Vom Umgang mit einem ungeliebten Baustoff

Beton in der Gartendenkmalpflege

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Betonobjekte im Dreieich-Park, Offenbach– die ältesten erhaltenen Betonteile ohne Bewehrung. Foto: Christos Vittoratos 2008, CC BY-SA 3.0

Drei Wochen sollten sie eigentlich nur überdauern, die zu einer Gruppe arrangierten Beton-Musterstücke im Dreieich-Park, Offenbach. Heute gelten sie als die ältesten erhaltenen Betonobjekte aus Stampfbeton in Deutschland. Aufgestellt worden waren sie zur 2. Hessischen Landesgewerbe-Ausstellung 1879, um zu zeigen, was mit dem Baustoff alles möglich ist: ein Pavillon mit Kuppel, die Treppe, die auf ein Podest führt, sowie die Brücke, die sich elegant über den Weg hinweg schwingt - alles ohne Fundament und Bewehrung. Lediglich das Podest liegt auf zwei Stahlträgern auf. Beim Abbau der Ausstellung wurden die Betonteile vergessen und blieben stehen. 2006 unterzog man sie nach einer eingehenden Untersuchung einer gründlichen Sanierung.

2013 gab ein Lichterfest im Dreieich-Park den Anlass, die nun frisch sanierte Betonelemente durch Bodenstrahler ins rechte Licht zu rücken. Die notwendigen Leitungen wurden rings herum in Gräben mit einer Tiefe von 60 Zentimeter verlegt. Zwei Jahre später begann sich der Pavillon zu senken, bekam Risse und drohte auseinanderzubrechen. Der Boden war nicht wieder genügend verdichtet worden, um den fundamentlosen Kleinbauten den notwenigen Halt zu geben. Was blieb, sollten sie weiterhin erhalten bleiben, als sie erst einmal provisorisch mit Stützen und Spannvorrichtungen zu sichern und wegen der Verkehrssicherungspflicht weiträumig mit einem Baugitter abzusperren. So stehen die Betonteile, die heute in ihrer Gesamtheit als Skulptur wahrgenommen werden, bis heute und harren einer erneuten Sanierung - für die Geldgeber gesucht werden.

Das Beton-Objekt im Dreieich-Park war ein prominentes Beispiel für die Vielfalt an Aufgaben, die auf Gartendenkmalpflegerinnen und -denkmalpfleger im Zusammenhang mit dem Baustoff Beton zukommen können. Das Fachseminar "Beton in der Gartendenkmalpflege - Schadensanalyse und Konzeptentwicklung", das die Arbeitsgemeinschaft Sachverständige Gartenbau - Landschaftsbau - Sportplatzbau e. V. (ags) am 15. und 16. April 2016 in Offenbach veranstaltete, vermittelte Kenntnisse zum Umgang mit dem Baustoff und bot zugleich eine Diskussionspattform für einen übergreifenden Fachaustausch. Bei der Exkursion, die in Parks des Rhein-Main-Gebiets führte, konnten sich die Teilnehmer vor Ort ein Bild von gelungenen und weniger gelungenen Maßnahmen machen und die Diskussion vertiefen.

Notdürftig gesichert, harren sie einer erneuten Sanierung. Foto: Christos Vittoratos 2008, CC BY-SA 3.0

Betonobjekte im Dreieich-Park, Offenbach. Foto: Christos Vittoratos 2008, CC BY-SA 3.0

Beton – Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten, Lehrgarten der heutigen Hochschule Geisenheim. Foto: Werner Kellner

Mauer aus Betonformstein im Lehrgarten der Hochschule Geisenheim. Foto: Werner Kellner

