Entwicklungspotenziale bestehender Sportanlagen in Hamburg

Der Sportraum in der wachsenden Stadt

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Sportanlage Möllner Landstraße im Bestand – Morgenstimmung über dem Hein-Klink-Stadion. Foto: Torge Hauschild

Die Rahmenbedingungen für den Sport in den wachsenden Städten und Ballungsräumen verändern sich. Der Bevölkerungszuwachs erzeugt Wohnbauprogramme und Nachverdichtung, die eine ausgeprägte Flächenkonkurrenz mit sich bringen. Mit Blick auf diese Flächenkonkurrenz müssen daher sowohl bestehende als auch neue Sporträume hocheffizient aufgestellt werden, damit der Sportraum innerhalb der sozialen Infrastruktur seine wichtigen gesellschaftlichen Aufgaben erfüllen kann.

Der Sportraum in der Stadt muss dabei vielfältigen Ansprüchen gerecht werden, was die Verantwortlichen meist vor diverse Probleme stellt. Gleichwohl steckt - wie so oft - auch eine Vielzahl an Möglichkeiten in dieser herausfordernden Situation, für die die Planungen zur Modernisierung der Sportanlage an der Möllner Landstraße als gutes Beispiel dienen kann.

Sportraum?

Städtische Sporträume müssen in Gegenwart und Zukunft in größerer Bandbreite wahrgenommen werden, da sich der Sport, neben den Rahmenbedingungen in der Stadt, ebenfalls weiterentwickelt hat.

Es sind nicht mehr nur die klassischen Bezirkssportanlagen, sondern in zunehmender Weise auch die öffentlichen Räume in Parks und Grünanlagen¹ sowie Schulhöfe und ähnliche Bereiche, die vor allem dem nicht oder schlicht neu organisierten Sport als Bezugsort dienen. Hier sind vermehrt moderne Ansätze zu finden, die zum Beispiel "Bewegungsinseln" (Crossfit- oder Calisthenics-Ausstattung), Laufstrecken und ähnliche Einrichtungen beinhalten.

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Sportanlage Möllner Landstraße – Naturrasenidyll. Foto: Torge Hauschild
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Sportanlage Möllner Landstraße – Bewuchs und Verkrautung. Foto: Torge Hauschild

Zudem wird sich der derzeit in Hamburg in Planung befindliche neue Stadtteil Oberbillwerder² als Modellstadtteil der "Hamburg Active City" nahezu komplett an den Bedarfen des organisierten und nicht organisierten Sports ausrichten.³

Diese vorgenannten Maßnahmen - als eher neuen Elementen im Gesamtbild der städtischen Sporträume - bilden eine sinnvolle Ergänzung zu der Vielzahl der etablierten, traditionellen Sportanlagen des organisierten Vereinssports. Diese klassischen Sportanlagen tragen aber weiterhin die Hauptlast der sportlichen Nutzungen in der Stadt und bilden somit das Rückgrat der städtischen Sportinfrastruktur in den Freianlagen. Auch sie sind allerdings aus ihrem Bestand heraus an den Herausforderungen und Ansprüchen der vorhersehbaren Zukunft auszurichten. Ein Ansatz hierzu soll exemplarisch die Planungen zur Modernisierung der Sportanlage Möllner Landstraße darstellen.

Ansprüche?

Die klassische Sportanlage muss, zuallererst, als traditioneller Sportraum den nutzenden Vereinen perfekte Rahmenbedingungen für den Breiten- und Vereinssport bieten - und zwar ganzjährig, verlässlich und hochbelastbar.

Sie muss möglichst alle Bedürfnisse der Nutzer erfüllen können, damit diese Ihre wichtigen gesellschaftlichen und sozialen Aufgaben (wie etwa den Kinder- und Jugendsport, aber auch die Integration) optimal wahrnehmen und ausüben können. Daher muss sie in ihrer Ausrichtung, Gestaltung und Ausstattung möglichst flexibel, anpassungsfähig und multifunktionell sein. Die Sportanlage muss unter Aspekten der Nachhaltigkeit gebaut oder modernisiert sein und wirtschaftlich sowie ressourcenschonend betrieben werden können. Sie stellt bei sich stetig verringernder Freiraumquantität auch einen öffentlich zugänglichen und nutzbareren Freiraum dar und muss daher nicht nur hochfunktionell, sondern auch mit hoher Aufenthaltsqualität gestaltet sein.

