Dynamische Staudenmischpflanzungen im Stadtgebiet Dresden

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Mischpflanzungen Stauden
Grünzug Weißeritz in Dresden, hier Fläche am Familienspielplatz. Foto: Barbara Kemnitz

Das positive Zusammenwirken zwischen attraktiver Gestaltung und extensiver Pflege begründen den steigenden Zuspruch an dynamischen Staudenmischpflanzungen in Dresden. Außerdem sind gerade diese Flächen durch die zunehmende Verarmung der Landschaft eine dauerhafte Heimat der Insekten. Im Stadtgebiet von Dresden war es im Rahmen von Fördermaßnahmen in den Jahren 2007 bis 2009 möglich, im ehemaligen Weißeritz Flussbett, dem heutigen Grünzug Weißeritz, auf Flächen des Postplatzes in der Innenstadt und auf einer schmalen Verkehrsgrünfläche an der Kesselsdorfer Straße Staudenmischpflanzungen zu erproben. In den Folgejahren kam an den sogenannten Flosshofterrassen im Grünzug Weißeritz eine weitere Fläche hinzu: eine Verkehrsgrünfläche im Süden der Stadt wurde bepflanzt und im Innenstadtgebiet variierten die Landschaftsarchitekten die Pflanzenauswahl in einem Eingangsbereich eines Spielplatzes und auf einem Stadtplatz in der Friedrichstadt mit neuen Arten. Für die Pflanzung im Alaunpark stellte sich das Lehr- und Forschungsgebiet Pflanzenverwendung der Technischen Universität Dresden die Aufgabe, ein zeitgemäßes Begrünungskonzept zu erproben. Die Bestandaufnahme des Coppicing-Versuches in den Jahren 2012 bis 2016 ist unter nachfolgenden Adressen nachzulesen: stadtundgruen.de/coppicing.html

Im Jahr 2017 sind die Flächen im Alaunpark, die unmittelbar an Aktivbereichen liegen, in ihrem Pflanzenbestand gefährdet. In dezentralen Bereichen ist der Vandalismus gering.

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Mischpflanzungen Stauden
Der Postplatz in Dresden. Foto: Barbara Kemnitz

Grünzug Weißeritz

Der Dresdner Südwesten ist durch die Weißeritz geprägt. Jahrhundertelang wurde die Wasserkraft des Flusses zum Betreiben von Mühlen und Kraftwerken genutzt. Der Plauensche Grund westlich der Ortslage Plauen hingegen ist seit Jahrhunderten ein Ort der Erholung für Sommerfrischler aus der Stadt. Mit der Industrialisierung wurde das Flussbett der Weißeritz zur Flächengewinnung verlegt. In den Jahren nach 1945 und auch nach 1989 verfielen viele der Industriestandorte zu ungenutzten Brachflächen und gerieten in Vergessenheit. Mit dem Stadtteilentwicklungsprojekt Grünzug Weißeritz gestaltete die Stadt einen Grünzug von der Stadtmitte in die Landschaft. Die erste dynamische Staudenmischpflanzung im Grünzug Weißeritz markiert den Beginn unterschiedlicher Mischpflanzungen in Dresden.

Im Jahr 2007 wurde die Staudenmischpflanzung "Perennemix - Blütenwoge" auf einer Fläche von 220 Quadratmetern am Familienspielplatz eingesetzt. Für die Ausprägung des Frühjahrsaspektes wählte das Landschaftsarchitekturbüro Frase aus Dresden zusätzlich die Art Euphorbia polycroma aus. Als Ersatz für Tulipa linifolia kam Anemone blanda und das Thema "Wasser" symbolisiert Aster dumosus "Prof. Kippenberg". Wesentlich für das Gesamterscheinungsbild ist die Bepflanzung der Randbereiche mit niedrigen Stauden. Das Recyclingsubstrat (Sandstein, Ziegel, Beton, Schotter) wurde mit wurzelunkrautfreiem Oberboden im Verhältnis 2:1 in einer Mächtigkeit von 15 Zentimetern auf den anstehenden durchlässigen Boden aufgebracht. Grauwacke in der Steingröße 8/16 Millimeter und einer Schichtstärke von fünf Zentimetern schützt hier die Fläche vor zu großer Verdunstung. In der anschließenden Fertigstellung- und Entwicklungspflege führte die beauftragte Fachfirma Lockwitzer Landschaftsbau eine Mahd im März des folgenden Jahres und einen Ausschnitt der Stauden im Juni 2008 (ausgeschrieben war eine Mahd) durch. In diesem ersten Jahr war das Erscheinungsbild mit dem Alliumbestand im Frühsommer bemerkenswert. Dieser Alliumbestand von 220 Stück verschwand aber bereits ab dem zweiten Jahr. Der Verlust konnte nicht geklärt werden.

