Ein gartenhistorisch bedeutsames Zeugnis der grünen Moderne

Die Stralsunder Sundpromende

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Abb. 1: Sundpromenade, 2015. Luftbild: Hansestadt Stralsund, Amt für Planung und Bau
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Abb. 2: Stadtplan Stralsund (Ausschnitt), 1883. Abb.: Hansestadt Stralsund, Amt für Planung und Bau

Entwicklung der Stralsunder Kniepervorstadt und der Seebadeanstalten

Die Sundpromenade als städtebaulicher Freiraumentwurf aus der Zeit der Weimarer Republik zählt aufgrund des sehr schönen alten Baumbestandes und eines weitestgehend vom Straßenlärm befreiten Landschaftsraumes zu den gern begangenen Spazierwegen der Stralsunder und zu den geschätzten öffentlichen Gartenräumen der Hansestadt Stralsund (Abb. 1).

Mit der schlichten regelmäßigen Durchgestaltung der Promenade mit unterschiedlichen Erholungsansprüchen genügenden Plätzen im architektonischen Stil, welche mit einer Lindenallee verbunden sind, gestaltete Gartenbauinspektor Hans Winter (1895-1969) ab 1927 ein Gartenkunstwerk, das sich an den Strandpromenadenstil der großen Seebäder anlehnt, seine Besonderheit hingegen im Charakter einer städtischen Parkanlage fand.

Die Sundpromenade wurde bereits laut Denkmalpflegegesetz der DDR vom 19.06.1975 als Denkmal der Hansestadt Stralsund geführt und durch das Denkmalschutzgesetz für Mecklenburg-Vorpommern am 30.11.1993 erneut bestätigt. Sie wird auf der Denkmalliste der Hansestadt Stralsund als Denkmal geführt.

Um ein besseres Verständnis für die hochrangige städtebauliche und gartenkulturelle Bedeutung der Sundpromenade zu erhalten, empfiehlt sich ein kurzer geschichtlicher Rückblick auf die Stadterweiterung und die Entwicklung der Seebadeanstalten seit dem frühen 19. Jahrhundert auf dem Gebiet der Kniepervorstadt.

Bis zum Beginn der Aufhebung des Festungscharakters der Stadt ab 1873 nutzten die Stralsunder das Gebiet vor dem Kniepertor vor allem durch die Bewirtschaftung von Gärten und Äckern sowie als Naherholungsgebiet. Es gab Gartenhäuser und seit 1831 sind nachweislich erste Schanklizenzen dokumentiert.

Nach der Entfestigung begann eine rege Bautätigkeit in der Kniepervorstadt. Unter anderem wurde die Sarnowstraße axial zum Kniepertor angelegt. Hier entstand in drei Bauperioden eine Villenkolonie, die durch eine landschaftlich herausragende Lage zwischen Strelasund, Knieperteich und dem vorstädtischen Park Brunnenaue charakterisiert ist. Die Einzel- und Doppelhäuser mit hofseitigen Wirtschaftsgebäuden korrespondierten mit großzügigen Gärten. Diese waren teils als wirtschaftlich orientierter Kulturgarten, aber auch als dem Vergnügen gewidmeter Raum angelegt.

Bis etwa 1900 reichten die im Gelände abfallenden Grundstücke entlang der Sarnowstraße mit weitem Blick über den Sund bis an den in jener Zeit noch natürlichen Strand (Abb. 2).

Der Sundstrand ist seit Beginn des 19. Jahrhunderts durch Seebadeanstalten erschlossen. 1821 eröffnete der Gast- und Badewirt Gottfried Bliese die erste Badeanstalt in Stralsund, in der auch warme Bäder genommen werden konnten. Sie befand sich außerhalb des Hauptwalles der Festung, wenige Schritte entfernt vom inneren Kniepertor ungefähr am Standort der heutigen Gaststätte Ventspils. Ein schmaler Weg führte am Strand entlang durch sumpfige Wiesen dorthin. Nördlich davon folgten in Abständen von 100 Metern weitere Seebadeanstalten. Zunächst für die örtlichen Badebedürfnisse angelegt, entwickelten sich die Badeanstalten später zunehmend zu einem Anziehungspunkt für Kur- und Badegäste aus Berlin.

