Zwischenergebnis einer Onlineumfrage innerhalb der Gartenamtsleiterkonferenz

Konfliktfeld Veranstaltungen auf Grünflächen

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Übersicht der Rückläufe nach Bundesländern und Größenklassen der Städte: 107 Umfrageteilnehmer/innen (inkl. 3 Datensätze ohne Bundeslandangabe). Abbildung: Birte Jung

Öffentliche Freiräume werden in vielen Städten zunehmend als urbane Veranstaltungsorte gesehen (vgl. Betz, Hitzler & Pfadenhauer 2011, 9; Kröniger 2007). "Eventisierung" (Hitzler 2011) und "Festivalisierung" (Häußermann & Siebel 1993) sind nicht nur auf Plätze und Straßenzüge begrenzt. Bereits seit Jahrhunderten finden Veranstaltungen in historischen Gärten, größeren Parkanlagen oder kleineren Stadtteilparks statt (vgl. Gehrcke 2001a, 325). Im Gegensatz zu den meist versiegelten Stadtplätzen sind die vegetationsreichen, unversiegelten Grünflächen besonders empfindlich (vgl. Balder 2002, 14.; Heinzel & Zimmermann 1990, 103ff.). Das Schadenspotenzial ist dort besonders hoch.

Öffentliche Grün- und Erholungsanlagen gelten nicht primär als Veranstaltungsorte (vgl. Gehrcke 2001b, 487). Das Berliner Grünanlagengesetz kennzeichnet sie als gärtnerisch gestaltete Anlagen, Freiflächen oder sonstige waldähnliche oder naturnahe Flächen, Plätze und Wege, die als Orte der Erholung und Freizeit der Bevölkerung zugutekommen oder für Stadtbild oder Umwelt von Bedeutung sind. Das öffentliche Grün hat zugleich einen sozialen Auftrag zu erfüllen, soll für die Bewohner/innen frei zugänglich und bestenfalls für verschiedenartige Aktivitäten nutzbar sein (vgl. Gehrcke 2001a, 331f.; Kaspar 2012, 22). "Städter wollen nicht mehr in fertigen Kunstlandschaften spazieren, sondern Freiräume nach eigenem Gusto nutzen." (Dörries 2012, online) Während die einen die Grünfläche zum Erholen oder Flanieren nutzen, wünschen sich erlebnissuchende Besucher/innen Orte zum Feiern. Multifunktionale Parkanlagen werden zu "alltäglichen Erlebnisräumen" (Kaspar 2012, 22).

Garten- oder Grünflächenämter als "Treuhänder öffentlichen Grüns" und gleichzeitig als "bürgernahe Dienstleistungsbetriebe" stehen vor der großen Aufgabe, Erlebnissuchenden "attraktive, aber dennoch im Park verträgliche Veranstaltungsangebote zu machen" (Gehrcke 2001b, 487).

Events dienen auch als Stadtentwicklungs- oder Marketinginstrument zur Stärkung der Besonderheit von städtischen (Grün-)Räumen (vgl. Eßer 2011) und der Verbesserung von "Wahrnehmung und Positionierung im interkommunalen Standortwettbewerb" (Pegels & Berding 2013, 9). Gartenämter geraten zunehmend unter den Eventisierungsdruck der Stadtverwaltungen (vgl. Betz et al. 2011; Clark 2010, 53). Als Folge werden mehr Ausnahmegenehmigungen für Veranstaltungen auf nicht immer geeigneten Grünflächen ausgesprochen. Es ist offenkundig, dass diese Veranstaltungsnutzungen zu vielen Konflikten führen, in der Bevölkerung und innerhalb der Verwaltung.

Die Aktivitäten im Berliner Mauerpark sind ein Beispiel hierfür: Über das ganze Jahr finden dort regelmäßig Veranstaltungen statt, etwa eine Karaoke-Show. An die 50 000 Besucher/innen zieht es an 24 Sonntagen im Jahr zum Amphitheater, dem Austragungsort dieser Show. Das bleibt nicht ohne Folgen: Hänge sind abgerutscht, Böden verdichtet, Müll bleibt auf der Grünfläche zurück. Beliebtheit nimmt zu, Nutzungsdruck erhöht sich, Lärmklagen von Anwohner/innen häufen sich (vgl. Flatau 2013; Dörries 2012, online). Infolgedessen hat sich ein großer Teil dieser Grünfläche von einem Erholungsort und Lebensraum für Flora und Fauna in einen nahezu permanenten Veranstaltungsort gewandelt.