Beton - nicht nur ein Baustoff

Schon immer waren Gärten Experimentierfelder, nicht nur der Pflanzenverwendung, -selektion und -züchtung, sondern auch für den Einsatz von Baustoffen. So war es auch ein Gärtner, Joseph Monier (1823-1906), der das Verwendungsspektrum von Beton - einem Werkstoff, den bereits die Römer kannten - durch die Einlage von Eisen erweiterte. Damit wurden zum Beispiel Kübel tragfähiger, konnten Wasserbehälter dem Druck von größeren Wassermengen standhalten. Zudem ließ sich Beton leicht formen und an der Oberfläche bearbeiten. Da seine Herstellung zudem preiswerter war, avancierte er schnell zum "Ersatz" für Naturmaterial. Für Grotten und Felsenpartien mussten die Gesteinsbrocken nicht mehr von weit her geliefert werden, sondern konnten vor Ort moduliert werden. Eine entsprechende Oberflächenbehandlung machte die Illusion perfekt, bei Knüppelbrücken wussten die Fachleute, "Rocailleure", sie bis hin zur Holzart zu perfektionieren.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert erhielt der Beton zunehmend ein positives Feedback aus dem Garten- und Landschafts-bau, wohl auch - wie Jutta Curtius, Landschaftsarchitektin und Sachverständige, mutmaßte - "weil der Auftraggeber viel mehr knauserte". Aufwind bekam die Verwendung durch die Diskussion um Materialgerechtigkeit, die Übereinstimmung von Material und Form. Die fortschrittlichen Architekten wandten sich von der Imitation ab, die sie als Zeichen des Historismus und als rückwärtsgewandt empfanden. Ein viel zitiertes Beispiel war die in Artikeln und Vorträgen immer wieder vorgebrachte Kritik am "Vierwaldstätter See im Vorgarten".

Die Weiterentwicklung des Zements machte Beton schließlich zum vielseitig einsetzbaren Baumittel, das in seiner Schmucklosigkeit den Prämissen der Moderne entgegenkam. Architekten und Gartenarchitekten des Neuen Bauens ließen vor allem in den Neuen Siedlungen der 1920er-Jahre wie Stuttgart Weißenhof oder auch der Frankfurter Römerstadt Mauern, Treppen und Platten, Wasserbecken und Pergolen herstellen.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges sprachen wieder alle Argumente für den Baustoff Beton: Angesichts der Materialknappheit konnten Bauteile geringer dimensioniert werden als bei herkömmlichen Materialien, die leichte Handhabbarkeit lud zum Experimentieren ein. Dies kam der von Hochbau- und Landschaftsarchitekten bevorzugten Leichtigkeit und den geschwungenen Formen entgegen. Wegbereiter der neuen Gestaltungs- und Bauweise in der Landschaftsarchitektur waren vor allem die Bundesgartenschauen in beiden Teilen Deutschlands.

In den 1960er-Jahren war die Verwendung von Beton dann üblich. Neu war die Entwicklung von Formsteinen, die als Mauerstützen, Sitzgelegenheit und Stufen verwendet werden konnten (zum Beispiel der "Karlsruher Gartenstein"), sowie Verbundpflastern, die den zunehmenden Verkehrsbelastungen standhielten. Mauern aus filigran gefertigten Formsteinen, verschiedenste Vorsätze und Bearbeitungen ergänzten das Spektrum an Erscheinungsformen. In dem von Gerd Däumel zum Lehrgarten umgestalteten Villenpark Monrepos an der damaligen Lehr- und Forschungsanstalt Geisenheim (heute Hochschule Geisenheim University) lässt sich der damalige Stand der Betonverwendung gut ablesen. Dank einer in den letzten Jahren unter der fachlichen Begleitung durch die Landschaftsarchitektin und Denkmalpflegerin Irmela Löw vorgenommenen Sanierung, zeigt sich dort die ganze Bandbreite des damals Üblichen: von weiterhin gestampften Platten, die dann eingefärbt wurden, Fertigplatten in den damals typischen Verbänden bis hin zur Mauer aus Beton-Formsteinen. All das kam dem Bedürfnis nach Farbigkeit und Vielfalt - trotz industrieller Fertigung - entgegen.