Die heutige Badeanstalt wurde in den Jahren 1922 bis 1925 errichtet (Abb. 3). Die ehemals natürliche Uferlandschaft wurde in eine Anlage mit herausragender urbaner Qualität umgestaltet. 1926 begannen Aufspülungen mit Seesand und 1933 erfolgte eine bedeutende Erweiterung des Badestrandes in Richtung Norden bis zur Beckerschen Wiese, dem jetzigen Hubschrauberlandeplatz des Klinikums. Ein Steinwall, der nach dem Zweiten Weltkrieg durch eine Metallspundwand ersetzt wurde, schützte die Seesandaufspülungen. Die Stralsunder Badeanstalt zählt zu den in der Weimarer Republik im Sinne der Moderne vielfach umgesetzten sozialen Freiraumkonzepten, denen der Wunsch nach gesellschaftlicher Erneuerung durch Reformbewegungen zugrunde lag. Als städtische Badeanstalt erfüllt sie bis heute wichtige Funktionen der Gesundheitsvorsorge und Erholung. In ihrem stadträumlichen Bezug bildet sie den Zielpunkt der ab 1928 errichteten und auf sie ausgerichteten Sundpromenade.

In den Jahren 2010/2011 wurde der Bereich nördlich der historischen Badeanstalt als Strandbad mit feinem Sand und Spielstationen gestaltet. Der neu angelegte befestigte Platz am Wasser zwischen Strandbad und künftigem Freizeitbereich hat sich zu einem beliebten Treffpunkt zu jeder Jahreszeit entwickelt. Die Umgestaltung der ursprünglichen Seebadeanstalt in einen Freizeitbereich mit Verlängerung der Promenade bis zum Strandbad wird eine städtische Bauaufgabe der nächsten Jahre sein. Derzeit werden die Spundwand erneuert und ein neuer Promenadenweg mit Wassertreppe angelegt.

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Abb. 3: Badeanstalt Stralsund, 1938. Luftbild: Strähle GmbH & Co.KG
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Abb. 4: Hindenburg-Ufer am Lyzeum, um 1930. Foto: Stadtarchiv Stralsund
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Abb. 5: Das Hindenburg-Ufer, 1927, Entwurfsplan: Hans Winter, koloriert und Legende: Angela Pfennig. Abb.: Hansestadt Stralsund, Amt für Planung und Bau


Idee zur Anlage einer Strandpromenade

Der Beginn der Anlage einer Promenade am Sundufer ist auf den Wunsch der zahlreichen Badegäste und Zugereisten zurückzuführen. Die Stralsunder vermissten um 1900 angesichts der vielen vorhandenen schönen Promenaden entlang der Stadtteiche eine fehlende Strandpromenade nicht.

Dennoch berichtete die Stralsundische Zeitung 1898 zunächst von der Anlage einer Promenade von den sogenannten Räucherhäusern bis zu den Parkanlagen des Kommerzienrates Carl Becker an der Lackfabrik (heute: HELIOS Klinikum). Sie sollte mit Bäumen, Sträuchern und Bänken gestaltet werden. Ebenfalls zum Ende des 19. Jahrhunderts begannen Arbeiten an der Uferbefestigung. Das Gelände am Nassen Dreieck an der Seestraße wurde eingeebnet, mit Gras besät und später als Kinderspielplatz gestaltet. Die Wege wurden bis zur Schwedenschanze verlängert.

Das Bürgerschaftliche Kollegium beabsichtigte, einen Teil der Promenade anzulegen und die dafür erforderlichen Aufschüttungen zu beschleunigen. Gegen den Widerstand der Villenbesitzer in der Sarnowstraße, die um ihre freie Sicht auf den Sund fürchteten und ihre Gärten durch unmittelbar am Ufer geplante Gebäude in Hofplätze verwandelt sahen, beschloss die städtische Körperschaft die Anlage einer Strandpromenade. Ohne das den Anwohnern der Sarnowstraße gehörige Terrain am Strand in Anspruch zu nehmen, begann die Errichtung der Uferpromenade in Teilabschnitten. Durch seeseitige Uferanschüttung und -sicherung wurde der erste Abschnitt nordwärts bis zur Schlossbrauerei entwickelt.

Ein 1914 geplanter hippodromartig gestalteter Rosengarten auf der Wiese vor dem Lyzeum (heute: Hansa-Gymnasium) unmittelbar am Sund konnte nicht realisiert werden. Der Erste Weltkrieg unterbrach die Arbeiten an der Strandpromenade.

