Starke Borke, zarte Fiederblätter und Blütentrauben, Teil 1

Robinia pseudoacacia ist Baum des Jahres 2020

von:
Gehölze
Abb. 1: Der bizarre Wuchs ist eine gute Voraussetzung um \'Spielplatzstar\' zu werden, DA, Akaziengarten, 22.4.20. Foto: Renate Scheer

"Eine Viertelstunde später schritten wir dorfan nach Petzow. Der Weg dahin führt durch eine Akazienallee und demnächst an einer ganzen Plantage von Akazien vorbei. Schon vorher war mir der besondere Reichtum des Dorfes an dieser Baumart aufgefallen. Theodor Fontane (1819-1898)¹,

Akazie - dieser Name ist ebenso schwer "auszuroden" wie der Baum selbst, hat er erst einmal Fuß gefasst. "Richtige" Akazien gehören zur Unterfamilie der Mimosengewächse, deren lat. Name acacia lautet. Das griechische Wort akakia bezeichnete zunächst einen "dornigen Baum Ägyptens", mit dem evtl. Acacia nilotica (Vachellia nilotica) gemeint war (Genaust, 2017). Der Name wurde auf die ebenfalls mit Dornen besetzte Robinie übertragen und war in verschiedenen Ausformungen in Deutschland, aber auch den Nachbarländern gebräuchlich, etwa Achazie in Baden-Württemberg, Kahz-Baum im Dresdener Gebiet; im Dänischen ist sie die akazie und im Französischen acacie (Marzell, 1977). Die Ableitung von griech. ake = Dorn, wie mitunter erwähnt, ist falsch, das Wort gibt es nicht, das griechische Wort für Dorn ist ákantha.

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Gegen Ende des 17. Jahrhunderts erkannten verschiedene Botaniker, dass die Robinie, abgesehen von den Dornen, wenig mit den echten Akazien gemein hat. Mit dem Zusatz "Falsche" oder "Unechte" Akazie gelangte ein wenig mehr Genauigkeit in die Namensgebung.

Daher wählten sowohl der Leipziger Botaniker A. Q. Rivinus (1691) als auch der französische Botaniker J. P. de Tournefort (1694) für den Baum den Gattungsnamen Pseudoacacia - von griechisch täuschend, weil er mit Akazien verglichen wurde. Diese Bezeichnung übernahm Linné 1753 in seiner 'Species Plantarum', allerdings als Artnamen. Mit dem Gattungsnamen 'Robinia' ehrte er den französischen Hofgärtner Jean Robin (1550 Paris-1629 ebenda) und seinen Sohn Vespasien (1579 Paris-1662 ebenda).

Daneben betätigte sich Jean Robin als Apotheker, Arzt und Kurator der Louvre-Gärten sowie des medizinischen Gartens der Universität Paris. Immer wieder liest man, Robin hätte 1601 die erste Robinie gepflanzt. Doch weder in seinem Catalogus stirpium von 1601 noch in einem 1623 erstellten Verzeichnis der Robinschen Gartengehölze wird die Robinie erwähnt, dafür aber in dem 1635 veröffentlichten Buch Canadensium Plantarum Historia über kanadische und andere bisher unveröffentlichte Pflanzen: Hier beschreibt der Pariser Arzt und Botaniker Jacques Philippe Cornut (1606-1651) die Robinie ausführlich einschließlich Abbildung. Art und Weise der Einführung erwähnt er nicht, aber die Bezeichnung 'Acacia Americana Robini' lässt darauf schließen, dass Vespasien Robin eine Rolle bei der Einführung gespielt hat. Es kann "kein Zweifel darüber bestehen, dass die Robinia . . . in der Zeit zwischen 1623 und 1635 nach Paris gelangt ist. Die im 'Jardin des Plantes' . . . vertretene Auffassung, das R. Pseudoacacia schon 1601 nach der französischen Landeshauptstadt gekommen sei, muss … als jeglicher geschichtlichen Grundlage entbehrend unbedingt zurückgewiesen werden" (Wein, 1930, S. 143). Nach Jean Robins Tod erhielt sein Sohn die Stelle des königlichen Gärtners. Zum Dank für die Ernennung schenkte er "seine" Robinie, die bis dahin im Robinschen Privatgarten stand, dem Jardin, 1636 wurde der Baum dorthin verpflanzt (Zingher, 1933). Diese älteste Robinie Europas wuchs zu einem Prachtexemplar heran: 1933 hatte sie in 1 Meter Höhe einen Stammumfang von 5,50 Meter; inzwischen gibt es nur noch ein kurzes Stammstück, aus Wurzelbrut haben sich aber mehrere jüngere Robinien entwickelt.

