Meta-Studie mit 290 Millionen Menschen

Grün reduziert Risiken von Diabetes, Herzleiden und Asthma

Gesundheit Studien zum Grün
Forschungsstudentin Caoimhe Twohig-Bennett hofft, dass die Ergebnisse der Studie die politisch Verantwortlichen für Parks und Gärten motiviert, mehr in die Instandhaltung und Pflege von Grünanlagen zu investieren. Foto: Mechthild Klett

Was viele schon geahnt hatten, ist nun wissenschaftlich belegt: Grün fördert die Gesundheit. Die britischen Wissenschaftler um die Forschungsstudentin Caoimhe Twohig-Bennett und Prof. Dr. Andy Jones von der Norwich Medical School der University of East Anglia haben eine Meta-Studie zum langfristigen Effekt des Grüns auf Menschen vorgestellt. Für die im Juli in der Zeitschrift "Environmental Research" veröffentlichte Studie hat das Forscherteam 140 empirische Studien ausgewertet. An ihnen nahmen insgesamt 290 Millionen Menschen aus 20 Ländern teil, darunter aus Deutschland, Großbritannien, Spanien, Frankreich, den USA, Australien und Japan. Danach reduziert ein Leben nahe der Natur und viel im Freien verbrachte Zeit unter anderem die Risiken von Diabetes Typ II, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vorzeitigem Tod, Frühgeburten und Stress. Positive Wirkungen verzeichneten die Forscher auch auf das Vorkommen von Schlaganfällen, Bluthochdruck, Dyslipidämie, einer Verschiebung der Zusammensetzung der Lipide im Plasma, Asthma und Koronarer Herzkrankheit. Menschen, die sich viel im Grünen aufhalten, berichteten vor allem über einen guten Allgemeinzustand, heißt es in der Studie. Ihre Schlafdauer stieg, die Herzfrequenz, der diastolische Blutdruck und die Blutzuckerwerte sanken. Statistisch signifikant schrumpfen lässt Grün vor allem einen physiologischen Stress-Marker: das Speichel-Cortisol.

Parks, Plätze, Straßenbegleitgrün

"Oft greifen wir zu Medikamenten, wenn wir uns unwohl fühlen", sagte Jones, der schon viele Studien über Umwelteinflüsse auf Krankheiten geleitet hat, "doch der Kontakt mit einer gesundheitsfördernden Umgebung wird sowohl für die Prävention als auch bei der Unterstützung der Behandlung von Krankheiten zunehmend anerkannt."

Unter "Grün" verstehen die Forscher nicht nur die freie Natur, sondern auch städtische Grünflächen, einschließlich Parks, Plätzen und Straßenbegleitgrün.

Obgleich die Forscher ausführlich zur Verbindung von Grün und Gesundheit recherchiert haben, können sie bislang noch nicht die genauen Ursachen der positiven Wirkungen des Grüns benennen. Menschen, die nahe an Grünflächen wohnen, hätten wahrscheinlich mehr Möglichkeiten, körperlich aktiv zu sein und unter Menschen zu kommen, erläuterte Twohig-Bennett. "Zudem könnte der Kontakt mit vielfältigen Bakterien, die in einer natürlichen Umgebung vorkommen, gut für das Immunsystem sein und Entzündungen verringern."

Jüngere Ergebnisse japanischer Forscher ließen vermuten, dass Phytonzide, flüchtige organische Verbindungen mit antimikrobiellen Eigenschaften von Bäumen freigesetzt werden, die Gesundheit fördern, sagte die Forscherin. Zu diesen Verbindungen zählen rund 5000 ätherische Substanzen. Sie verteidigen Pflanzen vor Bakterien, Pilzen und Insekten.

In Bau und Pflege von Grün investieren

Die Forscher hoffen, dass die aktuellen Ergebnisse Ärzte dazu veranlassen, ihren Patienten zu empfehlen, mehr Zeit im Grünen und in der Natur zu verbringen. "Hoffentlich ermutigen unsere Ergebnisse Entscheidungsträger, in den Bau, die Wiederherstellung und die Pflege von Grün zu investieren, besonders in städtischen Wohngebieten und sozial benachteiligten Quartieren", sagte Twohig-Bennett.

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