Bundesgartenschau Heilbronn 2019 am Neckarbogen

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Dipl.-Ing. Hanspeter Faas ist Geschäftsführer der BUGA Heilbronn 2019. Eine lange Gartenschauerfahrung mit erfolgreichen Stationen als Geschäftsführer der BUGA München 2005 und der BUGA Koblenz 2011 prägten seinen Berufsweg. Foto: memografie.com

Die Bundesgartenschau wie die Internationale Gartenausstellung bieten auf einer Fläche bis zu 100 Hektar alle zwei beziehungsweise zehn Jahre ein Experimentierfeld für die Neugestaltung grüner Freiräume. Damit stellen sie eine Herausforderung und Chance für das Grünflächenamt der jeweiligen Stadt dar. Die Gartenschau sorgt zudem für intensivere Pflege des Bestands und die Restaurierung kostbarer historischer Gärten. Längst ist sie mehr als nur das große Gartenfestival, das anschließend einen Park geprägt hat. BUGA und IGA sind heute an der Entstehung moderner Wohnquartiere beteiligt und setzen gemeinsam mit Stadtplanern Visionen von der grünen Stadt der Zukunft um. Hanspeter Faas, Geschäftsführer der BUGA Heilbronn 2019 vermittelt hier seine Erfahrungen mit der entstehenden "BUGA der Moderne". Die Fragen stellte Sibylle Eßer, DBG.

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Die Visualisierung des Neckarbogens – hier weiß hervorgehoben – macht deutlich, das die ehemalige Bahnbrache die mit der BUGA saniert wird, am Stadtzentrum liegt und zukünftig attraktives Wohnen im Parkgrün nahe der Innenstadt möglich machen wird. Abbildungen und Fotos: BUGA Heilbronn 2019

Die BUGA am Standort Heilbronn wird durch eine Stadtausstellung auf dem BUGA Gelände ergänzt, das ist neu - was ist das Besondere daran?

Hanspeter Faas: Es ist bisher einmalig in der über 60-jährigen Geschichte der Bundesgartenschauen, dass eine klassische Gartenausstellung mit einer Stadtausstellung kombiniert wird. Diese Stadtausstellung Neckarbogen ist integriert in die BUGA. Sie ist gleichzeitig der erste Bauabschnitt des zukünftigen Stadtquartiers Neckarbogen, in dem später einmal mehr als 3000 Menschen wohnen und etwa 1000 weitere arbeiten werden. Es wird eine urbane Bebauung entstehen, zur BUGA 2019 werden die ersten drei Baufelder bereits bebaut und bewohnt sein. In den Erdgeschossen sind teilweise Gewerbeeinheiten vorgesehen, einen guten Teil davon wollen wir anmieten und während der Gartenschau mit Leben füllen. Es könnte zum Beispiel ein Gartenmarkt dort untergebracht sein oder ein Souvenirshop. Ideen haben wir noch viele andere. Wir versprechen uns davon eine lebendige Struktur und meinen, dass das für unsere Gartenschau ein Gewinn ist.

Kann die Kombination einer Gartenausstellung mit einer Stadtausstellung erfolgreich sein?

Wir sagen nicht, dass diese Kombination ein Erfolg werden kann, wir sind davon überzeugt, dass dieses ein erfolgreiches Format sein wird. Gartenschauen sind keine statischen Veranstaltungen, sie spiegeln Veränderungen wider wie sie auch in der Gesellschaft stattfinden. Denken Sie nur einmal zwei, drei Jahrzehnte zurück. Von einer reinen Blumenschau haben sich die Gartenschauen sehr weit entfernt, wenngleich das Thema Garten zentral bleibt. Das muss so sein, denn auch die Gesellschaft verändert sich. Themen, die die Menschen bewegen, wandeln sich, ihre Interessen bleiben nicht immer die gleichen. So ist auch das Thema Stadtentwicklung heute präsenter als noch vor Jahren. Die Bürger setzen sich heute mit städtebaulicher Entwicklung auseinander, es interessiert sie, was in ihrer Stadt, in ihrem Umfeld und darüber hinaus passiert. Wohnen und Arbeiten, Klimawandel, Demografie, all das sind Zukunftsfragen, die sie bewegen und wobei sie aktiv mitgestalten wollen. Sie bringen sich gerne ein, sie bestimmen auch gerne mit. Diese Bereitschaft ist in den letzten Jahren noch gewachsen. Daraus ergibt sich ein spannender Dialog, den wir mit unserer BUGA gerne anstoßen und den wir auch gerne mit den Besuchern führen.

