Porträt 1000-jähriger Baumarten IV: Stiel- und Trauben-Eiche

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Abb.1: Eichen-Solitär in Herbststimmung. Foto: Andreas Roloff
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Abb. 2: Unterscheidung Trauben- (l-) und Stiel-Eiche (r.) am Blatt (US: Blatt-Unterseite). Grafik: Andreas Roloff
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Abb. 3: Unterscheidung Stiel- (l.) und Trauben-Eiche (r.) am Fruchtstand. Foto: Andreas Roloff

Nach der Vorstellung der 1000-jährigen Baumarten Ess-Kastanie, Ginkgo, Sommer- und Winter-Linde (Roloff 2018 a,b, 2019) sollen hier nun zwei weitere langlebige Baumarten behandelt werden: Stiel- und Trauben-Eiche (Quercus robur und Q. petraea). Sie waren 1989 sowie 2014 Baum des Jahres (www.baum-des-jahres.de) und sind für die Stadt und freie Landschaft sehr attraktive Baumarten, aber auch in der Forstwirtschaft beliebt. Natürlich kennt "die Eiche" jeder, aber um welche der beiden häufigsten heimischen Eichenarten es sich im Einzelfall handelt, ob Stiel- oder Trauben-Eiche, das ist dann schon schwieriger. Denn die Unterscheidung fällt selbst Fachleuten gelegentlich schwer.

Welche Unterscheidungsmerkmale zeigen, ob es eine Trauben- und eine Stiel-Eiche ist? Dendrologen sind sich einig, dass es alleine mit einem einzigen Merkmal nicht geht. Man benötigt vielmehr mindestens drei, aber welche drei Merkmale das sind, darüber gehen die Meinungen etwas auseinander. Da wir uns am Institut seit über 25 Jahren mit dieser Frage befassen, dazu nachfolgend der aktuelle Stand (Abb. 2).

Charakteristika, Erkennungsmerkmale

Wenn man einen Baum beziehungsweise seine Blätter nun nach diesen Eigenschaften kontrolliert, kann es also immer nur 3:0 oder 2:1 für Stiel- oder Trauben-Eiche stehen und nie unentschieden ausgehen. Ganz zufrieden kann man natürlich damit nicht sein, wenn zur Baumarten-Unterscheidung mindestens drei Merkmale nötig sind.

Und wenn man Früchte findet (was eigentlich bei älteren Bäumen fast immer klappt, da man die Früchte entweder noch unreif oder reif am Baum findet oder vom letzten Herbst auf dem Boden darunter liegend), ist die vierte Frage hilfreich (Abb. 3).

Sind die Früchte über 2 Zentimeter lang gestielt und am Stiel verteilt? Ja bei Stiel-Eiche, nein bei Trauben-Eichen: bei diesen sind sie fast ungestielt und zu einer Traube zusammengedrängt. Die beiden Eichen haben ihren deutschen Namen Stiel- und Trauben-Eiche also von der Frucht, nicht vom Blatt - das ist wichtig, denn sonst müsste die Trauben-Eiche wegen der lang gestielten Blätter Stiel-Eiche heißen.

Dann kann es allerdings auch 2:2 ausgehen, und es könnte ein Hybrid zwischen beiden Eichenarten sein (siehe weiter unten).

Der Habitus von alten Stiel- und Trauben-Eichen unterscheidet sich kaum. Sie beeindrucken im Alter durch eine mächtige breite Krone (zumindest wenn sie freistehen, bei Bäumen im Wald hingegen hängt es von der Bestandesbehandlung ab) mit knickigen dicken Ästen (Abb. 4). Daran erkennt man die Eichen auch von weitem gut. Die Trauben-Eiche neigt etwas mehr zum geraden durchgehenden Stamm, weshalb sie in der Forstwirtschaft beliebter ist, denn dort geht es ja vor allem um die Stammqualität, und ein gerader Stamm erzielt höhere Preise.