Sie muss ihre Fläche funktionell möglichst vollumfänglich zur Erfüllung vorgenannter Ansprüche einbringen - auch wenn dadurch im Rahmen solcher Modernisierungen letzte Flächenreserven innerhalb der Sportanlagen verbraucht werden. Die Sportanlage sollte weitere städtische Interessen und Leitlinien jenseits ihrer Sportfunktion einbeziehen, unterstützen und realisieren. Kurzgesagt: die Sportanlage soll und muss eigentlich alles können und bieten - das Gebot der Stunde in sich konzentrierenden/reduzierenden (Multicodierung) Räumen. Diesen Ansprüchen kann aber die Mehrzahl der klassischen Sporträume, -anlagen oder -stätten in ihrem gegenwärtigen Zustand nicht gerecht werden. Was auch für die Sportanlage Möllner Landstraße gilt.

Die Sportanlage Möllner Landstraße - Rahmenbedingungen

Die Sportanlage Möllner Landstraße liegt im Bezirk Hamburg-Mitte, Stadtteil Billstedt, an der östlichen Grenze der Freien und Hansestadt Hamburg (FHH). Billstedt wird von etwa 70.000 Bürgern bewohnt und ist geprägt durch niedrige Mehrfamilienhaus- und Reihenhausbebauung - ergänzt um die zwischen 1970 und 1979 entstandene Großwohnsiedlung Mümmelmannsberg, die alleine von etwa 18.000 Bürgern bewohnt wird.

Bedingt durch die Wohnbauziele der "wachsenden Stadt" - derzeit sollen jährlich 10.000 Wohneinheiten im Stadtgebiet entstehen4 - hat der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg (FHH) im Jahr 2014 zur Entwicklung des "Hamburger Ostens" das Programm "Stromaufwärts an Elbe und Bille" aufgelegt.5

Das Programm verfolgt die Kernziele, im Hamburger Osten und seinen elf Fokusräumen "mehr Wohnungen und neue Stadträume", "Arbeitswelten für die Zukunft" und "Attraktive Wasserlagen und Grünräume" zu entwickeln.

Im Fokusraum Billstedt-Öjendorf, der die Sportanlage Möllner Landstraße inkludiert, sollen vor diesem Hintergrund Wohnraumpotenziale in einer Größenordnung von 700 bis 800 Wohneinheiten entwickelt werden.6

Neben diversen städtebaulichen Ergänzungen in bestehenden Wohnquartieren zählt zu diesen Wohnraumpotenzialen auch die "Neue Gartenstadt" südlich des Öjendorfer Sees. Diese soll von der Nähe zu den Grünverbindungen der Landschaftsachse Horner Geest und des Öjendorf-Marsch-Grünzuges profitieren, Stadt und Grün miteinander vernetzen und das "Wohnen im Grünen" auf zeitgemäße und bezahlbare Art und Weise ermöglichen. Zudem sollen durch die Qualität des ergänzenden Wohnangebotes neue Nachbarschaften entstehen, die das soziale Netz stärken.

Die Belange der sozialen Infrastruktur, zu denen unter anderem auch der Sport zu zählen ist, werden in der Umsetzung des Programms explizit gewürdigt. Damit werden auch die strategischen Zielsetzungen für den Sport und die Sporträume, die sich die "Zukunftskommission Sport" und somit auch die FHH über die Dekadenstrategie "Hamburg macht Sport" gestellt hat, konsequent umgesetzt.7 Dennoch ist die Schwierigkeit in der Prognose offensichtlich. Wie viel und welcher Bedarf entsteht durch die zukünftigen Anwohner? Welche Zielsetzung wird hinsichtlich der Entwicklung des Sportes an dieser Stelle verfolgt?

