Sommer-Spiele in kultivierter Wildnis, Winter-Spiele im Gewächshaus

Immergrün für den Nachwuchs

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Treppenhaus und Rolltreppen im Cabot Circus Einkaufszentrum, Bristol, England. Das Rentier ist Teil der Weihnachts-Dekoration. Ganz hinten rechts in der Einkaufgasse gibt es einen Lichtblick auf Grün und ins Freie. Foto: wikimedia commons, public domain, Arpingstone

Nicht nur zur Sommerzeit, sondern auch im Winter, wenn es schneit (oder auch nicht), stehen der Öffentlichkeit grandiose, piekfeine, überdachte und bei Kälte geheizte halböffentliche Räume zur Verfügung. Sie heißen gern "Einkaufsparadiese". Oft gibt es gratis als Dreingabe Berieselung mit aufdringlicher, meist mäßiger Musik, selten sogar etwas Grün. Ob als Passagen nach dem Modell der berühmten Pariser Passages couverts des 19. Jahrhunderts, heute oft auch "Galleria" nach Mailänder Muster genannt, oder als riesige Einkaufszentren von einer oder mehreren Firmen, häufig auch auf der einst "Grünen Wiese" - sie dienen dem vermehrten und beschleunigten Verkauf von Waren aller Art, also dem möglichst unterbrechungsarmen, reibungslosen und raschen Umschlag des Kapitals.

Waren statt Kinder: Pflanzenarme gewerbliche "Einkaufsparadiese"

Trotz ihrer Perspektive als künftiges "Humankapital" haben es dagegen jüngere Menschen als "nachwachsende", "erneuerbare" und sich erneuernde "Humanressourcen" in Form von Babys, Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen schwer, kostenlosen, nicht warenförmigen Schutz vor Wind und Wetter und Spielmöglichkeiten zu finden, Ältere im Übrigen auch. Das betrifft konkret vor allem Regen auch in wärmeren Jahreszeiten, Schnee oder winterliche Kälte. Und es betrifft Orte außerhalb der Betreuungseinrichtungen wie Kita und Schule oder der Privatwohnung samt entsprechenden Zeiten.

Die Paradiese des Verkaufs haben viele historische Vorläufer. Überdachte Säulengänge als Schutz gegen Sonne und gegen Regen gab es bereits in den Städten des alten Mesopotamien sowie dann in der griechischen und römischen Antike. Die Arkaden haben Rundbögen, die Kolonnaden haben ein gerades Gebälk. Die europäischen Städte seit dem mittelalterlichen Feudalismus setzten ebenso wie orientalische Basare diese Tradition fort - berühmt für seine Säulengänge ist zum Beispiel. Bologna. Ein anderer Bautyp sind die nicht an Häuser und Straßen angebauten sondern eigenständigen überdachten Hallen mit einzelnen Ständen für verschiedene Warengruppen, wie etwa die "Halles" in Paris. An sie knüpften der Typus der Pariser Passagen und deren Nachfolger an, wie zum Beispiel die "Galleria Vittorio Emanuele II" 1867 in Mailand, die "Kaisergalerie" in Berlin im Jahr 1881. Heute sind entsprechende Bauwerke weltweit verbreitet.

In den neueren europäischen Versionen der Verkaufs-Paradiese (s. Abb. 1) heißt es zum Grün meist wie einst zu Hunden in Läden "Ich muss draußen bleiben!". Mit wetterunabhängigem Immergrün ist es also hier nichts: Zuviel Natur tut der Kaufkultur anscheinend nicht gut - Pflanzen bedeuten Kosten ohne Gewinn-"Nutzen". In anderen Weltregionen und historischen Traditionen dagegen findet sich trotzdem manchmal geradezu üppiges Grün; so zum Beispiel in der "Galleria Subalpina" in Turin von 1874.¹ Ähnliches gilt für nicht wenige Einkaufszentren in Asien.² Zum Stadtgrün tragen die Einkaufszentren aber insgesamt eher wenig bei, desgleichen zur Lösung der Witterungsprobleme für Kinder und Jugendliche. Sie müssen oft draußenbleiben, auch wenn sie des Wetters wegen lieber drinnen wären.

