Maßnahmen für biologische Vielfalt in unterfränkischem Weindorf

Der Wiesenbronner Arkadenfriedhof

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In Wiesenbronn, einem Weindorf in Unterfranken, werden aktuell in Kooperation zwischen der Gemeinde und der Wildlebensraumberatung der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) verschiedene Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität im Gemeindegebiet entwickelt und umgesetzt. Im Zuge dieser Zusammenarbeit wird Wiesenbronn als Modellgebiet etabliert, in dem beispielhaft aufgezeigt wird, wie auf kommunaler Ebene durch eigenes und freiwilliges Engagement effektiv zur biologischen Vielfalt beigetragen werden kann.
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1 Maßnahmenplan für den Wiesenbronner Friedhof. Foto: Jonas Renk

Da Friedhöfe generell - bedingt insbesondere durch ihre Strukturvielfalt und die damit verbundene große Bandbreite an Lebensräumen und Standortbedingungen für Tiere und Pflanzen - ein hohes Potenzial für die Biodiversität haben (vgl. dazu auch den Beitrag "Friedhöfe als Hotspots der Biodiversität" in der Ausgabe 11/2020), ist für den Wiesenbronner Friedhof ein Maßnahmenplan entwickelt worden, von dem bereits einige Maßnahmen umgesetzt worden sind oder derzeit umgesetzt werden. Der dortige "Arkadenfriedhof" entstand um 1600 und wurde 1849 und 1972 erweitert.

Seine Bezeichnung nimmt sich auf den historischen Säulengang Bezug, der den Friedhof am nördlichen Rand einfasst und auf das turmförmige "Predigthäuslein" ausgerichtet ist (Gemeinde Wiesenbronn 2021).

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2 Lavendel (Lavandula) ist auf zahlreichen Gräbern auf dem Friedhof zu finden. Foto: Jonas Renk
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3 Viele Winterlinden (Tilia cordata) prägen den Friedhof. Foto: Jonas Renk
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4 Wilder Wein (hier: Parthenocissus tricuspidata) an der Außenmauer der Aussegnungshalle. Foto: Jonas Renk
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5 Strukturreiche Hecke am westlichen Rand des Friedhofs. Foto: Jonas Renk

Besondere Qualitäten für die Biodiversität

In ökologischer Hinsicht weist der Friedhof auch in seinem Ausgangszustand vor der gezielten Umsetzung biodiversitätsfördernder Maßnahmen bereits einige besondere Qualitäten auf. Als prägende und wiederkehrende Elemente mit hoher Bedeutung für die Biodiversität tritt zum einen der Lavendel (Lavandula) hervor, der sich sowohl in Beeten des Friedhofs wie beispielsweise am "Predigthäuslein" als auch in Form von Grabbepflanzungen auf zahlreichen Gräbern befindet . Zum anderen sind in diesem Kontext die zahlreichen Winterlinden (Tilia cordata) besonders bemerkenswert. Die Blüten beider Pflanzen dienen einer Vielzahl verschiedener Insekten als Nahrungsgrundlage. Als Marienpflanze hat Lavendel auf Friedhöfen zudem eine besondere symbolische Bedeutung (vgl. Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. 2015). Auch Linden bieten Nektar und Pollen für Wildbienen und viele weitere Bestäuber-Insekten, die dort teilweise zudem Honigtau sammeln (vgl. Illies 2016). In den Kronen von Linden brüten außerdem häufig Vögel (vgl. LWF 2021).

Die Winterlinden im Wiesenbronner Friedhof wirken bislang vital und weisen einen günstigen Wuchs auf. Sowohl Winterlinde, als auch Lavendel haben außerdem einen entscheidenden Vorteil angesichts den Klimaerwärmung. Die Hitze- und Trockenheitstoleranz des Lavendel erklärt sich mit seiner mediterranen Herkunft und seinen Standorteigenschaften von selbst. Doch auch die Winterlinde weist unter den heimischen Bäumen eine relativ günstige Trockenheitstoleranz und Anpassungsfähigkeit auf (vgl. LWF 2021). Dadurch ist auch der gute Zustand der Winterlinden im Wiesenbronner Friedhof nachvollziehbar, während gerade im ohnehin warmen und trockenen Unterfranken immer mehr heimische Bäume im öffentlichen Raum Hitze- und Trockenschäden aufweisen und absterben.