Beliebte Veranstaltung im Berliner Mauerpark: Karaoke-Show. Foto: Birte Jung

Durchführung einer bundesweiten Onlineumfrage in der Gartenamtsleiterkonferenz, GALK

Die skizzierte Problemlage beschreibt die Motivation für eine bundesweite Onlineumfrage im Rahmen des Dissertationsvorhabens "Nachhaltige Nutzung öffentlicher Freiräume als Veranstaltungsorte" an der Technischen Universität Berlin. Die aus 25 Fragen bestehende Umfrage hat zum Ziel, Veranstaltungen auf öffentlichen Grünflächen aus Sicht der GALK zu untersuchen und diesbezüglich ein Stimmungsbild aufzuzeigen. Zugleich sollen die Ergebnisse zur Entwicklung eines Bewertungsverfahrens für Veranstaltungen auf Grünflächen im Hinblick auf die Verträglichkeit als Veranstaltungsorte beitragen und zur Erarbeitung von Maßnahmenvorschlägen führen.

Die Umfrage ist in zwei Abschnitte unterteilt. Im ersten werden statistische Informationen zu Bundesland und zur Einwohnergröße der Stadt des jeweiligen Grünflächenamtes, zum Freiraum-/Veranstaltungstyp, zur Veranstaltungshäufigkeit, zu Auswirkungen, zur Stimmung und Zufriedenheit der Verwaltung mit Veranstaltungen abgefragt. Von Gartenamtsleiter/innen beschriebene Positiv- und Negativfallbeispiele von Veranstaltungen auf Grünflächen stehen im zweiten Abschnitt im Vordergrund.

Im Folgenden werden Teilaspekte und Zwischenergebnisse zum ersten Abschnitt der Umfrage vorgestellt, die einen Blick auf die Einschätzung der aktuellen Situation und Zufriedenheit der Gartenämter mit Veranstaltungen auf Grünflächen vermitteln.

Erste Informationen zur Umfrage gab es Ende Juli 2013 durch und dank zuständiger Landesgruppenleiter/innen der GALK. Bis zum 22.10.2013 nahmen 107 Gartenämter an der Befragung teil. Die Städtegrößen sind relativ gleichmäßig verteilt. Alle Bundesländer sind vertreten, doch die Beteiligung der Gartenämter an der Umfrage aus den verschiedenen Kommunen und Bezirken fällt recht unterschiedlich aus (vgl. Abb. S. 50). In Bayern und Baden-Württemberg ist die Zahl mit jeweils 30 Teilnehmenden besonders hoch. Ostdeutsche Städte dagegen sind in der Befragung unterrepräsentiert. Gründe für die unterschiedliche Beteiligung können in stärkerer oder schwächerer Betroffenheit vom Thema oder in der Information über die Umfrage durch die einzelnen Landesgruppenleiter/innen gesehen werden. Angesichts der teilweise aufwändig zu erhebenden Angaben ist der Rücklauf insgesamt erfreulich hoch, was auf großes Interesse an der Thematik schließen lässt.

Bei der Auswertung wurden neben Häufigkeitsbestimmungen vor allem Unterschiede zwischen den einzelnen Kommunen und Bezirken untersucht. Absolute Zahlen und Prozentwerte zeigen aufgrund der kleinen Stichprobengröße lediglich Tendenzen zur Situation und zum Stimmungsbild.

Mögliche Veranstaltungsorte auf öffentlichen Grünflächen in Prozent (Mehrfachnennungen waren möglich). Abbildung: Birte Jung

Veranstaltungshäufigkeit auf Grünflächen in den Kommunen/Bezirken nach Stadtgrößen in Prozent. Abbildung: Birte Jung

Veranstaltungsorte auf öffentlichen Grünflächen

Veranstaltungen finden auf verschiedenartigen Grünflächen statt. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass Parkanlagen und Stadtteilparks in vielen Kommunen oder Bezirken als Veranstaltungsorte genutzt werden (vgl. Abb. oben). Die Hälfte der Gartenamtsleiter/innen gibt an, dass Events auch auf Grünflächen am Wasser durchgeführt werden. Gartendenkmäler und grüne Stadtplätze werden zudem von etwa einem Drittel als mögliche Veranstaltungsorte genannt.

