Mehr als 50 Mischungen auf möglichst unkrautfreien Böden

Nach dem Prinzip der Natur - heimische Stauden-Pflanzungen

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Heimische Arten Pflanzkonzepte
Abb. 1: Veitshöchheimer Silbersommer. Er enthält laut Rezept 30 Pflanzenarten. Davon sind immerhin sieben heimisch. Der Rest sind nichtheimische Sorten oder fremdländische Arten. Er ist unter den konventionellen Pflanzungen eine der bewährtesten Staudenmischungen. Das liegt am höheren Anteil von heimischen Arten. Im Bild eine über 20 Jahre alte Pflanzungen die immer noch gut aussieht. Foto: Thomas Mulzer
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Abb. 2: Veitshöchheimer Blütenzauber. Von den 22 Arten dieser Freiflächenmischung sind nur zwei heimisch, Felsen-Fingerkraut und Kleinblütige Bergminze. Der Rest sind Sorten oder Arten aus aller Welt. Man sieht an dieser Schaupflanzung auch gleich die Problematik etlicher solcher konventioneller Zusammenstellungen: große Lücken in der Pflanzung und relativ wasserbedürftig. Die Haltbarkeit von Stauden-Mischpflanzungen mit wenigen heimischen Vertretern ist deshalb begrenzt. Manchmal schon nach fünf, spätestens nach zehn Jahren haben sie ihr Optimum überschritten. Foto: Reinhard Witt

Wir dürfen nun schon einige Jahre auf Stauden-Mischpflanzungen zurückschauen. Ein durchaus erfolgreiches Prinzip, um mehr Vielfalt und Abwechslung ins öffentliche Grün zubringen. Viele Kommunen nahmen mit großer Begeisterung die von verschiedenen Fachhochschulen entwickelten Staudenmischpflanzungen auf. Das ist zu begrüßen, denn gerade im öffentlichen Grün befinden sich artenreiche und ästhetisch ansprechende Staudenpflanzungen seit Jahrzehnten auf dem Rückzug. Genauso gut eignen sich solche Rezepte aber auch für größere Flächen im eigenen Garten.

Das Konzept der Stauden-Mischpflanzungen sieht für unkrautfreie Flächen eine bunte Mischung verschiedenster Stauden vor. Es handelt sich um durchdachte Rezepte, die unabhängig von der Fläche umgesetzt werden können. Vorteile sind:

  • unkompliziert in Planung und Pflanzung
  • attraktiv und langblühend durch Zwiebeln und Stauden
  • gegenüber herkömmlichen Staudenpflanzungen kostengünstiger
  • einfache Pflege durch Mähen einmal im Jahr
  • wesentlich längere Haltbarkeit als konventionelle Beete

Derzeit sind über 50 verschiedene Varianten im Umlauf - und es kommen jedes Jahr neue hinzu. Der Bund der deutschen Staudengärtner empfiehlt auf seiner Webseite alleine 41 verschiedene Mischungen. Sie heißen Pink Paradiese, Präriemorgen, Indiansommer, Schattengeflüster, Blütenchill, Blütenzauber, Blütenserenade oder Wintersilber. Verschiedene Anbieter haben sich ganz auf dieses Thema ausgerichtet und verschicken gleich komplette Zusammenstellungen, die jedoch oft vom Grundrezept abweichen. Man verliert also leicht den Überblick.

Konventionelle Stauden-Mischpflanzungen

Das Prinzip dieser konventionellen Stauden-Mischpflanzungen ist in der Regel:

  • möglichst unkrautfreie Böden
  • Mulchschicht aus Splitt
  • der Einsatz von vielen Sorten
  • oft viele fremdländische Arten aus aller Welt

