächen zurückgebaut, so dass auch hier die Natur neuen Lebensraum erhält. Unterschiedliche Biotope grenzen aneinander an, in denen sich auch bedrohte Arten ansiedeln.

Die Feudenheimer Au und der renaturierte Neckar sind wichtiger Bestandteil des Grünzugs Nordost.

 Ina Sperl
Autorin

Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH (DBG), Leiterin Presse, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

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