Künstliche Halbinsel wird als Spiel-, Sport- und Freizeitfläche genutzt

Der Baakenpark in Hamburg

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Im vergangenen Jahr wurde der Baakenpark, eine 1,6 Hektar große Spiel-, Sport- und Freizeitinsel, in Hamburg eröffnet. Diese künstliche Halbinsel soll sich in den nächsten Jahren zum sozialen Zentrum und Erholungsort des zukünftigen Quartiers Baakenhafen entwickeln.

Zwischen den hochwassergeschützten Stadträumen und den tiefer gelegenen Kaipromaden ist der Baakenpark eine vielfältig nutzbare, leicht geneigte grüne Insel mit unterschiedlichen Niveaus. Er befindet sich inmitten der HafenCity und ist derzeit der jüngste in der Geschichte der Hamburger Parks. Die Lage im Wasser sowie das Hafennambiente mit Kaimauern und historische Pflasterbelägen sorgen für ein besonderes Flair und bringen ein Stück mehr Lebensqualität für die Hafencity.

Für die Freiraumgestaltung des Quartiers Baakenhafen wurde im Oktober 2011 ein nicht offener, zweiphasiger freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb von der HafenCity Hamburg GmbH ausgelobt. Unter dem Titel 'Urbane Freiräume für das Quartier Baakenhafen wurden Entwürfe für die Außenanlagen des Quartiers inklusive Spiel- und Freizeitinsel gesucht.

Im Rahmen des vorgeschalteten Teilnahmewettbewerbs wurden 33 Büros/Arbeitsgemeinschaften aus dem In- und Ausland zur Teilnahme aufgefordert. Für die 2. Phase wurden sechs Büros ausgewählt, die ihre Entwürfe überarbeiten sollten. Im April wurden die ersten vier Preise und eine Anerkennung vergeben. für den 1. Preis wurde das Atelier Loidl aus Berlin ausgewählt und mit der Realisierung beauftragt.

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Baakenhafen historisch

"Noch vor wenigen Jahren war der Baakenhafen ausschließlich hafenwirtschaftlich geprägt. Die Umgestaltung wird seine erfolgreiche Entwicklung hin zu einem Wasserpark in der HafenCity mit Promenaden, Warftplätzen und der grünen Halbinsel Baakenpark vollenden. Als Teil von Hamburgs "Grünem Netz" wird das Projekt bis in den Südosten Hamburgs ausstrahlen und die Lebensqualität in unserer Stadt weiter verbessern", davon ist Susanne Metz von der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen in Hamburg überzeugt.

Bis in die 60er-Jahre hinein war der Baakenhafen ein wichtiger Umschlagsort des Hamburger Hafens. Im Jahre 1887 für Seeschiffe gebaut, war das Hafenbecken geprägt von langgezogenen Kaianlagen, Hafenkränen, Schuppen und einem Eisenbahnanschluss. Mit Einführung der Container wurde der Hafenumschlag weitgehend auf die Südseite der Elbe verlagert. Der Baakenhafen verlor als Lagerort seine Funktion und wurde mit der Entwicklung der HafenCity aufgegeben. Das einen Kilometer lange Hafenbecken behielt seine imposante Form. Nur am östlichen Ende wurde es teilweise verfüllt um Platz für Wohnungsbebauung, den großen Amerigo-Vespucci-Platz zu schaffen und um die grüne Halbinsel (den Baakenpark) zu realisieren. Letztlich entsprang die Aufschüttung der Idee, dem Viertel ein Zentrum zu geben. Eine Insel sei am Anfang gar nicht vorgesehen gewesen, sagt Professor Jürgen Bruns-Berentelg, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity.

Der Baakenhafen ist das größte Hafenbecken der HafenCity; er bietet eine dichte (soziale) Mischung aus Wohn- und Freizeitnutzung, grünen Freiräumen und Arbeitsplätzen. In den kommenden Jahren entsteht rund um den ehemaligen Baakenhafen ein "urbanes Dorf" inmitten der Großstadt Hamburg. Auf beiden Seiten des Hafenbeckens entwickelt sich in den kommenden Jahren ein grünes, sozial gemischtes Wohn- und Freizeitquartier mit einem öffentlich geförderten Wohnangebot für Familien, Studenten und Senioren. Das topografische Zentrum bildet der Baakenpark, er fungiert aber nicht nur als Grünfläche, Erholungsgebiet und ästhetischer Blickfang, sondern stellt die Verbindung zwischen den nördlichen und den südlichen Quartiersteilen in der HafenCity her.