Paris spielte bei der Ausbreitung des Baumes eine wichtige Rolle, war sehr wahrscheinlich sogar das Hauptausbreitungszentrum. Doch die Stadt blieb nicht lange alleiniger Besitzer dieses ansprechenden Baumes, zwischen 1629 und 1634 muss sie in England eingeführt worden sein, denn in dem 1634 veröffentlichten Katalog' Plantarum in horto . . . ', seines Pflanzengartens in Lambeth/London, beschreibt der englische Gärtner John Tradescant der Ältere (1570-1638) den Baum (Wein, 1930). Von Paris und London aus eroberte die Robinie die Botanischen und fürstlichen Gärten der Nachbarländer: 1662 ist sie für Padua und Florenz vermerkt, 1696 für Wien und 1736 hat sie St. Petersburg erreicht (Krausch, 2001). Bereits um 1670 wird sie für den Berliner Lustgarten erwähnt. Ein langes Leben war den beiden Robinien jedoch nicht beschieden; Friedrich I., dem Soldaten wichtiger waren als Bäume, ließ sie fällen und verwandelte 1713 den Lustgarten in einen Exerzierplatz.

Glücklicherweise gab es aber auch Pflanzenliebhaber: 1720 hatte der preußische Staatsminister Heinrich Rüdiger von Ilgen (1654-1728) aus Amerika eine Robinie in einem Blumentopf erhalten und im Park seines Britzer Gutes ausgepflanzt. Dieses Bäumchen durfte wachsen, als es 1937 abstarb, hatte es einen Stammumfang von fünf Meter erreicht (Krausch, 2001). Nach und nach gelangten die Samen der nordamerikanischen Holzpflanzen auch in den Handel. 1724 hatte es die Robinie in einen Verkaufskatalog geschafft (Wein, 1931).

Alleen, Feldwege und Straßen wurden mit ihr verschönt, nicht nur in Deutschland, sondern auch bei den Nachbarn. Die "Neueste Beschreibung der K. K. Haupt- und Residenzstadt Wien" berichtet 1808, dass der mit Rosskastanien, Pappeln und "Akazien" bepflanzte Wiener Glacis ". . . in der schönen Jahreszeit ein angenehmer Spaziergang [ist] . . . " (zitiert in Meyer, 1982, S. 25). Gefördert wurde die Robinie auch durch die Anlage ausgedehnter Landschaftsparks, bei denen in stärkerem Maße Bäume als Gestaltungs- und Gliederungselemente eingesetzt wurden und zwar auch "Exoten". Peter Joseph Lenné bepflanzte 1825 den Glienicker Park bei Potsdam unter anderem mit 2400 Robinien (Kowarik, 2010).

Kurze Vorstellung

Verschiedene ansprechende Details fügen sich bei der Robinie zu einem reizvollen Gesamtbild. Am bemerkenswertesten ist für mich die starke Borke, die von tiefen Rissen durchzogen, den Bäumen ein unverwechselbares Aussehen gibt und je nach Abstand des Betrachters verschiedene Muster zeigt.

Die zarten Fiederblätter offenbaren eine hohe Sensibilität gegenüber Licht und Wärme und reagieren darauf mit Drehbewegungen in ihren Stielpolstern: Bei mittlerer Beleuchtung stehen die Blätter waagerecht (somit ± senkrecht zum einfallenden Licht), bei starker Einstrahlung aufrecht nach oben und bei Dunkelheit abwärts, ohne sich zu berühren. Im Sommer nehmen die Blätter mitunter schon morgens um 7 Uhr eine fast aufrechte Haltung ein, während sie gegen 4 Uhr noch abwärts gerichtet waren. (Erteld, 1952). Trotz der Vielzahl ihrer Blättchen ist die Belaubung der Robinie locker, ihr Schatten ist leicht und von Sonnentupfen durchsetzt. Ein Robiniendach erzeugt nie die Dunkelheit eines Ahorn- oder Kastanienbestandes. Im Oktober fallen die Blättchen ab und bedecken die Erde mit einer gelb-grünen Schicht, die Spindel bleibt noch etwas länger am Baum. Im Mai (Juni) präsentiert sich die Robinie in zarten duftenden weißen Blütentrauben, die aus 15-20 Blüten bestehen und überwiegend von Bienen bestäubt werden. Vadas (1914) schreibt, dass eine zweite, mitunter sogar eine dritte Blüte möglich ist. Dies wird damit erklärt, dass bei feuchtem und warmem Herbst einige der bereits fertig ausgebildeten Blütenknospen die günstigen Bedingungen nutzen und schon im Herbst zu blühen beginnen. Andere Autoren meinen, die beschleunigte Entwicklung der Blüten in den letzten Herbst- beziehungsweise ersten Wintermonaten sei mehr von der Witterung des vorhergehenden Sommers abhängig.

