Ein Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst in Berlin Zehlendorf

Denkmalgerechte Instandsetzung Gartenanlage Haus am Waldsee

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Anfang des 20. Jahrhunderts entstand im Südwesten von Berlin eine neue Vorortkolonie Zehlendorf-West mit dem Mexikoplatz und einem repräsentativen Bahnhofsgebäude. Der Platz um den Bahnhof wurde von dem Zehlendorfer Gartendirektor Emil Schubert als symmetrisches Ensemble angelegt, das von der Argentinischen Allee in zwei Hälften geteilt wird und heute ein Gartendenkmal ist.
Kunst Landschaftsarchitektur
Abb. 1: Eröffnung der neu gestalteten Gartenanlage Haus am Waldsee 2022. Entwurfs- und Ausführungsplanung, Bauüberwachung: Florian Bittner, Le Liu und Benedikt Stockmayer, Büro Georg v. Gayl Landschaftsarchitekten. Foto: Georg v. Gayl

Etwas weiter nördlich entstand in einem ehemaligen Sumpf nach seiner Auskofferung ein etwa 530 Meter langer und 2,5 Hektar großer See, der Waldsee. Hierdurch war es möglich, attraktive Wassergrundstücke an dessen Uferlinie auszuweisen.

An seinem südlichen Ufer baute im Jahr 1922 der aus Breslau stammende jüdische Textilunternehmer Hermann Knobloch nach den Plänen des Berliner Architekten Max Werner auf einem 10.000 Quadratmeter großen Grundstück eine repräsentative Villa mit einem nach Süden zur Straße hin ausgerichteten Gemüsegarten und einem an den englischen Landschaftsstil angelehnten parkähnlichen Garten in Richtung Waldsee.

Der große Gemüsegarten war mit Gewächshaus und Obstbäumen ganz auf Selbstversorgung ausgelegt. Über den damals beauftragten Landschaftsarchitekten finden sich leider keine Hinweise.

Nach mehreren Besitzerwechseln bis 1945 wurde das Grundstück mit seiner im Krieg beschädigten Villa und dem Grundstück an den Bezirk Zehlendorf auf Anordnung der Alliierten Kommandantur übertragen und zum Kunstamt Zehlendorf umgewandelt. Nur wenige Wochen nach dem Kriegsende spielten im Garten Musiker der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Leo Borchard aus dem zufällig verfügbaren Notenmaterial von Mendelssohn und Mahler.

Eine erste Ausstellungseröffnung mit Werken von Käthe Kollwitz, die seinerzeit von den Nationalsozialisten Berufsverbot erhalten hatte, folgte am 6. Januar 1946. Seither zeigt das Haus am Waldsee zeitgenössische Kunst in steter Folge. Es versteht sich nicht als Kunstmuseum im engeren Sinne mit einem eigenen regelmäßig erweiterten Werkbestand, sondern als ein Ausstellungsort, in dem zeitgenössische Kunst temporär ausgestellt wird.

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Abb. 2: Historische Aufnahme Haus Knobloch, 1926, heute Haus am Waldsee. Foto: Kaethe Stoef, Hamburg

Dieses Prinzip gilt ebenfalls für die Freiflächen, die Ausstellungsfläche und Begegnungsort zugleich sind. So wurden im Laufe der vergangenen Jahre diverse Skulpturen und Installationen im Garten aufgestellt, die zur Verwendung des Namens Skulpturengarten führten.

Nachdem die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin den Verein Haus am Waldsee e. V. bereits für eine Renovierung und bauliche Erweiterung zur Wiederherstellung der Originalkubatur von 1922 unterstützt hatte (2017 bis 2019), sagte sie zwei Jahre später auch die Förderung der denkmalgerechten Wiederherstellung des eingetragenen Gartendenkmals zu. Auch das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf beteiligte sich finanziell an beiden Baumaßnahmen.

Zunächst wurde das Büro Hortec, Berlin, vom Verein mit der denkmalpflegerischen Rahmenkonzeption beauftragt, die im September 2019 vorgelegt wurde. Teil der Planung war die historische Dokumentation, Bestandserfassung, Denkmalbewertung und die Gartendenkmalpflegerische Zielstellung. Im Rahmen eines Wettbewerbsverfahren für die Erstellung der vertiefenden Planung und Umsetzung der Gartendenkmalpflegerischen Zielsetzung für den Bereich zwischen Villa und See wurde mein Büro im März 2021 mit der Durchführung beauftragt.

Untersuchungen vor Ort

Im Vorfeld der anstehenden Baumaßnahmen wurde ein Teil der ausgestellten Skulpturen und Installationen abgebaut. Teilweise erfolgte dies aufgrund des fortgeschrittenen Verwitterungsgrades der Arbeiten sowie auf Wunsch der Künstler und Künstlerinnen. Hierdurch konnten potenzielle Räume für neue Installationen oder Kunstwerke geschaffen werden, die somit temporärer Teil des Gartendenkmals werden.

