Frische Luft fürs Stadtklima und eine neue Mitte im Luisenpark

Beste Aussichten in Mannheim

von:
Stadtklima
Der Fernmeldeturm ist das Wahrzeichen seit der BUGA Mannheim 1975. Foto: Luisenpark Mannheim

Beste Aussichten" ist das Motto der Bundesgartenschau, die in einem Jahr in Mannheim ihre Tore öffnet. Aussichten wird es im innerstädtischen Luisenpark geben, auf dem einstigen Militärgelände Spinelli im Osten Mannheims und von der Seilbahn aus, die diese beiden ganz unterschiedlichen Gelände miteinander verbindet. Aber auch bildlich ist das Motto zu verstehen, denn die BUGA Mannheim 2023 wird die Stadt zukunftsfähig machen.

Spinelli ist Teil des Grünzugs Nordost, bringt Frischluft, die das städtische Klima auch in heißen Sommern erträglicher macht. Die BUGA Mannheim 2023 ist nicht die erste Gartenschau in der Quadratestadt an Rhein und Neckar. Bereits 1975 fand hier, unter anderem im Luisenpark, eine Bundesgartenschau statt. Das Logo des Luisenparks erinnert noch heute daran. Im Rahmen der BUGA Mannheim 2023 wird er überarbeitet und bildet einen Gegenpol zur Konversionsfläche rund um die ehemalige Spinelli-Kaserne.

Integrierte Stadt- und Regionalentwicklung

Eine Gartenschau dient der Weiterentwicklung von Stadt und Region. Sie ist viel mehr als das sechs Monate dauernde Sommerfest, auf dem der Fokus der öffentlichen Wahrnehmung meist liegt. Denn der Schau steht eine langfristige, nachhaltige Planung gegenüber. Parks und Grünzüge werden angelegt: Zur BUGA Erfurt 2021 wurde zum Beispiel der Nordpark erweitert, so dass ein 60 Hektar großer Grünzug entstand, der die Neubaugebiete im Norden Erfurts mit dem Zentrum verbindet. Stadtquartiere entstehen, etwa der Neckarbogen bei der BUGA Heilbronn 2019. In Mannheim wird nun Spinelli nutzbar gemacht - zu einem kleinen Teil als Wohnraum, zum Teil mit Sport- und Freizeitangeboten. Vor allem soll sich das Gelände mit der "freien Mitte" aber positiv auf das städtische Klima auswirken. Auch Natur lässt sich hier erleben.

Gesellschaftlich relevant ist eine Bundesgartenschau, da sie stets aktuelle Fragestellungen aufgreift. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass eine BUGA oder IGA immer auch als Spiegel ihrer Zeit zu verstehen ist. Denn jede Ära hat ihre eigenen Ansprüche und Bedürfnisse. Zu Beginn, in den 1950er Jahren, standen Wiederaufbau und Neuanfang im Mittelpunkt. Den Anfang machte die BUGA Hannover 1951, bei der diese Themen relevant waren. Nach und nach verlagerte sich der Schwerpunkt, und im folgenden Jahrzehnt ging es darum, Grünflächen zur Erholung zu schaffen. In den 1960er Jahren wuchs der Wohlstand, Freizeitvergnügen trat in den Vordergrund. In dem Zuge wurden auch bestehende Anlagen saniert. In den 1990er Jahren rückten die neuen Bundesländer in den Blick, vermehrt ging es darum, ungenutzte Flächen stadtplanerisch einzugliedern. Seit rund 20 Jahren stehen ökologische Fragen im Mittelpunkt. "Themen wie Klima, Wohnen, demografischer Wandel, Nahrungsmittelproduktion und Nachhaltigkeit werden die künftigen Gartenschauen bestimmen", sagt Jochen Sandner, Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG). "Wir stellen uns die Aufgabe, Klimastrategien auch mit Hilfe von Gartenschauen zu entwickeln. Da sind wir ein Stück weit Experimentierfeld und Labor, um entsprechende Maßnahmen in der jeweiligen Stadt oder Region umzusetzen."

Nachhaltigkeit und Umgang mit dem Klimawandel werden in Mannheim die zentralen Themen sein. Nicht nur soll der Grünzug Nordost das Leben in der Stadt auch in heißen Monaten erträglicher machen. Auch inhaltlich geht es um Umweltschutz, Energie, Klima und Nahrungsmittelsicherung. Die BUGA Mannheim 2023 orientiert sich hier an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, die auch das Leitbild 2030 der Stadt Mannheim bestimmen.

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Konversionsfläche Spinelli

Die vier Leitthemen Klima, Umwelt, Energie und Nahrung werden sich durch die gesamte BUGA Mannheim 2023 ziehen. Ihnen widmen sich zum Beispiel die Themengärten und Pflanzflächen des etwa 20 Hektar großen "Experimentierfelds", das das Kernstück auf Spinelli bildet. Hier sind die innovativen Ausstellungsbeiträge zu finden, außerdem 17 Zukunftsgärten, die mittels Gartenkunst die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen inszenieren.