Errichtung des Hindenburg-Ufers im Rahmen von Notstandsarbeiten

Ab 1928 entstand mit dem Ausbau der Anlagen an der Sundpromenade zwischen Strandstraße (heute: Gerhart-Hauptmann-Straße) und Schwedenschanze im Rahmen von Notstandsarbeiten, ein in der Weimarer Republik verbreitetes Programm von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, unter wirtschaftlich schwierigsten Bedingungen ein Gartenkunstwerk von hohem Rang.

Es war der städtebauliche Weitblick seitens der Stadt, welcher die Anlage dieser großzügigen, über mehrere Kilometer führenden öffentlichen Promenade beförderte. Vor allem durch die Ankäufe der zahlreichen bis an das Ufer hinabreichenden Grundstücke wurde eine qualitätsvolle gärtnerische Gestaltung der Uferpromenade erst möglich. Stralsund war die einzige pommersche Stadt, die 1927 auf der deutschen Gartenbau- und Gewerbe-Ausstellung Liegnitz (GUGALI), in der ca. 30 Städte Pläne und Modelle ihrer Grünanlagen ausstellten, vertreten war und unter anderem einen Schauplan von der Hindenburg Promenade zeigte.

Ein 1927 von Hans Winter gezeichneter Plan dokumentiert eindrucksvoll die ursprüngliche Gestaltungsidee bei der Gesamtanlage der Sundpromenade, so wie sie dann in den folgenden Jahren auch realisiert wurde (Abb. 5).

Ein durch Baumalleen geführter Promenadenweg verbindet unterschiedlich gestaltete Plätze miteinander. Diese beginnen mit einem Kinderspielplatz am Nassen Dreieck, setzen sich mit einer großen Staudenwiese am jetzigen Hansa-Gymnasium fort und führen über einen runden Rasenschmuckplatz an der Schillanlage zu Rasenschmuckplätzen mit mittig angeordneten einfarbigen Bändern aus rosa Polyantharosen an der heutigen Stelle des Vorplatzes zur Gaststätte Ventspils und des Thälmann-Denkmal-Platzes (Abb. 4). Es folgen zwei Wandelgänge, gestaltet mit Sitznischen, Stauden und zur Seeseite hin abschirmenden Hecken, die einen baumbestandenen Konzertplatz in Höhe der Räucherhäuser beidseitig rahmen (Abb. 6).


Südlich des ersten Wandelganges befand sich von 1935 bis 1945 auf einer von Eiben und Sträuchern umgebenen Wiese ein von Georg Kolbe (1877-1947) geschaffenes Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges (Abb. 9). Heute befindet sich das Denkmal im Marinemuseum auf der Insel Dänholm.

In ihrer Grundstruktur blieb die Sundpromenade bis zum Zweiten Weltkrieg erhalten.

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Abb. 6: Wandelgänge und Konzertplatz, um 1930. Foto: Postkarte
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Abb. 7: Hohes Ufer, um 1935. Foto: Postkarte
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Abb. 8: Lindenallee am Hindenburg-Ufer, um 1935. Foto: Hans Winter

Hans Winter zählte zu den Gartenarchitekten, die die neue Technik der Dia-Farbfotografie zur Abbildung der von ihm geplanten Stauden- und Blumenrabatten an der Sundpromenade nutzte (Abb. 8). Seine im Familienbesitz aufbewahrte, bislang wissenschaftlich noch nicht ausgewertete Dia-Sammlung aus den 1930er-Jahren gehört zu den seltenen Zeugnissen komponierter Schmuckpflanzenbilder im öffentlichen Raum der Hansestadt, zumal detaillierte Pflanzpläne aus dieser Zeit nicht überliefert sind. Den Abschluss der Promenade bildete ein Lindenrondell, bevor sich der Weg nach einer Biegung zur Seebadeanstalt fortsetzte.

Die Linienführung der Alleen unterstreicht die großzügige, bogenartig geschwungene Uferbefestigung, welche die Wasserlandschaft bis zur Altstadt führt. Die Sundpromenade fungiert hierbei als Schnittpunkt zwischen Natur und Baukunst, einem wesentlichen Charakteristikum der Hansestadt Stralsund.