Das bedeutet einen manchmal sehr hohen Pflegeaufwand, vor allem, wenn die Substrate doch nicht ganz unkrautfrei waren oder in unkrautverseuchten Oberboden gepflanzt wurde, wie ich im Buch Nachhaltige Pflanzungen und Ansaaten dokumentiert habe. Auch fallen bei verwendeten Hybriden oder Sorten die Arten oft nach einigen Jahren aus. Es bleiben Lücken, die sich nicht selbsttätig wieder schließen können und verunkrauten. Dies gilt verstärkt bei Rezepten, die stark auf empfindlichen und anspruchsvollen Stauden basieren. Oft geraten diese konventionellen Mischpflanzungen auch dadurch an ihre Grenzen, dass sie nicht genügend gewässert werden können, was zunehmend öfters der Fall ist. Das bedeutet, dass die Haltbarkeit, die Effekte und die Schönheit der meisten Stauden-Mischpflanzungen begrenzt sind. Sie liegt je nach Zusammenstellung zwischen fünf und zehn Jahren. Dann müssen große Teile oder die ganze Fläche erneuert werden.

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Abb. 3: Naturgarten-Blütensteppe rot-weiß auf einem Kreisverkehr in Hockenheim. Durch die Einsaat von einjährigen Schnellentwicklern wie dem Nelkenleimkraut entstehen solche Bilder schon drei Monate nach der Anlage Der Flächenschluss verhindert zudem eine Verunkrautung von außen. Das ist pflegeleicht. Foto: Matthias Degen
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Abb. 4: Naturgarten-Blütensteppe rot-weiß auf dem Rathausplatz in Ludwigsburg. Die gleiche Zusammenstellung wie oben und etwa gleich alt. Und doch völlig anders. Bei diesem Projekt hat sich die Bittere Schleifenblume als Einjährige gegenüber dem ebenfalls eingesäten Nelkenleimkraut durchgesetzt. Das ist nicht schlechter, nur anders. Das Foto zeigt den Juni. Foto: Michael Kamps
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Abb. 5: Zwei Monate später ist die weiße Blütenwelle durch. Die Schleifenblume macht Samen. Es wird braun. Das muss man aushalten. Oder man reißt aus ästhetischen Gründen die Samenstände heraus. Aber es bleibt spannend. Kommt hier noch mal was? Wir warten. Foto: Michael Kamps
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Abb. 6: Im September fängt es erneut an zu blühen. Die Bittere Schleifenblume hatte sich ausgesät und erst jetzt kommt Wildes Löwenmaul aus der Ansaat in seine Blüte. Diese Dynamik entsteht nur durch die Ansaaten. Foto: Michael Kamps

Heimische Zusammenstellungen punkten im Langzeitversuch

Zwar können konventionelle Staudenmischpflanzungen wie Silbersommer aus Veitshöchheim oder die Heimische Blütensteppe aus Bernburg wesentlich älter werden, aber die Ursache für ein Altern in Schönheit liegt dann oft am höheren oder sogar überwiegendem Anteil von heimischen Wildpflanzen. So weist Silbersommer etwa 25 Prozent heimische Arten auf, die Bernburger Heimische Blütensteppe sogar 90 Prozent.

In der Langzeitbeobachtung fallen also Rezepte mit nicht heimischen Vertreten besonders schnell aus, während die heimischen Zusammenstellungen grundsätzlich robuster sind.