Öffentliche Grünflächen unterscheiden sich in Funktion, Nutzung oder Gestaltung (vgl. Loidl-Reisch 1995, 10). Entsprechend weichen sie in ihrer Veranstaltungseignung voneinander ab. Empfindlichkeit und Verträglichkeit variieren und hängen unter anderem von Bodenbeschaffenheit, Witterung, vegetativer Ausstattung, Größe, vom (städtischen) Umfeld und dem Nutzungsdruck auf eine Grünfläche ab (vgl. Gehrcke 2001a, 329). Demzufolge sind Gartendenkmale besonders empfindlich, im Gegensatz zu multifunktionalen Parkanlagen mit großen offenen Rasenflächen.


Veranstaltungshäufigkeit und Veranstaltungstypen

Die Veranstaltungshäufigkeit/-intensität sowie Art und Größe einer Veranstaltung spielen bei der Verträglichkeit von Events im Grünen und beim Ausmaß von Veranstaltungsschäden eine wichtige Rolle. Aus den Ergebnissen der Umfrage geht hervor, dass Veranstaltungen bei rund 60 Prozent der antwortenden Gartenämter mehrmals im Jahr auf Grünflächen stattfinden (vgl. Abb. oben). In einigen Kommunen geschieht dies bedeutend häufiger mit mehreren Events in der Woche, in großen Großstädten liegt die Zahl bei 35 Prozent.

Ein Großteil der Befragten nennt bei der Frage nach dem Veranstaltungstyp vor allem kulturelle Veranstaltungen, Musik- und Sport- und gemeinnützige Veranstaltungen (vgl. Abb. links unten). Großveranstaltungen werden bei knapp 50 Prozent der Gartenamtsleiter/innen auf öffentlichem Grün durchgeführt. Auch eintrittspflichtige sowie private Veranstaltungen werden zu etwa je einem Drittel aufgezählt. Werbeveranstaltungen und Umzüge sind eher die Minderheit. Bei den Ergebnissen muss allerdings berücksichtigt werden, dass Veranstaltungen sich nicht immer genau nur einem Merkmal zuordnen lassen.

In der Forschungsliteratur werden insbesondere Großveranstaltungen mit mehreren tausenden Besucher/innen mit einem hohen Schadenspotenzial eingestuft (vgl. Heinzel & Zimmermann 1990; Balder 2002). Auch private oder eintrittspflichtige Veranstaltungen in öffentlichen Freiräumen, bei denen andere Parkbesucher/innen ausgegrenzt werden, sind kritisch zu betrachten (vgl. Gehrcke 2001a, 331).

Fast zwei Drittel der befragten Gartenämter sind der Meinung, dass die Genehmigungsvergabe für eine Veranstaltung nicht von einem konkreten, räumlichen oder inhaltlichen Bezug zum Ort abhänge (vgl. Abb. rechts unten). Vergleicht man die Antworten je nach Stadtgröße, dann zeigen sich Unterschiede: In kleineren Großstädten wird einem räumlich-inhaltlichen Bezug der Veranstaltung zur jeweiligen Grünfläche zu 80 Prozent weniger Bedeutung beigemessen. Im Gegensatz dazu sieht fast die Hälfte der Befragten in Gartenämtern von Kleinstädten eine Beziehung der Veranstaltung zum öffentlichen Grün als entscheidend für eine Genehmigung.

Laut Gehrcke (2001a, 328) sollten inhaltlich-räumliche Bezüge von Veranstaltungen gefördert werden. So könne gewährleistet werden, dass die Veranstaltung zur Wertschätzung des Grüns oder zur Freiraumkultur beiträgt. Andernfalls sollten Veranstaltungen ohne Bezug abgelehnt werden.

