Landeshauptstadt investiert in Trendsportarten im öffentlichen Raum

Düsseldorf in Bewegung

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Bis vor wenigen Jahren wurde dem Bedürfnis von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, sich im öffentlichen Raum sportlich und spielerisch zu betätigen, weder politisch, noch planerisch angemessen entsprochen. Jugendliche galten weitgehend als lärmverursachende Problemgruppe, deren Verhalten in der Öffentlichkeit tendenziell auf Ablehnung stieß. Wer Sport treiben wollte, war mehr oder weniger gezwungen, einem Verein beizutreten und musste sich in der Regel für eine Sportart entscheiden. Die Angebote in öffentlichen Grün- und Parkanlagen beschränkten sich auf Bolzplätze, Streetballanlagen und Tischtennisplatten.

Der gesellschaftliche Trend zur Individualisierung und die zunehmende Attraktivität öffentlicher Grünanlagen führten in den letzten Jahren auch in Düsseldorf zu einer grundlegenden Wende. Dem Drang zur unverbindlichen sportlichen Betätigung unter freiem Himmel folgten unterschiedliche Trendsportarten, welche zum Teil auch spontan und ohne großen Aufwand ausgeübt werden können.

In Düsseldorf sammelte das Gartenamt erste Erfahrungen mit dem Versuch, Skatern einen Ort zu bieten, an welchem sie jenseits von Stadtplätzen ihren ambitionierten Bedürfnissen ohne Konflikte mit anderen Nutzern nachgehen konnten. So entstand bereits im Jahr 2009 im Freizeitpark an der Ulenbergstraße in enger Zusammenarbeit mit Vertretern der Skater-Szene eine in ihren Dimensionen überschaubare Skateanlage, die sich schnell größter Beliebtheit erfreute. Die zur Verfügung stehenden Kapazitäten stießen wegen des großen Interesses in relativ kurzer Zeit an ihre Grenzen. Im Jahr 2018 wurde dann im Stadtteil Eller auf Initiative des Jugendamtes einer der größten Skateparks Deutschlands fertig gestellt, welcher inzwischen bundesweit für Aufsehen sorgt.

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Ende 2014 wurde durch den Rat der Stadt Düsseldorf das Programm "Multifunktionale Sportanlagen" beschlossen. Über einen Zeitraum von zehn Jahren sollen alle zehn Stadtbezirke mit jährlich je einer multifunktionalen Sportanlage im öffentlichen Raum ausgestattet werden. Der Schwerpunkt wird dabei auf Grün- und Parkanlagen liegen. Um eine über das Stadtgebiet verteilte Vielfalt zu erreichen, kann das Angebot zwischen den Stadtbezirken durchaus variieren und den örtlichen Verhältnissen und Bedürfnissen angepasst werden. Jährlich stehen für diesen Zweck 100.000 Euro aus dem städtischen Etat zur Verfügung.

Zur Bedarfsermittlung und zur Auswahl geeigneter Flächen in den Stadtbezirken wurde im Vorfeld das Büro Danielzik & Leuchter aus Duisburg mit der Erarbeitung einer Konzeptstudie beauftragt. Diese wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Sport-, dem Garten- und dem Jugendamt erstellt und dient als Grundlage für die konkrete Planung von Einzelmaßnahmen. Außerdem sieht das Konzept eine Evaluierung vor, um zu klären, welche Trendsportarten sich langfristig bewährt haben oder korrigiert und ergänzt werden sollten.

Bisher wurden im Rahmen des Programms ein multifunktionales Spielfeld, ein Bewegungspark und eine Pumptrackanlage realisiert. Derzeit entsteht ein erweitertes Sportangebot mit einer Calisthenics-Anlage im stark frequentierten Zoopark. Eine markierte Laufstrecke wurde in dieser bei Freizeitsportlern besonders beliebten Parkanlage bereits fertiggestellt. Die Planungen für die noch ausstehenden Projekte in weiteren sechs Stadtbezirken werden kontinuierlich fortgesetzt.

Dank laufender Förderprogramme des Landes Nordrhein-Westfalen konnte und kann das Gartenamt aktuell die Rahmenbedingungen zur Ausübung weiterer attraktiver Trendsportarten innerhalb sogenannter Bewegungsparks schaffen. Auch diese Anlagen werden in öffentliche Grünflächen integriert und sollen das Angebot der mehr als 430 städtischen Kinderspielplätze gezielt mit Attraktionen für Jugendliche und auch Erwachsene ergänzen. Drei der aktuellen Projekte werden im Folgenden näher vorgestellt.