Mischpflanzungen Stauden
„Schatten- und Sonnenbeet“ Grünzug Weißeritz Flosshof-Terrassen. Foto: Barbara Kemnitz

Grünfläche mit geschlossener Pflanzendecke

Die Gärtner der Landeshauptstadt Dresden übernahmen im Jahre 2009 eine Grünfläche mit geschlossener Pflanzendecke und entschieden sich dennoch für ein Ausschneiden mit Rosenschere und Freischneider, ebenso für eine Düngegabe in den Jahren 2010 und 2011 (Triabon 50 Gramm pro Quadratmeter). Weitere Düngegaben erfolgten nicht. Die dynamische Staudenmischpflanzung hat sich im Jahre 2017 gewandelt. Zu 100 Prozent flächendeckende Pflanzen sind Euphorbia polycroma und Hieracium pilosella "Niveum". Helictotrichon sempervierens "Saphirsprudel" ist fast ebenso stark vertreten. Die Arten Geranium renardii, Calamintha nepeta "White Cloude" und Platycodon grandiflorum "Mariesii" stehen locker verteilt auf zirka 80 Prozent der Fläche in einem stabilen Bestand. Vereinzelt sind Astern erhalten, hier zehn Stück Aster linosyris und neun Stück Aster dumosus "Kippenberg" (Pflanzung 90 und 110 Stück). Von Veronica austriaca "Knallblau" stehen 35 Pflanzen auf der Fläche (Pflanzung 90 Stück), von Iris-Barbata-Media "Ruby Chimes" gibt es noch vier Pflanzen (Pflanzung 180 Stück) und vom Sedum hybridum "Immergruenchen" sind aktuell sieben Bestände auszumachen (Pflanzung 220 Stück). Die Frühjahrsblüher sind nicht Teil der aktuellen Prüfung. Dass der Erhalt einer sich dynamisch entwickelnden Pflanzung nicht ohne Pflege möglich ist, zeigt der Anflug von Hopfen, wilder Clematis, eines Gelbholzhartriegels und Solidagobeständen, die entfernt werden müssen. Der kleine Bestand an Küchenschelle ist möglicherweise eingesetzt worden.

Postplatz in Dresden

Als Zwischenbegrünung konzipiert, ist eine Vegetationsfläche am Schauspielhaus im Jahr 2008 mit der Staudenmischpflanzung "Perennemix-Blütenwoge" durch die Firma HSD GmbH begrünt worden. Im Jahr 2010 setzte das Fachamt dann zwölf mehrstämmige Zieräpfel in diese Fläche. Viele der Stauden gruppieren sich seit dem um die Zierapfelheister, während die sonnigen Flächenanteile durch Hieracium pilosella "Niveum" dominiert werden. Die Gehölze haben diese innerstädtische Fläche wesentlich aufgewertet.