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Abb. 7: Naturgarten-Blütensteppe blau-weiß-gelb nach einem Jahr. Aus der Ansaat in Berlin stammt Steppensalbei. Die gelbe Skabiose wird gepflanzt, hat sich aber schon ausgesät. Foto: Renate Froese-Genz
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Abb. 8: Naturgarten-Blütensteppe rot-weiß nach zwei Jahren. Wieder in Berlin, Die durch die Ansaaten entstandene Dynamik hat sich beruhigt. Es ergibt sich ein harmonisches Miteinander von gepflanzten und angesäten Arten. Foto: Renate Froese-Genz
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Abb. 9: Naturgarten-Blütensteppe blau-weiß-gelb nach drei Jahren. Man kommt sich bei dieser Berliner Projekt vor wie in einer Blütensteppe. Wogende Gräser inmitten zahlreicher Blüten. Der Pflegeaufwand ist nun sehr gering. Foto: Reinhard Witt
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Abb. 10: Naturgarten-Blütensteppe blau-weiß-gelb im 3. Jahr. Auf dieser Fläche in Oberbayern blüht die Ansaat von länger zu Keimung brauchenden Stauden wie Wiesenschlüsselblumen. Im April kann es einen gelben Teppich geben. Solche Bilder hätte man über keine Staudenpflanzung generieren können. Daneben die zu dieser Jahreszeit typischen Geophyten. Foto: Reinhard Witt
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Abb. 11: Naturgarten-Blütensteppe blau-weiß-gelb im 4. Jahr. Ein Verkehrskreisel im hessischen Kefenrod. Die Dynamik durch die einjährigen Einsaaten ist weitgehend durch. Sie sind noch da und können schnell Lücken füllen, wenn diese durch Hitze, Trockenheit oder hineingefahrene Autos neu entstehen. Aber spannend ist, wie sich die gepflanzten Arten verhalten. Säen Sie sich auch aus? Und wenn ja, welche und wie viel? Hier sieht man, dass Genfer Günsel die Chance genutzt hat. Er wurde mit wenigen Exemplaren gepflanzt und hat sich stark verbreitet. Ein Hummelschwarm. Foto: Reinhard Witt
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Abb. 12: Naturgarten-Blütensteppe blau-weiß-gelb im 9. Jahr. Der gleiche Verkehrskreisel. Solche Bilder muss man akzeptieren, denn im September ist die große Blütenwelle durch. Jetzt werden Samen produziert und geerntet. Alles voll mit samenfressenden Distelfinken. Erst nach dem Winter wird gemäht. Und wie sieht der nächste Sommer aus? Wird das überhaupt noch was? Foto: Reinhard Witt

Pflanzung plus Ansaat ist erfolgreicher

Nun gibt es neben den beiden genannten Mischungen mit heimischen Arten zwei weitere heimische Stauden-Mischpflanzungen. Sie basieren auf ganz anderen Prinzipien. Sie heißen Naturgarten-Blütensteppe und wurden 2008 von Reinhard Witt unter Mithilfe von Cassian Schmidt, Wolfram Kircher, Martina Föhn und Philipp Schönfeld erstellt. Bitte nicht mit der ähnlich heißenden heimischen Blütensteppe verwechseln, die von Wolfram Kircher entwickelt wurde.

Die heimische Naturgarten-Blütensteppe unterscheidet sich von allen oben genannten konventionellen Zusammenstellungen deutlich:

  • Sie verwenden im Schwerpunkt heimische Arten, die sich generativ vermehren können.
  • Sie werden ausschließlich auf unkrautfreien Substraten angelegt, die rein mineralisch sind und aus Kies, Sand oder Schotter bestehen.
  • Es wird nicht gemulcht. Das Pflanzsubstrat ist gleichzeitig das Aussaatsubstrat. Die Substrate enthalten immer den Nullanteil (0/8 mm, 0/16 mm, 0/32 mm), so dass man auf diesen Substraten zusätzlich zur Pflanzung aussäen kann. Es soll also nichts verhindert werden, sondern etwas ermöglicht werden.
  • Da gleichzeitig ausgesät wird, kann die Pflanzendichte auf empfohlene vier Stauden pro Quadratmeter reduziert werden, was kostengünstiger ist.
  • Man kann sie bis auf das gelegentliche Nachjäten unerwünschter invasiver Arten also lange Zeit sich selber überlassen. Sie sind robust und unempfindlich.
  • Sie brauchen keine Düngung, Nachmulchen oder sonstige aufwendige Betreuung.
  • Einmal von der Etablierungsphase der Ansaaten abgesehen, müssen und sollen diese heimischen Stauden-Mischpflanzungen nicht gegossen werden.
  • Sie können sich wegen der Verwendung der heimischen Arten aus sich selbst heraus regenerieren und halten so lange Zeit durch. Selbst das Vertrocknen nach einer Hitzeperiode überleben sie dank natürlicher Regenerationskräfte der Arten oder aus ihrer Samenbank.
  • Sie eignen sich also besonders für extensive Bereiche, die wenig gepflegt werden können oder sollen.
  • Sie zeigen aufgrund der Ansaaten eine besonders schnelle und dynamische Entwicklung. Schon nach drei Monaten kann die Fläche komplett bewachsen sein.