Bewegungspark Stettiner Straße

Der erste Bewegungspark in Düsseldorf wurde nach einer Bauzeit von nur zwei Monaten auf einer abgespielten Bolzwiese im südlichen Stadtteil Garath realisiert und im Sommer 2018 eröffnet. Die Anlage ist ein Gemeinschaftsprojekt des Garten- und des Sportamtes.

Neben der Sanierung der Spielwiese und eines vorhandenen Basketballkorbes wurden Geräte und bauliche Elemente zur Ausübung der Trendsportart Parkour errichtet. Ein Treffpunkt für Lauf- und Walking-Gruppen rundet das Angebot ab.

Die umgesetzte Planung war Ergebnis eines mehrstufigen Beteiligungsverfahrens, welches im Rahmen des Förderprogramms Soziale Stadt Garath 2.0 durchgeführt wurde. Die beteiligten Jugendlichen wünschten sich ausdrücklich eine moderne Sportanlage, welche über das bestehende Ballspielangebot hinausgeht. Das Gartenamt hatte bereits im Jahr 2017 erste Erfahrungen mit einer kleinen Parkouranlage im neu errichteten Stadtnaturpark Flingern gesammelt und konnte einige der dort gewonnenen Erkenntnisse in das weitaus größere Projekt in Garath einfließen lassen.

Das Ziel der Sportler, Hindernisse wie Mauern, Röhren und Plateaus in unterschiedlichen Höhen und Schwierigkeitsgraden nur per Körperkraft so schnell und effizient wie möglich zu überwinden, konnte nur durch eine intensive Zusammenarbeit des Gartenamtes mit einem Fachplaner und der aktiven Düsseldorfer Parkourszene erreicht werden. Eine Planung aus vorgefertigten Katalogelementen ohne Berücksichtigung der Bedürfnisse und Kenntnisse der späteren Nutzer hätte zwangsläufig zu einer Fehlinvestition geführt und sollte bewusst vermieden werden.

Parkour ist ein ganzheitliches Training. Es trainiert Muskeln, Koordination und Gleichgewichtssinn. Gemeinsam wurden die Bewegungsabläufe und die Konstruktion der einzelnen Elemente diskutiert und entwickelt. Der Stadt und den Parkourläufern ist es wichtig, dass jede Anlage als Unikat gestaltet wird und somit individuelle Herausforderungen bietet. An der Stettiner Straße dominieren die farblich in rot und anthrazit kontrastierenden Betonelemente, welche durch Metallstangen sinnvoll ergänzt wurden. Alle Metallteile wurden in einem aufwändigen Verfahren perlgestrahlt, um ein möglichst hohes Maß an "Grip" für den sicheren Halt zu gewährleisten. Der synthetische Fallschutzbelag wurde in der Komplementärfarbe Grün ausgeführt. Auf diese Weise ergab sich ein schlüssiges Farbkonzept.

Die entstandenen Kosten in Höhe von 140.000 Euro wurden mit einem Zuschussanteil von 60 Prozent über das Programm zur Quartierserneuerung Garath 2.0 mit Mitteln der Städtebauförderung des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert. Den städtischen Eigenanteil der Kosten übernahm das Sportamt.

Um die Akzeptanz der Nutzer zu gewährleisten und Anfängern den Einstieg in diese Sportart mit ihren anspruchsvollen Bewegungsabläufen zu erleichtern, bietet das Sportamt seit der Eröffnung des Bewegungsparks regelmäßig kostenlose Einführungsworkshops mit erfahrenen Trainern an. Um die Hemmschwelle der Zielgruppe möglichst niedrig zu halten, ist keine Anmeldung erforderlich.

Sportpark am Bunker

Mit dem integrierten Handlungskonzept Düsseldorf Rath/Mörsenbroich hat sich die Stadt Düsseldorf erfolgreich um die Aufnahme in das Förderprogramm "Soziale Stadt" des Landes Nordrhein-Westfalen beworben. Mit dem Ziel, die Stadteile Rath und Mörsenbroich besser miteinander zu vernetzen und als Grundlage für die Planung konkreter Maßnahmen, wurde im Jahr 2012 das Planungsbüro dtp aus Essen mit der Erarbeitung eines Spiel- und Bewegungsraumkonzeptes beauftragt.

Die gewünschte Vernetzung wird über den sogenannten Rather Korso erreicht, welcher seit nunmehr zwei Jahren allen Generationen beidseitig einer Bahnlinie einen sicheren und attraktiven Alltags- und Freizeitrundweg und damit einen deutlichen Zugewinn an Lebensqualität in den betroffenen Stadtteilen bietet. Bisher wurden über das Förderprogramm entlang des Rather Korsos verschiedene Einzelprojekte wie ein Kinderspielpatz, ein Bolzplatz und eine Streetballanlage realisiert.