Nutzung

Die Blüten der Robinie sind die einzigen nicht giftigen Bestandteile des Baumes, die für den Menschen nicht nur nutzbar, sondern sogar schmackhaft sind

"Hier lief ich barfuß einst als Kind/. . . /Hier hielt ich oft am Roggen Rast,/zog Blüten vom Akazienast,/die schmeckten wie der Juni wild/" Am Beifußhang von Peter Huchel (1903-1981).

Die Essmaielen (zu Mai) wurden in Süddeutschland und Österreich in Eierteig gebacken, zu süßen Aufstrichen und Sirup verarbeitet sowie mit Zucker und Spiritus zu Likör angesetzt; ferner als Gewürz, zur Bereitung parfümierter Wässer und zur Ungeziefervertreibung verwendet (Vadas, 1914; Hiller, Melzig, 2010). Medizinisch dienten sie als krampflösendes Mittel, als Hustentee und in Alkohol gelöst gegen Gicht (Schütt, 1994).

Robinienblüten sind reich an Nektar, dessen Zuckergehalt zwischen 34 und 59 Prozent liegt. Der Honig, der als Akazienhonig verkauft wird, hat eine helle, zuweilen goldgelbe Farbe. Aufgrund seines hohen Fruktosegehaltes kristallisiert er nur sehr langsam aus.

1769 betonte der Berliner Botaniker und Arzt Johann G. Gleditsch (1714-1786) in seiner Betrachtung über die Beschaffenheit des Bienenstandes in der Mark Brandenburg die Wichtigkeit der Robinie "als bedeutsamer Nektarspender für die Bienen" (Krausch, 2001, S. 111). Auch in anderen Ländern, wie Ungarn, stellt die Honigtracht nach wie vor eine beachtliche Nebennutzung zur Holzwirtschaft dar. 50 bis 60 Prozent des kommerziell erzeugten Honigs stammt aus Robinienwäldern.


Blätter

Die nährstoffreichen Blätter der Robinie (ca. 23 Prozent Rohprotein) werden Schafen, Ziegen und Rindern sowie Hasen und Rehen frisch oder getrocknet als Futter gegeben; die Mendocino-Indianer versorgten ihre Pferde damit. Der Name Stopfblädder, der zum Teil in der Pfalz gebräuchlich war, bezieht sich darauf, dass das Laub Tieren bei Durchfall verabreicht wurde (Vadas, 1914; Marzell, 1977; Moerman, 1998). Für den menschlichen Genuss sind die Blätter nicht geeignet.

Samen

Die Samen enthalten die Giftstoffe Robin und Phasin. Die Aufnahme von vier bis fünf Samen können beim Menschen bereits Vergiftungssymptome auslösen (Wink, 2008). Die Wailaki, ein indianischer Stamm, fütterten mit den fetthaltigen Samen (ca. 13 Prozent fettes Öl) ihre Hühner. Im Kriegsjahr 1915 empfahl dies auch Dammer: "Ich habe die jüngeren grünen Hülsen, in welchen die Samen schon ziemlich weit ausgebildet waren, klein schneiden lassen und den Hühnern gegeben, welche sie außerordentlich gierig fraßen, ohne dass es ihnen im geringsten geschadet hätte" (S. 168). Dieser Rat steht im Widerspruch zu Schütt (1994), nach dessen Aussagen Hühner keine Robiniensamen vertragen.

Rinde

Die ebenfalls giftige Rinde enthält 1,6 Prozent Robin, Phasin sowie Gerbstoff und Harz. Bei den Cherokee wurde die Wurzelrinde als Brechmittel gekaut (Moerman, 1998); nachahmen sollte man dies nicht, da Robin gewebezerstörend wirkt und eine Verklumpung der roten Blutkörperchen auslöst - nach Gessner (1953) erfolgt aber keine Agglutination der menschlichen Erythrocyten. Pferde, die Robinienrinde gefressen hatten, starben nach wenigen Stunden (Wink, 2008).

Homöopathisch wird die aus der frischen Rinde junger Zweige gewonnene Essenz bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren, Obstipation und Migräne "gastrischen Ursprungs" eingesetzt (Gessner, 1953).