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Ein 13 Meter hoher Lärmschutzwall ist eines der ersten sichtbaren Zeichen der BUGA. Er sorgt dafür, dass Krach vom unweit entfernten Neckarhafen für die Gartenschaubesucher und die Bewohner des Quartiers ferngehalten wird.
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Hier ist schon die Modellierung des Geländes erkennbar, in das 161 große Bäume eingepflanzt werden. Im Bild sieht man die Waldkiefern, die sich auch im Stadtklima gut entwickeln. Sie sind etwa acht Meter hoch und 30 bis 40 Jahre alt.

Private Investoren verbauen rund 150 Millionen Euro - wer entscheidet nach welchen Kriterien über Qualität und Innovationswert und Volumen der Häuser und öffentlichen Einrichtungen, die geplant sind?

Die Stadt hat sich für ein Investorenauswahlverfahren entschieden, bei dem es auf die besten Konzepte für Nutzung, Mobilität, technische Innovation und natürlich auch gute Architektur ankommt. Üblicherweise laufen solche Vergaben anders ab. Da bekommt derjenige das Grundstück, der den höchsten Quadratmeterpreis bezahlt. Nicht so im Neckarbogen. Die Resonanz auf dieses Angebot war riesengroß. Mehr als 80 Arbeiten teilweise namhafter Architekten haben Investoren für die zu vergebenden 22 Grundstücke eingereicht. Ein Bewertungsgremium, bestehend aus Fachgutachtern und Vertretern des Gemeinderats als Sachgutachter, hat in einer zweitägigen Sitzung eine Empfehlung der Besten erarbeitet und an den Gemeinderat weitergegeben. Dieser hatte die letzte Entscheidung. Er hat aber alle Vorschläge des Bewertungsgremiums angenommen und damit festlegt, wer bauen darf.

Welche Rolle kommt der BUGA dabei zu?

Die BUGA hat dieses Investorenauswahlverfahren von Anfang an begleitet und moderiert. Zudem haben wir mit Unterstützung der Baukommission einen Prozess der Qualitätssicherung initiiert, damit die Bauherren das, was sie in ihren Entwürfen versprochen haben, einhalten oder sogar noch verbessern. Kaufverträge werden erst geschlossen, wenn jeweils die Baugenehmigung vorliegt, auch das ist Teil des Qualitätssicherungsprozesses. Das Besondere für die Bauherren und die Moderatorin BUGA ist die enge Abstimmung untereinander, die zwingend notwendig ist. Im Neckarbogen können sie nicht - wie sonst üblich - alleine für ihr Bauvorhaben entscheiden. Im Neckarbogen sind sie Teil eines Orchesters. Beim Bau der Tiefgarage, der Planung der Freiflächen, der Energieversorgung müssen sie sich einig werden. Das erfordert eine ausgeklügelte Baulogistik, die die BUGA erarbeiten ließ. Dazu kommt, dass der Zeitplan eng ist, im Juli 2016 muss der erste Spatenstich erfolgen, im Juli 2018 die Fertigstellung. Etwa 40 Prozent der Wohnungen sind Mietwohnungen. Es werden inklusives Wohnen angeboten, studentisches Wohnen, ein Boardinghaus - eine Art Hotel für längere Aufenthalte - sowie ein Kinderhaus mit Zusatzangeboten. Fast die Hälfte der Häuser ist in Holz- oder Holzhybridbauweise geplant.

Wie integriert sich der zukünftige Gartenschaupark, welche Rolle übernimmt er?

