Energiewende

Das klimaneutrale Stadtquartier in Rüsdorfer Kamp in Heide

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Wie wird ein ganzes Quartier klimaneutral? Daran forschen und arbeiten zehn verschiedene Forschungseinrichtungen und Institutionen im Quarree100 aus Bremen, und wollen ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Der digitale Planungstisch veranschaulicht die geplanten Maßnahmen und macht sie transparent. Foto: Jens Lehmkühler

An windreichen Tagen in Rüsdorfer Kamp in Heide überlastet der von den Windrädern erzeugte Strom das Netz, nur durch Abschaltungen bleibt es stabil. 3750 Gigawattstunden gingen 2019 so verloren, fast 400 Millionen Euro an Entschädigungen waren vom Staat an die Betreiber*innen zu zahlen. Damit sich das ändert wurde das Projekt Quarree100 von U Bremen Research Alliance gestartet, um angesichts der Energiekrise Energie nicht länger zu vergeuden, sondern überschüssige Windenergie zu speichern und das Gesamtsystem zu entlasten.

Im Projekt-Quartier leben rund 600 Menschen, für deren Wärmeversorgung vor allem Öl- und Gasheizungen verwendet werden. "Wir wollen hier den Bestand möglichst schnell CO2-neutral bekommen", sagt der Koordinator des Projekts, Dr. Torben Stürmann. Er ist kommissarischer Teamleiter des Fachgebietes Resiliente Energiesysteme an der Universität Bremen, einer Mitgliedseinrichtung der U Bremen Research Alliance.

Neben den Einfamilienhäusern gibt es auch noch Gewerbe und Mehrfamilienhäuser, verteilt auf einem 20 Hektar großem Gelände. Einige der Häuser sind hundert Jahre alt und älter, viele stammen aus der Nachkriegszeit. Noch tragen 56 Prozent des Bestandes bei der Wärmeversorgung mit Öl und Gas besonders stark zum CO2-Ausstoß bei, so wie in vielen Quartieren in Deutschland. "Der Rüsdorfer Kamp soll daher Leuchtturmcharakter haben und die hier entwickelten Modelle sollen sich auf andere Regionen übertragen lassen", so Stührmann.

Sieben Arbeitspakete haben die Forschenden definiert, zu denen auch Wissenschaftler*innen des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM gehören, ebenfalls eine Mitgliedseinrichtung der U Bremen Research Alliance. Die Datenerhebung und Energiekonzepterstellung gehören dazu, die Bürgerbeteiligung, Infrastrukturen und Systeme, die Entwicklung neuer Technologien und auch die Untersuchung der regionalökonomischen Effekte der Maßnahmen. Insgesamt 20 Partner*innen sind an dem Vorhaben beteiligt, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 24 Millionen Euro gefördert wird.

Wichtigste Instrumente um dieses Ziel zu erreichen sind:

  • Errichtung eines stadtteileigenen Wärmenetzes
  • Photovoltaikanlagen auf gut der Hälfte der Hausdächer
  • Überschüssige Energie wird in Batterien zwischengespeichert oder zur Erzeugung von Wasserstoff genutzt
  • Einsatz eines digitalen, interaktiven Planungstisches. Er ermöglicht das Abrufen verschiedenster Daten und funktioniert nach dem Prinzip "Was passiert, wenn . . . ". Die Teilnehmenden können an dem Tisch ihr Haus auswählen und feststellen, wie sich ihre Energiekosten entwickeln, wenn sie nicht mitmachen, und welche Folgen das für das Viertel hat.
  • Offenlegung der Erkenntnisse als open source
  • Das Fraunhofer IFAM steuert überdies ein Konzept zur Erfassung der regionalökonomischen Effekte bei. "Wir berechnen mit unserem Modell sowohl die Wertschöpfung, die durch die Investitionen und den Betrieb der Anlagen entstehen, als auch die Beschäftigungseffekte in der Region", erklärt Anne Nieters vom Fraunhofer IFAM. Die Volkswirtin leitet bei Quarree100 den Arbeitsbereich "Ökonomische und rechtswissenschaftliche Analyse und Entwicklung von Geschäftsmodellen". Sie rechnet mit einer regional verbleibenden Bruttowertschöpfung in Höhe von rund 20 Millionen Euro.
  • Um die Resilienz des Systems zu prüfen, bauen die Forschenden deshalb einen digitalen Zwilling auf und konfrontieren ihn mit verschiedensten Störereignissen

"Die Umstellung ist anfänglich mit höheren Kosten verbunden", räumt Stührmann ein. "Dafür erhält man eine höhere Versorgungssicherheit, die CO2-Neutralität sowie eine Aufwertung der eigenen Immobilie und des Quartiers." Und langfristig auch günstigere Preise.

Timo Joost, U Bremen Research Alliance e.V./mk

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