Schwerpunkt heimische Arten

Die hier vorgestellten Zusammenstellungen der Naturgarten-Blütensteppe werden in zwei Farbkompositionen angeboten: Schwerpunkt mit den Blütenfarben

  • rot und weiß
  • blau, weiß und gelb

Beides gibt es noch dazu in zwei Varianten. Je nach persönlicher Ausrichtung kann dabei die rein heimische Variante oder die mit Sorten gewählt werden. So lassen sich trotz verschiedener Ansatzpunkte, Anschauungen und Meinungen verlässliche heimische Zusammenstellungen finden. Sowohl für "reine" Naturgärtner als auch für "konventionelle" Staudengärtner besteht hiermit ein attraktives Angebot. Verbesserungsvorschläge und regionale Anpassungen sind erwünscht und nötig. Auch werden nicht in jedem Fall alle der Arten zu bekommen sein. Es ist Ziel dieser Veröffentlichung, dass möglichst viele Institutionen, Kommunen und Privatleute diese Vorschläge weiter in der Praxis ausprobieren.

Substrate für die Naturgarten-Blütensteppe

Grundvoraussetzung sind unkrautfreie Substrate ohne Wurzelunkräuter. Die Naturgarten-Blütensteppe basiert auf dem Artenspektrum von Trockenstandorten, die besonders schönblütig und pflegeleicht sind, was gerade im öffentlichen Bereich oft gefragt ist. Beide Mischungen sind für magere. trockene Standorte konzipiert, zum Beispiel für Verkehrsinseln, Straßenränder, Parkplätze und ähnliche mineralische oder Rohbodenstandorte. Oft sind solche Standorte bauseits durch den Wegebau bereits vorhanden, wodurch folglich keine zusätzlichen Maßnahmen getroffen werden müssen.

Immer aber auf unkrautfreie Böden achten, sonst funktionieren die Rezepte garantiert nicht. Gängige Ausgangsmaterialien sind Kies, Schotter, Recyclingbruch. Wichtig für die Ansaat ist eine Korngrößenverteilung mit Nullanteil, etwa 0/16, 0/22, 0/26 oder 0/32 Millimeter. Auch Grubensand 0/4 oder Kiessand 0/8 Millimeter sind geeignet, allerdings basieren die Vorschläge auf kalkreicheren Substraten. Es muss also ein kalkreicher Sand sein. Wir haben die Naturgarten-Blütensteppen aber auch schon erfolgreich auf unkrautfreien Baumsubstraten angelegt. In die oberen 2-5 Zentimeter wird zur Unterstützung der Ansaat jeweils gütegesicherter, zertifizierter Grünschnitt-Kompost eingearbeitet, je nach Region 2-4 Zentimeter.

Pflanzzeiten

Man kann heimische Stauden-Mischpflanzungen bei frostfreiem Boden das ganze Jahr über anlegen. Auch darf ganzjährig gesät werden. Optimale Zeitpunkte sind natürlich Frühling und Frühsommer, da sich hier noch im gleichen Jahr Erfolg zeigt. Zwiebeln werden im Herbst zwischen die Stauden gesteckt. Sie werden - bunt gemischt und gleichmäßig über die gesamte Fläche verteilt - einzeln und weit über die Fläche verteilt in vorbereitete Löcher gepflanzt.

