Weltkongress Gebäudegrün 2017 in Berlin

Innovative Lösungen für ein lebenswertes urbanes Leben

von:
Fachvereinigung Bauwerksbegrünung (FBB) Bauwerksbegrünung
Patric Blanc stellte zahlreiche seiner Projekte vor. Er begrünt seit den 70er Jahren Außenwände und gehört zu den schillerndsten Figuren der grünen Szene. Foto: FBB

Klimaerwärmung und wachsender Zuzug in die Metropolen der Welt verlangen nach neuen Lösungen für die urbanen Räume weltweit. Die Zukunft des städtischen Umfelds war Thema des Weltkongress Gebäudegrün, der vom 20. bis 22. Juni 2017 in Berlin stattfand. 825 Teilnehmer aus etwa 44 Ländern waren in die Hauptstadt gekommen. Die derzeitige und weiterhin wachsende Verdichtung der Städte verlangt nach Kompensation des Verlusts an grünen Flächen. Neben dem Erhalten von Parks und Gartenanlagen kann die Begrünung von Gebäudeflächen Abhilfe schaffen. Dach- und Fassadenbegrünungen werden daher immer populärer.

Das Grün am und auf dem Gebäude bringt zahlreiche Vorteile. Eine Wein-bewachsene Wand beispielweise bleibt bei sommerlich-heißen Temperaturen um einige Grad kühler als eine unbegrünte Wand. Oder je nach Wahl der Pflanzen erhöht sich die Biodiversität am Gebäude: Bienen, Käfer und weitere tierische Gesellen bereichern den Wohnraum des Menschen.

In verschiedenen Themenblöcken wurden diese und weitere Themen während der drei Kongresstage von über 100 internationalen Garten- und Landschaftsspezialisten erörtert: Neben der Förderung von Gebäudebegrünung und gesetzlichen Rahmenbedingungen präsentierten die Referenten derzeitige State-of-the-art-Projekte weltweit, Fragen rund um die Regenwasserbewirtschaftung, Vorteile für die Biodiversität, Besonderheiten der Innenraumbegrünung, Pflege und Wartung von Gebäudegrün sowie Kosten-Nutzen-Fragen. Eines der eindrucksvollsten Projekte stellte das Wiener Landschaftsarchitektenduo Professor Maria Auböck und János Kárász vor: das Pschorr-Haus in der Münchner Innenstadt. Nach außen durch Glasfassade bestechend eröffnet sich den Kunden der im Gebäude liegenden Geschäfte und den Bewohnern der Penthäuser im oberen Stockwerk eine faszinierende grüne Landschaft im Innenhof, die vom Erdgeschoss bis hin zum Dachgarten reicht. Innovative Begrünung an den Innenfassaden, exotische Pflanzen wie japanischer Ahorn, ein dreistöckiges Gewächshaus und eine intelligente Lösung zwischen Begrünung und Sonnenkollektoren schaffen eine faszinierende und wohnlich angenehme Atmosphäre im städtischen Innenraum.

Angesichts des Artensterbens war der Vortrag von Dr. Stephan Brenneisen von der ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) aufschlussreich. Denn er demonstrierte eindrucksvoll, wie sehr Dachbegrünung die Biodiversität unterstützt. Allein 175 verschiedene Pflanzen- darunter neun Orchideenarten finden sich auf dem seit über 100 Jahren begrünten Dach des Seewasserwerks in Wollishofen in der Schweiz.

Ein weiterer großer Themenkomplex war die Regenwasserbewirtschaftung und deren derzeitige Möglichkeiten gezeigt an internationalen Beispielen aus China, den Niederlanden oder Großbritannien. Die vielfältigen Vorteile und Auswirkungen von Gebäudebegrünung auf Klima und Wohnqualität im Haus stellte Dr. Nicole Pfoser von der TU Darmstadt vor. Fassadenbegrünung unterstütze die Einsparung von Kühlkosten, reduziere den Wärmedurchgang im Gebäude und damit dem Verbrauch an Primärenergie, führe zur Einsparung von Kühlenergie und von Fassaden- und Dachmaterialien. Die Vorträge können in Teilen auf der Webseite des FBB/Service/downloads heruntergeladen werden.

Dr. Andrea Brill

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