Bürgerschaftliches Engagement Badenweiler

Erweiterungsbau der Cassiopeia-Therme entfällt - Der Kurpark bleibt unberührt

Kurparks Gartendenkmalpflege
Der Eingangsbereich zum Kurpark bleibt erhalten. Foto: Andreas Paul

Über das Ergebnis des "Interdisziplinären Realisierungswettbewerb Erweiterung der Cassiopeia-Therme" wurde in STADT + GRÜN, Nr. 6, 2018, S. 5 berichtet.

Der Begriff interdisziplinär kann in Bezug auf den denkmalgeschützten Kurpark von Badenweiler nur als eine Worthülse bezeichnet werden. Eine Zusammenarbeit zwischen Hochbau- und Landschaftsarchitekten fand bei dieser sensiblen Planungsaufgabe nicht statt. Es sei nur noch einmal daran erinnert, dass ein Hauptzugangsweg in den Kurpark in eine vier Meter breite Erschließungsstraße für Lkws der Müllabfuhr, der Restaurantbelieferung und der Technikfahrzeuge umgewandelt werden sollte, um unter anderem den Erweiterungsbau versorgen zu können (s. Foto 1).

Darüber hinaus wären durch den Erweiterungsbau zwei wichtige weitere fußläufige und für mobilitätseingeschränkte Personen notwendige Zugänge und Wegebeziehungen in den Kurpark zerstört worden. Dies widerspricht den Intentionen eines Kurortes und Heilbades.

Erst als der Verfasser in Skizzen die Auswirkungen des 1. Preises auf den Kurpark dem Land Baden-Württemberg, Vermögen und Bau, Freiburg vorstellte, schien ein gewisses Nachdenken zu beginnen. Ein Vorschlag zu einer alternativen Erschließung des Erweiterungsbaus wurde mit Interesse zur Kenntnis genommen.

Neuer Hauptzugang wäre Erschwernis für mobilitäts-eingeschränkte Menschen

Manchen Befürwortern im Ort wurde erst spät klar, was das Ergebnis des Wettbewerbes bedeutete. Man fragte sich auf einmal, warum der neue Hauptzugang 150 Meter weiter entfernt vom Umkleide- und Badebereich liegen soll, wenn es bereits einen repräsentativen Zugang im historischen Gebäude gibt, dem der Badebereich direkt angeschlossen ist (s. Foto 2). Besonders für ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen wären allein die Überwindung der Entfernung und des Höhenunterschieds zu Fuß nicht zumutbar.

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Der Eingangsbereich zum Thermalbad. Fotos: Andreas Paul

Ein kleiner Kreis von Vertretern der Gemeinde, der ehemalige Bürgermeister und das Land Baden-Württemberg wollten das Projekt offensichtlich ohne ausreichende Einbeziehung der Bürger "durchziehen". Es fehlte an Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit von Beginn an.

Hier stellt sich die Frage, warum Politiker und Laienvertreter Preisgerichten so unkritisch gegenüberstehen. Es sollte vielmehr hinterfragt werden, wie Preisgerichte zusammengesetzt sind und ob die in der Regel umfangreichen Anforderungen an ein Projekt durch die Preisrichter*innen objektiv beurteilt werden können.

Durch das Vortragen von Fakten und das engagierte Vorgehen von Einzelpersonen, dem Bürgerforum von Badenweiler, wenigen Vertretern aus Politik und dem neuen Bürgermeister konnte der Erweiterungsbau der Cassiopeia-Therme verhindert werden.

Der geplante Neubau basierte auf einer unzureichenden Grundlagenerhebung. Dazu gehören die Einbeziehung der Öffentlichkeit, die Einbindung in den historischen Kontext der bestehenden Anlage und ins Ortsbild, gartendenkmalpflegerische Aspekte, funktionale Zusammenhänge, wie wichtige Fußwegebeziehungen, und damit städtebauliche Fragen im weitesten Sinne. Genauso abzuprüfen sind Fragen des Umweltschutzes und der ökologischen, der sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeit. Man scheut sich vor der Komplexität, die heute bei derartigen Projekten nicht mehr vernachlässigt werden darf.

In Badenweiler wird es jetzt darauf ankommen, wie die Qualität der lange Jahre von der Bäderverwaltung genutzten historischen Gebäude, die im Zuge des Erweiterungsbaus abgerissen werden sollten, verbessert werden kann. Jahrzehntelang wurden die Bestandspflege und die Modernisierung der alten Häuser vernachlässigt.

Angesicht des Klimawandels ist Abriss vor Sanierung keine Option

Zukünftig sollten dem Erhalt und der Sanierung von Bausubstanz weit mehr Beachtung zukommen, auch wenn die Politik damit nicht zeitnah punkten kann. Vor dem Hintergrund der Reduzierung von Treibhausgasen kann das bisherige Vorgehen - Abriss vor Sanierung - nicht mehr die erste Option sein. Allein die Zementindustrie ist weltweit für 8 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Der Verzicht auf den Erweiterungsbau der Cassiopeia-Therme dient letztlich auch der Verringerung der lokalen Treibhausgasemissionen, aber nicht nur.

Prof. Andreas Paul

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