Bei alldem sollen die Geschichte spürbar und der Charakter erhalten bleiben. Das Militärgelände, zwischen Aubuckel und dem Stadtteil Käfertal gelegen, wurde mit seiner Kaserne von der deutschen Wehrmacht genutzt, nach dem zweiten Weltkrieg dann von den US-amerikanischen Soldaten. Mit dem Abbruch von Gebäuden entstand ein Frischluftkorridor. Aus diesem Grund sind Bäume - bis auf einzelne Exemplare aus altem Bestand - nur temporär als Schattenspender und Gestaltungselemente auf Spinelli zu finden. 2023 Zukunftsbäume, darunter Feldahorn, Säulenhainbuche und Zürgelbaum, werden nach der Bundesgartenschau im Stadtgebiet ihre endgültigen Standorte erhalten und ins Stadtgrün integriert.

Materialien, die beim Abbruch anfallen, werden auf dem Gelände wiederverwertet, auch hier setzt man bei der BUGA Mannheim 2023 auf größtmögliche Nachhaltigkeit. Größtenteils erhalten bleibt die U-Halle, eine rund 20.000 Quadratmeter große ehemalige Werk- und Lagerhalle in langgezogener U-Form. Ein Drittel wird zurückgebaut, so dass nur das Stahl- und Betonträgergerüst übrig bleibt. Hier werden Blumenhallenschauen, Gastronomie, Kultur- und Bildungsveranstaltungen zu finden sein. Der Innenhof wird durch ein flaches Wasserspiel belebt.

Der Bereich um die U-Halle ist intensiv gestaltet, aber auch die so genannten Parkschalen, in denen Spiel- und Sportplätze entstehen. Am Rande von Spinelli wird zudem ein neues Wohnquartier für 4500 Menschen gebaut. Der i-Punkt GRÜN - die zentrale Anlaufstelle, wenn es um Information und Kommunikation zu gartenbaulichen Themen geht - wird in einer historischen Heizzentrale untergebracht, die ebenfalls erhalten bleibt.

Doch 62 Hektar weit wird die "offene Mitte" sein, die zentral für den Grünzug Nordost ist. Sie lässt sich durch Wege erkunden, hier gibt es Biotope für Eidechsen und Insekten. Am südlichen Rand wird ein 80 Meter langer Panorama-Steg gebaut, der 12 Meter hoch über das Au-Gewässer führt. Von dort aus reicht der Blick in die Ferne gen Mannheim, aber auch das Landschaftsschutzgebiet lässt sich von oben betrachten.


Die Seilbahnstation wird in der Nähe des Haupteingangs liegen und Spinelli mit dem Luisenpark verbinden. Innerhalb von etwa sieben Minuten werden die Besucher*innen, hoch über Feudenheimer Au und Neckar geführt, auf der anderen Seite ankommen - schneller und umweltfreundlicher als mit dem Auto oder dem Bus. Denn die Bahn wird mit Ökostrom angetrieben.

Neue Parkmitte für den Luisenpark

Besucher*innen, die mit der Seilbahn von Spinelli kommen, erreichen das nordöstliche Ende des Luisenparks. Die Geschichte des Parks ist bereits seit 1975 eng mit der Bundesgartenschau verknüpft. Entstanden im 19. Jahrhundert und benannt nach der badischen Großherzogin Luise, wurde er im Zuge der BUGA Mannheim 1975, ähnlich wie der unweit gelegene Herzogenriedpark, erweitert. Der obere Luisenpark wurde umgestaltet, gebaut wurden unter anderem Dahlien-, Heide-, Farn- und Exotengärten. Ein Gebirgsbach wurde angelegt, die Vogelinsel im Kutzerweiher ausgebaut. Auch die heutigen Restaurant- und Freizeitbauten stammen noch aus der Zeit.

Bei der BUGA Mannheim 2023 wird ein 1,89 Hektar großes Areal umgestaltet und zukunftsfähig gemacht: eine "Neue Parkmitte" entsteht. Moderne Tieranlagen, neue Gebäudekomplexe und Erlebnisräume für die Besucher*innen werden gebaut - es stehen rund 3000 Quadratmeter mehr zur Verfügung als bisher, da die Wirtschaftsgebäude weichen.

Im Bereich zwischen dem Pflanzenschauhaus und dem Kutzerweiher entsteht eine Unterwasserwelt mit Restaurant und Freiflugvoliere in der oberen Etage. Die Pinguinanlage wird mit einer Felsenlandschaft neu gebaut, das Schmetterlingshaus wird zu einem "Südamerikahaus" erweitert.

Die Gebäude fügen sich mit ihren organischen Formen in den Park ein. Gläserne Wände lassen Innen- und Außenräume optisch ineinander übergehen, Vordächer schützen bei Regen und bei Sonne. In einem späteren Bauabschnitt sollen nach der BUGA Mannheim 2023 ein Freizeithaus und die Grüne Schule entstehen.

Viel wird passieren in diesem Jahr bis zur Eröffnung der BUGA Mannheim 2023. Ein besonderes Highlight für die Besucher*innen im Luisenpark: Auf etwa 800 Quadratmetern wird ein "Garten der Partnerstädte" entstehen mit Beiträgen unter anderem aus der israelischen Stadt Haifa, aus dem polnischen Bydgoszcz und dem französischen Toulon.

 Ina Sperl
Autorin

Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH (DBG), Leiterin Presse, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

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