Das Parkkonzept

In ihrem Konzept für den Baakenpark haben die Landschaftsarchitekten vom Atelier Loidl aus Berlin die Hafenidee aufgegriffen. Der prämierte Entwurf lehnt sich an die Backsteinästhetik des alten Baakenhafens an. Die Jury lobte die topografisch geformte Parklandschaft als sinnhafte Ergänzung der Freiraumgestaltung des benachbarten Wohnquartiers. Die Ensemblewirkung werde durch die Weiterführung der ziegelroten Warftwände unterstützt, die in Form unterschiedlicher Elemente wie Gehstufen, Sitzstufen und Rampen auf dem Platz geschickt die Höhenunterschiede überwinden. Im Jahr 2015 entwickelten die Planer von Atelier Loidl das Konzept für einen dreiteiligen multifunktionalen Park, beraten vom Hafencity Kinderbeirat, weiter.

"Der Baakenpark besteht aus verschiedenen Plateaus. Die Besucher sollen das Gelände nicht sofort überblicken, sondern nach und nach entdecken", erklärt Felix Schwarz vom Atelier Loidl.

Die Landschaftsarchitekten vom Atelier Loidl entwickelten verschiedenartige Räume und Atmosphären. Dazu gehören dicht bepflanzte, Ruhe spendende Areale sowie Bereiche mit einer aufgelockerten Bepflanzung und vielfältigen Spiel- und Sportangeboten, darunter ein großer Spielplatz mit Klettergeräten, der unter dem Motto Treibgut von Kindern gestaltet wurde. Neben den typischen Spielgeräten wie Schaukel, Sandkiste und Rutsche gibt es im Baakenpark auch Liegewiesen, Himmelsschaukeln, Trimmdichgeräte und einen kleinen Bolzplatz. Im Westen steht für kleine und große Besucher des Baakenparks ein Kleinspielfeld, eine Obstwiese fürs Picknick, ein Streetballfeld und der "Treibgut Spielplatz" bereit. Zudem befindet sich hier eine Laufbahn für den Schulsport für die Grundschule gegenüber. Der östliche Teil wird durch den 15 Meter hohen und pyramidenartig geformten Himmelsberg geprägt. Die Lage im Wasser und das Hafennambiente mit Kaimauern und historische Pflasterbelägen sorgen für ein besonderes Flair. Im Park kann man sehr aktiv sein, man kann aber auch einfach nur dasitzen, auf die Elbe schauen oder auf die Stadt in der Ferne.

Landmarke und Sehnsuchtsort

Der Baakenpark ist ein Ort mit unvergleichbarer Lage sowie interessanten Ausblicken. Die exponierte, doppelte Wasserlage und die raue Hafenkulisse charakterisieren das Potential dieses neunen Freiraumareals in Hamburg. Historische Pflasterbeläge sowie Kaimauern, Schienen- und Krananlagen wurden als prägende Elemente gezielt mit in die Gestaltung einbezogen. Der Baakenpark erfüllt mit seinen Spielflächen, Bäumen und Wiesen eine wichtige Funktion als grünes Zentrum des neuen Baakenhafenquartiers. Inmitten eines Hafenbeckens gelegen stiftet er die Identität für zwei Quartiere. Mit den vielfältigen, prägnanten Räumen und Atmosphären wird eine Art Gegenwelt zum historisch geprägten Umfeld des ehemaligen Hafens mit seinen Kaimauern und Kränen geschaffen. Es entstanden mehrere Parkteile, die sich in Form von unterschiedlichen Höhenniveaus und Nutzungsangeboten deutlich voneinander unterscheiden. Darüber hinaus bieten sich für die Besucher überraschende und ganz unterschiedliche Durch- und Ausblicke auf das Hafenbecken und die umgebende Stadt. Erschlossen wird die grüne Halbinsel durch einen umlaufenden Weg parallel zur Uferböschung. Die Landschaftsarchitekten vom Atelier Loidl ließen die Spiel- und Grünflächen auf Plateaus mit verschiedenen Höhen anlegen. Das westliche Plateau liegt auf NHN + 7 Meter, das mittlere zwischen NHN + 8,12 Meter bis + 8 Meter und das östliche Plateau liegt auf NHN + 6,50 Meter. Es entstand eine nutzbare Fläche von insgesamt 7100 Quadratmetern.