Holz

Die Robinie zählt zu den Kernholzbäumen, ihr gelbgrünes bis grünbraunes Kernholz dunkelt stark nach und gehört zu den festesten Holzarten. Es ist zäh, elastisch und ". . . dauerhafter, als jenes der Eiche, ist weder der Fäulnis noch dem Wurmfraße unterworfen . . . " (Bruchhausen, 1796, S. 26). Diese Eigenschaften werden unter anderem durch die konservierende Wirkung der in größerer Menge im Kernholz vorkommenden gummi- und harzartigen Stoffe, Gerbstoffe sowie Öle und Fette bewirkt (Vadas, 1914).

Der gelbliche bis gelblich-weiße Splint, der nur zwei bis fünf Jahrringe beträgt, ist deutlich vom Kern abgesetzt.

Infolge dieser großen Widerstandsfähigkeit des Kernholzes ist Robinienholz besonders geeignet für Anwendungen mit Erdkontakt wie Zaunpfosten, Weinpfählen (die eine 20- bis 30-jährige Rebkultur überdauern), Obst- und Hopfenstangen, Telegrafenmasten, Rinnen, Röhren. Anfragen beim Hopfenanbaugebiet Tettnang¹ sowie der Hallertau², dem größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet der Welt, ergaben, dass für die Stangen nie¹ oder nur in ganz geringem Maße² Robinienholz verwendet wurde. Zunehmend setzt man Beton und Stahl ein, da diese nicht imprägniert werden müssen (¹Ruther, ²Brunner, 2020). Dies ist auch bei Robinienholz nicht erforderlich, weshalb es im Garten- und Landschaftsbau zum Beispiel für Spielgeräte gefragt ist, sowie für Gartenmöbel, allerdings ist das Angebot gering. Dabei könnte Robinienholz auch eine Alternative zu Tropenholzimporten sein.

In Österreich werden seit einiger Zeit vom technischen Dienst der Wildbach- und Lawinenverbauung Robinienpfähle für Schutzbauten eingesetzt.

Des Weiteren wurde und wird es genutzt für Dachstühle, Werkzeuggriffe und -stiele, Holznägel, Ruderstangen, im Wasser- und Brückenbau, für den Mühlen- und Schiffsbau. Gleichmäßig und gut getrocknete Stämme liefern ausgezeichnete Bretter, Fensterrahmen und Türschwellen; wellig gemasertes Holz wird zu Wand- und Deckentäfelungen, Dielen und Möbeln verarbeitet. Es nimmt gut Politur an, wird gern für Einlegearbeiten genutzt und ist ein gutes Drechslerholz (Vadas, 1914). Zur Zellstoffgewinnung, Papierherstellung sowie zur Fertigung von Spanplatten wird es verwendet. Robinie hat einen sehr hohen Heizwert.

Im Bergbau weist geschältes und getrocknetes Robinienholz als Stempel unter den zersetzenden Einwirkungen der Grubenluft eine höhere Dauerhaftigkeit auf als Eiche.

Wichtig ist, dass das Holz bei zu hoher Belastung knarrt, also "Warnfähigkeit" besitzt. Das Knarzen der Stützen war für den Bergmann ein Warn- und Alarmsignal für gefährliche Überlast.


Verbreitung

Die Heimat der Robinie liegt im östlichen Nordamerika. Das Gebiet gliedert sich in räumlich voneinander getrennte Areale, deren Ausdehnung nicht exakt zu begrenzen ist. Das Zentrum des östlichen Teils liegt in den Appalachen und erstreckt sich vom mittleren Pennsylvania und dem südlichen Ohio südlich nach Nordost-Alabama, Nord-Georgia und dem nordwestlichen Süd-Carolina. Der westliche Bereich umfasst das Ozark-Plateau, das sich über das südliche Missouri, das nördliche Arkansas und nordöstliche Oklahoma ausdehnt, des Weiteren die Ouachita Mountains, eine Bergkette in Zentral-Arkansas und im südöstlichen Oklahoma. Außerhalb dieser Areale gibt es isolierte Vorkommen in Süd-Indiana, Illinois, Kentucky, Alabama und Georgia. In den östlichen Gebirgen gedeiht sie gut auf feuchten Hanglagen, hier bleibt sie meist unter 1040 Metern, im Great Smoky Mountains National Park erreicht sie 1600 Meter (Huntley, 1990).

