Ein Besuch der Friedhöfe in Prag, Bratislava und Zagreb

Nekropolen in Zentraleuropa und auf dem Balkan

von:
Balkan Friedhöfe
Abb. 1: Haupteingang des Mirogoj-Friedhofs in Zagreb. Quelle: Martin Jeschke

Prag - Prager Zentralfriedhof (Olšanské h?bitovy)

Andere Länder andere Friedhöfe? Anlass für die 2000 Kilometer lange Reise mit dem Auto von Stralsund nach Ada Bojana in Montenegro war eine zweimonatige Elternzeit (August bis Oktober) im Jahr 2020. Aus persönlichem und fachlichem Interesse besuchten wir Friedhöfe der verschiedenen Stationen bis zum Ziel. Viele Nekropolen und Dorffriedhöfe die es entlang des Weges zu entdecken gab, können im Rahmen dieses Textes nicht vorgestellt werden. Mit einiger Muße wird es einen zweiten Teil zu diesem Text geben.

Wir haben uns trotz der europaweiten schwierigen pandemischen Lage zu dieser langgeplanten Reise entschieden. Es war keine einfache Entscheidung aber wir konnten mit der Wahl der Unterkünfte, unserem angepassten Verhalten und der Wahl der touristischen Aktivitäten viele Risiken beeinflussen. Während im August 2020 in Prag, im Verhältnis zu Deutschland, noch wenige Corona Maßnahmen den alltäglichen touristischen Betrieb einschränkten, waren wir im September 2020 in Montenegro oft die einzigen Reisenden in den Urlaubsorten. Durch Tests und Quarantäne nach der Einreise nach Deutschland konnten wir die Gefahr einer Ansteckung minimieren und waren froh die Reise gemacht zu haben.

Baby und Corona schränkten ebenfalls die Auswahl der Aktivitäten ein, in allen Städten waren aber Freiräume wie Gärten, Parks oder Friedhöfe eine gute Wahl für einen Spaziergang an der frischen Luft. Es scheint auch in Deutschland während der Lockdowns eine Rückbesinnung und Neuentdeckung eines verloren geglaubten Verständnisses von Licht, Luft und Sonne über die eigenen vier Wände hinaus gegeben zu haben. Friedhöfe sind vor diesem Hintergrund an erster Stelle Orte der Trauer und Erinnerung, sie sind aber auch Orte die persönliche und allgemeine Geschichte erzählen. Sie sind kulturelles Erbe und dienen der stillen Erholung, weil sie aufgrund ihres Alters und der gärtnerischen Anlage auch naturnahe Orte sind.

Die Friedhofskultur in Europa hat unverkennbare gemeinsame Wurzeln und im Verlauf der Reise waren diese Wurzeln eindeutig erkennbar, aber auch die Unterschiede in Bezug auf Religion, Familie und Tradition wurden deutlich. Die Religionen bilden den Ursprung der Friedhofskultur. Christliche, jüdische und muslimische Bestattungsrituale prägen die Anlage und Ausstattung der Friedhöfe beziehungsweise ihrer verschiedenen Teile.

Bis in die 1980er-Jahre unterlag die Religionsausübung in den zur Sowjetunion gehörenden Ländern starken stattlichen Einschränkungen. Aus diesem Grund ist die aktuelle Verteilung der Religionszugehörigkeit ein erster Anhaltspunkt für das Verständnis der Friedhofskultur und die Nutzung der Friedhöfe. Exemplarisch werden für die verschiedenen Länder nur die prozentualen Verteilungen der größten Religionsgemeinschaften genannt. In Deutschland hatten im Jahr 2020 die Mitglieder der katholischen Kirche 26,7 Prozent und der evangelischen Kirche 24,3 Prozent Anteil an der Gesamtbevölkerung.

Der Text beschreibt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Friedhofskultur in Zentraleuropa von Nordwest nach Südost und gibt Hinweise auf sehenswürdige Orte der Kultur, der Ruhe und des Umgangs mit Leben und Tod außerhalb des eigenen etablierten Umgangs mit Trauer und Erinnerung.