Interessant ist, dass viele der in Baumbüchern genannten besonders dicken Trauben-Eichen bei einer genauen Kontrolle Stiel-Eichen sind. Daran merkt man erneut, dass die Unterscheidung selbst Fachleuten Probleme bereitet. So waren von acht Naturdenkmal-Trauben-Eichen, die extra deshalb aufgesucht wurden, sechs Stiel-Eichen - also waren 75 Prozent falsch benannt. Wie beispielsweise die berühmte Dunie-Eiche bei Uslar im Solling, die in Fachbüchern und Publikationen mit einem Stammumfang von 7,90 Meter oft als dickste Trauben-Eiche der Republik genannt und beworben wird - auch dies ist allerdings eine Stiel-Eiche und somit hochgradig peinlich.

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Abb. 4: Trauben-Eiche (oben) als zentraler Dorftreffpunkt. Foto: Andreas Roloff
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Abb. 5: Queen Elisabeth I-Oak, Europas dickste Trauben-Eiche bei Midhurst, Sussex, UK. Foto: Andreas Roloff
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Abb. 6: Ivenacker Eichen: Deutschlands stärkste vollstämmige Stiel-Eiche. Foto: Andreas Roloff

Daraufhin habe ich mich bei meinen Recherchen lieber nicht weiter in Deutschland, sondern im Ausland umgesehen. Und siehe da: Aus England wurden mir phänomenale über 4 Meter dicke Trauben-Eichen genannt, die deutlich über 1000 Jahre alt sein dürften. Und so machte ich mich auf die Reise zum Trauben-Eichen-Methusalem, dem mit fast 14 Meter Stammumfang dicksten Exemplar Europas in England (Abb. 5). Diese Bäume sehen besonders eindrucksvoll aus, da die Krone nur noch aus einem dichten Kranz von Ästen in 3-5 Meter Höhe am Stamm besteht, alles darüber nach und nach abgestorben ist, auch das Stamminnere, es steht nur noch ein großer Teil des äußeren Stammmantels.

In den hohlen Stamm der dicksteTrauben-Eiche, des englischen Nationalerbe-Baums 'Queen Elizabeth I Oak' mit 4,30 Meter Stammumfang, passt ein Tisch mit zehn Stühlen. Sie steht zusammen mit vielen anderen Uraltbäumen im Cowdray-Park bei Midhurst, Sussex, und ist ein einmaliges Erlebnis. Hier spürt man ganz besonders intensiv, was der Spruch bedeutet: Eichen kommen 300 Jahre, stehen 300 Jahre und vergehen 300 Jahre - es können also auch jeweils 400 Jahre sein. Die stärksten vollstämmigen Stiel-Eichen in Deutschland sind die sehr bekannten Ivenacker Eichen bei Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern) mit über 11 Meter Stammumfang.

Bei den Eichen gibt es wie bei Pappel und Weide sogenannte Absprünge - die Bäume werfen im Sommer ganze Zweige mit grünen Blättern ab, um die Verdunstungsfläche zu reduzieren, wenn es zu trocken wird. Das macht dann gelegentlich (wenn es massiv auftritt) den Eindruck einer Krankheit, ist aber keine, sondern eine Art Schutzreflex zur Herabsetzung der Blattfläche in Trockenperioden. Das untere Ende dieser Absprünge sieht einem Gelenk ähnlich, man erkennt bei genauem Hinsehen die glatte Narbe an der abgeworfenen Triebbasis.

Bei Eichen treten regelmäßig bis in höheres Alter Johannistriebe auf (ein zweiter Austrieb ab dem Johannistag 24.6.). Sie erscheinen, wenn die Bäume gut belichtet stehen und kein Wassermangel herrscht und können genauso lang werden wie die Frühjahrstriebe.

