Die Kieler Innenstadt im Aufbruch

Das Projekt Kleiner-Kiel-Kanal

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Kanalbau Wasser in der Stadt
Der Kleine-Kiel-Kanal: Auf dem Boardwalk. Abb.: bgmr Landschaftsarchitekten

Mit der nördlichsten Landeshauptstadt werden viele vermutlich Segeln, die Kieler Woche, Strände, einen Stadthafen mit Fährverbindungen nach Skandinavien und das Baltikum, Kreuzfahrten, Marine, Werften, Hochschulen, Meeresforschung, manche sicher auch einen erfolgreichen Handball- und einen solchen Fußballverein verbinden. Die Attraktivität ihrer Innenstadt würde sicher eher selten als zutreffendes Attribut genannt werden. Kiel mit einer Einwohnerzahl von knapp 250.000 hat zukünftig aber gute Chancen, hier deutlich besser aufgestellt zu sein. Denn die bislang unspektakuläre und in den vergangenen Jahrzehnten bisweilen wenig lebendig wirkende Kieler City befindet sich gegenwärtig in einem spektakulären Umbruch. Und dieser steht mittelbar, teils aber auch ganz direkt ablesbar, im Zusammenhang mit einem von der Stadt initiierten Impulsprojekt zur Wiederbelebung der Innenstadt, das sich gegenwärtig auf der Zielgeraden befindet, dem Bau des Kleinen-Kiel-Kanals.

Der historische Planungsansatz

Stadtplanerischer Leitgedanke war, die kaum noch ablesbare historische Kontur der ehemals fast vollständig von Wasserflächen umgebenden Altstadtinsel an dieser Stelle in zeitgemäßer Ausformung wieder nachzuzeichnen. Kiel, im 13. Jahrhundert an einer kleinen Ausbuchtung der Förde gegründet, war ursprünglich fast vollständig von Wasser umgeben. Noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts hatte es an dieser Stelle einen Kanal gegeben, der den Kleinen Kiel als Relikt des ehemaligen Wasserarms an der Westseite der Altstadt mit dem Bootshafen und der Förde verbunden hatte. Die nach Etablierung der kaiserlichen Marine ausgelöste rasante Entwicklung der Einwohnerzahl in Kiel und damit auch des Verkehrs blieb nicht ohne gravierende Eingriffe in das Stadtbild. Der Kanal wurde verrohrt und im Jahre 1904 zu einer Straße umgewandelt, mit der die Altstadt umfahren und neu gegründete Stadtteile erschlossen werden konnten. Diese wurde nach der historischen südlichen Zufahrt in die Altstadt benannt: Holstenbrücke.

Nach der fast vollständigen Zerstörung der Kieler Innenstadt im Zweiten Weltkrieg bildete die bereits angelegte breite Verkehrsader dann ein willkommenes Element für einen funktional ausgerichteten Wiederaufbau der Stadt und eine städtebauliche Neuausrichtung, in der die Entwicklung des motorisierten Verkehrs der Folgejahrzehnte bereits antizipiert wurde. Als Leitbild galt in dieser Zeit die verkehrsgerechte Stadt. Die Innenstadt hatte wie vielerorts im Wesentlichen den Einzelhandel aufzunehmen und den Kunden den bequemen Weg mit eigenem Pkw oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin zu ermöglichen.

Mit Beginn der 1980er-Jahre gab es angesichts der immer weiter fortschreitenden Verkehrs- und Lärmbelastung der Kieler Innenstadt erste Risse im Leitbild. Diese verstärkten sich, als Einkaufszentren an der Peripherie der Stadt und zur Jahrtausendwende der boomende Online-Handel den Innenstädten zunehmend zu schaffen machten. Ein Paradigmenwechsel setzte ein. Auch in Kiel wurden zu dieser Zeit neue Ansätze für die Innenstadt und wenige Jahre später die sogenannten "Perspektiven für die Kieler Innenstadt" unter Beteiligung interessierter Bürgerinnen und Bürger entwickelt. Als wesentlichen Baustein enthielt das Konzept, die Straße "Holstenbrücke" grundlegend umzugestalten und mit dieser eine offene Wasserverbindung zwischen dem Kleinen Kiel und dem Bootshafen in Anlehnung an die historische Situation herzustellen. Erklärtes Ziel war, die Aufenthaltsqualität der Innenstadt für Einwohner*innen und Gäste der Stadt deutlich zu verbessern und ihr damit wieder eine Attraktivität zu geben und urbanes Leben zu schaffen.