Gesellschaft

In der mittleren und südlichen Appalachenregion findet die Robinie (Black Locust) gute Wuchsbedingungen in den dortigen sehr produktiven und artenreichen Mischwäldern. Sie tritt hier regelmäßig auf, ist aber nicht häufig. In den Eichen-Kiefern-Gesellschaften mit Pinus echinata und Pinus pungens ist sie präsent, fehlt aber in den Eichen-Hickory-Wäldern der genannten Ozark- und Ouachita-Highlands ebenso wie in den Eichen-Edel-Kastanien-Wäldern der südlichen Appalachen.

Die Society of American Foresters gab 1980 eine Liste verschiedener Waldbedeckungstypen der USA und Kanadas heraus. Im Typ 50 Black Locust tritt die Robinie im Reinbestand auf oder bildet zumindest den überwiegenden Teil des Bewuchses. In zwei weiteren Gesellschaften - dem Typ 57 mit Liriodendron tulipifera und dem Typ 59 mit Quercus alba und Q. rubra - wird die Robinie als Begleitpflanze geführt (Huntley, 1990).

Wuchstypen

Blümke (1955) berichtet aus dem natürlichen Verbreitungsgebiet von drei Wuchstypen der Robinie, die er als Rassen bezeichnet:

  • der Pinnata-Typ, der sich durch einen bis zur Kronenspitze durchgehenden geraden Stamm auszeichnet und diesen auch im Freistand ausbildet (Schiffsmast-Robinie, Var. 'rectissima'). Er kommt im Allegheny-Gebirge in ca. 800 Meter Höhe vor; sein heutiges Hauptverbreitungsgebiet befindet sich auf Long Island (dort wurde er wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts eingeführt) sowie im Hudsontal. In Deutschland ist er sehr selten.
  • der Palmata-Typ bildet im Bestand gerade Stämme, die aber nicht bis zur Krone durchgehen. Im Freistand werden schnell Seitenäste gebildet. Er ist in den mittleren Höhenlagen der Appalachen beheimatet.
  • der Spreading-Typ bildet auch im Schluss krumme Stämme mit starken Ästen und weiten Astwinkeln. Er wächst in den niederen Lagen der Appalachen und im Süden des Heimatgebietes. Die Typen 2 und 3 werden als Gewöhnliche Robinie zusammengefasst.

Klimatische Bedingungen

Legt man diese Wuchstypen zugrunde, ergeben sich differenziertere Aussagen für das Klima. Die Empfehlungen für die Weinbaugebiete würden sich danach nur auf den Typ 3 beziehen, Typ 2 wäre für ganz Mitteleuropa bis ca. 500 Meter geeignet und die "Schiffsmast-Robinie" für Höhen bis 700 bis 800 Meter und die nördlicheren Gebiete Europas (Blümke, 1955). Infolge häufiger Trockenperioden in der Heimat erträgt die Robinie Dürre; dabei darf aber nicht außer Acht gelassen werden, dass die Jahresniederschläge bei etwa 1000 bis 1800 Millimeter liegen, die Böden somit eine stärkere Durchfeuchtung erfahren. In Potsdam lag 2019 der jährliche Niederschlag nur bei 542 Millimeter; dies entspricht ungefähr der Menge, die in Bayard, West-Virginia von Mai bis August fällt. Die durchschnittliche Temperatur im Heimatland beträgt im August 18 -27 Grad Celsius, die frostfreie Periode 150-210 Tage/Jahr. Dennoch hat sich die Robinie in vielen Teilen der Welt erfolgreich eingebürgert, auch dort, wo die Klimabedingungen nicht den einheimischen entsprechen, eine hohe Wärmesumme innerhalb der Vegetationsperiode ist allerdings erforderlich (Huntley, 1990). Für befriedigendes Wachstum sollte ein Jahresmittel von 8 Grad Celsius nicht unterschritten werden. In Deutschland hat sich die Robinie in den von hoher Sommerwärme und geringen Niederschlägen geprägten Gebieten entlang von Oder und Neiße, der Niederlausitz sowie in der Altmark und im Fläming etabliert (Krausch, 2001; Dost, 2020).