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Abb. 7: Zweigabsprünge unter einer Trauben-Eiche. Foto: Andreas Roloff
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Abb. 8: Hirschkäfer auf morschem Eichen-Holz. Foto: Andreas Roloff

Eichen sind als Pfahlwurzler bekannt, das heißt es entwickelt sich über lange Zeit eine steil nach unten wachsende Hauptwurzel, die Bäume sind daher hervorragend verankert, so dass sie sehr sturmfest werden. Die Wurzel erreicht Tiefen bis 10 Meter. Empfindlich sind Eichen allerdings (dazu gibt es gerade in der jüngeren Vergangenheit eindrucksvolle Beispiele), wenn an ihrem Standort ein zuvor relativ gleichbleibender Grundwasserspiegel in kürzerer Zeit absinkt oder ansteigt. Bei letzterem sterben die Tiefenwurzeln ab, auch die Pfahlwurzel, und die Bäume können umfallen oder absterben. So beispielsweise geschehen in Köthen in Sachsen-Anhalt, wo nach Einstellung der Grundwasserentnahme Anfang der 1990er-Jahre durch Stilllegung mehrerer Betriebe der Grundwasserstand wieder auf das ursprüngliche Niveau anstieg und daraufhin viele alte Eichen umfielen.

Die Eichen gehören zur Familie der Buchengewächse, sind also nah mit Buchen und Ess-Kastanien verwandt, alle drei Gattungen haben einen Fruchtbecher mit Nüssen darin.

Weitere häufiger in der Stadt verwendete oder bekannte (nicht heimische) Eichenarten sind Rot- und Sumpf-Eiche (aus Nordamerika), selten ist bei uns in wärmebegünstigen Lagen natürlich vorkommend die einheimische Flaum-Eiche zu finden. Als Stadt- und Straßenbäume bewähren sich in jüngerer Zeit und in Zukunft auch einige weitere Eichenarten wie etwa die Zerr-Eiche (Roloff 2021).

Ökologie und Vorkommen

Das natürliche Verbreitungsareal der beiden Eichen erstreckt sich über fast ganz Europa außer Spanien, das nördliche Skandinavien und Nordosteuropa. Es reicht bei der Stiel-Eiche viel weiter nach Osteuropa.

Die Standorte der Trauben-Eiche sind tendenziell trockener und nährstoffärmer als die der Stiel-Eiche. So soll es zumindest sein, aber wenn man in naturnahen Beständen darauf achtet, kommen beide Eichen meist gemeinsam und nicht selten auch auf den Standorten der jeweils anderen Eiche vor. Sandeichen sind tendenziell eher Trauben-Eichen, und es heißt auch: Die Sahne der deutschen Forstwirtschaft sind die Spessarteichen - Trauben-Eichen im Spessart mit ihren besonders guten Wuchsleistungen und Stammqualitäten, das wissen die Förster im ganzen Land seit langem.

Die beiden Eichen sind in der Jugend nur wenige Jahre schattentolerant, dann nimmt ihr Lichtbedarf sehr schnell zu, so dass sie in dichteren Beständen schattiger Baumarten bald eingehen und in alten Urwäldern ohne menschlichen Einfluss nicht vorkommen. Auch auf seitliche Bedrängung durch Nachbarbäume reagieren sie im Alter sehr empfindlich. Es handelt sich deshalb um Lichtbaumarten, und in der Forstwirtschaft ist waldbauliches Können erforderlich, wenn die Eichen bis zur Holzernte im Mischbestand mit anderen Baumarten 200 Jahre lang erhalten bleiben sollen.

Eichen werden auch als Tierheim der Natur bezeichnet, sehenswerte Bewohner sind beispielsweise der mit Fühlern über 10 Zentimeter lange Große Eichenbockkäfer, der Hirschkäfer und der ebenfalls sehr seltene Eremit: Wohl keine andere Baumart ist für so viele Tierarten Lebensraum wie Stiel- und Trauben-Eichen, es sollten alleine über 500 Insektenarten sein und von denen ernähren sich wiederum Vögel, wenn sie nicht wie etwa der Eichelhäher gleich die Eicheln fressen.

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Abb. 9: Eichenholztruhe von 1711. Foto: Andreas Roloff
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Abb. 10: Eurocent mit Eichenhybrid. Foto: Andreas Roloff
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Abb. 11: Eichenschiffswrack von 1926 am Strand von Öland (Schweden). Foto: Andreas Roloff

Verwendung und Schäden

Pfahlbauten und Gebäude auf feuchten Standorten standen früher meist auf Eichenpfosten. Auch Hamburgs Hafen-Speicherstadt steht seit über 100 Jahren bis heute auf 3,5 Millionen Eichenstämmen, man sieht sie bei Niedrigwasser unter den Gebäuden.