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Kanalbau Wasser in der Stadt
Der neue Kleine-Kiel-Kanal verbindet das Gewässer "Kleiner Kiel" im Nordwesten der Kieler Altstadt optisch mit dem trapezförmigen Bootshafen und der Kieler Förde. Abb.: Landeshauptstadt Kiel
Kanalbau Wasser in der Stadt
Kiel im Jahr 1588. Abb.: Landeshauptstadt Kiel

Freiraumgestaltung als Impulsprojekt

Es war höchste Zeit, die Trendwende herbeizuführen und durch ein geeignetes Projekt zu initiieren. War die Zielsetzung in der Stadtgesellschaft noch nahezu konsensfähig, so gab es doch auf der anderen Seite über Jahre erhebliche Vorbehalte in großen Teilen der Bevölkerung, Finanzmittel in einer geschätzten Größenordnung von 11 Millionen Euro konkret an dieser Stelle der Stadt einzusetzen. Zur allgemeinen Überraschung, nicht nur derjenigen, die dem Projekt kritisch oder ablehnend gegenüberstanden, zeitigt das Projekt nun jedoch bereits vor seiner Fertigstellung die zum Zeitpunkt seines Starts zwar erhoffte, aber durchaus nicht sicher vorhersehbare Wirkung. In unmittelbarer Umgebung am Rande der Altstadt wurden alsbald private finanzielle Engagements in Höhe von rund 100 Millionen Euro ausgelöst oder befördert: Ein neues Hotel mit Eigentumswohnungen entsteht, ein Textilkaufhaus hat seinen Neubau bereits eröffnet, Bestandsgebäude in unmittelbarer Nachbarschaft werden umgebaut, um in Kürze Cafés und Restaurants aufzunehmen.

Die privaten und öffentlichen Investitionen der vergangenen Jahre in der gesamten Kieler Innenstadt haben mittlerweile ein Gesamtvolumen von etwa einer halben Milliarde Euro erreicht. Der Anteil aus dem Bereich der öffentlichen Infrastrukturmaßnahmen in der Innenstadt, der weniger als ein Zehntel des Finanzvolumens ausmacht, kann deshalb allein vor diesem Hintergrund mit einigem Recht bereits heute als lohnende öffentliche Investition betrachtet werden.

Paradigmenwechsel in Stadtplanung und Verkehrspolitik

Wie auch andere Städte ist Kiel auf dem Weg, die in vorangegangenen Jahrzehnten postulierte und größtenteils realisierte autogerechte Innenstadt zugunsten einer verbesserten Aufenthaltsqualität aufzugeben. Buchstäblich soll verloren gegangenes Terrain für den Fuß- und Radverkehr und zum Verweilen Schritt für Schritt wieder zurückgewonnen werden. Der Planungsbereich "Holstenbrücke", eine Straße von rund 400 Metern Länge, war bis vor Kurzem geprägt durch insgesamt sieben gepflasterte Fahrspuren, davon fünf für den Individualverkehr und zwei als hochfrequentierte Trasse für Busse des öffentlichen Nahverkehrs. Die Verkehrsbelastung lag bei 12.000 Fahrzeugen pro Tag, davon lag der Anteil des Durchgangsverkehrs bei etwa der Hälfte der Gesamtbelastung. Die benachbarten Kreuzungsbereiche waren gekennzeichnet durch Aufweitungen für Abbiegespuren auf der einen Seite und Kreisverkehr auf der anderen. Der Straßenabschnitt zählte zu den lautesten der Stadt. Niemand kam auf die Idee, sich dort länger als nötig aufzuhalten.

Nach vollständiger Umgestaltung des Planungsbereichs stehen künftig nur noch zwei Fahrspuren zur Verfügung, die dem ÖPNV und Fahrradverkehr vorbehalten sein werden. Der motorisierte Individualverkehr wird über umliegende Straßen geleitet. Die Altstadt und insbesondere die dortigen Parkhäuser bleiben weiterhin gut erreichbar. Der Raum, der durch die Reduzierung der Verkehrsflächen im Regelquerschnitt aber auch in den Kreuzungsbereichen gewonnen wird, erhält mit neu geschaffenen Wasserflächen des Kanals und gestalteten Freianlagen eine völlig neue Qualität.