Im Frühjahr 2021 fanden Suchgrabungen als erste vorbereitende Maßnahmen im Rahmen der Entwurfsplanung statt. Sie dienten dazu, die Lage, den Aufbau und den Verlauf von vorhandenen und ehemaligen Wegen ausfindig zu machen. Hierzu dienten die Planunterlagen aus der Denkmalpflegerischen Rahmenkonzeption von September 2019 mit eingetragenen historischen Wegen. Ziel der punktuell durchgeführten Bodenproben mit einem Bohrstock war, nach dem möglichen Finden von Wegebaumaterialien, wie Unterbau, Einfassungen und Materialunterschieden, eine anschließende Suchgrabung durchzuführen.

In keinem der 40 untersuchten Proben fanden sich Wegematerial oder vergleichbare Unterbauten. Farbveränderungen waren bei allen Bodenproben erkennbar, die sich aus der Tatsache ergeben, dass die oberen Bodenschichten einen leicht humosen Anteil (dunklerer Farbton) zeigen, der sich ab einer Tiefe von zehn Zentimetern in rein sandigen Boden verändert. Als Ergebnis konnte festgestellt werden, dass ehemalige Wegeflächen nicht belastbar nachzuweisen waren.

Entwurfs- und Ausführungsplanung

Die weitere Planung erfolgte grundsätzlich in Anlehnung an die denkmalpflegerische Rahmenkonzeption.

Der vorhandene Garten verfügt über einen über 100 Jahre alten Bestand an großen Nadel- und Laubbäumen, sowie einer größeren Rhododendron-Pflanzung an der nördlichen Hangkante, dem Rhododendron-Hain. Die Strauchschicht prägen Flieder und Pfeifenstrauch.

Die durch die Topographie des Hangs, der über eine große Rasenfläche hinab zum Ufer des Waldsees führt, entsteht eine gestalterische Spannung. Von der großen seeseitigen Terrasse am Haus führen geschwungene Wege mit kleinen Platzflächen durch die gesamte Anlage. Ziel der Entwurfsplanung war, die extensiven Randbereiche mit bodendeckenden Wildstauden und Gräsern möglichst wenig zu verändern und sich auf das Garteninnere mit den Weg- und Beetflächen sowie einer Zuschauertribüne zu konzentrieren.

Alle Wegeflächen wurden als wassergebundene Decken hergestellt, davon ein großer Teil barrierefrei, sodass ein umfassendes Gartenerlebnis für alle Besucher und Besucherinnen möglich ist. In den steilen Wegebereichen wurden gepflasterte Schleppstufen mit Stahleinfassungen eingebaut, um Erosionen bei Regenfällen zu vermeiden.

Die ebenfalls barrierefreie, höher gelegene Gartenterrasse ermöglicht einen Blick zum Waldsee, ohne dass eine Rampenanlage nötig wurde. Die vor Beginn der Baumaßnahme bestehende Terrasse war baulich und materiell in einem so schlechten Zustand, dass die Rahmenkonzeption einen Neubau vorschlug, der mit geschlagenem Jurakalkstein als Trockenmauer und für die große Freitreppe mit gesägten Legstufen mit Treppenwangen ausgeführt wurde.

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Abb. 3: Ansicht auf die Zuschauertribüne aus den 1950er Jahren, Dezember 2020. Foto: Georg v. Gayl
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Abb. 4: Depot, gestern, Thomas Rentmeister (2009), Dezember 2020. Foto: Georg v. Gayl
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Abb. 5: Ein neuhergestellter Weg führt durch den Rhododendronhain zum Seeufer. Foto: Georg v. Gayl

Zuschauertribüne

Die in den 1950er Jahren in den Hang eingebaute Freilichtbühne veränderte die ursprüngliche Topographie des Hanges erheblich. Da die zukünftige Nutzung des Gartens aber weiterhin als Veranstaltungs- und Kunstausstellungsfläche bestehen bleiben sollte, wurde die Zuschauertribüne in ihrem Umfang reduziert sowie in ihrer Materialität geändert aber am Standort belassen.

Als Höheneinfassung für die vier Sitzstufenreihen dienen gebogenen Rohstahlbänder und als Belag Rasen, der durch unterirdisch verlegte Bewässerungsmatten gute Wuchsbedingungen hat. Durch die Reduktion der ursprünglichen Stufenanzahl liegt die Tribüne tiefer im Hang, sodass sie von der Gartenterrasse aus nicht sichtbar ist und bei einer Annäherung erst wenige Meter davor erkennbar wird.

Der ursprüngliche Charakter des Hanggartens, der gleichmäßig zum Ufer des Waldsees hinabfällt, konnte mit dieser neuen Erdmodellierung wiederhergestellt werden.