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Abb. 2: Lageplan und Hinweise am Eingang des Prager Zentralfriedhofs. Quelle: Martin Jeschke
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Abb. 3: Kolumbarium in der Friedhofsmauer in Prag. Quelle: Martin Jeschke

In Anbetracht der aktuellen Angaben ist Tschechien das religionsfreiste Land Europas.¹ Im Jahr 2011 waren 10,3 Prozent der Bevölkerung katholisch und 0,9 Prozent protestantisch. Diese Zahlen sind auf dem Prager Zentralfriedhof nicht zu erkennen. Die historischen Gräber sind durch christliche Symbole geprägt, die neueren Grabstellen aber auch die für mehrere Generationen genutzten Familiengräber tragen Kreuze sowie andere christliche Erkennungsmerkmale. Die Bestattungs- und Trauerrituale sowie die Gestaltung der Grabstellen haben einen christlichen Ursprung.

Die Prager Nekropole beeindruckt mit Ihrer Geschichte und den Kennzahlen. Im Jahr 1679 als Pestfriedhof angelegt, wurden die zehntausende Opfer der Pestausbrüche der Jahre 1680, 1713 bis 1714 und 1771 bis 1772 im ältesten Teil des Friedhofs nahe der Kirche St. Roch bestattet. Die von 1786 bis 1917 ausgeführten Erweiterungen haben ihren Ursprung im Jahr 1784 als Joseph II. die Bestattungen auf den Kirchhöfen der Stadt verbot. Eine europaweit vergleichbare Geschichte die vor allem in den hygienischen Notwendigkeiten begründet war.

Heute besteht der Zentralfriedhof in Prag aus zwölf aneinandergereihten Einzelfriedhöfen, ergänzt durch einen neuen jüdischen und einen Soldatenfriedhof. Seit seiner Gründung haben auf dem 50 Fußballfelder großen Areal mehr als 2 Millionen Bestattungen stattgefunden.

Die größte offensichtliche Gemeinsamkeit aller besuchten Friedhöfe bei dieser Reise war die Einfriedung. Alle "befriedeten" Orte sind umgeben von Mauern oder Zäunen die erkennbar ein Teil der Geschichte der Anlagen erzählen und vielfach ein Bestandteil der Bestattungskultur bilden. Durch ein Tor in einer solchen Mauer betraten auch wir durch einen Nebeneingang bei der Trauerhalle Nová ob?adní sí? den Wolschaner Friedhof (deutsche Übersetzung, Ortsteil Wolschan).

Der neben dem Eingang befindliche Plan zeigt die gesamte Anlage und die deutlichen Hinweise für die gewünschten Verhaltensweisen der Besucherinnen (siehe Abb. 2). Diese Regeln sind nicht nur deutlicher als auf den meisten deutschen Friedhöfen dargestellt, sondern werden auch strenger umgesetzt und eingehalten. Entlang der Friedhofsmauer in Richtung Hauteingang befindet sich ein Kolumbarium. In den Urnennischen mit gläsernen Türen werden sowohl künstlicher Blumenschmuck als auch persönliche Dinge und Andenken an den Verstorbenen gezeigt. Seit den 1990er- Jahren finden Kolumbarien in den unterschiedlichsten Formen auch auf deutschen Friedhöfen wieder vermehrt Nutzer.

Auf dem Weg zu den ältesten Teilen des Friedhofs zeigen sich erste Unterschiede zum Großteil der deutschen, im Besonderen der norddeutschen Friedhöfe. Gräber mit Dauer- oder Wechselbepflanzung sind seltener zu finden, steinerne Grababdeckungen mit Blumentöpfen oder künstlichem Schmuck dominieren das Bild. Häufig gibt es bildliche Darstellungen der Verstorbenen. Familiengräber für mehrere Generationen, oft über hundert Jahre hinaus, sind für alle besuchten Friedhöfe typisch. Es gibt begehrte Lagen, die mit Ausstattung und Größe der Grabmale den Anspruch für die Bedeutung des Verstorbenen und der Familie zeigen sollen.

Die Infrastruktur für Wasser und Müll ist für die gesehenen Friedhöfe vergleichbar, auch wenn die Wasserstellen in Richtung Süden aufgrund der weniger bepflanzten Gräber und des mediterraneren Klimas auf die Fläche gesehen weniger werden. Der Müll wird in Prag ungetrennt in Absetzcontainern gesammelt. Hier muss kein deutscher Recyclingfinger erhoben werden, da viele der Friedhöfe hierzulande mit der Unbelehrbarkeit ihrer Nutzer zum Thema Mülltrennung zu kämpfen haben.