Tatsache ist, dass Sport eine integrative und identitätsstiftende Kraft besitzt, die berücksichtigt werden muss. Dies gilt insbesondere für den Schutz und die Entwicklung bestehender Sporträume.

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Sportanlage Möllner Landstraße – Ausstattung und Technik. Foto: Torge Hauschild
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Sportanlage Möllner Landstraße – Entwurf zum Umbau. Abb.: Naumann Landschaft/Bezirklicher Sportstättenbau

Historie

Die Sportanlage Möllner Landstraße besteht, zumindest in ihrem Kern, dem "Hein-Klink-Stadion", seit Mitte der 1930er-Jahre. Seinerzeit war die Sportanlage noch von so gut wie keiner Bebauung umgeben und lag in einer größeren Freifläche. Das Stadion wurde von seinem Zuschnitt her als Korbbogen-Anlage hergestellt, die in einer Senke mit großzügigen Tribünenanlagen an ihren Längsseiten ausgestattet war. Die Sportoberflächen wurden als Tennenflächen hergestellt - sowohl Laufbahn, Sektoren als auch das zentrale Großspielfeld. In weiten Teilen ist somit der heutige Bestand noch am historischen Zustand angelehnt. Lediglich Einzelelemente und Ausstattungen wie Flutlicht, Beregnungsanlagen und dergleichen, wurden zwischenzeitlich ergänzt.

In der Nachkriegszeit wurden die im Osten des Stadions liegenden Freiflächen nutzbar planiert, während im näheren Umfeld der Sportanlage umfassend Wohnungsbau betrieben wurde. In den späten 1970er-Jahren wurden die östlichen Freiflächen dann zu Naturrasen-Großspielfeldern, eineinhalb an der Zahl, weiterentwickelt. Seit ihrer Entstehung wird die Sportanlage hauptsächlich von der Sportvereinigung Billstedt-Horn von 1891 e. V. genutzt.8 Die Sportanlage wird durch den Verein derzeit vor allem für den Fußballsport genutzt.

Neben der rein sportlichen Betrachtung wird durch den Verein vor Ort, gerade wegen seiner jahrzehntelangen erfolgreichen Arbeit, sehr viel für den Stadtteil getan. Er ist Anlaufpunkt alle Altersgruppen - für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Senioren und "Super Senioren", die es im Fußball ja tatsächlich gibt (Altersgruppe ab Ü50). Der Verein und Sport verbindet somit generationenübergreifend Menschen - und ist schon alleine deshalb wichtiger Akteur im sozialen Netz. Er stiftet soziale Identität und erzeugt Verbundenheit mit dem Stadtteil.

Die Sportvereinigung Billstedt-Horn von 1891 e. V. ist zudem aber auch anerkannter Stützpunktverein des Programms "Integration durch Sport" des Deutschen Olympischen Sportbundes, DOSB,9 und ist somit auch bei der Integrationsarbeit als engagierter und erfolgreicher Akteur anzusehen.

Berücksichtigt man den Ausblick auf die bevorstehenden Entwicklungen im Stadtteil, die engagierte Arbeit des Vereins - und betrachtet dann die bestehende Sportanlage - so entsteht leider ein unstimmiges Bild. Verbunden mit der Erkenntnis, dass sich etwas ändern muss.

Defizite im Bestand

So sind die Sportoberflächen Tenne und Naturrasen nur noch teilweise in einem sportfunktionell akzeptablen Zustand. Die technische Ausstattung der Anlage, sei es nun im Bereich des Flutlichtes oder aber der Sportgeräte, ist ebenfalls gekennzeichnet von einem umfassenden Erneuerungsbedarf. Neben diesen Fragen der Instandsetzung und -haltung wiegt aber vor allem die Tatsache schwer, dass die bestehenden Sportoberflächen auch unter optimalen Bedingungen dem zu erwartenden Nutzungsdruck unter Volllast nicht werden standhalten können. Dies gilt insbesondere für die ausgedehnten Naturrasenflächen im Osten der Sportanlage, die im Herbst und Winter eines Jahres kaum nutzbar sind.