Kaum mehr vorstellbar sind die Winterfröste, denen die Robinie früher ausgesetzt war: 1928/29 reichten die Temperaturen von -24,5 Grad Celsius in Schleswig-Holstein über -30 Grad Celsius in Hessen und Sachsen bis -38 Grad Celsius in Ostpreußen. Eine Umfrage von Kahl (1930) ergab für die Robinie ca. 70 Rückmeldungen mit folgendem Ergebnis: 50 Prozent der Bäume waren gering geschädigt mit baldiger Ausheilung, 25 Prozent stärker geschädigt mit vorwiegender Ausheilung und 25 Prozent der Bäume waren eingegangen oder im Stadium des Eingehens. Leider wurden im Unterschied zu anderen genannten Baumarten bei den Robinien nicht die Temperaturen angegeben, bei denen die Schädigungen erfolgten. Nach diesen Resultaten wurde die Robinie als mäßig frostempfindlich eingestuft. Vielfach wird in der Literatur das Absterben der Triebspitzen beschrieben und dies mit Frühfrösten in Verbindung gebracht. Doch sowohl Vadas (1914) als auch Blümke (1955) weisen daraufhin, dass die Triebspitze jedes Jahr abstirbt, auch in Gegenden ohne Winterfrost, bzw. vor dem ersten Frühfrost.

Böden

Die Robinie wächst auf einem breiten Spektrum von Bodenarten. Das beste Wachstum zeigt sie auf leichten, gut durchlüfteten Böden. Hierzu zählen nährstoffreiche lockere Lehme, frische humusreiche sandige Lehme, Kalk- beziehungsweise Mergelböden; sie besiedelt gut mit organischen Stoffen versorgte Sande und kommt auch mit festem Sand und auf lockeren Sanddünen zurecht (Vadas, 1914). In ihrer Heimat besiedelt sie gern gut entwickelte Böden mit einem durch Tonverlagerung entstandenen Tonanreicherungshorizont im Unterboden. In den USA konnte man bei verschiedenen Pflanzungen beobachten, dass Dichte und Struktur des B-Horizontes einen erheblichen Einfluss auf das Wachstum der Bäume ausüben. Der pH-Wert kann zwischen 4,6 und 8,2 liegen, ohne das Fortkommen der Bäume zu beeinträchtigen (Huntley, 1990). Nach Erteld (1952) besteht eine Neigung zum Alkalischen, was die Kultivierungserfolge auf Kippen, Halden und so weiter unterstreicht.

Das gute Gedeihen auch auf mageren Böden wird verständlich, betrachtet man das weit ausgebreitete Wurzelwerk der Robinie, das sie befähigt, zusammenhängende Gesteins- und Erdschichten aufzuspalten und zu lösen. So kann sie aus einer großen Fläche Nährstoffe gewinnen. Ein weiterer Vorteil auf nährstoffarmen Böden ist, dass die Feinwurzeln der Robinie in Symbiose mit Luftstickstoff bindenden Bakterien der Gattung Rhizobium leben. Diese dringen in die Wurzelhaare ein und veranlassen die Bildung von Wurzelknöllchen, in denen dann die Stickstoffbindung abläuft. Nur in der Symbiose mit den Leguminosen sind die Bakterien fähig, elementaren Luftstickstoff in pflanzenverfügbare Stickstoffverbindungen zu überführen. Die Robinie ist in der Lage, ihren gesamten Stickstoffbedarf mit Hilfe der Wurzelknöllchen aufzunehmen, dafür erhalten die Bakterien Kohlenhydrat-Nährstoffe. Die Zone intensivster Stickstoffbindung ist auf die oberste, etwa 15 Zentimeter tiefe Bodenschicht beschränkt und nimmt mit der Bodentiefe kontinuierlich ab (Vadas, 1914; Schütt, 1994).

Verwendung in den USA

In ihrer Heimat gehört die Robinie nicht zu den wichtigen Nutzholzbäumen. Sie wird zur Erosionseindämmung, als Windschutz, zur Rekultivierung von Abraumhalden, als Ziergehölz und Bienenbaum angepflanzt. Aufgrund ihres Vermögens den Boden zu verbessern, wird sie mitunter als "Ammenbaum" eingesetzt. Abgesehen von Rekultivierungsmaßnahmen betrachten viele amerikanische Forstleute den Baum als Unkraut und als eine starke, lästige Konkurrenz gegenüber erwünschteren Arten. In Weihnachtsbaumplantagen in Maryland wird das Aufkommen von Robinie mit Glyphosat verhindert (Huntley, 1990).

Die Robinie in Deutschland und Europa

"Diese nützlichen Bäume [Robinien], . . . , sind gewisslich in Teutschland noch nicht so allenthalben bekanndt, als wie sie wohl sollten; man sollte daher bei dem . . . einreissenden Holz=Mangel dafür bedacht seyn, dass sie . . . in Quantität gepflantzet werden" appelliert 1732 der Merseburger Landkammerrat Julius B. von Rohr (1688-1742) (zitiert in Krausch, 2001, S. 110). Hinsichtlich des Bekanntheitsgrades gab es in Deutschland durchaus Unterschiede: Bereits 32 Jahre vor dieser Äußerung bezeichnet Johann G. Volkamer, d. J. (1662-1744) in seiner "Flora Norimbergensis" (1700) die Robinie als einen in Süddeutschland sehr verbreiteten Baum, und auch Friedrich C. Medicus (1736-1808) berichtet, dass er bereits 1785 altersbedingt abgestorbene Robinien entdeckt hätte (Vadas, 1914).