Omnipräsent war schließlich die Waschbetonplatte. Den mit einem Kiesvorsatz versehenen Beton hatte die niederländische Gartenarchitektin Min Ruyis (1904-1999) zu Beginn der 1950er-Jahre entwickelt, weil er sich aufgrund seines Vorsatzes aus natürlichem Stein gut mit anderen Naturmaterialien kombinieren ließ (sie verwendete ihn zusammen mit Bahnschwellen). Die Intention, den Beton wieder ein wenig in die Nähe von natürlichem Material zu rücken, kehrte sich jedoch zunehmend ins Gegenteil: Der inflationäre Einsatz sowie die wiederkehrende Eintönigkeit des industriell vorgefertigten Vorsatzes brachten den Waschbeton bald in Verruf. Im Zeichen der aufkommenden Ökologiebewegung wird er, positioniert auf der Titelseite der Veröffentlichung "Grün kaputt", symbolisch für die Zerstörung der Umwelt und ist es bis heute geblieben. Jochen Martz, der Sprecher des Arbeitskreises Historische Gärten der DGGL, der in seinem Vortrag eine Lanze für das Material zu brechen versuchte, ist sich sicher, dass es noch viel Kraft brauchen wird, bis die Bevölkerung davon überzeugt werden kann, dass Waschbeton ein Gegenstand der Denkmalpflege sein kann.

Aber auch der Beton brut, der rohe unbehandelte Beton, wie er in den 1970er- und 1980er-Jahren vielfach verwendet wurde, stieß auf wenig Gegenliebe - und wird heute selbst in der Fachwelt nur von wenigen wertgeschätzt.

Curtius' Fazit angesichts der konträren Positionen, die das Material immer wieder auslöst: "Beton ist nicht nur ein Baustoff, sondern eine Glaubensfrage".

Betonbrücke über den Weiher im Stadtpark Höchst – normgerecht saniert. Foto: Werner Kellner

Tritonplastik im Stadtpark Mainz vor der Sanierung. Foto: Leonie Stall, mit freundl. Genehmigung des IFS

Tritonplastik im Stadtpark Mainz nach der Sanierung. Foto: Leonie Stall, mit freundl. Genehmigung des IFS

Fehlende Nutzung macht anfällig für Vandalismus. Cettopavillon im Ostpark Frankfurt/M., urspr. 1930er-Jahre, in weiten Teilen Neukonstruktion von 1981/82. Foto: Werner Kellner

Beton - ein Pflegefall?

Verschmutzung, Risse, Rostflecken, offen liegende Bewehrungseisen und Durchfeuchtung . . . Selbst Nicht-Fachleute können wahrscheinlich im Halbschlaf die üblichen Schäden aufzählen, wie sie an Betonbauten überall zu sehen sind.

Eine Ursache liegt bereits in der Beschaffenheit des Materials, das aus mehren Komponenten in unterschiedlichen Anteilen besteht. Der Diplom-Geologe und Sachverständige Martin Sauder erläuterte den Seminarteilnehmern die Herstellung von Zement und zeigte anhand von mikroskopischen Aufnahmen die Phasen der Zementsteinbildung mit den darauf einsetzenden Hydrat-Phasen bis hin zur Carbonisierung, welche die Schutzschicht der Bewehrung gegen Korrosion zerstört.

Ihren Anteil an der Beschleunigung der ursächlich im Baustoff verankerten chemischen Reaktionen haben aber vor allem eine nichtfachgerechte Ausführung sowie eine mangelnde Erhaltung beziehungsweise Instandsetzung obwohl Herstellung, Prüfverfahren und Einbau in einer Vielzahl von Normen und technischen Vorgaben festgelegt sind. Diese werden in Harmonisierung der europäischen Vorgaben - und, wie Sauder sagte, "weil sie eigentlich schon lange veraltet sind" - im Herbst 2016 durch die DIN EN 1504 ersetzt. Neu darin ist die Festlegung der "Funktionsfähigkeit", das heißt bereits bei der Planung muss eine Prognose erfolgen, wie lange etwas halten soll. Dafür steht der Planer in der Verantwortung.