Stimmungsbild: Bewertung der allgemeinen Zustimmung von Aussagen nach Stadtgrößen in Prozent (der Prozentwerte von stimme eher [4] bis stimme voll zu [6]). Abbildung: Birte Jung

Beeinträchtigungsgrad von Veranstaltungsauswirkungen

Wenn Grünflächen als städtische Bühnen dienen, bleibt dies nicht ohne Folgen: Es kommt im Freiraum und in seiner Umgebung zu kurz- oder langfristigen Veranstaltungsauswirkungen ökologischer, soziokultureller oder ökonomischer Art, die sich in ihrem Beeinträchtigungsgrad unterscheiden (vgl. Case 2013; Balder 2002).

Anhand einer sechsteiligen Skala wurde der durchschnittliche Beeinträchtigungsgrad von Auswirkungen auf die Nutzung/Funktion einer Grünfläche benotet (vgl. untere Abb.). Für die Mehrzahl an Grünflächenamtsleiter/innen sind besonders ein erhöhtes Abfallaufkommen, mechanische Belastungen auf Rasenflächen, Bodenverdichtungen, erhöhtes Verkehrsaufkommen, zugeparkte Straßen und Grünflächen, Luft-/Lärmbelästigungen beeinträchtigend. Etwa die Hälfte der Befragten sieht Auswirkungen auf das Wegesystem, das Abknicken oder Abreißen von Pflanzenteilen oder Schäden an der Freiraumausstattung als Nachteil. Veranstaltungen bewirken keine oder nur wenige Beeinträchtigungen etwa an Ufer- und Wasserflächen, in Form von Verbrennungen an Bäumen (zum Beispiel durch heiße Beleuchtungskörper) sowie durch mechanische Belastungen an der Baumkrone. Der Beeinträchtigungsgrad ist Anhaltspunkt dafür, welche Aspekte besonderen Handlungsbedarf hervorrufen und Maßnahmenvorschläge, Auflagen oder das Ablehnen einer Veranstaltung darauf erfolgen sollten (vgl. Heinzel & Zimmermann 1990, 101 ff.).

Ein erstes Stimmungsbild

Unterschiedliche Sichtweisen und Erfahrungen der Gartenämter sind bei der Einschätzung der Empfindlichkeit des öffentlichen Grüns als Veranstaltungsort und Genehmigungsvergabe mitentscheidend (vgl. Gehrcke 2001a, 327). Es spielt eine nicht unerhebliche Rolle, ob eine Veranstaltung als bereichernde Freiraumaktivität oder als solche mit erhöhtem Pflegeaufwand und/oder Schäden betrachtet wird. Für ein erstes Stimmungsbild werden mehrere Aussagen mit einer sechsteiligen Skala von den Umfrageteilnehmenden bewertet (vgl. Abb. oben). Ein Großteil der Grünflächenämter ist der Ansicht, dass "öffentliche Grünflächen in ihrer Qualität und Nutzung durch Veranstaltungen beeinträchtigt" werden. 50 Prozent der Befragten aus großen Großstädten stimmten dieser Aussage voll zu (Skalenwert 6). Tendenziell bejahen zwei Drittel der Teilnehmenden die Aussage: "Die Durchführung von Veranstaltungen auf Grünflächen verursacht viele Schäden an der Anlage sowie an der Vegetation". In den kleineren Mittelstädten liegt die Zustimmung bei 53 Prozent.

Bedeutung des Kritieriums "Bezug zum Ort" bei der Genehmigungsvergabe nach Stadtgrößen in Prozent. Abbildung: Birte Jung

Rangverteilung: Auswirkungen mit den 15 am höchsten bewerteten Beeinträchtigungen. Abbildung: Birte Jung

Unterschiedlich gestaltet sich das Meinungsbild zwischen den Ämtern verschiedener Städtegrößen bei der Aussage "Veranstaltungen bereichern eine Grünfläche und tragen zu einem Mehrwert bei": Während 69 Prozent der befragten Amtsleiter/innen in kleineren Mittelstädten dieser Aussage zustimmen, sind es in großen Großstädten lediglich ein Drittel und in Kleinstädten 44 Prozent.

"Großveranstaltungen (mit mehr als 5000 Personen) sollten generell nicht auf Grünflächen erlaubt werden, da ihr Schadenspotenzial zu hoch ist." Über die Hälfte der Gartenämter stimmen dieser Behauptung allgemein zu, volle Zustimmung (Skalenwert 6) gibt es von 50 Prozent der Gartenämter aus großen Großstädten.