Ebenfalls vergleichbar mit deutschen Verhältnissen scheint der baumpflegerische Zustand des Prager Zentralfriedhofs. Eine riesige Anzahl an Altbäumen ohne Entwicklungspflege und mit fehlender rechtzeitiger Aufastung, zeigt Vitalitätsrückgänge, Anfahrts- und Trockenschäden, die nur mit notwendigsten aber oft massiven Maßnahmen zur Verkehrssicherung betreut werden.

In Staunen versetzt die Prager Nekropole jeden Besucher mit ihren historischen Bereichen. Die Vielzahl der verschiedenen gründerzeitlichen Gräber schafft steingewordene Friedhofsromantik.

Bürgerlich selbstbewusster Historismus und Jugendstil, verwirklicht in theatralischen Grabsteinen, Kapellen, Familiengruften und Grabwänden, verbunden mit der zersetzenden natürlichen Patina aus Efeu und Wurzeln zieht jeden in den Bann des hier manifestierten Gedankens an die Endlichkeit allen Seins.

Um der Vergänglichkeit der Grabmale wenigstens teilweise entgegen zu wirken, sind auch in Prag Grabpatenschaften zur weiteren Nutzung und damit Erhaltung der Zeugnisse der Geschichte und Steinmetzkunst möglich.

Dank des auf Friedhöfen meist üblichen Schattens war ein dreistündiger Besuch im August 2020 möglich. Mehr als ein erster flüchtiger Überblick des Prager Zentralfriedhofs konnte dabei nicht gewonnen werden.

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Abb. 4: Grab mit Jugendstil Dekoration. Quelle: Martin Jeschke
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Abb. 5: Historisches Grabmal in Form eines Sarkophags. Quelle: Martin Jeschke

Bratislava - Cintorín Vraku?a

Im völligen Gegensatz zur Nekropole in Prag steht der vergleichsweise junge Friedhof in der Hauptstadt des slowakischen Schwestern- und Brudervolkes in Bratislava. Ein Unterschied zeigt sich auch in der Religionszugehörigkeit. Im Jahr 2011 gaben 65,8 Prozent der Slowaken an katholisch zu sein, 5,9 Prozent der Bevölkerung waren evangelisch. Diese Angaben wurden beim Besuch des Friedhofs durch die im Verhältnis zu den Feuerbestattungen höhere Anzahl der Flächen für Erdbestattungen unterstützt.

Der Bezirk Vraku?a liegt ca. 15 Minuten Fahrzeit von der Altstadt Bratislava entfernt. Der Städtische Friedhof Bratislava wirkt bis heute, in Vorbereitung eventueller Erweiterungen an den Rand der Stadt gelegt. Er ist der jüngste der besuchten Friedhöfe und bildet einen Kontrast zu den historischen Friedhöfen der anderen Städte. Der Bau der Anlage begann im Jahr 1972, die ersten Bestattungen wurden 1980 durchgeführt.

Auffällig ist die Gestaltung. Die als Sektoren bezeichneten Grabfelder wurden in aktuell 26 gleichgroßen Kreisen mit orthogonal angelegten Gräberreihen ausgeführt.

Dieser Versuch der Quadratur des Kreises wirkt in der Betrachtung erstaunlich schlüssig und schafft die typische Stringenz eines Friedhofs in der sonst organisch gedachten Anlage. Die vor fünfzig Jahren moderne sozialistische Planung und Architektur beinhaltet eine klare Formensprache und Organisation. Vom Haupteingang führt ein breiter asphaltierter Weg, begleitet von großzügigen Rasenflächen gesäumt von Birken und Kiefern geradlinig zur Trauerhalle. Das fast fensterlose Gebäude vermittelt den Eindruck einer "Festung der Trauer". Leider konnte beim Besuch das Innere aufgrund einer Trauerfeier nicht besichtigt werden.

Ob es sich bei der Trauerhalle um ein "brutales" Gebäude handelt, liegt im Verständnis des Betrachters. Aus persönlicher Erfahrung wird eine gute Trauer meist durch die Räume im Gebäude bestimmt.