In diesem Jahr wird das Angebot am Entrée des Korsos durch einen weiteren Anziehungspunkt, den Sportpark am Bunker in Rath abgerundet und das Gesamtprojekt damit abgeschlossen. Am denkmalgeschützten Hochbunker an der Münsterstraße wird ein generationenübergreifender Treffpunkt mit einer hohen Aufenthaltsqualität und einem vielfältigen Sportangebot entstehen. Darüber hinaus soll dieser Stadtplatz regelmäßig für kleinere Veranstaltungen und Events genutzt werden.

Die gestalterische Leitidee des Entwurfes ist die platzartige Aufweitung des Rather Korsos zum "Sportpark am Bunker". In eine Grundstruktur aus asphaltierten Wegen werden räumliche "Zellen" integriert, welche verschiedene Funktionen und Sportangebote aufnehmen werden.

Einer dieser Teilbereiche wird durch einen so genannten "Panna KO-Käfig" geprägt. In diesem signalroten Fußballkäfig treten zwei Sportler im direkten Duell gegeneinander an. Ziel der Aktion ist es, dem Gegner nach bestimmten Regeln einen "Panna" zuzufügen, das heißt, ihn bei offener Beinstellung zu "Tunneln", also den Ball durch die Beine zu spielen. Dieses Spiel wurde vom Straßenfußball abgeleitet und bewusst als Experiment in das Gesamtkonzept integriert, auch um die Tauglichkeit und Akzeptanz neuer Formen des Ballspiels zu testen. Man darf gespannt sein, ob auf diese Weise ein neuer Trend ausgelöst wird.

Eine weitere "Zelle" beinhaltet eine umfangreiche Parkouranlage. Ihre Lage an der angrenzenden Münsterstraße gewährleistet einen hohen Aufmerksamkeitsgrad mit Außenwirkung. Das Angebot besteht aus diversen Aufbauten und wurde wie in Garath als individuelle Einheit geplant und mit den Beteiligten abgestimmt. Die Planung erfolgte nach den Richtlinien der DIN EN 16899 "Sport- und Freizeitanlagen - Parkoureinrichtungen - Sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren".

Die Parkour-Plaza bildet den optischen und funktionalen Mittelpunkt des Sportparks. Im Bereich der Plaza werden Rasenflächen durch ansteigende Werksteinmauern eingefasst, welche in die Bewegungsabläufe der Parkourläufer einbezogen werden können. Ein Podest mit Parkourelementen aus Robinienholz ergänzt die Möglichkeiten für diese Zielgruppe. Eine angrenzende Treppenanlage schafft einen Zuschauerbereich für die Bühne, welche im Rahmen von Veranstaltungen Künstlern oder Tanzgruppen Auftrittsmöglichkeiten bietet.

Südlich der Bühne schließt sich eine etwas ruhigere, baumüberstandene Platzfläche an, ein Ort an dem sich alle Generationen zum gemeinsamen Boulespiel im lichten Schatten mehrstämmiger Gleditschien treffen können. Rasenflächen mit bestehenden und neuen Bäumen können im Sommer auch als Liegewiesen genutzt werden und verleihen dem Sportpark den Charakter einer Grünanlage mit Erholungswert.

Für die Realisierung des Sportparks am Bunker werden auf einer Fläche von 3000 Quadratmetern 600.000 Euro einschließlich aller Planungsleistungen investiert. Davon übernimmt der Zuschussgeber einen Förderanteil in Höhe von 60 Prozent. Die Anlage befindet sich aktuell im Bau und wird voraussichtlich im September 2019 eingeweiht.

Fitnessparcours Reusrather Straße

Körperliche Fitness wird auch in einer geplanten Anlage im Grünzug Reusrather Straße im Vordergrund stehen. Die Jugendlichen im Stadteil Wersten sollen die Möglichkeit erhalten, ihre zum Teil überschüssigen Energien sportlich auszuleben. Eine Einbindung der späteren Nutzer in den Planungsprozess war selbstverständlich. Die enge Zusammenarbeit zwischen dem beauftragten Planungsbüro Strauchwerk aus Düsseldorf und den künftigen Nutzern der Anlage soll zu einem eigenverantwortlichen und sorgsamen Umgang mit dem geplanten Angebot führen.