"Veranstaltungen können stattfinden, solange die ursprünglichen Nutzungen einer Grünfläche und die der Nutzer/innen nicht beeinträchtigt werden." Diese Aussage bejahen durchschnittlich 78 Prozent der Befragten. Auf den ersten Blick widersprüchlich, wird im Vergleich zu den vorherigen Ergebnissen deutlich, dass die Ablehnung von Veranstaltungen auf Grünflächen nicht generell ist, sondern unter anderem vom Empfindlichkeitsgrad abhängt.

Besonders in Großstädten scheint der Eventisierungsdruck auf Verwaltungen hoch zu sein. Dieses Bild spiegelt sich in den Anmerkungen der Gartenämter wider: Ein Gartenamtsleiter aus einer Großstadt sieht es als problematisch, dass Grünflächen generell als Veranstaltungsorte genutzt werden. Ein anderer erwähnt die "inflationäre Entwicklung der Eventkultur, die mittlerweile relativ aggressiv den Flächenbedarf einfordert". Ein anderes Bild zeigt sich in kleineren Städten: Dort weist ein Gartenamtsleiter darauf hin, dass insbesondere mit Hilfe von Events und dem "Erleben im Grün" ein Bezug zur Grünfläche hergestellt und diese wieder stärker wahrgenommen wird.

Zum Umgang mit dem Eventisierungsdruck rät Clark (2010, 53): "Die Kunst des geschickten "Neinsagens" muss gelernt werden. Man kann sich nicht, oder wenigstens nicht lange, taub stellen und Veranstaltungen grundsätzlich ablehnen. Der Druck wird wachsen, irgendwann gibt es eine Entscheidung von oben, und man muss schmollend gehorchen."

Fazit und Ausblick

Insgesamt lässt sich eine eher verneinende Haltung gegenüber Veranstaltungen auf Grünflächen feststellen, die vermutlich auf negative Erfahrungen zurückzuführen ist. Grundsätzlich können/sollten - so die Meinung der teilnehmenden Gartenämter - nur solche Veranstaltungen stattfinden, die Nutzung und Funktion der Grünfläche nicht oder nur wenig beeinträchtigen. Unterschiede in der Haltung der Befragten zu Veranstaltungen lassen sich an den Stadtgrößen erkennen. Die Gartenämter kleinerer Mittelstädte verbinden mit Events im Grünen positivere Einstellungen. Dies kann einerseits mit weniger schlechten Erfahrungen bei der Durchführung oder einem geringeren Veranstaltungsdruck begründet sein, andererseits damit, dass Veranstaltungen kleiner sind und weniger Schäden verursachen.

Mit Hilfe der Grünflächenverwaltungen wird im weiteren Verlauf ein "Erfahrungskatalog" von Veranstaltungsfolgen/-schäden erarbeitet, um weitere Handlungsvorschläge über die von Clark beschriebene "Kunst des geschickten Neinsagens" hinaus zu entwickeln und dem Eventisierungsdruck von "oben" belastbare Kenngrößen und sinnvolle Maßnahmenpakete entgegenzusetzen. Der Katalog soll dabei helfen, Veranstalter/innen, anderen Fachbehörden oder der Öffentlichkeit die (Un-)verträglichkeit einer spezifischen Veranstaltungsnutzung zu vermitteln. Ziel soll es letztendlich sein, die Qualität und Attraktivität öffentlicher Grünflächen als Erholungs- und Freizeitorte zu erhalten und diese lediglich durch freiraumverträgliche und nachhaltige Veranstaltungsangebote zu ergänzen. Das Ausmaß an negativen Veranstaltungsfolgen soll durch Berücksichtigung der genannten Faktoren (zum Beispiel Veranstaltungshäufigkeit und Empfindlichkeit des Freiraums) und durch geeignete Maßnahmen an der Veranstaltung und am Freiraum so klein wie möglich gehalten werden. Geeignete Werkzeuge hierfür zu finden sind ebenfalls Teil des Forschungsvorhabens.

Alle Gartenamtsleiter/innen, die noch nicht an der Umfrage teilgenommen haben, sind herzlich eingeladen, den Fragebogen bis Ende des Jahres unter www.soscisurvey.de/galk2013/ auszufüllen.