Wie schon in Prag sind die meisten Grabmale vollständig mit polierten steinernen Platten belegt. Insgesamt darf, auch mit Hinweis auf die folgende Beschreibung des Zentralfriedhofs in Zagreb, gesagt sein, dass der finanzielle Aufwand der Angehörigen für die Steinmetzarbeiten der Grabstellen deutlich über dem deutschen Durchschnitt liegt, was sich wohl nicht nur mit den Preisunterschieden begründen lässt. Für die florale Gestaltung der Gräber sind Blumentöpfe und Vasen vorgesehen. Die Infrastruktur unterscheidet sich auch in Bratislava nur wenig von den uns bekannten Notwendigkeiten. Absetzcontainer für den Müll, gestalterisch passende Wasserstellen und Gießkannenhalter die hautsächlich ausgespülte Waschmittelflaschen halten, weil unbepflanzte Gräber weniger Wasser benötigen.

Eine Besonderheit des Städtischen Friedhofs in Bratislava ist der Deutsche Soldatenfriedhof. (Grundsätzlich waren Deutsche Soldatenfriedhöfe auf der ganzen Reise zu finden. Die Besonderheit ergibt sich aus der Gestaltung) Er bildet den einzigen Teil des Friedhofs, der nicht in die Kreisgestaltung übernommen wurde. Dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. wurde auf dem Gelände des Friedhofs eine Fläche zur Anlage eines deutschen Soldatenfriedhofs zur Verfügung gestellt. Die Einweihung der Anlage fand am 17.06.2000 statt. Auf dem Sammelfriedhof wurden ab September 1997 980 Soldaten aus dem Stadtgebiet und dem Umkreis von Bratislava bestattet.

"In der Nähe der Aussegnungshalle wurden auf einem freien Areal zwei Grabfelder mit Einzelgräbern angelegt. Diese erhielten Granitkreuze mit jeweils vier Namen je Kreuzseite. Sie liegen rechts und links des Zugangsweges, der direkt auf den Gedenkplatz führt. Am Gedenkplatz und am Rand der Grabfelder sind die Namen der nicht mehr zu bergenden und zu identifizierenden Toten in Metalltafeln eingelassen."²

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Abb. 6: Gerade Grabreihen in kreisförmigen Grabfeldern. Quelle: Martin Jeschke
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Müllcontainer und Brunnen in Bratislava. Quelle: Martin Jeschke

Zagreb - Mirogoj

Der Mirogoj-Friedhof ist mit Abstand der architektonisch beeindruckendste Friedhof der kleinen Reise. Schon der Eingang und die Friedhofsmauern lassen den Besucher mit monumentalen Eindrücken zwischen barockem Schloss und Taj Mahal verblüfft aufblicken (siehe Abb. 1). Vor der weiteren Beschreibung des Zentralfriedhofs in Zagreb sollen auch für Kroatien die Religionsverteilungen erwähnt werden. Zu den Katholiken zählen 88 Prozent der Gesamtbevölkerung, 4,4 Prozent sind christlich orthodox und 1,3 Prozent sind Muslime. Neben den genannten Religionen findet sich auf dem Mirogoj auch eine größere Anzahl jüdischer Gräber. Die Glaubensgemeinschaften sind räumlich gleichgestellt. Wieder sei darauf verwiesen, dass in Anbetracht der hohen Temperaturen und der begrenzten Zeit nur ein Besuch des ältesten Teils der Anlage möglich war.

Mirogoj liegt eine 15-minütige Straßenbahnfahrt vom Hauptbahnhof entfernt über der Stadt auf dem Hausberg Medvednica. Auf dem heute 72,4 Hektar großen Areal fand die erste Bestattung am 01.11.1876 statt. Der Bau der prägenden Gebäude wurde 1879 begonnen. Die Fertigstellung der Vielzahl von Kuppeln, Arkaden und der Kirche im Eingangsportal erfolge 1929. Zum Zeitpunkt des Besuchs waren leider alle Gebäude aus Gründen der Einsturzgefahr mit Zäunen gesichert. Im März 2020 gab es ein Erdbeben, dessen Epizentrum nur wenige Kilometer nördlich der kroatischen Hauptstadt lag, bei dem es zu Schäden an vielen Friedhofgebäuden und Gräbern kam.