Dies gilt umso mehr, wenn es sich um denkmalgeschützte oder -würdige Objekte handelt, denn dort können Abweichungen von der Regel notwendig werden, die für jedes Objekt eigens begründet sein müssen. Maßstab ist das oberste Ziel der Denkmalpflege, die Balance zwischen Bild und Zeugniswert zu erhalten. "Schadenbeseitigung bei Erhalt von Bausubstanz und Erscheinungsbild", fasste Petra Egloffstein vom Institut für Steinkonservierung Mainz die Prämisse zusammen. Voraussetzung für jede Entscheidung ist eine grundlegende Analyse, da früher Betone nicht nach DIN hergestellt wurden und Korngrößen, Sieblinien, Zuschlagstoffe und Bindemittel, Armierungsmaterial und ihre Überdeckung mitunter selbst innerhalb eines Objekts variieren konnten. Die Erhaltung des Erscheinungsbildes macht zudem eine Auseinandersetzung mit der Oberflächenstruktur - dem Material und seiner Bearbeitung - unumgänglich.

All dies muss der Planende als Entscheidungsgrundlage für die Wiederherstellungsmaßnahmen nachvollziehbar dokumentieren. Gleiches gilt für die daraus abgeleiteten Ziele der Instandsetzung, sowohl das "Innenleben", die Bewehrung/Stabilisierung, als auch das Äußere betreffend. In der Dokumentation muss zum Beispiel festgehalten werden, ob Ergänzungen nicht sichtbar sein oder sich vom Original deutlich unterscheiden sollen. Was bei einem Objekt gewollt sein kann, würde bei anderen eine fehlerhafte Ausführung bedeuten.

Erst nach einer umfassenden Schadensanalyse und Formulierung der Ziele fällt die Entscheidung für die Einzelmaßnahmen. Muss zum Beispiel eine nachträglich aufgebrachte Schicht entfernt werden, um die ursprüngliche Oberfläche wieder hervorzuholen, ist die Benutzung eines Hochdruckreinigers vielleicht unumgänglich. Ist die Oberfläche dagegen bereits beschädigt und sind weite Auswaschungen zu befürchten, wären weitere Schäden vorprogrammiert. Gleiches gilt für die Abwägung bei der Art, den neuen Mörtel aufzubringen - maschinell oder per Hand. Anhand von Probeflächen lassen sich Übereinstimmung beziehungsweise eine angestrebte Abweichung von Farbe und Körnung überprüfen. Doch wie häufig steht eine Sanierung unter Zeitdruck - sei es, dass man endlich Ergebnisse sehen will, weil die Fördergelder an einen bestimmten Zeitraum gebunden sind oder weil Beteiligte eine längere Wartezeit einfach nicht für notwendig erachten. Der Hinweis, wie wichtig nicht nur das Know-How von Planern und Firmen im Umgang mit Material und Verfahren ist, sondern auch welche Bedeutung der Faktor "Zeit" bei der Vorbereitung hat, beruhte auf leidvollen Erfahrungen der Vortragenden. "Gerade bei historischen Betonsanierungen braucht man Zeit, da die Materialien in frischem Zustand anders aussehen, als ausgetrocknet", war eine übereinstimmende Feststellung. Erst bei einer völlig ausgetrockneten Fläche wird die tatsächliche Farbgebung erreicht. Bei der Begrenzungsmauer am Garten des Ernst-May-Hauses in Frankfurt/Main hatte man diese Zeit nicht, so dass trotz fachlicher Beratung heute farblich abweichende Stellen die Mauer durchziehen.

Die Verantwortung für die Qualitätssicherung sollte den Planer veranlassen, die Ausschreibung schon so genau wie möglich zu formulieren und Abweichungen von Normen in vertraglichen Abmachungen abzusichern. Regelmäßige (kurzfristige und häufige) Bauüberwachung sichert die Qualität der Ausführung.

Monier-Brücke im Haardter Schlosspark (Neustadt/Weinstraße) 2003. Detail vor der Sanierung. Foto: Werner Kellner

Monier-Brücke nach der Sanierung. Foto: Werner Kellner

Jedes Objekt braucht eine individuelle Entscheidung

Wie vielfältig die Aufgaben der Gartendenkmalpflege sind und wie unterschiedlich die Maßnahmen sein können, sollen stellvertretend einige der Beispiele zeigen, welche die Teilnehmer des Fachseminars in Vorträgen und auf der Exkursion sahen. Während Sauder die Weiherbrücke im Stadtpark Höchst als Beispiel für eine Instandsetzung nach Norm vorstellte, müssen Denkmalpfleger viel häufiger abweichende - allein auf ein Objekt, einen Ort zugeschnittene - Entscheidungen treffen.