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Staudenmischpflanzung Dohnaer Straße im Oktober 2017. Foto: Barbara Kemnitz

Verkehrsgrün Kesselsdorfer Straße

Als Gestaltungsmaßnahme einer Verkehrsbaumaßnahme wurde im Jahr 2009 an der Kesselsdorfer Straße eine Rasenansaat in eine Staudenmischpflanzung gewandelt. Auf einem drei Meter breiten Streifen zwischen der Straßenbahntrasse und der Hauptverkehrsstraße pflanzte die Firma Dicke + Kubsch GmbH die Mischpflanzung "Silbersommer". In der Fertigstellungs- und Entwicklungspflege wurde sechsmal der unerwünschte Pflanzenwuchs entfernt, die Splittschicht wieder geschlossen und im Frühjahr die Fläche abgemäht. In den folgenden drei Jahren kam es aufgrund fehlender finanzieller Mittel zu einer Einstellung der Pflege. Erst im April des Jahres 2016 wurde aufgrund des starken Krautwachstums in Straßenrichtung erstmalig wieder eine Komplettmahd durchgeführt. Hier hatte sich Melilotus albus großflächig angesiedelt. Auch im Jahr 2017 beschränkt sich die Pflege auf eine Flächenmahd im späten Frühjahr und eine gleichzeitige Müllberäumung. Im Herbst 2017 stehen starke Bestände der vorgegebenen Sorten von Geranium renardii, Hieracium pilosella, Festuca mairei, Achillea filipendulina, Euphorbia polychroma, Knauthia macedonica,Verbascum bombycifera sichtbar und sporadische Bestände an Sedum telephium , Lychnis coronaria, eine Iris-Barbata-Art, Veronica teucrium, Aster linosyrus auf der Fläche. Vier Pflanzen der Art Gaura lindheimeri wachsen auf der 500 Meter langen Straßenbegleitgrünfläche. Die Entwicklung der Fläche zeigt einen akzeptablen Staudenbestand und wird in den kommenden Jahren konkreter dokumentiert.

Grünzug Weißeritz (Schatten- und Sonnenbeet)

Im Rahmen des EFRE-Stadtteilentwicklungsprojektes "Dresden West/Friedrichstadt" wurde 2013 der Rad- und Wanderweg bis an den Kreuzungsbereich Freiberger Straße herangeführt. Die Landeshauptstadt Dresden entschied sich gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekturbüro Frase erneut für eine Perennemix-Staudenmischpflanzung, den "Blütenschleier". Ausführende Firma war die Landschaftsbaufirma Saule. Der Rad- und Wanderweg trennt die Staudenmischpflanzungen in jeweils eine vollsonnige Fläche und eine halbschattige Fläche. Die Lichtverhältnisse führten zu einer unterschiedlichen Entwicklung der Flächen. Die Asternbestände wachsen im genannten Schattenbeet hervorragend, während sie im Sonnenbeet nur vereinzelt stehen. In den Randbereichen der Beete finden sich sehr kompakte Bestände der Art Anaphalis triplinervis "Silberregen" und Aster ericoides "Snowflurry". Beide Arten sind aus der Flächenmitte verdrängt worden. Ähnlich dem Beet am Familienspielplatz ist Wolfsmilch, hier Euphorbia cyparissias "Fens Ruby" der Flächendecker. Calamagrostis x acutiflora "Overdam" steht im Bestand wie gesetzt. Von Achillea Hybride "Schwellenburg" sind im Sonnenbeet nur zwölf Pflanzen sichtbar (Pflanzung 140 Stück). Papaver lateritium "Plena" wächst im Sonnenbeet nur noch an zwei Stellen (Pflanzung 140 Stück). Eine im nächsten Jahr zu beobachtende Art ist Salvia nemerosa "Mainacht" (Pflanzung 140 Stück/30 Stauden heute sichtbar). Auch für diese Flächen kann zu den Zwiebelgewächsen keine Aussage getroffen werden. Die Wachstumsschicht besteht im Mittel aus einer 30 Zentimeter starken Schicht aus Recyclingmaterial/Schotter, in die wurzelunkrautfreier Oberboden eingearbeitet wurde und einer Flächenabdeckung mit Kalksplitt 8/16 Zentimeter.