Ebenfalls um 1930 wurde das Hohe Ufer entlang der Kliffkante an der Hohe-Ufer-Straße (heute: Friedrich-Naumann-Straße) als Promenade für Fußgänger und Radfahrer hergerichtet, wobei eine Lindenreihe mit Rasenstreifen beide Wege trennte. Eine geschnittene Hainbuchenhecke begrenzte den hohen Uferweg zur Böschung hin (Abb. 7). Der Zustand der Wege sollte ein Begehen dieses Spazierweges mit seinen herrlichen Ausblicken auf die Insel Rügen und die Stralsunder Altstadt bei jeder Witterung ermöglichen. Der Abstieg vom Hohen Ufer auf den unteren Strandweg erfolgte mittels einer geschütteten Rampe.

Der Plan von 1927 deutet eine gärtnerische Erweiterung des sich in nördlicher Richtung ausbreitenden Promenadenraumes an. Parallel zur Strandstraße wurde eine verbindende Gartenanlage bis zur Brunnenaue entworfen. Sie trug schon damals den Gedanken der Vernetzung öffentlicher Gartenräume in sich, konnte jedoch aufgrund der späteren Bebauung der Sarnowstraße nicht realisiert werden.

Eine wesentliche kulturelle Belebung erfuhr die Sundpromenade durch das seit 1878 zunächst als Schankwirtschaft Sibirien, später als Rühes Konzerthaus und bis zum Abriss 1992 als Klubhaus Ernst Thälmann bekannte und beliebte Ausflugslokal. Platzkonzerte, Gartenfeste, Feuerwerk, Tanzabende, kinematographische Veranstaltungen und viele andere gesellige Unterhaltungen zogen die Stralsunder immer wieder an den Sundstrand. Zu Beginn der 1930er-Jahre bereicherte zudem ein auf dem heutigen Gelände der Berufsfeuerwehr befindlicher Ausstellungspavillon, auch Schwedenpavillon genannt, das Promenieren entlang des Sundes.

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Abb. 9: Georg Kolbe, Krieger-Ehrenmal Stralsund, 1934/35, Georg Kolbe Museum. Foto: Margrit Schwartzkopff
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Abb. 10: Ernst-Thälmann-Denkmal-Platz, 2021. Foto: Angela Pfennig

Entwicklung des Thälmann-Ufers in der DDR-Zeit

Nach 1945 begannen tiefgreifende Veränderungen, die die Gartenanlagen in ihrer ursprünglichen gestalterischen Wirkung sehr beeinträchtigten und teilweise zerstörten. Das Nasse Dreieck mit seinem Kinderspielplatz wurde 1955 durch ein Verwaltungsgebäude (heute: Hotel Hafenresidenz) bebaut und die Staudenwiese am Hansa-Gymnasium durch ein Rosenrondell ersetzt. Die beidseitig entlang des Fährwalles/Seestraße zum Sund hinführende Allee wurde entfernt und 1991 nur einseitig nachgepflanzt. Das Rasenrondell als Verbindungsplatz zur Schillanlage wurde aufgegeben und wich einem architektonisch nicht mehr gefassten Platz. Mit dem Bau der Ventspils-Gaststätte in den 1970er-Jahren begannen die Umgestaltung des einstigen Schmuckplatzes zu Hochbeeten und gleichzeitig die Aufgabe der Villengärten Sarnowstraße 7 und 8 zugunsten von Parkplätzen.

Die Errichtung des von Walter Arnold (1909-1979) geschaffenen Ernst-Thälmann-Denkmals und der unter Leitung von Hartmut Olejnik (*1930) gebauten Platzanlage im Jahr 1962 hatte die Zerstörung des zweiten Schmuckplatzes zur Folge (Abb. 10).

Die Wandelgänge blieben in ihren räumlichen Strukturen erhalten, verloren jedoch ihre einstmals anspruchsvollen Staudenpflanzungen. Die Raumstruktur des Konzertplatzes wurde durch den Verlust zahlreicher Bäume aufgelöst. Das Lindenrondell blieb erhalten, seine Platzgestaltung war jedoch nicht mehr erkennbar. Zunehmende Baumverluste sorgten für Lücken in der Allee, deren geschlossene Wirkung nicht mehr erlebbar war. Die in den 1920er-Jahren gerühmten Blicke vom Hohen Ufer auf den Sund und die Stadt wuchsen zu.