Was im Absolutismus für die Pflanzen des Fürsten galt, müsste analog dazu in einer alternden Gesellschaft für den Nachwuchs der Gesellschaft gelten: "Ein besonderes Prestige brachten diejenigen, die nicht jeder haben konnte, das heißt die nur sehr selten waren oder nur mit einem großen Aufwand kultiviert werden konnten."³ Nun ist freilich das Prestige von Kindern samt dem ihrer Eltern nicht so hoch. Hoch ist dennoch der Aufwand für sie, und er wird einstweilen noch sozialstaatlich gestützt.Er "rechnet" oder "rentiert" sich allerdings sicher nicht unmittelbar und für einzelne Unternehmen.

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Kurzrutsche mit Bällchen-Bad im Hinterzimmer eines kleinen Cafés. Berlin, Barbarossastraße, 14.4.2014. Foto: Hanns-Werner Heister
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Mitten im Sommer, aber kein Wetter zum draußen Spielen: Berlin-Schöneberg, Ecke Albertstraße-Feurigstraße, 27.07.2016. Foto: Hanns-Werner Heister
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Gut eingemummelt: Nur Kälte allein und nicht fallender sondern gefallener Schnee, das geht schon, 21.01.2014. Foto: Hanns-Werner Heister
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Bei Dauerregen und Kälte. Baby geschützt, Vater nicht – dafür sonnige Pflanzen in der Wandmalerei als Vertikalbegrünung, Flensburg, 24.11.2017. Foto: Hanns-Werner Heister

Drinnen statt Draußen: Bällchen-Bad und Fast-Food

Kleinräumige Möglichkeiten, um widrigem Wetter auszuweichen, bieten speziell für Krabbel- und Kleinkinder pflanzenarme Hinterzimmer von Cafés mit Verzehrzwang und bescheidenen, aber für einige Zeit hinreichenden Spielgeräten, wie Kurz-Rutsche und Kugel-Bad. Als Spielzimmer oder vergrößerte Spielecke bilden sie - zeitlich wie räumlich - eine Brücke zwischen Kindergarten und Privatwohnung. Der übliche Zweck von Gaststätten wird hier umgekehrt: Nicht Kaffee und Kuchen, sondern Kinderspiel und Kommunikation von Eltern oder Elternteilen sind hier die Hauptsache.

Ins Große gehen dagegen die oft bei Einkaufszentren mit eingeschlossenen "Indoor"-Spielplätze. Neben anderem gibt es hier Kugelbäder4, gratis als Dreingabe, um einen von Kindern ungehinderten Einkauf zu gewährleisten. Schon wieder kostenpflichtig sind dann vergegenständlichte Wegelagerer wie stehende Automobile mit Wackelautomatik bei Münzeinwurf. Und die Abgabe von Kindern zur Betreuung kostet ebenfalls extra.5

Die "Indoor"-Spieleinrichtungen als Bestandteil von Einkaufszentren können auch verselbständigt werden zu Hallenspielplätzen.

"Ursprünglich stammt die Idee zur Realisierung überdachter Freizeitparks aus dem angelsächsischen Raum. So wurden bereits in den 1980er-Jahren als Weiterentwicklung von Adventure Golf Anlagen so genannte Family Entertainment Center (FEC) in Einkaufszentren oder in citynaher Lage betrieben. In Deutschland wurden erste Hallenspielplätze in den 1990er-Jahren in Nordrhein-Westfalen eröffnet. Die Entwicklung hat sich später durch den Leerstand von Tennishallen Ende der 1990er in Deutschland beschleunigt".6

Inzwischen gibt es über 370 - allein in Hamburg sind es sieben große Hallen-Spielplätze; in der Umgebung kommt, je nach dem angesetzten Radius, nochmal etwa dieselbe Zahl hinzu.7 Der Markt ist gesättigt.8 Der eigentliche, nicht-kommerzielle Sinn, nämlich Spielen, geschützt vor schlechtem Wetter, wird dabei oft geradezu umgekehrt: Ergänzende Außenanlagen locken zu einem "Outdoor" in der Jahreszeit, wo das gar nicht nötig ist. "Der Trend zu Indoor-Aktivitäten basiert nicht nur auf der Wetterunabhängigkeit, sondern auch auf dem Bedürfnis der Deutschen nach hoher Qualität. Auch in der Freizeit - oder gerade dort, weil die zeitlichen Ressourcen immer weniger werden."9 Denn zwischen 2010 und 2014 ist die Freizeit im Durchschnitt der deutschen Gesamtbevölkerung um sieben Minuten krankgeschrumpft worden.10