Planungsbeginn

Unter diesem Gesamteindruck begannen das Fachamt Sozialraummanagement des Bezirksamtes Hamburg-Mitte und der Bezirkliche Sportstättenbau als die diesbezüglich zuständige Dienststellen in der Jahresmitte 2017 mit der Projektierung zum Umbau und der Modernisierung der Sportanlage Möllner Landstraße.

Maßnahmenziele

Vorrangiges Ziel war dabei die Optimierung der Sportanlage in möglichst ganzheitlicher Betrachtung. Dies kann vor allem über die zeitgemäße Modernisierung aller Sportoberflächen erreicht werden, indem die bestehenden Tennen- und Naturrasenoberflächen durch hochbelastbare Kunststoff (Leichtathletik) - und Kunststoffrasenoberflächen ersetzt werden.

Diese ermöglichen zum einen die absehbar erforderliche Nutzungsverdichtung und schaffen zum anderen die Grundlage für einen ganzjährig verlässlichen Sportbetrieb. Bezogen auf diese Nutzungseffizienz ist zudem der gesteigerte Betriebs- und Unterhaltungsaufwand, der sich ohne Zweifel einstellen wird, gerechtfertigt und leistbar. Eine umfassende Modernisierung bietet zudem die Chance, sich in vielfältigen Bereichen an neuen Entwicklungen und Erkenntnissen zu orientieren.

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Entwässerung – Normalbetrieb. Abb.: Naumann Landschaft/Bezirklicher Sportstättenbau
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Entwässerung – Betrieb der Notfallentwässerung. Abb.: Naumann Landschaft/Bezirklicher Sportstättenbau
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Entwässerung – "Worst-Case-Szenario" mit Anstau im Stadion. Abb.: Naumann Landschaft/Bezirklicher Sportstättenbau

So können die Spielfelder auf den aktuellen Stand der Normung hin überprüft und angepasst werden. Der nicht mehr zeitgemäße Korbbogen-Zuschnitt des Stadions mit seiner engeren Kurvenführung kann und muss dahingehend hinterfragt werden - allerdings ohne die alten Heckenstrukturen anzutasten.

Die bestehenden Tribünenanlagen sind in ihrem jetzigen Umfang nicht mehr angemessen dimensioniert und müssen deutlich reduziert werden. Dies gilt insbesondere hinsichtlich des Querbezugs zum Immissionsschutz - denn hier muss dem Umstand Rechnung getragen werden, dass die Wohnnachbarschaft in den vergangenen Jahrzehnten sehr dicht an die Sportanlage herangerückt ist und somit ein Spannungsfeld zu erwarten ist - auch wenn es im Bestand diesbezüglich keine Konflikte gibt.

Die sportbezogenen Entwicklungen im Bezirk und Stadtteil können überprüft und gegebenenfalls Berücksichtigung finden - auch, um den Aspekten der Vielseitigkeit und der Nutzungseffizienz des Sportraums Rechnung zu tragen. Vor diesem Hintergrund sind eine Überprüfung der zur Verfügung stehenden Fläche und deren optimale Ausnutzung obligatorisch.

Der Zuschnitt der Sportanlage soll im Fall der Möllner Landstraße daher dahingehend überprüft werden, ob ein normgerechtes Spielfeld für American Football Berücksichtigung finden kann. Die Anlage soll zukünftig für die "Hamburg Huskies", einen im Bezirk Hamburg-Mitte ansässigen American-Football-Verein, als Haupttrainingsstätte dienen. Zudem böte die für diese Sportart erforderliche Sportoberfläche Kunststoffrasen, die sich im Detail wesentlich von der einer Fußballoberfläche des in Hamburg verfolgten Standards10 unterscheidet, einen Aspekt der funktionellen Vielfalt für andere Sportarten mit ähnlichem Charakter.

Auch in dem zeitgemäßen Ausbau der Sportanlage steckt eine Zielsetzung mit mehreren wichtigen Aspekten. "Zeitgemäß" kann sich dabei auf Bauweisen, technische Ausstattung und Standards beziehen. Zu nennen ist hier aber vor allem die zeitgemäße Zielsetzung der Nachhaltigkeit.