Pflege

Einige Dinge sollte man beachten:

  • Ansaatflächen die ersten Monate gründlich jäten. Trotz Unkrautfreiheit der Substrate treten immer wieder Einjährige und auch Wurzel- und Dauerunkräuter auf.
  • Diese Entwicklungspflege sollte für die ersten zwei bis drei Jahre jährlich zwei bis drei Mal durchgeführt werden, um einfliegende Samenunkräuter oder übersehene Wurzelunkräuter von vornherein auszumerzen.
  • Die Mischungen müssen (vorzugsweise im Spätwinter vor Beginn des Zwiebelaustriebes) nur einmal jährlich mit Balken oder Fadenmäher gemäht werden. Das Mähgut darf nicht liegen bleiben. (Halb-)Gehölze sind von der Mahd auszusparen. Nur in schneereichen Regionen sollte eine Herbstmahd erfolgen, ansonsten ist der Winterstand der trockenen Stauden und Gräser bis zum Austrieb der Zwiebeln im Februar/März/April zu bevorzugen. Manche Kommunen mähen dennoch zweimal. Die Mahd Ende Juli sorgt für eine ansprechende Zweitblüte ab September, die zweite Mahd erfolgt dann zwischen Oktober und März/ April.

Artenzusammensetzung

Wir haben für Sie zwei gut funktionierende Standardrezepte aufgeschrieben. Sie stehen zum Download auf unserer Webseite bereit: naturgartenplaner.de/staudenmischpflanzungen/

Mehr Details zu Staudenmischpflanzungen und Beispiele von den heimischen Varianten finden sich in der 5. Auflage von Nachhaltigen Pflanzungen und Ansaaten.

Vergleich nichtheimische/heimische Mischpflanzungen

Die heimischen Varianten der Naturgarten- Blütensteppe wurden seit 2008 bundesweit auf zahlreichen Standorten, Böden und Regionen praxisgetestet. Im direkten ästhetischen Vergleich punkten nichtheimische und heimische Mischpflanzungen von Frühling bis Frühsommer etwa gleich gut. Danach sehen nichtheimische Mischpflanzungen, vor allem nach dem Hochsommer, meist besser aus, da sie attraktivere Sorten auch von Spätsommer- und Herbstblühern erhalten. Diese ästhetische Lücke kann zumindest teilweise durch eine Hochsommermahd im Juli bei den heimischen Mischungen vermindert werden.

Nichtheimische Staudenmischpflanzungen zeichnen sich durch größere Einheitlichkeit und Vorhersagbarkeit aus. Sie kommen in der Regel genauso, wie bestellt und gepflanzt. Doch weil viele Sorten nicht (so) fertil sind, um sich ausreichend reproduzieren zu können, weil sie stärker altern und einige Kulturarten/Sorten ganz ausfallen, nimmt ihre Qualität und Schönheit mit den Jahren ab. Das ist ein Nachteil.

Bei heimischen Mischpflanzungen ist das geradezu gegenteilig. Sie zeigten sich an keinem der Standorte gleich. Individuelle Unterschiede der Substrate, der Pflanzengruppierung und auch der Pflege führten trotz gleicher Ausgangsbasis sehr schnell zu unterschiedlichen Ergebnissen. Jeder Standort entfaltet sein eigenes Bild. Dies wird besonders durch die Einsaaten von Einjährigen und Stauden in die Pflanzlücken bedingt, die eine große anfängliche Schönheit und erlebbare Dynamik in die heimischen Mischpflanzungen bringen. Durch sie und die Aussaat und Verbreitung der fertilen gepflanzten Stauden, aber auch durch die Sukzession der ganzen Pflanzengemeinschaft verändert sich das Bild noch stärker. Keine heimische Mischpflanzung ist bei identischer Anfangsrezeptur einer anderen vergleichbar. Das ist kein Nachteil, sondern ein großer Vorteil, da die heimischen Stauden in der Lage sind, sich eigenständig zu vermehren und so eine jeweils standortspezifische Entwicklung nehmen. Wir halten fest: Heimische Mischpflanzungen sind anpassungsfähiger und entwickeln sich vielfältiger als nichtheimische. Diese Fähigkeiten sind in Klimawandel-Zeiten stärker gefragt als je zuvor.

Heimische Mischpflanzungen schneiden in Bezug auf Nachhaltigkeit besser ab als nichtheimische Pflanzungen. Aus den hier vorgestellten Beispielen können sich bei guter Pflege hingegen langfristig erfolgreiche, kosten- und zeitsparende Trockenstandorte mit Staudenbeetcharakter entwickeln. Bei schlechter Pflege haben sie die Chance ausdauernde, stabile Blumenwiesen zu werden.