Die Verkürzung der Arbeitszeit ist elementar für jede nur denkbare individuelle wie gemeinschaftliche Selbstverwirklichung. Vom Stand der Technik und Ökonomie her ist sie möglich. Die Verlängerung und damit die Verknappung der freien Zeit nützt dem alljahreszeitlichen "Indoor" als Intensivierung der Freizeittätigkeit. Sorgen bereitet dem Verband der Trend zur Ganztagsbetreuung in Schulen und Kindergärten. "Das tut der ganzen Freizeitbranche weh", sagt Ulrich Hähnel, Sprecher des Verbandes der Hallen- und Indoorspielplätze (VDH), und spricht von einer "schlimmen Entwicklung".¹¹ Sozialstaatliche Errungenschaften erscheinen also geschäftsschädigend.

Dabei ist besonders für "erwerbstätige Alleinerziehende ( . . .) eine funktionierende Infrastruktur existenziell, da sie auf verlässliche, ganztägige Kinderbetreuungsangebote angewiesen sind." Sie ist "Bedingung, um einer existenzsichernden Erwerbstätigkeit nachgehen zu können, die sie und ihr Kind potenziell vor Armut schützen kann."¹² Und das erfordert eine Kinderbetreuung, die sich, wie die Arbeit, unabhängig vom Wetter über das ganze Jahr erstreckt. Kommerzielle Anbieter können das schon aus Kosten-Gewinn-Gründen nicht leisten.

Gewisse Ähnlichkeiten der Hallenspielplätze mit und Affinitäten zu Spielhallen sind unübersehbar. Hier gibt es vielerlei Geräte zum Spielen. Aber auch viel zum Zahlen: "Zusätzlich werden oft Kickertische, Airhockey, Tischtennis und Elektrokarts bereitgehalten, die über die ausgegebenen Chips oder Token zusätzliche Umsätze generieren sollen. Üblicherweise werden auch Speisen und Getränke angeboten. Neben dem vorgehaltenen Spieleangebot tragen Kindergeburtstage wesentlich zum Erfolg der Hallenspielplätze bei. Durch die Kombination aus Spiel, Spaß und den Lieblingsgerichten (häufig Fastfood-Gerichte und Softgetränke) werden die Angebote als kindgerecht wahrgenommen."¹³

Fastfood und Softgetränke sind bekanntlich zu fett beziehungsweise zu süß.14 Aber gerade darum sind sie vielleicht kommerziell "kindgerecht". Kommerzielle Fitnessstudios helfen dann später, das Übergewicht vielleicht abzuarbeiten oder outzuworken. Soweit ersichtlich, ist hier wie in den Verkaufs-"Paradiesen" für Grün, selbst für pflegeleichtes, weder Platz noch Geld da. Schon der Kosten wegen scheiden solche "Indoor"-Vergnügungen für einen erheblichen und wachsenden Teil der bundesdeutschen Bevölkerung aus: eine bittere Tatsache, und peinlich für eines der reichsten Länder der Welt. Die Armutszahlen sind regional sehr verschieden, und sie sind im Detail umstritten und werden gern auch schöngefärbt. Selbst dann ist die Zahl der Armen oder von Armut Bedrohten zu hoch.

Der Paritätische Gesamtverband zum Beispiel geht in seinem Bericht zur Armutsentwicklung in Deutschland 2017 aus von 1,9 Millionen Kindern und Jugendlichen in Hartz IV-Familien, "deren Bildungs- und Entwicklungschancen massiv" beschädigt sind.15 Der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Ulrich Schneider, mahnt: "Die Armut in Deutschland hat einen historischen Höchststand erreicht. 12,5 Millionen Menschen sind betroffen - darunter viele Alleinerziehende mit ihren Kindern, Langzeitarbeitslose und Rentner."16 Umso mehr ist dieser Teil der Bevölkerung angewiesen auf kostenlose Spielmöglichkeiten und überhaupt auf öffentliche Aufenthaltsräume, unabhängig von Wetter, Witterung und Wechsel der Jahreszeiten. Die Privatwohnungen kommen aufgrund der beengten und prekären Wohnsituation in der Regel kaum als Ausweich- und Rückzugsräume in Frage.