Die Tritonplastik im Stadtpark Mainz (1862 Valentin Barth) wies Risse und Schadstellen auf, die eine Sanierung notwendig machten, sollte die Plastik nicht verloren gehen. Nach einer eingehenden Begutachtung kamen Denkmalpfleger und Betonfachleute zu dem Entschluss, die Figur durch eine neue Innenkonstruktion zu stabilisieren. Die Hohlräume wurden mit einem Schaum ausgekleidet, der chemisch wieder aufgelöst werden kann, und eine Tiefenhydrophierung des Betons vorgenommen. Das äußere Bild wurde durch entsprechendes Material und dessen Behandlung den erhaltenen Originalteilen angeglichen. Völlig anders entschied sich die Denkmalpflege entgegen ihrer eigentlichen Maxime bei der Flora (1927) im Rosengarten Zweibrücken, die heute als Nachguss am Ort steht.

Die ursprüngliche Ausfertigung der "Monier-Brücke" (ca. 1890) im Park des Haardter Schlosses in Neustadt an der Weinstraße war im Jahr 2003 nur noch zu erahnen: Die Baumästen nachempfundenen Geländer einer sogenannten Knüppelbrücke waren abgebröckelt und die Bewehrungseisen stachen in die Luft. Die Besonderheit des Rocaille-Betons, sowie die Tatsache, dass die Haardter Brücke heute eine Rarität darstellt, ließen die Denkmalpflege zu spektakulären Maßnahmen greifen: Die Brücke wurde per Hubschrauber aus dem Park gehoben und auf einem Lkw nach Bamberg in eine Restaurierungswerkstatt gebracht. Dort wurden zuerst die Eisen ertüchtigt und anschließend der Beton in der ursprünglichen Weise als Nachbildung von Buchenästen wiederhergestellt. Dabei wurde auf Vorlagen französischer und belgischer Fachfirmen zurückgegriffen.

Ein prägendes Gestaltelement der Mathildenhöhe Darmstadt sind die Pergolen. Nach Entwürfen Olbrichs waren sie am großen Ausstellungsgebäude 1905 vor Ort "als schlanke, klare Balkenkonstruktion in Sichtbeton" gegossen. Durch Kriegseinwirkungen und spätere Gebäudeumbauten teilweise zerstört und mit der Zeit sanierungsbedürftig geworden, erfolgte 1975/1976 auf der Grundlage historischer Bestandspläne eine erste Instandsetzung. Die Fachleute entschieden sich für ein Torkretverfahren, mit der Folge, dass sich der ursprüngliche "Balken"-Querschnitt von 14 Zentimeter x 14 Zentimeter auf 17 Zentimeter x 17 Zentimeter erhöhte und die Konstruktion damit einen Teil ihres filigranen Charakters einbüßte. In einem zweiten Schritt wurde in den Jahren 2006 bis 2011 die 1914 durch Albin Müller an der Südseite des Plateaus abgerissene Pergola Olbrichs wieder hergestellt. Dieses Mal wurden Fertigteile verwendet, die den Maßen der ursprünglichen Pergola entsprachen. Die Architektin Christiane Geelhaar, damals bei der Stadt Darmstadt federführend für die Maßnahmen verantwortlich, machte deutlich, wie sowohl die Weiterentwicklung von Technologien, die Erfahrungen bei früheren Maßnahmen als auch zeitgebundene Sichtweisen im Umgang mit Denkmalen die Entscheidungsprozesse beeinflussen.