Heimische Arten Pflanzkonzepte
Abb. 13: Naturgarten-Blütensteppe blau-weiß-gelb im 10. Jahr. Es zeigt sich der immense Vorteil von heimischen, trockenheitsangepassten Wildpflanzen. Dieser Kreisel wurde nie gegossen, auch in den Hitzesommern 2018, 2019 und 2020 nicht. Trotzdem steht er überwältigend da. Doch die Bilder ändern sich jedes Jahr. Denn alle Wildpflanzen können sich verbreiten und aussähen wie dieser Färberginster und entfalten ihre eigene Dynamik. Foto: Reinhard Witt

Herausforderungen der Zukunft

Die speziell auf heimische Arten auslegte Naturgarten-Blütensteppe deckt dabei die drei wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit und Zukunft ab. Das macht sie unverzichtbar.

  • Artenschutz: Der hohe oder sogar ausschließliche Anteil heimischer Arten sorgt verlässlich für hohe tierökologische Nutzung. Wobei es längst nicht nur um die maximal 10 Prozent der Blüten besuchenden Insekten geht, sondern um die 90 Prozent der blattfressenden Insekten. Sogar hochspezialisierte Arten finden hier ihre spezifischen Futterpflanzen. Das ist eine deutliche Antwort auf das Artensterben. Von nicht-heimischen Zusammenstellungen profitieren hingegen maximal 10 Prozent unserer pflanzenfressenden Insekten, in der Regel unspezialisierte Blütenbesucher.
  • Biodiversitätsschwund: Heimische Stauden-Mischpflanzungen im öffentlichen und privaten Grün tragen zur Biotopvernetzung bei. Sie fungieren als Trittsteine für wandernde Wildpflanzen und Tierarten und helfen so, das löcherige Wildpflanzen-Verbundnetz im Siedlungsraum zu regenerieren.
  • Klimawandel: Sie sind eine Antwort auf immer extremere Witterungsverhältnisse. Weil sie nicht gegossen werden müssen, vertrocknen können und sich trotzdem von alleine wieder regenerieren, hatten sich auch Dürrezeiten und -jahre aus. Das macht sie verlässlich und pflegeleicht.

Ganz zum Schluss noch ein Bezugsquellentipp. Inzwischen gibt es einige Anbieter, die beide vorgestellte Heimischen Naturgarten-Blütensteppen im Staudenpaket verkaufen. Leider aber ohne Ansaaten. Das kann aber nicht so gut funktionieren. Wenn Sie beim Zwiebelkuchen das Mehl weglassen, wird es - was? Also lieber mit Ansaat. Und mit Zwiebeln sowieso.

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Abb. 14: Naturgarten-Blütensteppe blau-weiß-gelb im 10. Jahr. Dieses Foto belegt die zentrale Rolle der Einsaaten und die noch wichtigere Funktion von Einjährigen in den Einsaaten. Nelkenleimkraut war schon lange fast verschwunden. Nachdem der Hitzesommer 2019 Lücken in den Bewuchs brannte, hat es wieder Platz gefunden, den es mit Schönheit zu füllen gilt. Bevor das Unkraut schneller ist. Foto: Reinhard Witt

Anmerkung:

Spezielle Fachtagung "Insektenfreundliche Pflanzungen" vom 10.-12.Dezember 2021.
Mehr Infos: www.naturgarten-intensiv.de

Literatur

  • Witt/Kaltofen: Klimawandel: Fluch oder Chance? Erfahrungen und Lösungen aus naturgärtnerischer Praxis. Nutzgarten Verlag, 2020.
  • Witt: Nachhaltige Pflanzungen und Ansaaten. Kräuter, Stauden und Sträucher. 5. Auflage, 2020, Naturgarten Verlag.

Bestellung über Buchshop von www.reinhard-witt.de

Dr. Reinhard Witt
Autor

Freiberuflicher Biologe, Journalist und naturnaher Grünplaner

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