Anmerkungen

Birte Jung ist Diplom-Ingenieurin der Landschaftsplanung. Sie promoviert an der TU Berlin am Fachgebiet Landschaftsbau-Objektbau (Prof. Cordula Loidl-Reisch) zum Thema "Eventisierungsdruck: Nachhaltige Nutzung öffentlicher Freiräume als Veranstaltungsorte". Hauptziel des Promotionsvorhaben ist es, ein auf sachverständigen Erfahrungen basierendes, transparentes Bewertungsverfahren sowie Planungsvorschläge zur Anwendung durch Landschaftsarchitekt/innen, Behörden oder Veranstaltungsorganisator/innen zu entwickeln. Mit dessen Hilfe soll eine nachhaltige Nutzung von geeigneten Teilen öffentlicher Freiräume auch als Veranstaltungsort gelenkt, beurteilt und verbessert werden. Negative Veranstaltungsauswirkungen können so vermieden oder reduziert werden.

Unterstützt wird Birte Jung seit April 2013 durch ein Promotionsstipendium der Heinrich-Böll Stiftung.

Abstract zum Promotionsvorhaben: www.boell.de/de/node/277490

Literatur

Balder, H. (2002). Schäden am Stadtgrün durch Großveranstaltungen. In: Stadt+Grün 1/2002, S. 13-17.

Betz, G., R. Hitzler & M. Pfadenhauer (2011). Urbane Events (Erlebniswelten). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Case, R. (2013). Events and the environment. London/New York: Routledge.

Clark, R. (2010). Die Kunst des geschickten Neinsagens Pflege historischer Gärten in Theorie und Praxis. In: Stadt+Grün 3/2010, S. 48-53.

Dörries, C. (2012). Volksparks vom Parkvolk. In Deutsches Architektenblatt (02.05.2012), online: dabonline.de/2012/05/02/volksparks-vom-parkvolk-2/; letzter Abruf am 20.10.2013.

Eßer, S. (2011). Das Prinzip der "grünen Stadt" verankern. Aus dem Baukasten für das Grünmarketing. In: Stadt+Grün 9/2011,S. 9-14.

Flatau, S. (2013). Keine neuen Feste in City-Bezirken. In: Berliner Morgenpost (06.10.203), S. 5.

Gehrcke, M. (2001a). Der Park als Veranstaltungsort. Über Veranstaltungen im Grünen und deren Verträglichkeit. In: Stadt+Grün 5/2001, S. 325-332.

Gehrcke, M. (2001b). Der Park als Veranstaltungsort. Teil 2: Parkverwaltung und Veranstaltungsmanagement. In: Stadt+Grün 7/2001, S. 487-491.

Häußermann, H. & W. Siebel (1993). Festivalisierung der Stadtpolitik. Stadtentwicklung durch große Projekte. (Leviathan Sonderheft 13). Opladen: Westdeutscher Verlag.

Heinzel, R. & M. Zimmermann (1990). Handbuch Umweltschonende Großveranstaltungen. Leitfaden für Planung und Durchführung unterschiedlicher Veranstaltungstypen. Im Auftrag des Umweltbundesamtes. Berlin: Erich Schmidt Verlag.

Hitzler, R. (2011). Eventisierung: Drei Fallstudien zum marketingstrategischen Massenspaß. Wiesbaden: VS Verlag.

Kaspar, H. (2012): Erlebnis Stadtpark. Nutzung und Wahrnehmung urbaner Grünräume. Wiesbaden: VS Verlag.

Kröniger, B. (2007). Der Freiraum als Bühne. Zur Transformation von Orten durch Events und Inszenierungen. München: Meidenbauer.

Loidl-Reisch, C., (Hrsg.: Magistrat der Stadt Wien) (1995). Typen öffentlicher Freiräume in Wien. Ansätze einer Kategorisierung. Wien.

Pegels, J. & U. Berding (2013). Öffentliche Räume in den Innenstädten: Nicht nur zentrale Orte. In: BMVBS (2013). stadt:pilot:spezial. Die Innenstadt und ihre öffentlichen Räume, S. 8-10.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 12/2013 .

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