Die Planungen zur Modernisierung der Sportanlage sollen von vornherein die Option des Materialrecyclings in Gegenwart und Zukunft berücksichtigen.

Bauseits vorhandene Materialien sollen zu einem maximalen Anteil wiederverwendet werden, um Ressourcen weitestgehend zu schonen. Bei der Herstellung der neuen Sportoberflächen sollen zudem möglichst "sortenreine" Bauteile- und Baustoffe gewählt werden, um ein späteres Recycling etwa von Kunststoffrasen und elastifizierender Schicht bewerkstelligen zu können. Die Nutzung möglichst regionaler Baustoffe soll dort, wo sie mit der technischen Normung vereinbar ist, berücksichtigt werden.

Aktuelle Themen und Entwicklungen sollen, sofern möglich, in die Planung einbezogen werden. So sind zum Beispiel innovative Bauweisen für das Entwässerungssystem zum Zwecke des Auffangens oder Herausfilterns kleinster Kunststofffragmente sowie die Schwerpunktsetzung auf eine Versickerung des anfallenden Niederschlagswassers Zielsetzungen für die Planung.

Die Ausleuchtung der Sportanlage soll weitestgehend auf LED-Technik basieren - sowohl im Bereich Flutlicht als auch im Bereich Gehwegbeleuchtung. Die Planung soll zudem die Ausstattung in möglichst großem Umfang in mobiler Ausführung einplanen, um die Nutzung der Sportanlage vielseitig gestalten zu können (Feldaufteilungen) und gleichzeitig den Betrieb und die Pflege- und Unterhaltungsleistungen auf der Sportanlage zu optimieren.

Vorgenannte Aspekte folgen dabei natürlich der Verantwortung der öffentlichen Entscheider - zum einen hinsichtlich der angestrebten Nachhaltigkeit, zum anderen in der Funktion, bestimmte Entwicklungen zu fördern (zum Beispiel das Recycling). Aber viele dieser Aspekte sind auch vor wirtschaftlichem Hintergrund interessant, wenn man beispielsweise über den Umgang mit bereits vorhandener Bausubstanz nachdenkt.

In der Phase der Projektierung erhielt das Konzept der Maßnahme viel Zuspruch - von Fachbehörden, den Vereinen und der Politik. Auf diese Weise konnte das Projekt in die Förderprogramme des "Rahmenprogramm integrierte Stadtteilentwicklung - Rise", Anteil Stadion, und das "Bundesprogramm zur Sanierung kommunaler Einrichtungen", Anteil Naturrasen, eingebettet werden.

Planung

Die Objektplanung startete im Sommer 2017 und ist inzwischen auf dem Stand der Entwurfs- und Genehmigungsplanung angekommen. Es war früh zu erkennen, dass sich viele der zuvor definierten Ziele umsetzen lassen. Exemplarisch soll anhand des Entwurfs auf den Zugewinn, der mit der Realisierung dieser Maßnahme einhergeht, eingegangen werden. Einem in Hamburg etablierten Rechenmodell folgend werden die Kapazitäten von Großspielfeldern nach deren Oberflächen bewertet.¹¹ Man geht davon aus, dass auf Naturrasenspielfeldern etwa vier Mannschaften, auf Tennenspielfeldern etwa 15 und auf Kunststoffrasenspielfeldern etwa 18 Mannschaften aktiv sein können.

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Symbolbild – Durch Starkregenereignis hochgedrückter Schachtdeckel. Foto: Naumann Landschaft

Vergleicht man auf dieser Basis den Bestand, der etwa 21 Mannschaften versorgen kann, mit dem Entwurf, nach dem zukünftig etwa 54 Mannschaften versorgt werden könnten, so wird das Potenzial der Maßnahme deutlich. Ähnlich wird der Zugewinn für die leichtathletischen Anlagen aussehen, wenngleich dieser eher durch die ganzjährige Nutzbarkeit der Anlage repräsentiert wird.

Modellhafter Ansatz: Kooperation mit HamburgWasser, BUE (Risa-Rispo)

In der Frage der Entwässerung ergab sich bereits in der Projektierung der Maßnahme die Chance zur Kooperation mit dem verantwortlichen Konzern Hamburg Wasser und der zuständigen Fachbehörde, der Behörde für Umwelt und Energie.