Eine originelle und seltene Variante für einen Spielplatz zwischen Drinnen und Draußen bietet ein Balkon. Er findet sich im Hochparterre eines Mietshauses in Berlin-Schöneberg.

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Balkon – die Abgrenzung nach draußen. Vor verschlossenen Rollläden – vielversprechend, 27.06.2017. Foto: Hanns-Werner Heister
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Die andere Seite des Balkons: viel Spielgerät, aber ?.?.?., 27.06.2017. Foto: Hanns-Werner Heister

Kinder statt Waren: Kommunale Alternativen

Die "Indoor"-Spielplätze verzichten, soweit ersichtlich, wie die Einkaufszentren fast ganz auf Grün, da das Kosten und Pflegeaufwand erfordert. Sie gehören daher nur am Rande zum Bereich des Grüns in der Stadt. Etwas mehr Grün findet sich oft in Hallenbädern. Dort entsteht aufgrund der vorherrschenden Verglasung mit Pflanzen in Töpfen drinnen und mit Büschen und Bäumen draußen ein besonderes Wechselspiel.

Als Alternative zum teuren "Indoor"-Kommerz gibt es zudem den Typus des kommunalen, oft von einem Verein mitgetragenen Kinder- und Jugendhauses. In größeren Städten sind es in der Regel sogar mehrere, aber sie finden sich ebenso in kleineren und sogar in zahlreichen Dörfern.

Das Programm in Buxtehude insgesamt erscheint reichhaltig und abwechslungsreich. Für den kleinen Park-Bereich vor dem Freizeithaus dagegen gilt beides nicht. Er ist der dreieckige Rest von zwei aufeinander zulaufenden Straßen und besteht aus ansehnlichen älteren Bäumen und Rasen. Das war's aber schon. Ein bisschen zum Ballspielen in jeder Jahreszeit und "Chillen" bei schönem Wetter reicht es immerhin.

Ziemlich anders ist die Einbettung des Spielhauses im Harburger "sozialen Brennpunkt" Neuwiedenthal. In einer großzügig, einfalls- und abwechslungsreich neu gestalteten Spiel-Landschaft gibt es sogar zwei Häuschen. Von Öffnungszeiten ist freilich nichts zu lesen. Und nichts zu sehen - allerdings zu einer zugestanden ungünstigen Zeit am Vormittag während der Schulzeit. Dennoch fehlt es wohl trotz des redlichen und weitgespannten Bemühens des Bezirks mit einer institutionalisierten Quartier-Planung wahrscheinlich in den Etats an Geld und damit an Personal für die unerlässliche Betreuung.

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Freizeithaus Buxtehude, 22.02.2018. Foto: Hanns-Werner Heister
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Spielhaus Neuwiedenthal-Rehrstieg: Draußen vor der Tür, 27.03.2018. Foto: Hanns-Werner Heister
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Spielhaus Neuwiedenthal-Rehrstieg: In den kunstvoll gemalten Wolken-Zug sind die geschlossenen Rollläden fest eingeplant, 27.03.2018. Foto: Hanns-Werner Heister

"Indoor" draußen, "Outdoor" drinnen

Frische Luft gilt zurecht als gesund. Und Bewegung auch. Also ist Bewegung in der frischen Luft geradezu unbezahlbar als gesundheitsfördernde Maßnahme. Soweit eben die Luft in Städten, zumal in Ballungsgebieten, trotz der Belastungen durch die Vielzahl von Luftschadstoffen wie Feinstaub und Schwefeldioxid frisch ist.17

Die Betätigung im Freien und geschützt im Drinnen bietet die Kinder- und Jugend-Farm. Das ist ein gegenüber dem Kinder- und Jugendhaus noch höher entwickelter, aber auch in Herstellung wie Unterhalt aufwendigerer Typus für Sommer- wie Winterspiele. Er ist in der Regel am Rand der Städte und Gemeinden situiert. Der Kern ist eine Art Bauernhof mit Gärten, Stallungen und mancherlei Tieren, deren Pflege seinerseits Teil der Spielaktivitäten ist. Dieser bedeutsame Typus ist von der anderen Seite her gesehen ein Abenteuerspielplatz mit Tieren. Es bedarf einer eigenen, ausführlichen Behandlung und sei daher hier nur erwähnt.