Während die Sachverständigen vor allem den Baustoff selbst im Fokus hatten, richteten die teilnehmenden Denkmalpfleger ihr Augenmerk auch auf das Umfeld der Objekte - gleichgültig, ob Eingriffe in unmittelbarer Umgebung die Konstruktion in Gefahr bringen, gestalterische Eingriffe den Bezug zur Gesamtanlage vermissen lassen oder ob Nutzungsveränderungen im Umfeld die Funktion der Objekte in Frage stellen. So entzündete sich im Höchster Stadtpark die Diskussion nicht an den bereits erfolgten Sanierungsmaßnahmen der Betonbrücke über den Weiher, sondern an der mit Verbundpflaster befestigten Rampe sowie der Fortführung der Brückengeländer. Dort soll die heutige, aus Sicherheitsgründen angebrachte einfache Rohrkonstruktion nach der Wiederherstellung der Brücke durch ein historisierendes Metallgeländer mit "Schnecken" an den Enden ersetzt werden. Diese "kreative Denkmalpflege" wurde einhellig abgelehnt und dafür plädiert, entweder die historisch belegten Pflanzungen wieder anzulegen und/oder ein zurückhaltendes Geländer in moderner Formensprache zu installieren.

Waschbeton – in den 1960er-Jahren omnipräsent. Kurpark Mölln.Foto: Heino Grunert Foto: Heino Grunert

Farblich abweichende Stellen als Folge einer Sanierung unter Zeitdruck, Gartenmauer am Ernst-May-Haus in Frankfurt/Main. Foto: Werner Kellner

Im Wettlauf mit der Zeit

Einig waren sich die Teilnehmer des Seminars, dass eine noch immer fehlende gesellschaftliche Akzeptanz den denkmalpflegerischen Umgang mit Betonbauten erschwere. Das Kühle und Abweisende wird nicht geschätzt, und noch heute haftet dem Beton als industriell gefertigtem Massenprodukt das Etikett des Billigen an. Auch hat gerade die Experimentierfreudigkeit mit dem Material dazu geführt, dass Qualitätsmaßstäbe nicht eingehalten wurden und die Haltbarkeit vieler Bauten aus dieser Phase zu wünschen übrig lässt. Bleibt die Frage, welche Haltbarkeitsdauer wirklich erwartet werden kann - angesichts des neuen Regelwerks, das Nachhaltigkeit verlangt ein bedeutender Faktor. Doch auch viele Vertreter der Denkmalpflege können sich (noch) nicht mit richtig mit dem Gedanken anfreunden, dass Betonobjekte aus jüngerer Zeit in ihr Ressort fallen könnten. Hier kam der Hinweis, in der innerfachlichen Diskussion um deren Denkmalwert den Begriff der "Alterungsqualität", der Beton abgesprochen wird, einmal auf den Prüfstein zu stellen. Diese wird daran gemessen, ob ein Material eine Patina ausbildet, wie sie bei Metall auftritt. "Ist denn Moos oder Schwärzung auf Naturstein auch Patina oder eher Verschmutzung?", lautete eine provokative Frage. Das gezielte Beobachten und Dokumentieren, wie Beton altert - ältere Objekte altern anders als jüngere - könnten zu einem neuen Umgang mit dem Material führen. "Für Beton muss man immer noch kämpfen, doch die Beispiele zeigen, dass es sich lohnt", fasste Egloffstein ihre Erfahrungen zusammen und traf damit auf die Zustimmung aller Anwesenden.

Die von der Denkmalpflege generell geforderte zeitliche Distanz von der Entstehung der Anlagen zur möglichen Unterschutzstellung, die dann oftmals auch eine gesellschaftliche Akzeptanz mit sich bringt, wird mit Blick auf das Material Beton zum Problem. Insbesondere die Herstellungs- und Baumängel in der Nachkriegszeit führen zum schnellen Verfall der Bauten. "Wir rennen der Substanz hinterher - und das, je neuer die Anlagen sind", stellte ein Diskussionsteilnehmer die Situation der Denkmalpflege dar und forderte gemeinsames Handeln bei der Entwicklung von Strategien zur Pflege, Instandhaltung und gegebenenfalls der Sanierung dieser Anlagen. "Damit es insbesondere aus neuerer Zeit auch später noch etwas geben wird."

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 09/2016 .

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