Neben Verschönerungsmaßnahmen, dem Bepflanzen aufgelassener Äcker und Ödländereien war Robinia pseudoacacia auserkoren, den deutschen Wald zu "retten": Übermäßiger Holzgebrauch, Waldweide und Streunutzung hatten die Wälder ruiniert. Gezielte Aufforstungen sollten den weiteren Niedergang verhindern. Gepflanzt wurden Kiefern und Fichten, später ergänzt durch Lärchen und Stroben; gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde auch die Robinie in die Aufforstungspläne einbezogen. Dazu trugen unter anderem die Erfahrungen von Forstwirten wie Friedrich von Wangenheim (1749-1800) und von Kahn bei, die am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-1783) teilgenommen hatten. Während dieses Aufenthaltes lernten sie eine Vielzahl von Gehölzen kennen, darunter die Robinie, die sie für den Anbau empfahlen. Geschätzt und gefördert wurde sie auch von Friedrich A. L. von Burgsdorf(f) (1747-1802), Forstwissenschaftler und Oberforstmeister der Kurmark Brandenburg. Er lobte sie als "Kleinod und Zierde unseres deutschen Laubwaldes" (Erteld, 1952, S. 6). Ein weiterer Freund der Robinie war oben erwähnter F. C. Medicus, Botaniker, Arzt und Gartendirektor in Schwetzingen und Mannheim, der von 1796 bis 1803 eine fünfbändige Zeitschrift herausgab mit dem Titel "Unechter Akazienbaum, zur Ermunterung des allgemeinen Anbaus dieser in ihrer Art einzigen Holzart". Durch dieses vielseitige Engagement war das Interesse der Forstwirtschaft geweckt, die Robinie wurde zum Hoffnungsträger. Doch es gab auch Kritiker: Der Forstwissenschaftler Georg L. Hartig (1764-1837) hatte zwar nicht grundsätzlich etwas gegen die Robinie, gab aber in seiner 1798 erschienenen Schrift zu bedenken, dass die Anlagekosten wegen des beträchtlichen Saatgutpreises sehr hoch kämen und nicht im Verhältnis zum Ertrag stünden. Hartigs Zweifel erwiesen sich als berechtigt, die Robinie bewährte sich in Deutschland als Waldbaum nur mäßig.

Ganz anders stellte sich die Situation in Ungarn dar: 1827 übernahm Fürst Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha seine riesigen ungarländischen Güter und begann die waldlosen Puszten vor allem mit Robinien aufzuforsten. Dies gelang. In keinem einzigen Land Europas gedeiht sie so gut und bedeckt so große Flächen. Zu Recht kann sie als "Ungarischer Baum" bezeichnet werden (Vadas, 1914). Daran hat sich nichts geändert: 2009 nahmen Robinienbestände 415.000 Hektar ein, dies entspricht 23 Prozent der Waldfläche. Übertroffen werden diese Zahlen von Korea und China, hier sind jeweils über 1 Millionen Hektar mit Robinien als Erosionsschutz bepflanzt (Meyer-Münzer et al., 2015). Pflanzungen in China gab es bereits Anfang des 20. Jahrhunderts: In Kiautschou, von 1898 bis 1914 deutsche Kolonie, im Süden der Halbinsel Shandong gelegen, konnten 1902 gepflanzte Robinien bereits 1907 als Grubenholz verwendet werden. Im Pflanzgarten der Hauptstadt Tsingtau wurden bis zum Jahre 1910 rund 150 Millionen Robinienpflanzen gezogen, sodass das Gebiet den Beinamen Akazienhalbinsel erhielt (Blümke, 1955).

Die Robinie ist nach Pappeln und Eukalyptus die weltweit dritthäufigste in Plantagen kultivierte Laubbaumart.