Ursprung der Überlegungen war das Programm zur "Regenwasserinfrastruktur-Anpassung - Risa".¹² Bedingt durch den Klimawandel und die festzustellenden Veränderung der Regenereignisse - hin zu deutlich größeren Niederschlagsmengen in geringerer Zeitspanne - sind die städtischen Siele zum Teil mit vorgenannten Regenereignissen überlastet. Straßenzüge, Wege, Keller und auch Wohngebäude werden im Extremfall überflutet.

Ein solch überlastetes Siel findet sich auch in der Möllner Landstraße. Da dort die Siele der näheren Umgebung zusammengeführt werden, herrscht akuter Handlungsbedarf. In dieser Ausgangslage kann die tiefliegende Sportanlage Möllner Landstraße helfen. Der Gedanke ist, dem Gelände der Sportanlage im Rahmen einer Notentwässerung Niederschlagswasser aus dem überlasteten Siel zuzuführen und auf der Sportanlage über entsprechende Einrichtungen versickern zu lassen.

Orientierungswert der Ermittlungen war ein "zehnjähriges Regenereignis" - also ein Fall, der rechnerisch und nach aktuellem Stand der Statistiken alle zehn Jahre einmal eintritt. Dieses Regenereignis soll durch entsprechend geeignete Maßnahmen reguliert werden. In diesem Fall war dazu ein Volumen von mindestens 500 Kubikmeter Wasser zur Speicherung und Versickerung auf der Sportanlage einzuplanen. Vom Relief der Sportanlage ausgehend bot sich dazu vor allem die Senke des Stadions an, die auch planerisch weiterverfolgt wurde. Über Baugrunduntersuchungen wurde der Bereich der Anlage gesucht, der optimale Möglichkeiten zur Versickerung bieten würde - und gefunden.

Nach derzeitigem Planungsstand wird im Falle eines entsprechenden Starkregens und eines überlasteten Siels das Niederschlagswasser über ein neues Siel auf die Sportanlage geleitet. Dort gelangt es über revisionierbare Schachtbauwerke in einen Unterflur-Rigolenkörper, der im südlichen Sektor des Stadions liegen wird. Hier soll das Wasser dann gezielt versickert werden. In einer ergänzenden Worst-Case-Betrachtung wurde zudem ein temporärer Anstau von Niederschlagswassers im Bereich des Stadions berücksichtigt.

Das vorgenannte Entwässerungssystem ist dabei als eigenständig anzusehen und wird baulich nicht direkt mit Entwässerungssystemen der Sportanlage verbunden. Organisatorisch wird der Betrieb der Notfallentwässerungen über entsprechende Vereinbarungen zwischen der Sportstättenverwaltung und Hamburg Wasser als Sielbetreiber organisiert. Für die Beteiligten handelt es sich hier bereits jetzt um ein Musterbeispiel der Kooperation zwischen Unternehmen, städtischen Entscheidern und operativen Verwaltungseinheiten, das als Modellverfahren (Rispo - Regenwasserinfrastruktur-Anpassung auf Sportanlagen) auch an anderer Stelle Anwendung finden soll.

Modellhafter Ansatz: Einbeziehung einer Nachhaltigkeitszertifizierung

Wie zuvor erläutert spielt das Thema Nachhaltigkeit in den Planungsprozessen des Bezirklichen Sportstättenbaus eine große und expandierende Rolle. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit entsprechenden Beurteilungs- und Zertifizierungsprotokollen, wie Sie seit dem vergangenen Jahr durch die Hochschule Osnabrück¹³ wissenschaftlich aufgestellt wurden. Ein entsprechender erster Anlauf wird hierzu auf Basis des Planungsprozesses der Maßnahme Sportanlage Möllner Landstraße aufgegriffen - auch um die Planungs- und Baustandards des Bezirklichen Sportstättenbaus zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Status quo

Ein weiterer, vielversprechender und das Projekt ergänzender Modellansatz kann in den Förderprogrammen für Klimaschutz gesehen werden14 und befindet sich derzeit in interner Prüfung.