Blicken wir noch einmal auf die Abbildung 1 vom Anfang zurück. Der Gebäudekomplex ist belebt, aber es ist eigentlich eine ziemlich tote Welt: Waren, Verkauf und Kauf, kein Grün, nirgends. Die Rentier-Drahtplastik als Abbild von Lebendigem spielt auf "Rudolph, the Red-Nosed Reindeer" an, ein Weihnachtshit seit 1949 und bis heute ein Evergreen.18

Stellen wir uns für einen Augenblick etwas ganz Anderes vor, ein zukunftsweisendes Szenarium: Draußen regnet es in Strömen, und es ist kühl. Drinnen steht das Rentier als begehbare Skulptur aus haltbarem Material, mit kletternden Kindern darauf. Die große, lichtdurchflutete Halle als Zugang zu den einzelnen Räumen des einstigen Einkaufsparadieses ist wirklich paradiesisch belebt von Kindern und Jugendlichen. Die leuchtenden Läden sind statt mit teuren Waren mit kostenlosen Spielmöglichkeiten gefüllt, ob Ping-Pong oder Tischkicker, Spezialsand-Kasten oder Bauklötze, Langrutsche mit Ballbad oder Boulder-Wand. Die vielen vom Tageslicht beleuchteten Stellen sind mit üppigem Grün belebt - Bäume, Büsche, wenig empfindliche Stauden. Das wäre nicht bloß ein Einkaufsparadies, sondern tatsächlich ein Vorschein vom Paradies für Kinder und Jugendliche. Das ist völlig utopisch. Denn um keinen Preis würden marktwirtschaftliche Bedingungen eine solche Umwandlung erlauben. Aber billigere Versionen wären doch erlaubt und nicht utopisch, sondern hier und heute oder doch morgen durchaus möglich und verwirklichbar.

Eine wohl oft einfacher als die Farmen zu realisierende und im Vergleich zu den Allzeit-Einkaufszentren erheblich preiswertere immergrüne Option für alle Jahreszeiten und Wetterbedingungen wären Gewächshäuser verschiedener Art für unseren Nachwuchs, für Kinder und Jugendliche. Der Typ Warm- oder sogar Kalt-Gewächshaus genügt; ein Tropen-Haus ist sicher unnötig. Das geht als Umwidmung bestehender Gebäude, als temporäre oder dauerhafte Nutzung von Leerständen, mit Renovierungen oder Neubauten. Das sach- und kinder- und jugendlichengerecht modifizierte Modell Gewächshaus ist im Zusammenhang des Wechselspiels von Draußen und Drinnen das Nächstliegende, weil und insoweit hier das Grün im Zentrum steht. Es muss bloß um Kinder ergänzt werden.

Räume dafür sind zu finden. Nur saisonal genutztes Gelände und seit längerem leer stehende Gebäude bietet zum Beispiel der riesige Rehberge-Park zwischen Berlin-Moabit und -Wedding. Da ließe sich etwas draus machen.

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Rehberge Berlin. Leere Häuser – bemalt ist eines der Häuser auch schon, obwohl bessere Bilder durchaus vorstellbar sind. Foto: Hanns-Werner Heister

Literatur

¹ it.wikipedia.org/wiki/Galleria_Subalpina, 06.09.2017, Abruf 19.03.2018.

² S. z. B. de.wikipedia.org/wiki/Einkaufszentrum, 14.08.2018, Abruf 19.03.2018.