Kanalbau Wasser in der Stadt
Ergebnis des Realisierungswettbewerbs 2012: 1. Preis bgmr Landschaftsarchitekten, Berlin, mit yellow z urbanism, Berlin, und Ingenieurbüro Obermeyer, Potsdam. Darstellung: bgmr, Berlin
Kanalbau Wasser in der Stadt
Querschnitt durch den Bodenfilter, angeordnet längsseitig der Kanalbecken. Abb.: bgmr Landschaftsarchitekten Landschaftsarchitekten/Ing.-Büro Obermeyer

Der städtebauliche Realisierungswettbewerb

Auf der Grundlage einer umfangreichen interdisziplinär ausgearbeiteten Vorstudie lobte die Stadt 2011 einen zweistufigen Realisierungswettbewerb mit vorlaufendem Teilnahmewettbewerb unter Freianlagenplanern und Ingenieuren aus. Der Beitrag des Büros bgmr Landschaftsarchitekten, Berlin, in Zusammenarbeit mit yellow z, Berlin, und dem Ingenieurbüro Obermeyer, Potsdam, wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet und nach einem anschließenden Vergabeverfahren erhielten die Planer den Auftrag. Im weiteren Planungsprozess unterstützten Ingenieurbüros anderer Fachsparten wie Verkehrs- und Straßenplanung, Tragwerksplanung und technische Gewerke sowie Baugrundgutachter und Gewässerbiologen das Planungsteam.

Der Planungsrahmen war aufgrund der Bebauung, der baulichen und gewässertechnischen Randbedingungen und der Vorgaben für die Querschnittsaufteilung mit einer mindestens 10 Meter breiten Wasserfläche und einer zweispurigen ÖPNV- und Fahrrad-Trasse bereits eng gesteckt worden. Wesentlicher Bestandteil der Planungsidee der Preisträger waren dann zwei rechteckige Kanalbecken, ein schmales im nördlichen Abschnitt mit Abmessungen von ca. 120 Metern Länge und 10 Metern Breite und ein breiteres mit Abmessungen von 40 Meter x 22 Meter südlich der Querung "Holstenstraße", der Haupteinkaufsstraße der Innenstadt. Das südliche Kanalbecken weitet sich auf zum sogenannten "Wasserplatz", der mit einer großzügigen Terrassierung am Nordrand attraktive Aufenthaltsflächen schafft. Am Fuß der Treppenanlage bilden nachempfundene künstlich geformte "Findlinge" als Gestaltungselemente einen fließenden und spielerischen Übergang in den Kanal und kontrastieren damit zur strengen geometrischen Form der Kanalbecken. Auch auf der "Sonnenseite" des nördlichen Kanalbeckens führen Treppen und Rampen unmittelbar an die Wasserlinie und machen den Kanal unmittelbar erlebbar. In ausreichendem Umfang stehen Freiflächen auf Ebene der Eingänge zur Verfügung und erlauben den sich dort etablierenden Cafés und Restaurants, die unmittelbar an die Gebäude anschließenden Außenbereiche zu nutzen.

Im Unterschied zu anderen eingereichten Arbeiten sah das Planungskonzept ein geschlossenes Gewässersystem in den beiden miteinander durch Rohre verbundenen Kanalbecken vor mit einer Wasserentnahme aus dem Kleinen Kiel, der sich aus dem Niederschlagswasser der umliegenden befestigten Flächen speist. Nach der Erstbefüllung werden lediglich geringe Wassermengen zugeführt, mit der das verdunstete Wasser kompensiert wird. Eine gute Gewässerqualität im 1,50 Meter tiefen Wasserkörper sichert ein ausgeklügeltes System aus Bodenfiltern und technischen Einrichtungen. Die biologisch wirksamen Bodenfilter aus einer geeigneten Mineralmischung als Substrat sowie Wasserpflanzen (Acorus palustris und Phragmites australis) reduzieren an der Entnahmestelle im Kleinen Kiel und zusätzlich an den Längsseiten der beiden Kanalbecken den Nitrat- und Phosphatgehalt des Wassers. Über Düsen oberhalb der Beckensohle wird das so gefilterte Wasser in die Becken gepumpt und mit Luft versetzt. Die Strömung erzeugt dabei eine sanfte Umwälzung in Querrichtung. Die verdrängte Wassermenge wird durch ein Rohrsystem geführt, mechanisch gereinigt und durch Pumpen wieder in die Bodenfilter und die Becken eingespeist. So entsteht ein geschlossener Wasserkreislauf, der durch Filterwirkung, Umwälzung, Kühlung im Erdreich und der Zufuhr von Luft/Sauerstoff Probleme eines stehenden Gewässers ausschließen soll. Die Pumpen wälzen den Wasserkörper mit einem Volumen von etwa 2100 Kubikmetern innerhalb von 24 bis 48 Stunden vollständig um.