Im Gegensatz zu den Projekten Bewegungspark Stettiner Straße und Sportpark am Bunker wird der Bereich an der Reusrather Straße in einen bestehenden Grünzug integriert und erhält auf diese Weise einen stark naturnahen Charakter. Geplant ist der Ausbau einer Trainings- und Fitness-Sportanlage mit hoher Aufenthaltsqualität und einem breit gefächerten Angebot an Betätigungsmöglichkeiten. Der Schwerpunkt des Angebotes soll auf Wunsch der Beteiligten eher auf "Street-Workout" mit Aktivitäten wie Kraft-, Koordinations- und Ausdauertraining liegen. In diesem von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen abgesteckten sportlichen Rahmen sollen auch soziale Funktionen wie Fairness, Respekt und Toleranz vermittelt werden.

Das Entrée der Sportanlage bildet eine weitläufige, befestigte Aufenthalts- und Bewegungsfläche. An drei Seiten eines zentralen Platzbereiches grenzt jeweils ein in Funktion und Trainingscharakter eigenständiges Aktionsfeld an.

Das östliche Aktionsfeld beinhaltet als Themenschwerpunkt den Muskelaufbau und die Stärkung des Herz- Kreislaufsystems durch Ausdauertraining. Für diesen Bereich wurden zwei individuell verstellbare Geräte ausgewählt, die auch Ungeübten ein sicheres Körper- und Krafttraining zur Stärkung der Muskulatur in der Outdoor-Trainingsanlage ermöglichen.

Im südlichen Aktionsfeld lädt ein Stahlgerüst als arrangiertes Hindernis zu Parkour-Bewegungsabläufen auf unterschiedlichen Ebenen ein. Ergänzt wird dieser Bereich durch Angebote zum Balancieren und Trainieren des Gleichgewichts.

Das in der Grundfläche größte nordwestliche Aktionsfeld beinhaltet diverse Geräte für das Körpergewichtstraining und Street-Workout. Hier wird der Fokus auf den athletischen Einsatz des eigenen Körpergewichts gesetzt. Klimmzüge, Liegestützen oder Dips eignen sich auch als Einstieg für Anfänger. Übungen für Fortgeschrittene sind unter anderem "Human Flags", bei denen die Muskelkraft den Körper an einer Stange in horizontaler Lage hält.

Die Gesamtkosten zur Umsetzung des Fitnessparcours belaufen sich einschließlich der Planung auf voraussichtlich 300.000 Euro. Das Land Nordrhein-Westfalen beteiligt sich auch an dieser Maßnahme mit einem Zuschuss in Höhe von 60 Prozent. Auch diese Anlage soll voraussichtlich im September 2019 in Betrieb genommen werden.

Fazit

In Düsseldorf wurde in den vergangenen Jahren erfolgreich nach Wegen gesucht, um dem geänderten Freizeitverhalten Jugendlicher, junger Erwachsener und Familien gerecht zu werden. Mit Hilfe von Förderprojekten und dem städtischen Programm "Multifunktionale Sportanlagen" werden in den kommenden Jahren mehr als 2 Millionen Euro in Bewegungsparks und Trendsportarten investiert. Um Fehlinvestitionen zu vermeiden, ist die Einbindung der betroffenen Nutzergruppen in die Planung unverzichtbar. Darüber hinaus muss den Planern und Beteiligten ein angemessener Raum für Experimente und neue Erfahrungen zugestanden werden. Erst in einigen Jahren wird man auch mit Hilfe einer Evaluation beurteilen können, welche Trends sich dauerhaft etabliert haben und dann vielleicht zu Standards geworden sind.

Unabhängig von den aufwändig gestalteten Bewegungsparks und multifunktionalen Sportanlagen bietet das Sportamt der Stadt Düsseldorf in den Monaten Mai bis September das Programm "Sport im Park - Gemeinsam draußen trainieren" an. Das unverbindliche und kostenlose Fitnesstraining in sieben unterschiedlichen Disziplinen, wird wöchentlich unter fachlicher Anleitung in 21 öffentlichen Grünanlagen durchgeführt und lockte im Jahr 2018 mehr als 16.000 begeisterte Teilnehmerinnen und Teilnehmer ins Freie.

Dipl. Ing. Thomas Hechtle-Wacker
Autor

Sachgebietsleiter Objektplanung - Garten-, Friedhofs- und Forstamt der Landeshauptstadt Düsseldorf

Dipl.-Ing. Alexander Richter
Autor

Landschaftsarchitekt

Garten-, Friedhofs- und Forstamt der Landeshauptstadt Düsseldorf

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