Eichenholz wird als Rundholz, Schnittholz sowie Furnier verarbeitet. Aufgrund seiner Dauerhaftigkeit (des Kernholzes) kann es gut im Freien verwendet werden, beispielsweise für Pfosten und Zäune, zudem für Kübel und Fässer (für Whisky und bestimmte Rotweine), in Fachwerkhäusern, als Möbelholz - "Eiche rustikal" - und für Vertäfelungen, Türen, Fenster, Treppen und Fußböden.

Trauben- und Stiel-Eichen haben sich zudem als Stadtbaum bewährt, da sie immissions- und salztolerant sind und Überschüttung des Stammfußes vertragen. Als Solitärgehölz und in städtischen Alleen können sie ihre Wirkung besonders gut entfalten und sind geeignet für innerstädtische Alleen, Parkplätze, Parks, Plätze, Promenaden/Fußgängerzonen und als Hofbaum.

Bei der Verwendung von Eichen als Straßenbaum außerorts muss man allerdings bedenken, dass im Herbst mit den Eicheln das Wild an die Straße gelockt wird und dies zu Wildunfällen führen kann (wenn es in der Nähe keine Eichenwälder gibt).

Die zunehmende Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners bereitet derzeit in Parkanlagen und stadtnahen Wäldern große Sorgen. Seine blattfressenden Raupen bevorzugen die bei uns heimischen Stiel- und Trauben-Eichen. Hierbei ist weniger der Schaden für den Baum durch den Laubfraß bedeutsam, sondern vielmehr das Gesundheitsrisiko für uns Menschen, denn die kurzen Gifthaare der Raupen können starke Hautallergien und -entzündungen auslösen. Daher verzichten manche Kommunen in sensiblen Bereichen wie Schwimmbädern, Kindergärten und Schulen bereits auf das Anpflanzen heimischer Eichen.

Mythologie und Brauchtum

Keine andere Baumart ist so vielfältig mit Mythologie und Volksglauben verbunden wie die Eichen (Stiel- und Trauben-Eiche wurden früher nicht unterschieden), wofür sicher ihr eindrucksvoller Habitus und ihre Langlebigkeit verantwortlich sind. Außerdem bleiben abgestorbene Äste und Kronenteile jahrzehntelang in der Krone hängen, nach ihrem Herabfallen liegen sie nochmals ebenso lange unter dem Baum, da sie nur sehr langsam verrotten. Tote Eichen können daher sogar über 100 Jahre ungefährlich stehenbleiben.

Über die Mythologie der Eichen gibt es sehr viel Literatur, sie sind der Inbegriff von Standfestigkeit, Kraft und Stärke. So gilt das Eichenblatt als Symbol für Beständigkeit, daher auch seine Darstellung auf vielen Münzen, Wappen und Urkunden.

Wer eine Eiche pflanzt, glaubt an die Zukunft, denn den ausgewachsenen Baum werden erst die Nachfahren nach mehreren Generationen erleben. Die lange Wachstumsdauer bis zur Nutzung kann auch in der Forstwirtschaft gelegentlich zu Irritationen führen, wenn beispielsweise vor über 200 Jahren Förster in England und Schweden auf Königsbefehl hin Eichenbestände für die Marine gepflanzt haben und diese Bestände jetzt erntereif sind - wofür sie nun niemand mehr braucht. Wer weiß, was in 150 bis 200 Jahren aus den Eichen gemacht wird, die heute noch jung sind und aufwachsen? Vielleicht nimmt man dann deren Kronen als tragende Konstruktionen für Gebäude - anstatt von Betonsäulen (meine Prognose).

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Abb. 12: Stiel-Eiche in Nagel bei Küps (Bayern), vierter Nationalerbe-Baum Deutschlands. Foto: Andreas Roloff

Sonstiges Interessantes

In der Wissenschaft wird seit 25 Jahren heftig darüber diskutiert, ob Stiel- und Trauben-Eiche überhaupt verschiedene Arten sind. Unstrittig ist, dass sie sich von Natur aus spontan miteinander kreuzen und Nachkommen erzeugen können, die wiederum befruchtungsfähig sind. Somit wären sie nach herkömmlicher Artdefinition keine getrennten Arten, sondern Unterarten, und Stiel- und Trauben-Eiche würden als Quercus robur ssp. robur und ssp. sessiliflora bezeichnet (so wurde es auch früher getan, bis zu Linné's Zeiten im 18. Jahrhundert gab es nur eine Art).