Auf eine Wasserverbindung zum Bootshafen, der seinerseits durch ein Rohr mit der Kieler Förde verbunden ist und in den bei höheren Wasserständen Salzwasser zufließt, musste im Übrigen aus bautechnischen und gewässerbiologischen Gründen verzichtet werden. Die optische Wirkung der Kanalbecken als verbindende Elemente wird davon nicht berührt.

Die terrassierten nach Südwesten ausgerichteten Freiflächen an den Kanalufern erhalten gewissermaßen als grünen Saum der Altstadt und entlang des Kanalbeckens Baumreihen aus Spitzahorn, Sumpfeiche und Silberlinde.

Kanalbau Wasser in der Stadt
Beteiligung der Öffentlichkeit – das "Zukunftsmodell". Foto: Daniel Luchterhandt
Kanalbau Wasser in der Stadt
Lageplan nach Überarbeitung der Planung unter Einbeziehung der Ergebnisse der Öffentlichkeitsbeteiligung. Abb.: bgmr Landschaftsarchitekten

Kritik und Anregungen - Der Beteiligungsprozess

In einem Projekt dieser Bedeutung war eine intensive Beteiligung der Öffentlichkeit an der Ausgestaltung des Projektes selbstverständlich. In einem insgesamt sechsmonatigen transparent gestalteten Prozess konnten sich Interessierte an einem 6 Meter langen Modell und Plänen in angemieteten Büros, auf dem Wochenmarkt oder in Schulen über die ausgearbeitete Vorplanung informieren und Bedenken und Anregungen äußern. Dabei hatten die städtischen Vertreter von vornherein deutlich gemacht, dass es nicht um die grundsätzliche Entscheidung über das Schicksal des Projektes geht, sondern um die konkrete weitere Planung. Insgesamt wurden mehr als 650 Stellungnahmen und Hinweise protokolliert, nach Themenbereichen sortiert und am Modell und im Lageplan verortet. Die Menschen regten an, den Planungsbereich mit mehr Grün auszustatten, mehr Holz anstelle von Beton zu verwenden und Interaktion mit dem neu entstehenden Gewässer, insbesondere für Kinder, zu ermöglichen.

Gemeinsam mit externen Fachleuten und den Planern gelang es der Projektleitung anschließend, viele Anregungen aufzunehmen. So verwandelten sich die ursprünglich vorgeschlagenen künstlichen Findlinge am Südbecken zu flachen amöbenförmigen Inseln, die zum Aufenthalt, Spielen oder für interaktive Wasserspiele aktiv genutzt werden können. Holzbänke, Sitzstufen und ein weiteres Wasserspiel wurden ergänzt. Weiterhin zeigten sich Planer und Bauherr aufgeschlossen gegenüber der Verwendung anderer Materialien. So ersetzen nun Bohlwege ("Boardwalks") mit Belägen aus speziell imprägnierten Holzbohlen mit langer Nutzungsdauer die ursprünglich geplanten Pflasterbeläge entlang der Promenaden am altstadtseitigen Ufer. Kanalklinker als Verblendung der Stahlbetonbecken erhöhen die Qualität der Ansichtsflächen. Brücken für Fußgänger verbessern die Verknüpfung von Alt- und Vorstadt und ermöglichen nun eine barrierefreie Anbindung der "Sonnenseite" der Altstadt an die Vorstadt.

Als weiteres grünes Gestaltungselement mit der zusätzlichen Wirkung, den Wind zu brechen, ergänzt eine weitere Baumreihe längsseitig in der Achse der Bodenfilter den Entwurf der Freianlagen, die die Sichtachse vom Kleinen Kiel zum Bootshafen und der Kieler Förde ebenso wie eine farbliche Beschichtung der Asphaltflächen in den Fahrbahnbereichen als verbindendes Element betont. In Querrichtung zur Kanalachse heben die in unterschiedlichen Graustufen gehaltenen Streifen der Pflasterung die Trennung der Verkehrsarten optisch auf. Auf Hochborde wird im Übrigen in weiten Bereichen verzichtet, um an möglichst vielen Stellen barrierefreie Übergänge zu schaffen und den Charakter als Verkehrsbereich zu betonen, der unterschiedliche Nutzungen zulässt. Bei Dunkelheit sorgen künftig linienförmige Lichtakzente an Stufen und Brückengeländern, verstärkt durch Spiegeleffekte im Wasser, für eine freundliche urbane Anmutung der Freianlagen.