Literatur
  • Blümke, S. (1955): Beiträge zur Kenntnis der Robinie (Robinia pseudoacacia L.). Mitt. Dt. Dendrolog. Ges., 59, S. 38-65.
  • Bruchausen, A. (1796): Faßliche Anweisung zum Anbaue und zur Benutzung der unächten Acacie, . . . , aus den Schriften des Herrn Medicus, Verlag A. W. Aschendorf, Münster.
  • Dammer, U. (1915): Kriegsnutzung unserer Gehölze. Mitt. Dt. Dendrolog. Ges., 24, S. 167-170.
  • Dirk, M.; Böcker, R. (2011): Die Robinie: Bewertung von Bekämpfungsmaßnahmen nach 20 Jahren Robinienforschung. Universität Hohenheim, Institut für Landschafts- & Pflanzenökologie. Momento vom 26.11.2013 im Internet Archive.
  • Erteld, W. (1952): Wachstum und Ertrag der Robinie im Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik. In: Göhre, Die Robinie und ihr Holz. S. 15-148, Deutscher Bauernverlag, Berlin.
  • Genaust, H. (2017): Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, Nikol Verlag.
  • Gessner, O. (1953): Die Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 2. völlig neubearb. u. erw. Aufl., Carl Winter Universitätsverlag, Heidelberg.
  • Hiller, K.; Melzig, M. (2010): Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, 2. Aufl., Spektrum Akad. Verlag, Heidelberg.
  • Huntley, J.C. (1990): Robinia pseudoacacia L. Silvics of North America Vol. 2, Hardwoods, coord. by Burns, R.M. & Honkala, B.H., S. 755-761, Agriculture Handbook 654, Washington, DC.
  • Kahl, A. (1939): Der Winterfrost 1928-1929 und seine Auswirkungen auf Baum und Strauch. Mitt. Dt. Dendrolog. Ges., 42, S. 222-245.
  • Kowarik, I. (2010): Biologische Invasionen, 2. wesentl. erw. Aufl., Verlag Eugen Ulmer KG, Stuttgart.
  • Krausch, H.-D. (2001): Einführung und Ausbreitung der Robinie in Europa. Beiträge zur Gehölzkunde, Verlag Gartenbild Heinz Hansmann, Rinteln.
  • Marzell, H. (1977): Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen, 3. Bd., aus dem Nachlass hrsg. v. Heinz Paul, S. Hirzel Verlag Stuttgart, Franz Steiner Verlag Wiesbaden.
  • Meyer, F. (1982): Bäume in der Stadt, 2. überarb. u. erg. Aufl., Verlag Eugen Ulmer Stuttgart.
  • Meyer-Münzer, B.; Grotehusmann, H; Vor, T. (2015): Robinie (Robinia pseudoacacia L.). In: Potenziale und Risiken eingeführter Baumarten, hrsg. von Vor, T.; Spellmann, H.; Bolte, A.; Ammer, C.; Göttinger Forstwissenschaften, Bd. 7.
  • Meyer-Münzer, B. (2017): Die Robinie unter die Lupe genommen, Teil 2, AFZ, H. 1, S. 33-36.
  • Meyer-Münzer, B.; Schönfeld, P. (2017): Die Robinie unter die Lupe genommen, Teil 3, AFZ, H. 4, S. 32-35.
  • Moerman, D. (1998): Native American Ethnobotany, Timber Press, Inc. Portland, Oregon.
  • Schütt, P. (1994): Robinia pseudoacacia L. Enzyklopädie der Holzgewächse, Handbuch und Atlas der Dendrologie, Hrsg. Schütt, P.; Roloff, A.; Weisgerber, H.; Lang, U.; Schuck, H. J.; ecomed Verlagsgesellschaft.
  • Vadas, E. (1914): Die Monographie der Robinie. Verlag A. Joerges WWE & Sohn, Selmecbánya, Ungarn.
  • Wein, K. (1930, 1931): Die erste Einführung nordamerikanischer Gehölze in Europa, I und II. Mitt. Dt. Dendrolog. Ges., Nr. 42, S. 137-163; Nr. 43, S. 95-154.
  • Wink, M.; van Wyk, B.; Wink, C. (2008): Handbuch der giftigen und psychoaktiven Pflanzen. Wissenschaftliche Verlagsges. mbH, Stuttgart.
  • Zingher, A. (1933): Die älteste Robinie (Robinia pseudoacacia) in Europa. Veteranen der Baumwelt, Mitt. Dt. Dendrolog. Ges., 45, S. 354-355.
  • Mündliche und schriftliche Auskünfte
  • Brunner, Werner, stellv. Geschäftsführer, Hopfenpflanzerverband Hallertau e. V., schriftl. 24.3.202.
  • Ruther, Wolfgang, Vorsitzender des Pflanzerverband Tettnang, schriftl. 4.3.2020.

Anmerkung
  • ¹ Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Havelland, 1977, S. 390.

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