Eine besondere Qualität stellt auch die Vertikalbegrünung an einigen Stellen an der Außenmauer der Aussegnungshalle dar. Hier wächst Wilder Wein (hier Parthenocissus tricuspidata) und Efeu (Hedera helix). Beide Pflanzen bieten ebenfalls als spät blühende Kletterpflanzen Nektar und Pollen für Bestäuber-Insekten und mit ihren Früchten Nahrung für Vögel. Am westlichen Rand des Friedhofs stellt die dort verlaufende gemischte Hecke mit ihrem Strukturreichtum und Nahrungsangebot eine weitere Besonderheit für die Biodiversität dar. Die Hecke besteht überwiegend aus Laubsträuchern wie Blutrotem Hartriegel (Cornus sanguinea), Kornelkirsche (Cornus mas), Haselnuss (Corylus avellana), Liguster (Ligustrum vulgare) und Schneeball (Viburnus opulus). Größere Hainbuchen (Carpinus betulus) wachsen darin auch als Überhalter und im Unterwuchs findet sich viel Efeu. Teilweise bilden saumartige Strukturen mit Kräutern wie Bachnelkenwurz (Geum rivale) den Übergang zum angrenzenden Rasen und stellenweise liegt Totholz in der Hecke.

Maßnahmen für mehr Biodiversität

Der Lavendel, die Winterlinden, der Wilde Wein und das Efeu bieten vielen Bestäuber-Insekten im Hoch- und Spätsommer Nektar und Pollen. Im Sinne eines möglichst durchgängigen Nektar- und Pollenangebot ist jedoch auch ein entsprechendes Blühspektrum im Frühjahr und Frühsommer wichtig. Um dem Rechnung zu tragen, ist auf den bislang recht intensiv gemähten Rasenflächen (Vielschnittrasen) vor dem historischen Arkadengang und auf dem Urnenfeld jeweils das Setzen von Zwiebeln und Knollen nektar- und pollenbildender eher niedrig wüchsiger Frühjahrsblüher vorgesehen - beispielsweise von Weinbergs-Traubenhyazinthen (Muscari neglectum) und Krokussen, denen auf Friedhöfen ebenfalls eine besondere symbolische Bedeutung zukommt (vgl. dazu Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. 2015). Auch Wildtulpen könnten in diesen Flächen gesetzt werden. Damit die Zwiebel- und Knollenpflanzen und ihre Blüten nicht durch die Rasenmahd beseitigt werden, sollte diese möglichst erst nach der Blüte beziehungsweise mit erhöhtem Mähwerk erfolgen.

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6 Auf der Rasenfläche vor dem historischen Arkadengang ist die Pflanzung von Frühjahrsblühern geplant. Foto: Jonas Renk
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7 Das Urnenfeld könnte durch die Pflanzung niedriger Heckensträucher oder Bodendeckern mit Insektenbestäubung deutlicher deutlicher eingefasst und hervorgehoben werden. Im Rasen könnten auch hier Frühjahrsblüher gesetzt werden. Foto: Jonas Renk
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8 östlicher Randbereich des Friedhofs an der Mauer im Frühjahr 2021 vor der Umsetzung biodiversitätsfördernder Maßnahmen. Foto: Jonas Renk
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9 Neugestaltung des östlichen Randbereichs an der Mauer im Sommer 2021: Beete für Insekten, dazwischen eine neue Sitzmöglichkeit, Elemente für Fledermäuse und Vögel, Wildbienen und Solitärwespen. Foto: Jonas Renk

Vor dem Arkadengang werden an dessen Stützen verschiedene Rosen mit offener (nicht-gefüllter) oder nur halbgefüllter Blüte gepflanzt. Mehrere Strauchrosen mit halbgefüllter Blüte sind hier bereits gepflanzt worden. Zusätzlich könnten hier nun zum Beispiel noch Wildrosen (z. B. Rosa rubiginosa, Rosa gallica, Rosa pimpinellifolia) gepflanzt werden.

Auf dem Urnenfeld, dessen Aufwuchs bislang aus einem recht intensiv gemähten Rasen besteht, ist neben Frühjahrsblühern auch die Pflanzung niedriger Heckensträucher oder Bodendeckern mit Insekten-Bestäubung angedacht, was auch zur deutlicheren räumlichen Einfassung des Urnenfelds dienen soll.