Sanierung der Sundpromenade

Seit den 1990er-Jahren wird die Sundpromenade unter gartendenkmalpflegerischen, städtebaulichen und naturschutzfachlichen Aspekten in Teilabschnitten schrittweise in Anlehnung an die ursprüngliche Gestaltungsidee saniert. Im Mittelpunkt stehen hierbei die Wiederherstellung der räumlichen Qualität durch Erneuerung der Schmuckplätze und Wege sowie die Pflege der Gehölze und Schmuckpflanzungen.

Nach der Sanierung des Hansa-Gymnasiums und im Zusammenhang mit der Wiederherstellung der Schillanlagen begannen 2003/2004 im Bereich der Hansa-Wiese die ersten Sanierungsarbeiten an der Sundpromenade. Hier wurden unter anderem die Lindenallee zwischen Seestraße und Schillanlage, die Wege und der Rundplatz komplett erneuert.

Der im Mai 2006 gebaute und bepflanzte Schmuckplatz vor der 2005 neu errichteten Gaststätte Ventspils ist ein gartenkulturelles Geschenk an die Stralsunder und ihre Gäste (Abb. 11). Entstanden ist ein Ort der einzigartigen Verschmelzung von Architektur, Gastronomie, Gartenkunst und Kunst. Während bei der Wiederherstellung der Blumen- und Staudenpflanzungen in den denkmalgeschützten Anlagen am Wulflamufer und in der Schillanlage um 2004 weitestgehend die Originalbepflanzung nachempfunden wurde, löste man sich bei der Neugestaltung des Schmuckplatzes vor der Gaststätte Ventspils sowohl formal als auch in der Art der Bepflanzung bewusst vom historischen Vorbild. Es entstand ein in schlichter Rechteckform in verschiedene Segmente gegliedertes 45 x 9,5 Meter großes modernes Beet, das schon aufgrund seiner Dimension, aber auch in der Zusammensetzung der in Streifen angeordneten Bepflanzung aus Stauden, Gräsern, Blumenzwiebeln und Eibenhecken bislang einmalig in der Hansestadt Stralsund ist. Landschaftsarchitekt Prof. Stefan Pulkenat (*1958) und Pflanzplaner Christian Meyer (*1959) haben den Schmuckplatz direkt am Strelasund in einen mit der Landschaft kontrastierenden, artifiziellen Staudengarten verwandelt. Die Ausführung der Anlage lag in den Händen der Garten- und Landschaftsbaufirma Bornhöft - Dat grünt.

Die 1987 am Schmuckplatz platzierte und zwischenzeitlich entfernte Plastik Die Hockende von Hans-Peter Jaeger (*1941) fand inmitten des wogenden Blütenmeeres ihre erneute Aufstellung.

Seit 2010 erfolgten intensive Pflegemaßnahmen am Hohen Ufer, die aus naturschutzfachlichen Gründen in Abschnitten und über mehrere Jahre umgesetzt wurden. Sie beinhalteten zunächst Rodungs- und Fällarbeiten im Böschungsbereich unter Verbleib einzelner Hochstämme und mehrstämmiger Großsträucher. Als Kontrast zu dem klar architektonisch mit Gehölzen gefassten und gestalteten Promenadenraum des Hohen Ufers wurde im Bereich des Kliffs eine den natürlichen Standortbedingungen angepasste, ökologisch vielfältige Bepflanzung mit Gehölzen und Bodendeckern angelegt. Als seeseitige Begrenzung wurde entlang des Hochuferweges wieder eine Hecke gepflanzt, die im Schnitt gehalten wird und dem Promenadenraum eine räumliche Führung gibt. Um einen Ausblick aus den angrenzenden Gärten zum Strelasund zu ermöglichen, wählte man halbhohe Ziersträucher zur Bepflanzung der Böschung.

Im Zusammenhang mit dem 2004 gebauten Ostseeküstenradweg und der geplanten Entwicklung des Freizeitbereiches an der Seebadeanstalt erhielt das Lindenrondell seine ursprüngliche Platzform zurück. Die noch vorhandenen alten Linden wurden durch Neupflanzungen ergänzt.

Um die hohe Qualität des in Teilen bereits sanierten Gartendenkmals Sundpromenade dauerhaft zu sichern, wurde 2020/21 ein Pflege- und Entwicklungskonzept durch das Büro Prof. Stefan Pulkenat erarbeitet.

Dr.-Ing. Angela Pfennig
Autorin

Stralsunder Akademie für Garten- und Landschaftskultur

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