³ Ausf. Bert Beitmann: Einst war sie die bedeutendste unter den Künsten. Geschichte der Gartenkunst, Band I: Kleine Stilkunde, Herford-Elverdissen o.J., S. 79, www.gartenkunst-beitmann.de/inhalte/buch_1/gartenkunst_beitmann_buch_1.pdf, Abruf 19.03.2018.

4 Ein monströses Beispiel: upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0d/Ball_pit_castle.jpg.

5 So z. B. im "Centrolino Oberhausen"; vgl. www.waz.de/staedte/oberhausen/jede-menge-programm-fuer-kinder-im-centro-id211305261.html; mylittlemoments.de/centrolino-kinderspass-beim-einkaufsstress/, Abruf 27.03.2018.

6 Ausführlich de.wikipedia.org/wiki/Hallenspielplatz, 15.01.2017, Abruf 01.09.2017.

7www.spielplatznet.de/k/indoorspielplatz/ hamburg, Abruf 01.09.17.

8 Ulrich Hähnel, Sprecher des Verbandes der Hallen- und Indoorspielplätze (VDH), zitiert in: Miriam Opresnik: Indoor ist in, 11.10.2014, www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article133156471/Indoor-ist-in.html, Abruf 01.03.2018. Für den Hinweis auf diesen informativen Artikel danke ich Michael Decker.

9 Ebenda.

10 Information ebd.

¹¹ Ebd.

¹² images.dkhw.de/fileadmin/Redaktion/ 1_Unsere_Arbeit/1_Schwerpunkte/1_Kinderarmut/1.2_Armutsbericht_2016/armutsbericht-2017_aktuell.pdf, Abruf 17.03.2018, S. 28.

¹³ Ebd. Hervorh. H.-W.H.

14 Vgl. derzeit, Frühjahr 2018: "Zahlreiche Länder wie Großbritannien, Frankreich, Irland, Belgien oder Mexiko haben eine [ . . .] Sondersteuer oder -abgabe [für stark überzuckerte Getränke] beschlossen. In Großbritannien führte dies dazu, dass führende Hersteller schon vor Inkrafttreten den Zuckergehalt ihrer Produkte senkten." Ausf. www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/mehr-zum-thema/coca-cola-report1/, Abruf 04.04.2018. Der Sachverhalt ist altbekannt; s. z. B. Der Spiegel, 36/2012, S. 110-119; Der Spiegel vom 7.4.2018 behandelt das Drogen- und Sucht-Potential des Zuckers sogar als Titel-Geschichte Gesundheit Wie Zucker den Körper vergiftet und die Zuckerlobby die Wahrheit über den Stoff verschleiert . . . , Nr. 15/2018, S. -17; zum historischen Zusammenhang Mintz, Sidney W.: Die süße Macht. Kulturgeschichte des Zuckers, Frankfurt a. M. und New York 1992 (englisch 1985).

15images.dkhw.de/fileadmin/Redaktion/ 1_Unsere_Arbeit/1_Schwerpunkte/1_Kinderarmut/1.2_Armutsbericht_2016/armutsbericht-2017_aktuell.pdf, Abruf 17.03.2018, S. 2. Der Titel des Berichts "Menschenwürde ist Menschenrecht" bedürfte im Hinblick auf das, was auf 120 S. dargestellt wird, eines Ausrufezeichens.

16 Ausf. im Interview mit dem Deutschlandradio, www.deutschlandfunkkultur.de/ulrich-schneider-vom-paritaetischen-wohlfahrtsverband-wir.990.de.html, Abruf 17.03.2018.

17 S. z. B. www.umweltbundesamt.de/themen/luft/luftschadstoffe-im-ueberblick, www.umweltbundesamt.de/daten/luft/luftschadstoff-emissionen-in-deutschland, www.oekosystem-erde.de/html/luftschadstoffe.html usw.

18 Die Story hat die Struktur des vom Hässlichen Entlein zum schönen Schwan: Das kleinwüchsige Ren Rudolph mit einer roten Nase kommt groß heraus, als er sich als Zugtier mit Beleuchtung für den Schlitten des Santa Claus zur Verfügung stellt. Die hübsche Geschichte hat leider einen biologischen Haken: Die auffällige Rotfärbung ist Symptom eines tendenziell tödlichen bakteriellen Infekts.

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