Der härteste Verfechter dieser Sichtweise bin ich selbst, bezeichne die beiden Eichen hier aber trotzdem als Quercus robur und petraea, um nicht für zu große Verwirrung zu sorgen, denn diese Sichtweise wird (bisher) nicht von vielen geteilt. Darin bestärken mich aber auch viele Baumgenetiker, die bis heute Schwierigkeiten haben, die beiden Eichen unterscheiden zu können (die Variation innerhalb der "Arten" ist wesentlich größer als die Unterschiede zwischen ihnen). Zudem kann man Hybriden nicht sicher äußerlich erkennen (es könnten bis zu 50 % sein) und ordnet sie dann einer der beiden Arten zu. Man hat inzwischen - um die etablierte Ansicht getrennter Arten beibehalten zu können - den Artbegriff so modifiziert (vom biologischen zum ökologischen), dass er wieder passt. Dies ist aber ein so kompliziertes Thema, dass hier weitere Details zu weit führen würden.

Die Sichtweise hat allerdings Konsequenzen, denn wenn es nur Unterarten sind, wäre für ihre Verwendung die Herkunft wichtiger als die Art: für trockenere Standorte sollte man Bäume/Eicheln von trockeneren Standorten wählen, für feuchtere Standorte Bäume von ähnlichen Standorten (statt nur auf Trauben- und Stiel-Eichen zu achten, wenn man sie überhaupt unterscheiden kann). Und wenn man sich die Eichenblätter auf den 1-, 2- und 5-Cent-Münzen ganz genau ansieht, erkennt man: dort ist eine Eiche abgebildet, die eindeutig zugleich Stiel- und Trauben-Eiche ist. Diese Münzen sind daher mein Lieblingsgeld.

Das Sprichwort "Vor den Eichen sollst du weichen, die Buchen sollst du suchen" (bei Gewitter) ist mit Vorsicht zu genießen, denn als Ursache für die häufigeren Blitzeinschläge in Eichen spielt eine Rolle, dass Blitze an Buchen meist außen auf der nassen Rinde herablaufen - also eventuell genau dort, wo man sich schutzsuchend hingestellt oder -gesetzt hat. Sie schlagen dann nicht in den Baum ein, so dass das Ereignis anschließend nicht mehr sichtbar ist, im Gegensatz zu zerborstenen Eichen. Blitze schlagen oft in Eichen ein, da sie mit ihrer Pfahlwurzel häufig Kontakt zum Grundwasser haben. Auch stehen sie oft einzeln auf Wiesen oder an Plätzen.

Die sogenannte Bräutigamseiche bei Eutin im Dodauer Forst (Schleswig-Holstein) ist eine Stiel-Eiche und sehr bemerkenswert: Sie ist die einzige Postadresse in Deutschland ohne Postgeheimnis und in einem Astloch im Baum, zu dem eine Leiter führt. Hierhin können Kontaktwünsche mitgeteilt werden und Leser/innen der Briefe/Zettel können sie erfüllen, wenn es passt (www.braeutigamseiche.com).

Mooreichen sind Eichenstämme, die über Jahrhunderte/-tausende in Mooren und Sümpfen gelegen haben und beim Trockenlegen dieser Gebiete oder dem Abbau von Lagerstätten gefunden werden. Das Holz wird durch den Lagerungsprozess sehr hart und verfärbt sich dunkel (bis tiefschwarz). Das Alter solcher Eichen kann bis zu 8500 Jahren betragen.

Als 4. Nationalerbe-Baum hat das zuständigen Kuratorium der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft (DDG) am 22. August 2020 die erste Eiche ausgerufen, eine Stiel-Eiche in Nagel/Küps (Oberfranken, Bayern) (www.nationalerbe-baeume.de).


Literatur

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