In der Rückschau zeichnet sich ein sehr positives Bild des Beteiligungsprozesses. Die Beteiligung erfolgte zu einem geeigneten Zeitpunkt, nach Abschluss der Vorplanung. Zum einen konnten die Projektbeteiligten so auf einer guten Grundlage informieren und Fragen beantworten. Auf der anderen Seite es gab der noch frühe Planungsstand her, Änderungen in den Planungsprozess aufzunehmen. Im Ergebnis blieb der Einfluss des Beteiligungsprozesses zwar nicht ohne Auswirkungen auf die Investitions- und Erhaltungskosten. Die Beteiligung kann gleichwohl als Erfolg bewertet werden: Nicht nur wurde eine höhere Akzeptanz für das Projekt in der Öffentlichkeit erreicht, auch die Umsetzung der geäußerten Wünsche in die Planung erscheint gelungen.

Kanalbau Wasser in der Stadt
Nördliches Kanalbecken. Abb.: bgmr Landschaftsarchitekten
Kanalbau Wasser in der Stadt
Südliches Kanalbecken, der sogenannte „Wasserplatz“. Abb.: bgmr Landschaftsarchitekten

Die Ausführung mit Hindernissen

Nachdem der Maßnahmenbeschluss der politischen Gremien der Stadt im Jahr 2015 gefasst worden war und die Zusage des Landes Schleswig-Holstein für die Förderung aus dem Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" vorlagen, konnte die Ausführungsplanung abgeschlossen und die Ausschreibungen der Gewerke veröffentlicht werden.

Im September 2017 verfolgte die Öffentlichkeit gespannt den Beginn der Bauarbeiten unter Vollsperrung der Holstenstraße mit der Verlegung zahlreicher Medien aus der Kanaltrasse und begleitenden Munitionserkundung. Der Straßenbau, der Aushub und die Pfahlgründung der Kanalbecken aus Stahlbeton verliefen erwartungsgemäß nicht ohne Störungen und Überraschungen. Es wurden in großer Zahl Findlinge und teilweise Überreste alter Pfahlgründungen vorgefunden, immerhin nach aufwendigen Untersuchungen keine Blindgänger oder andere Kampfmittelreste. Bei den Aushubarbeiten in der Kanaltrasse stieß die ausführende Tiefbaufirma allerdings auf unbekannte offenbar noch für ein Nachbargebäude statisch wirksame Gründungsreste. An dieser Stelle musste die Ausführung dann noch einmal grundlegend überplant werden. Am Ende konnte mit dem Erhalt und der Überbauung der Gebäudereste eine gute Lösung gefunden werden. Dort lädt nun künftig eine zusätzliche Sitzstufenanlage mit südwestlicher Ausrichtung zum Verweilen ein.

Es verwundert nicht, dass es seit der ersten Kostenschätzung im Zuge der Vorstudie aus dem Jahr 2011, insbesondere in Zeiten einer anhaltenden Hochkonjunktur im Baugewerbe nach Vorliegen der Ausschreibungsergebnisse Kosten zum Teil mit erheblichen Änderungen fortzuschreiben waren. Kurz vor Abschluss der Ausführung liegt das Budget heute bei 18,7 Millionen Euro Gesamtkosten. Der überwiegende Teil der Baukosten bezieht sich auf die Gestaltung der Freianlagen und der Straßenabschnitte. Trotz und vielleicht gerade wegen der zahlreichen Hindernisse auf dem Weg zum Ziel lässt sich eines feststellen: Mit der näher rückenden Fertigstellung im späten Frühjahr dieses Jahres ist in Kiel nun vermehrt Neugier und angesicht der besonderen Zeiten eher verhaltene Vorfreude zu spüren auf das Erreichen eines wichtigen Meilensteins auf dem Weg zu einer lebendigen und für viele Menschen attraktiveren Innenstadt. Es gibt viel zu sehen. Und es gibt reichlich Plätze zum Verweilen am neuen Kleinen-Kiel-Kanal. Der Sommer kann kommen.

Dipl.-Ing. Udo Weißel
Autor

Grünflächenamt Landeshauptstadt Kiel

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