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Staudenmischpflanzung Farbsaum. Foto: Florian Ehrler

Verkehrsgrünflächen Dohnaer Straße

Die dynamische Staudenmischpflanzung an der Dohnaer Straße in Dresden ist ebenfalls eine Anlage im Verkehrsgrün, gepflanzt durch die Landschaftsbaufirma Kohout. Hier wählten die Mitarbeiter der Pflegeabteilung des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft im Jahr 2013 die Mischpflanzung "Silbersommer" aus. Diese Pflanzung steht im fünften Jahr und entwickelt sich sehr gut. In der Bodenvorbereitung magerte man Oberboden stark mit Sand ab (Stärke der Schicht 30 Zentimeter) und deckte die Fläche mit fünf Zentimeter Splitt in der Korngröße 8/16 Millimeter ab. Besonders stark entwickelt sich hier Knauthia macedonica. Mit den sieben Pflegedurchgängen pro Jahr wird der wenige unerwünschte Pflanzenwuchs beseitigt, die Witwenblume regelmäßig vereinzelt und zu stark überhängende oder verblühte Pflanzenteile ausgeschnitten. Diese Pflanzung ist bei minimaler Pflege zu jeder Jahreszeit attraktiv.

Spielplatz Löbtauer Straße

Für die Eingangsbereiche des Spielplatzes an der Löbtauer Straße/Ecke Schweriner Straße wählte das Landschaftsarchitekturbüro Ehrler aus Dresden im Jahr 2013 den "Farbsaum" als Staudenmischpflanzung. Diese wurde in der Artenzusammensetzung wie beschrieben in eine 30 Zentimeter starke Oberbodenschicht mit einer acht Zentimeter Splittauflage gepflanzt. Eine Bodenabmagerung wurde nicht vorgenommen. Nach einem Jahr hatte die Pflanzung bereits einen Bodenschluss erreicht. In den Jahren nach der Investition im Rahmen des Förderprogrammes der Stadtteilerneuerung fehlte den Fachkräften die Zeit für eine kontinuierliche Pflege.

Es setzten sich die stark wachsenden Pflanzen durch. Aquilegia vulgaris ist bis auf drei Pflanzen verschwunden. Die Gerüstbildner und die Füllstauden stehen gut im Bestand, während sich in den lichteren Bereichen und Randbereichen die Bodendeckerstauden vermehren. Anflug von unerwünschtem Pflanzenwuchs macht hier eine intensive Staudenpflege notwendig.

Stadtplatz in der Friedrichstadt

Als großes geschwungenes Band beschreibt das Landschaftsarchitekturbüro Kretzschmar & Partner die vier Beete auf einem Platz in der Friedrichstadt. Die Stauden- und Gehölzmischpflanzung wird dominiert von Ginster, Salix repens ssp. Argenta, Bartblume, Salbei und Spiersträuchern. Die interessante Staudenmischung dieser Sonnenbeete, mit stark wachsendem Ysop und Wolfsmilchgewächsen, Anemonen in Sorten für einen Frühjahrs- und Herbstaspekt, Verbena bonariensis, verschiedenen Gräsern, Sedum, Königskerzen, Achillea, Anthemis und Artimisia in Sorten, sich stark entwickelndes Agastache rugo "Blue Fortune" und Kniphofia uvaria "Grandiflora", um nur einige der Pflanzen zu nennen, wird in den nächsten Jahren zu beobachten und zu bewerten sein. Die Pflanzung hat die Landschaftsbaufirma Kohout ausgeführt.

Die beschriebene Entwicklung der Pflanzungen in sehr unterschiedlicher Lage und bei individueller Pflege wird weiter dokumentiert. Es ist geplant, neue Grün- und Verkehrsgrünflächen mit andersartigen Staudenmischpflanzungen zu erproben, um das Thema dynamische Staudenmischpflanzungen noch besser zu etablieren. Eine fachkompetente Pflege ist in jedem Fall Voraussetzung für eine nachhaltige Pflanzung.

 Barbara Kemnitz
Autorin

Sachbearbeiterin Planung/Projektmanagement bei der Stadt Dresden

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