Als übergeordnete Funktion soll der Baakenpark die Nähe zum Wasser wahrnehmbar sowie die historischen Spuren der Hafennutzung sichtbar machen. Der Hafencharakter wird dabei um zwei prägnante Landschaftsbilder bereichert: Zum einen ist die "Freizeit-Insel" ein landschaftlicher Sehnsuchtsort im Stadtquartier, zum anderen eine Landmarke mit reizvoller Topographie und üppigen Gehölzformationen, so die Erläuterungen des Atelier Loidl. Der Baakenpark hat sich schon jetzt zu einem beliebten Treffpunkt für die Bewohner und Besucher der HafenCity entwickelt.

Plateaus für sportliche Aktivitäten

Das westliche Plateau besteht aus einer 3000 Quadratmeter großen Spiellandschaft. Hier stellt der "Treibgut-Spielplatz" die Hauptattraktion dar. Er ist in unterschiedliche sogenannte "Themenkisten" aufgeteilt, die unterschiedliche Bewegungsabläufe und Spielformen ermöglichen. Darunter befindet sich eine gemütliche "Wohnzimmerkiste", eine Matsch-Kiste, eine Kiste im Aquarium-Stil sowie eine Rutschen- und Labyrinthkiste. Ein zweiter, wichtiger Bestandteil des westlichen Plateaus ist ein Kleinspielfeld (40 m x 20 m) aus Kunstrasen für den Freizeit- und Schulsport.

Mit seiner großzügigen Rasenfläche und punktuellen Spielorten ermöglicht das mittlere Plateau zahlreiche Sport- und Bewegungsaktivitäten, aber genauso besteht die Möglichkeit ein Picknick unter den Obstbäumen zu machen. Des Weiteren befinden sich auf dem Plateau drei große Himmelsschaukeln sowie eine leicht vertiefte und geschützt zwischen Bäumen gelegene Fitnessinsel mit Trainingsgeräten für alle Generationen. Dem Plateau vorgelagert gibt es eine 100 Meter Laufbahn. Der weiche EPDM-Belag der Laufbahn weitet sich über eine flache Böschung hin zu einer vielfältig nutzbaren Spielfläche inklusive eines Streetballplatzes mit zwei Körben. Die nördliche Böschung des Plateaus ist mit einer großzügigen Sitzstufenanlage aus Holz gestaltet. Ein attraktiver Aufenthaltsort, der mit Blick auf das Hafenbecken, für kleine Veranstaltungen auch als Zuschauertribüne genutzt werden kann.

Das nördliche und östliche Plateau mit seinen Rasenflächen und extensiven Wiesen in den Böschungsbereichen bietet Orte des Verweilens am Wasser. Hier ist auch die von weit her sichtbare Attraktion des Parks vorzufinden: der Himmelsberg. Pyramidenartig fällt der 15 Meter hohe künstlich aufgeschüttete Hügel an drei Seiten steil ab. Matten aus Rollrasen sowie ein Röhrichtgürtel hüllen ihn in ein grünes Gewand.

Aufschüttung einer künstlichen Halbinsel

Bevor mit dem Bau des Baakenparks begonnen werden konnte, musste zunächst die künstliche Halbinsel im Hafenbecken geschaffen werden. Dafür waren an die Bauherrin, die HafenCity Hamburg GmbH, hohe ingenieurtechnische Anforderungen gestellt. Für die Aufschüttung der neuen Halbinsel wurden 350.000 Kubikmeter Sand herbeigeschifft, um in dem ehemaligen Hafenbecken ein grünes Zentrum zu realisieren. Dafür wurden mit Laderaumsaugbaggern über mehrere Jahre, wenige Kilometer flussaufwärts vom Baakenhafen entfernt, gelber Sand der Elbe entnommen.

Markant erhebt sich zwischen den Sandflächen auf der Landzunge am östlichen Ende der HafenCity ein grüner Hügel. Er bildet den Abschluss des Parks und ist von allen Seiten sichtbar. 15 Meter hoch ist der steile, über Treppen erklimmbare Himmelsberg. Diese mit Grasmatten verkleidete Sandpyramide bietet einen vorzüglichen Panoramablick über den östlichen Teil der HafenCity und den abwechslungsreich gestalteten Park selbst.