Am östlichen Randbereich des Friedhofs sind auf einer Fläche, auf der sich zuvor ebenfalls Vielschnittrasen vor einer hohen leeren Außenmauer befunden hatte, zwei Beete angelegt worden, über die Insekten, insbesondere Nachtfalter, gezielt gefördert werden sollen. Über die Nachtfalter als Beutetiere sollen auch Fledermäuse unterstützt werden. Hierzu ist in einem Beet eine spezielle Ansaatmischung verwendet worden, die sowohl den Samen von Kräutern enthält, die adulten Nachtfaltern, die sich vorwiegend von Nektar ernähren, als Nahrungsquelle dienen, als auch Arten umfasst, die den Raupen von Nachtfaltern als Futterpflanze dienen. So beinhaltet die Mischung beispielsweise Gewöhnliche Nachtviole (Hesperis matronalis), Weiße Lichtnelke (Silene latifolia) und Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) für die adulten Nachtfalter sowie zum Beispiel Wilde Malve (Malva sylvestris) und Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis) für deren Raupen.

In dem anderen Beet sind Stauden gepflanzt worden, durch die ebenfalls insbesondere Nachtfalter und Fledermäuse gefördert werden sollen, hier beispielsweise auch verschiedene Arten von Duftnesseln (Agastache) und Taglilien (Hemerocallis). Zwischen den beiden Beeten ist auf den Wunsch aus der Wiesenbronner Bevölkerung hin zudem eine Sitzbank installiert worden. Seitlich neben dem Ansaat-Beet wurde eine Sandlinse angelegt. Dies erfolgte als offene Sandschüttung mit ungewaschenem Sand mit eher feiner Körnung oder Sand-Löss-Mischung mit fließendem Übergang zum anstehenden Boden vermischt; Tiefe ca. 30 Zentimeter, Fläche etwa 1 Quadratmeter. Diese kann von Insekten wie beispielsweise entsprechenden Wildbienen als Nistmöglichkeit genutzt werden. Immerhin gräbt von den ca. 585 in Deutschland vorkommenden heimischen Wildbienenarten etwa die Hälfte Gänge im offenen Boden (TK-AKWK 2017 i.V.m. Scheuchl und Schwenninger 2015; Zurbuchen und Müller 2012, 57 ff.). Gleichzeitig können solche Sandlinsen von Reptilien wie Schlingnatter, Zaun- und Mauereidechse zur Eiablage und von Vögeln zum Baden genutzt werden. Um diese Funktion langfristig erfüllen zu können, muss die Bodenstelle von neuem Aufwuchs relativ offen gehalten werden. Durch liegendes Totholz am Boden, das wiederum Lebensraum und Nahrung für verschiedene Insekten bietet, ist die Sandlinse von den Beeten abgegrenzt. An der dahinter befindlichen Friedhofsmauer und der daran anschließenden hohen Außenmauer des Nachbargebäudes sind ehrenamtlich aus Holz gebaute Elemente - drei Fledermausflachkästen, zwei Nistkästen und zwei Nisthölzer für Solitär-Bienen und -Wespen in geeigneter Höhe befestigt worden. Bei letzteren Nisthilfen handelt es sich aktuell um getrocknete Eichenholzscheiben mit verschieden großen Bohrungen für entsprechende Solitär-Wildbienen und -Wespen im Stirnholz. Da in diesem Zusammenhang grundsätzlich eher Bohrungen in das Längsholz von getrocknetem Hartholz und nicht in das Stirnholz empfehlenswert sind, werden die Eichenholzscheiben, sofern es zu erheblichen Rissbildungen kommen sollte, längerfristig bei Bedarf durch Nisthölzer mit Bohrungen in das Längsholz ersetzt. Möglich wäre außerdem eine Vertikalbegrünung der Mauer zum Beispiel mittels Wildem Wein oder mittels verschiedener Arten beziehungsweise Sorten von Clematis an einem Rankgerüst, wodurch das Nektar- und Pollenangebot der Kräuter-Beete noch ergänzt werden und sich an der Mauer langfristig weitere Nistmöglichkeiten für Vögel bilden könnten.

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10 Im Staudenbeet gepflanzte Duftnessel (Agastache) mit Ackerhummel. Foto: Jonas Renk
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11 Zitronen-Taglilie (Hemerocallis citrina). Foto: Jonas Renk
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12 Thymian (Thymus) im neuen Staudenbeet am östlichen Randbereich. Foto: Jonas Renk