Nach dem ehrfürchtigen Durchschreiten des Hauteingangs zeigt sich eine steinerne Grablandschaft mit wenig blühenden oder grünen Merkmalen. Auf der linken und rechten Seite neben dem Eingang erstrecken sich die prächtigen mit der Friedhofsmauer verbundenen Arkaden, deren geschichtsträchtige Wandgräber und Grabdenkmale leider nur aus der Entfernung betrachtet werden konnten. Die Kronen der den Hauptweg begleitenden Kastanien waren durch einen sehr starken Reduzierungsschnitt eingekürzt. Es ist zu vermuten, dass die vorrangegangenen europaweit sehr heißen Sommer ergänzt durch den beengten Wurzelraum die Vitalität massiv eingeschränkt haben. Die Alleen entlang der Hauptwege sind im historischen Teil hauptsächlich mit Kastanien und Linden bepflanzt. Im neueren Teil der Anlage finden sich einige Birkenalleen. Die Gräber waren selten gärtnerisch gestaltet, hier waren vor allem die auch bei uns typischen Koniferen und Buchsbäume zu sehen.

Die Grabsteinmode orientierte sich - wie schon bei den anderen beiden Friedhöfen - an klassischen Einflüssen. Im älteren Teil dominierte das als Familiengrab genutzte historische Grab, das durch die Namen der letzten Verstorbenen oder zusätzlich platzierte Grabsteine ergänzt wurde. Wie schon beschrieben, war die Zahl der Wasserstellen und Müllboxen für die Größe des Friedhofs im Vergleich geringer, da die Bepflanzung der Gräber nochmal reduzierter als in Bratislava war.

In Erinnerung geblieben ist die große Anzahl der um den Friedhof befindlichen Steinmetzbetriebe. Große Grabmale klassisch oder modern oft auch aufwendig figürlich mit großen Sockeln liegen auf den Werkbänken unter freiem Himmel.

Die Auswahl ist groß und die Auftragsbücher scheinen voll.

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Abb. 8: Blick über den deutschen Soldatenfriedhof in Bratislava. Quelle: Martin Jeschke
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Abb. 9: Blick über den historischen Teil des Zentralfriedhofs. Quelle: Martin Jeschke
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Abb. 10: Friedhofsmauer neben dem Haupteingang. Quelle: Martin Jeschke

Resümee

Ein Erklärungsversuch für diesen Unterschied zur aktuellen norddeutschen Grabausstattung zeigt mehrere Ursachen. In einem grundsätzlichen Verständnis der Friedhofskultur erkennt man die gemeinsamen europäischen Wurzeln aller besuchten Friedhöfe. Aufteilung und Organisation der Anlagen sind ähnlich und auch Westeuropäer finden sich zurecht. Die Unterschiede ergeben sich hauptsächlich aus dem Umgang mit der Trauer und den Gräbern. In der aktuellen norddeutschen Friedhofkultur ist oft der Preis der ausschlaggebenden Punkt für die Wahl des Grabes, des Steins und der Pflege. Das Gefühl den Angehörigen über Jahrzehnte mit der Pflege der Grabstelle zur Last zu fallen, spielt eine große Rolle. Auf allen drei beschriebenen Friedhöfen ist die Nutzung der Gräber oftmals für viele Generationen gedacht. Die Grabmale sind Familiendenkmale, die die Generationen im Tod verbinden. In diesem Verständnis haben Familie und Tradition einen höheren Stellenwert als in der modernen deutschen Gesellschaft.

Große Unterschiede in Bezug auf die verschieden verteilten Religionszugehörigkeiten konnten für den Autor nicht festgestellt werden. Es ist anzunehmen, dass für die Gestaltung der Grabmale und auch für die mit Bestattung und Trauer verbundenen Zeremonien den überlieferten religiösen Traditionen gefolgt wird. Diese dann aber im Rahmen der individuellen Trauer und den Eigenarten des Verstorbenen interpretiert werden.

Eine Empfehlung: Besuchen sie Friedhöfe. Friedhöfe sind überall gute Geschichtenerzähler, es ist schattig und ruhig und es gibt nur wenig Gründe, sich als nicht Trauernder unwohl zu fühlen.


Anmerkungen

¹ Wikipedia (2021): Tschechien, [online]

de.wikipedia.org/wiki/Tschechien [20.09.2021].

² kriegsgraeberstaetten.volksbund.de/friedhof/bratislava [22.09.2021].

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