Mit dem Büro Naumann Landschaft aus Hamburg konnte ein Planungsbüro für die gesamtheitliche Maßnahmenplanung gewonnen werden, welches bereits im Dialog mit den verschiedenen Planungspartnern dieser Maßnahme erfolgreich zusammengearbeitet hat und gleichzeitig die modellhaften Projektansätze innovativ begleitet. Die bauliche Realisierung in den Sportfreianlagen soll zum Jahresende beziehungsweise im Frühjahr 2019 starten und nach Möglichkeit zum Jahresende 2019 abgeschlossen sein. Der die Maßnahme ergänzende Hochbauanteil befindet sich seit Jahresende 2017 in Umsetzung.

Der Bauauftakt lieferte hier einen Ausflug in die dunkle Vergangenheit des Nationalsozialismus, der von der nationalen und sogar internationalen Presse aufgegriffen wurde15. Die sehr helle Zukunft der Sportanlage Möllner Landstraße steht aber unmittelbar bevor.

Quellen und Literatur

1 Parksport/"100 Jahre Stadtgrün" - www.hamburg.de/100jahre-stadtgruen/4303942/parksport/

2 "Oberbillwerder - Entwicklung eines neuen Stadtteils"www.oberbillwerder-hamburg.dewww.ndr.de/nachrichten/hamburg/Oberbillwerder-Mustersiedlung-fuer-ganz-Deutschland,oberbillwerder120.html

3 "Hamburg Active City" - www.hamburg.de/active-city/

4 "Wohnungsbau wird weiter gestärkt" - Wohnbauprogrammwww.hamburg.de/bsw/wohnungsbau/4029174/woh...

5 "Stromaufwärts an Elbe und Bille" - www.hamburg.de/stromaufwaerts/

6 "Senat beschließt große Stadtentwicklungsvorhaben" - www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/7031820/2016-09-29-stadtentwicklungsvorgaben/

7 Die Dekadenstrategie "Hamburg macht Sport" - www.hamburg.de/contentblob/5924192/7b238ce5fd6ba7fb4487a33aa05eec4d/data/2016-04-29-dl-dekadenstrategie.pdf

8 Die Sportvereinigung Billstedt-Horn von 1891 e. V. - www.billstedt-horn.de

9 "Integration durch Sport" DOSB - integration.dosb.de

10 "Umwandlung von Spielfeldern in Kunststoffrasenoberflächen" Stadt + Grün, Ausgabe 05/2017, Torge Hauschild

11 "Umwandlung von Spielfeldern in Kunststoffrasenoberflächen" Stadt + Grün, Ausgabe 05/2017, Torge Hauschild

12 "Regenwasserinfrastruktur-Anpassung" - www.risa-hamburg.de/startseite/

13 "Neues Bewertungssystem nachhaltiger Sportfreianlagen" Stadt + Grün, Ausgabe 05/2017, Jutta Katthage und Martin Thieme-Hack

14 "Klimaschutz-Förderung" - Kommunalrichtlinie des BMU www.klimaschutz.de/service/meldung/neues-antragsfenster-f%C3%BCr-die-kommunalrichtlinie-%C3%B6ffnet-am-1-juli-2018

15 Pressespiegel zum Baubeginn - www.tz.de/welt/geklaert-steckt-hinter-riesen-hakenkreuz-in-hamburg-zr-9384821.html;

www.thesun.co.uk/news/4967214/nazi-swastika-hamburg-sports-club-destroyed-billstedt/

www.bbc.com/news/world-europe-42068211

www.cbc.ca/radio/asithappens/as-it-happens-friday-edition-1.4417898/the-city-of-hamburg-just-destroyed-a-giant-swastika-with-bulldozers-and-jackhammers-1.4417902

eu.usatoday.com/story/news/world/2017/11/21/giant-swastika-unearthed-under-german-sports-field/885701001/

Dipl.-Ing. Torge Hauschild
Autor

Fachamtsleiter

Bezirksamt Hamburg-Mitte

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