Im mittleren Bereich des Friedhofs ist ein gemeindeeigenes Mustergrab angelegt worden. Dieses soll als Praxisbeispiel und Inspiration für eine biodiversitätsfördernde, attraktive und pflegeextensive Grabbepflanzung dienen. Angesichts eines gewissen Trends pflanzloser oder pflanzenarmer Gestaltung von Gräbern mit Kiesflächen oder großflächigen Liegeplatten soll damit bewusst eine biodiversitätsfördernde Alternative aufgezeigt werden, die mit wenig Aufwand angelegt und erhalten werden kann. Einige trockenheitsverträgliche und pflegeleichte Stauden mit Insektenbestäubung wie Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria agg.), Dost (Origanum vulgare) und Ysob (Hyssopus officinalis) sind hier bereits gepflanzt worden und locken hier schon zahlreiche Insekten an. Die aktuell noch flächig verteilten Steine sollen zu Strukturen wie kleinen Steinriegeln zusammengelegt werden. Dazu könnte noch liegendes Totholz ergänzt werden. Einige Bodenstellen sollen bewusst offengehalten werden. Mit einer geplanten Info-Tafel, auf der auch die gepflanzten Arten benannt sind, soll die Maßnahme als Impulsgeber erklärt werden.

Die gemischte Hecke aus verschiedenen Laubgehölzen entlang der westlichen Einfriedungsmauer endet bislang vor dem Urnenfeld. In diesem bisher gehölzfreien Abschnitt der Einfriedungsmauer könnte die vorhandene gemischte Hecke fortgesetzt werden, indem einerseits Initialpflanzungen weiterer pflegeextensiver Gehölze mit Insektenbestäubung vorgenommen werden und andererseits Gehölzsukzession kleinräumig zugelassen wird.

An den drei größeren Hainbuchen, die als Überhälter in der bereits vorhandenen gemischten Hecke am westlichen Rand und an der Aussegnungshalle stehen, ist die Befestigung von Starenkästen vorgesehen, da in dem Bereich in diesem Jahr Stare festgestellt worden sind und die dortigen Bäume bislang noch keine Höhlungen aufweisen, die den Staren natürlicherweise als Niststätten dienen könnten.

Hinter den vorhandenen Hecken entlang der Einfriedungsmauern ist an zwei Stellen angedacht, bei den nächsten Schnittmaßnahmen im Herbst und Winter jeweils gezielt einen Teil des Schnittguts (belaubte Äste und Zweige) aufzuschichten und bis zum Frühjahr zu belassen, um insbesondere Igeln ein naturnahes Winterquartier zu bieten.

Gerade nach dem Winterschlaf im Frühjahr sind Igel wie auch andere Tiere nach der Überwinterung sehr durstig (vgl. Gehret 2020) und benötigen dann häufig offene Wasserstellen. Besonders in Hitze- und Trockenphasen im Sommer, wenn natürliche Wasserstellen wie Pfützen, Gräben und Tümpel ausgetrocknet sind, sind zusätzliche Wasserstellen auch für Vögel und Insekten wichtig, um dann ihren erhöhten Flüssigkeitsbedarf zu decken (vgl. LBV 2021). Vögel nutzen Wasserstellen zudem als Bademöglichkeit (vgl. ebd.).

Im Wiesenbronner Friedhof waren bislang keine zugänglichen Wasserstellen vorhanden, da die Abläufe unter den Wasserhähnen vergittert sind. Indem Wasserschälchen wie Pflanzenuntersetzer neben und in der Nähe der Wasserhähne mit frischem Wassern auf den Boden gestellt worden sind, sind den Tieren nun kleine Tränken geboten worden. Durch eine raue Oberfläche oder Steinchen und ähnlichem in den Schälchen soll verhindert werden, dass Insekten darin ertrinken. Das Wasser in solchen Schälchen sollte insbesondere im Sommer regelmäßig ausgewechselt und die Wasserschälchen ausgespült und nötigenfalls sauber gewischt werden, damit insbesondere für Vögel keine Gefahr durch bestimmte Krankheitserreger entsteht (vgl. LBV 2021). Um auf den Sinn solcher Wasserschälchen aufmerksam zu machen und Friedhofsbesucher dazu anzuregen, das Wasser in den Schälchen bei Gelegenheit zu wechseln und sie sauber zu halten, könnten kleine Schildchen neben den Schälchen angebracht werden.