In dem grünen Berg steckt ein komplexes Ingenieurkunstwerk, das sich harmonisch in das landschaftliche Bild des Baakenparks einfügt. Wie der gesamte Park besteht der Himmelsberg aus Elbe-Sand. Um das Baumaterial zu festigen, wurden Schicht für Schicht Geogitter eingebaut, lagenweise verdichtet und von Vlies umschlossen. Dieses lässt einerseits das Regenwasser hindurch, ist aber gleichzeitig so dicht gewebt, dass der feine Sand mit dem Wasser nicht ausgespült werden kann. Auf das Vlies wurde eine Schicht Mutterboden aufgebracht. Den Abschluss der drei steilen Partien bilden Rasenmatten, die auf Stahlgitterelementen befestigt wurden. Diese Arbeit war aufgrund der großen Steigung eine enorme Herausforderung für die Garten- und Landschaftsbauer. Damit an diesen steilen Passagen künftig niemand beim Rasenmähen abstürzen kann, gibt es Sicherungsvorrichtungen mit denen sich die Gärtner, ähnlich wie Fensterputzer, abseilen können. Der untere Bereich des pyramidenartigen Hügels ist durch Gabionen gegen Wellen und Hochwasser sowie den Anprall von Treibgut und Eisgang gesichert. Über eine Treppe aus Cortenstahlstufen gelang man auf eine Aussichtsplattform, sie bildet den krönenden Abschluss des Himmelsberges und bietet den Besuchern einen weiten Ausblick, in die HafenCity, auf die Elbbrücken und den Baakenpark.

Grüne Insel als Kontrast

Durch seine stark modellierte Topographie bildet der Baakenpark einen eindrucksvollen Kontrast zu den aus langgezogenen Kais gefassten Hafenbecken. Das pittoreske Landschaftsbild der Halbinsel wird durch die Verwendung von unterschiedlichen Habitus-Formen verstärkt. Bäume wie Eichen und Kiefern sowie Obstgehölze und Windflüchter (Wikipedia: Bäume und Sträucher, deren Wuchsform durch vorwiegend aus einer Himmelsrichtung wehenden Wind bestimmt wird.) prägen die Vegetation ebenso wie die Wildblumenwiesen und Röhrichte. Jahreszeitliche Aspekte der Gehölze und Blühwiesen ergänzen das Bild durch Baumblüten, Obstreife und Herbstfärbung sowie den ökologischen Wert als Bienenweiden. Um der Insel einen grünen Charakter zu verleihen, wurden alle über dem mittleren Tidehochwasser gelegenen Böschungsbereiche wiesenartig mit einem hohen Anteil an Gräsern und Kräutern begrünt.

Schilfgürtel für den Naturschutz

Mit dem Baakenpark ist ein neuer, hochwertiger Lebensraum entstanden. Dadurch wurde die Uferlinie verändert sowie grundlegende Gewässerfunktionen des Baakenhafens. Hoch waren daher die ökologischen Ansprüche von Seiten der Behörde für Umwelt und Energie - Abteilung Naturschutz im Zusammenhang mit der Realisierung des neu entstandenen Parks gewesen, immerhin ist durch den Bau eine 4 Hektar große Wasserfläche zugeschüttet worden.

Gewässerökologische Maßnahmen, wie die Uferbegrünung und die Anlage von Schilf-röhrichten wurden entsprechend der gestalterischen Zielsetzung des Freiraumentwurfs berücksichtigt.

Darüberhinaus wurde eine aquatische Flora und Fauna geschaffen. Sie gilt als ökologisch hochwertiger als jene an den senkrechten Kaimauern im bis zu 11 Meter tiefen Wasser. Für die Halbinsel wurden Böschungen mit kleinen künstlichen Riffen geschaffen und teilweise durch einen Schilfgürtel ergänzt. Zusätzlich bilden Gabionen unter Wasser Rückzugsorte für kleinere Fische und andere Wassertiere.

Quellen:

www.hafencity.com

www.hamburg.de/parkanlagen

www.atelier-loidl.de

Autorin

Landschaftsarchitektur & Fotografie

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