Wenn nach der BUGA 2019 das Gelände zum urbanen Stadtquartier mit mehr als 3000 Bewohnern und etwa 1000 Arbeitsplätzen weiter aufgesiedelt wird, bleibt der Gartenschaupark mit den beiden neu angelegten Seen erhalten, auch die Parklandschaften am Neckarufer, die Auenlandschaften - all das sind Daueranlagen. So wird ein grünes Stadtquartier direkt am Neckar entstehen, das auch mit Fuß- und Radwegen gut mit der nahegelegenen Innenstadt verbunden ist. Gleichzeitig schafft es auch eine Verbindung zum angrenzenden Zukunftspark Wohlgelegen. Der Neckarbogen direkt am Fluss wird ein Stadtquartier der kurzen Wege werden. Bisher spielt der Fluss kaum eine Rolle im Bewusstsein der Menschen. Die Ufer sind gerade im Bereich des Gartenschaugeländes steil und kaum zugänglich. Durch die Bundesgartenschau öffnet sich die Stadt am Neckarbogen und im angrenzenden Wohlgelegen zum Fluss hin. Die Ufer sind begehbar, die Menschen können erstmals den Fluss erleben.

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Neben Waldkiefern sind es vor allem Eichen, die den Wall zum Kanalhafen hin säumen sowie Zierkirschen zur Seite des Freizeitsees hin. Im Herbst hat die BUGA 1700 schnell wachsende Pappeln (im Vordergrund) gepflanzt, die zur BUGA Schattenspender sein und danach als Energiegehölz geerntet werden.

Wie sind bislang und wie werden Heilbronner Bürger zukünftig in den Prozess eingebunden?

Nachhaltige Veränderungen einer Stadt können nur gemeinsam mit den Bürgern erreicht werden, die sich für dieses wichtige Stadtentwicklungsprojekt engagieren. Bereits mit der Bewerbung für die BUGA im Jahr 2004 hat ein kontinuierlicher Bürgerdialog begonnen: mit Geländeführungen, Vorträgen, Informationsveranstaltungen und einer Reihe weiterer Formate, die sich Ideenwerkstatt, BUGA-Labor oder BUGA-Café nennen. Themen wie Verkehr und Umwelt, Tourismus, Fluss und Wasser, Spiel, Sport und Freizeit werden dabei diskutiert, auch das Stadtquartier Neckarbogen. Diesen Dialog wollen wir nicht abreißen lassen, wir führen ihn kontinuierlich weiter. Die Resonanz auf unsere Angebote war von Anfang an groß. Die Heilbronner Bürger freuen sich auf ihre Gartenschau.

Wie interagieren Bauamt, Grünflächenamt und BUGA Durchführungsgesellschaft in diesem neuen Modell?

Naturgemäß bestehen unterschiedliche Interessen zwischen den Beteiligten. Und wie meistens geht es ums Geld, das für einzelne Maßnahmen ausgegeben werden soll. Es herrscht ja immer auch ein Verteilungskampf innerhalb einer Stadt. Welche Schwerpunkte setzt man, welche Qualitäten leistet man sich? Ist bei veränderten klimatischen Bedingungen eine Bewässerungsanlage für neu gepflanzte Bäume im Park notwendig, oder geht es auch ohne und man verbaut die Summe an anderer Stelle. Ein sehr schönes Beispiel ist die Diskussion über die Kalistraße. Sie ist eine Bundesstraße, die im nächsten Jahr zurückgebaut wird, weil sie mitten durch den späteren Neckaruferpark führen würde. Es stellte sich die Frage, wohin mit dem Verkehr? Ursprünglich wollte man die Straße auf der anderen Uferseite neu bauen, parallel zum jetzigen Verlauf. Dann hat man sich nach langen Diskussionen darauf besonnen, auf Bestehendes zurückzugreifen. Und nun reicht es, Straßen und eine Brücke auszubauen und zu verbreitern. Das gemeinsame Ringen um die beste Lösung hat also zu einem Qualitätsprozess geführt und zu einer Aufwertung dessen, was schon vorhanden ist. Dieses Miteinander ist unbedingt notwendig, wenn es um ein gemeinsames Großprojekt geht. Und es macht auch Spaß, gemeinsam daran zu arbeiten.

Herzlichen Dank für dieses Gespräch, Herr Faas!