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13 Sandlinse und Totholz seitlich neben der Ansaatfläche. Foto: Jonas Renk
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14 Mit dem gemeindeeigenen Mustergrab soll angesichts eines gewissen Trends pflanzloser oder pflanzenarmer Gestaltung von Gräbern mit Kiesflächen oder großflächigen Liegeplatten beispielhaft eine attraktive und biodiversitätsfördernde Alternative aufgezeigt werden, die mit wenig Aufwand vorgenommen und erhalten werden kann. Foto: Jonas Renk
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15 Erste Pflanzungen im Rahmen der Neugestaltung des gemeindeeigenen Mustergrabs: Bienen und Hummeln, Solitärwespen und Falter finden in den neu gepflanzten Stauden im Mustergrab Nektar und Pollen. Foto: Jonas Renk

Öffentlichkeitsarbeit

Um einerseits insgesamt die Friedhofsbesucher/Innen zu informieren und einzubeziehen und in der Gemeindebevölkerung Akzeptanz für biodiversitätsfördernden Maßnahmen auf Friedhöfen zu schaffen und andererseits mehr Gemeinden, Friedhofsämter und Bauhöfe für den Lebensraum Friedhof und biodiversitätsfördernde Maßnahmen auf Friedhöfen zu begeistern, erscheint viel Öffentlichkeitsarbeit erforderlich. Zur Information und Einbeziehung kann in einem ersten Schritt zum Beispiel frühzeitig der Gemeinderat in einer Sitzung und die Gemeindebevölkerung über einen Beitrag im Internet beziehungsweise im Gemeindeblatt über die Überlegungen hinsichtlich biodiversitätsfördernder Maßnahmen auf dem eigenen Friedhof informiert werden und Offenheit für konstruktive Vorschläge für den Friedhof, auch über das Thema Natur und Biodiversität hinaus, signalisiert werden.

So wurde beispielsweise in Wiesenbronn im gleichen Zuge mit der Umsetzung biodiversitätsfördernder Maßnahmen der Wunsch aus der Bevölkerung nach weiteren Sitzmöglichkeiten aufgegriffen. Auch hat im Wiesenbronner Friedhof zum Beispiel eine gemeinsame Pflanz- und Pflegeaktion mit Freiwilligen aus der Gemeindebevölkerung und im Anschluss an eine Andacht auf dem Friedhof eine Veranstaltung zur Information und zum Austausch zu den geplanten Maßnahmen stattgefunden. An beiden Veranstaltungen war der Wiesenbronner Bürgermeister federführend dabei.

Um die Ideen für mehr Biodiversität auf Friedhöfen am Beispiel des Wiesenbronner Friedhofs weiterzutragen, sind die umgesetzten und geplanten Maßnahmen auf dem Wiesenbronner Friedhof im Rahmen einer alle zwei Jahre in Unterfranken anlässlich des "Tags des Friedhofs" stattfindenden Veranstaltung umfassend vorgestellt worden. In einem Artikel der Lokalzeitung Main-Post ist nach einem gemeinsamen Pressetermin mit der Gemeinde über die Maßnahmen ausführlich berichtet worden.

Fazit und Ausblick

Viele der bereits umgesetzten und weiterhin geplanten Maßnahmen im Wiesenbronner Friedhof lassen sich auch auf andere Friedhöfe übertragen. Ohne viel Aufwand kann zum Beispiel bei Schnittmaßnahmen im Herbst

  • ein Teil des Schnittguts als Winterquartier für Igel und
  • Stammteile an geeigneten Stellen für Insekten auf dem Boden belassen werden,
  • in sonnigen Bereichen Sandstellen oder offene Bodenstellen angelegt und freigehalten werden,
  • Zwiebeln und Knollen gesetzt,
  • pflegeextensive Stauden und Sträucher gepflanzt oder Kräuteransaaten vorgenommen werden.
  • An bisher offenen Mauern können häufig pflegeextensive Vertikalbegrünungen vorgenommen oder gemischte Hecken gepflanzt werden.
  • Insbesondere in Friedhöfen, in denen keine oder wenig Höhlenbäume oder Gebäude mit geeigneten Strukturen vorhanden sind, können Vogelnistkästen, Fledermauskästen oder Insektennisthölzer an Bäumen oder hohen Wänden befestigt und regelmäßig gewartet werden.
  • Beim Fehlen anderweitiger für Tiere zugänglicher Wasserstellen können Wasserschälchen neben Wasserhähnen auf den Boden gestellt und regelmäßig nachgefüllt und gesäubert werden.

Auch die Idee eines friedhofseigenen Mustergrabs mit Info-Tafel als beispielhafte Anregung für eine biodiversitätsfördernde, attraktive und pflegeextensive Grabbepflanzung lässt sich auf viele andere Friedhöfe übertragen und kann das Engagement der Gemeinde in ihrer Vorbildfunktion für mehr Biodiversität in besonderer Weise hervorheben.

Literatur und Quellen

M.Sc. (TUM) Jonas Renk
Autor

Umweltplaner und Ingenieurökologe, freiberuflicher Fachautor und Berater für Naturschutz und Biodiversität

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