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Die Stadt am Neckar hat 120.000 Einwohner und gilt bundesweit als besonders wachstumsstarke Region. Foto: Heilbronn Marketing GmbH/Roland Schweizer

Heilbronn

Die Stadt Heilbronn, nördlich von Stuttgart gelegen, ist mit 120.000 Einwohnern das Oberzentrum der Region Heilbronn-Franken. Zu ihr gehören der Landkreis Heilbronn, der Hohenlohekreis, der Landkreis Schwäbisch Hall und der Main-Tauber-Kreis. Mit einer Fläche von 4765 Quadratkilometern ist die Region Heilbronn-Franken die flächenmäßig größte in Baden-Württemberg sowie landes- und bundesweit eine besonders wachstumsstarke Region. Bei der Zunahme der Arbeitsplätze liegt sie in Baden-Württemberg an der Spitze. Ökonomisch geprägt ist sie durch den Fahrzeugbau, die Maschinenbau- und Elektrotechnikindustrie, Logistikbetriebe, Großhandel, moderne Finanzdienstleister, Informationstechnologie, Softwareentwicklung und Medizintechnik. Mit rund 530 Hektar Rebfläche ist Heilbronn allein die drittgrößte Weinbaugemeinde Württembergs.

Der schiffbare, fischreiche Neckar spielte in der Geschichte der Stadt eine bedeutende Rolle. Sie entstand im 8. Jahrhundert in fränkischer Zeit. 1281 bekam sie Stadtrecht. Später gewährte Kaiser Ludwig der Bayer das Privileg, den Neckar nach Belieben zu "wenden und keren", das heißt, den Fluss aufzustauen und einen Hafen anzulegen. Zu einer besonderen Blüte von Kultur und Wirtschaft kam es in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert machten prosperierende Unternehmen Heilbronn zur zweitwichtigsten Industriestadt Württembergs. Durch Eingemeindungen wuchs die Stadt bis 1938 auf 72.000 Einwohner. Nach dem zweiten Weltkrieg waren 80 Prozent des Stadtgebietes zerstört. Rasch erfolgt der Wiederaufbau. Durch weitere Eingemeindungen wurde Heilbronn 1970 zur Großstadt. 1992 verließen die amerikanischen Truppen Heilbronn, die freigewordenen Flächen sind heute Wohn-, Gewerbe- und Naherholungsgebiete.

Ein Quartier im Zertifizierungsprozess

Mit der BUGA soll ein attraktives neues Quartier in Innenstadtnähe entstehen, das ein Stück Modellstadt wird: In der Umsetzung werden in der ersten Etappe des Stadtwandels im Jahr 2019 (Modellbebauung 2019, ab 2020 vollständige Aufsiedlung) Zukunftsthemen forciert: Mobilität, demografischer Wandel, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Dazu ist eine gute räumliche Vernetzung über den Neckar und die Bahn erforderlich. Eines der erklärten Ziele ist es, "die Entwicklung flexibler Mobilitätsmodelle, um die vom Gemeinderat gesetzte Vorgabe, die Verteilung des Transportaufkommens auf verschiedene Verkehrsmittel von heute 30/70 künftig auf einen Anteil von 70/30 des Fußgänger-, Rad- und ÖPNV-Verkehrs zum motorisierten Individualverkehr zu ändern", erläutert Baubürgermeister Wilfried Hajek. Umweltschonend soll damit die Einbindung des neuen Quartiers in die Gesamtstadt gesichert werden. Vielfältige Nutzungen und Funktionen, die hier neu miteinander vernetzt werden - Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Erholung - sollen darüber hinaus Strahlkraft entwickeln. Spiel- und Freizeitangebote, die sich an unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen einer gesundheitsbewussten und mobilen Stadtgesellschaft orientieren, sollen die neuen Parklandschaften bereichern und zur Bewegung animieren. Für diese modellhaften Planungen wurde die Stadt Heilbronn im Juni 2012 mit dem Vorzertifikat in Silber der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ausgezeichnet. Mit dem Zukunftsprojekt Neckarbogen hat Heilbronn als eine der ersten Kommunen in Deutschland ein bundesweit anerkanntes Verfahren zur Beurteilung der Qualitäten von Stadtquartieren durchlaufen. Der Zertifizierungsprozess der DGNB sieht insgesamt die Prüfung und Bewertung eines Vorhabens anhand von 46 Kriterien vor. Energieeffizienz, ressourcenschonende Infrastruktur, Bodenschutz und Artenvielfalt spielen dabei ebenso eine gewichtige Rolle wie ökonomische, soziokulturelle und funktionale Qualitäten des Vorhabens.

M. A. Sibylle Eßer
Autorin

Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH (DBG)

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