Pflanzungen

Vorhandene Gehölze wurden erhalten, wenn sie sich in einem vitalen Zustand befanden. Drei große Lebensbäume, die sich nahe der Tribüne befanden, mussten gefällt und ersetzt werden. Gleiches galt für die Ersatzpflanzungen von Koniferen, die, auch bedingt durch Sturmschäden, ersetzt wurden.

Die Staudenpflanzungen entsprechen im Umfeld der Terrasse dem Lebensbereich Freiflächen mit Beet-Charakter mit seinen typischen Stauden, wie Taglilie, Astern, Rosen und Sonnenhut. Für die beschatteten Gartenflächen wurden Akelei, Astern, Eisenhut, Storchschnabel und Reitgras verwendet.

Insgesamt wurden 4500 Stauden gepflanzt. Bei den Pflanzbeeten handelt es um durchschnittlich 100 Quadratmeter große Pflanzflächen, die immer wegebegleitend sind. Eine Wildblumenwiese wurde mit Hilfe von in Multitopfplatten kultivierten Wildstauden, wie Waldscheinmohn, Lerchensporn und Reitgras als Initialpflanzung zur Erhöhung der Artenvielfalt ergänzt.

Baustellenablauf

Als ausführende Firma wurde die Garten- und Landschaftsbaufirma Ingo Bauditz, Berlin im September 2021 beauftragt. Alle Maßnahmen erfolgten in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf. In diesem Zuge wurden sämtliche Materialien im Vorfeld bemustert und festgelegt.

Aufgrund des milden Witterungsverlaufs im Winter 2021/22 konnte ab Anfang Oktober weitestgehend durchgearbeitet werden. Mit der Vorbereitung der Wegeflächen mussten von Bäumen durchwurzelte Bereiche aufwändig per Handschachtung freigelegt und mit Natursteinschotter verfüllt werden. Bedingt durch zu hochwachsende Baumwurzeln und damit einer zu geringen Höhe für den Wegebau, wurden Erdgitter zur zusätzlichen Wegebefestigung eingebaut.

Insbesondere dienten die Wintermonate dazu, die umfangreichen Trockenmauern und die Freitreppe im Terrassenumfeld herzustellen und bei geeigneter Witterung Erdarbeiten durchzuführen. Mit der Fertigstellung der Oberbodenarbeiten im Frühjahr wurde die Gartenbewässerung installiert.

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Abb. 6: Baustelleneinrichtung mit Pavillon von Barkow Leibinger, Summer House II, 2016/20 und rechts Flügelsäule Karl Hartung (1960/61), Herbst 2021. Foto: : Georg v. Gayl
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Abb. 7: Gitterroste werden oberflächennah eingebaut, um flachwachsende Bestandswurzeln zu schonen. Foto: Georg v. Gayl

Bewässert werden die Rasenflächen im Bereich der Freilichtbühne sowie die Staudenbeete. Die Bewässerung der Zuschauertribüne ist technisch notwendig, damit die Rasenstufen nicht austrocknen und erodieren. Die Reduktion der Bewässerung der Beete ist zukünftig denkbar, da Stauden und Gehölze mittlerweile etabliert sind und sich dem Standort angepasst haben.

Ebenfalls wurden Erdkabelverlegungen im großen Umfang zur Ergänzung der bestehenden Außenbeleuchtung und Veranstaltungstechnik durchgeführt sowie Wlan für den Garten bereitgestellt.

Einen Anteil an den guten Besucherzahlen seit dem vergangenen Jahr hat das im Seitenflügel gelegene Besuchercafé mit einem kulinarischen Angebot und Terrassensitzplätzen sowohl im Süden am ehemaligen Gemüsegarten als auch seeseitig mit Blickbeziehungen in den Hanggarten.

Nach Fertigstellung der Baumaßnahmen im Juni 2022 begann die Unterhaltungspflege. Seitens der Bauherrenschaft werden weitere Wünsche zur Verbesserung der Nachhaltigkeit im Garten formuliert.

Hierzu wäre die Erhöhung der Artenvielfalt durch das Anbringen von Nistkästen zu nennen oder die Drosselung des Wasserverbrauches als kostbare Ressource. Deshalb wird die Anzahl der Mahden für die Rasenflächen außerhalb der Zuschauertribüne reduziert. Die Idee des Anbaues von Küchen- und Heilkräutern im ehemaligen Küchengarten wird derzeit geprüft.

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Abb. 8: Die neu angelegte Zuschauertribüne mit Treppenstufen aus Rohstahl und Rasen. Foto: Ferdinand von Luckner
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Abb. 9: Die neugebaute Gartenterrasse aus Jurakalkstein eingefasst von Trockenmauern und der Freitreppe. Foto: Ferdinand v. Luckner
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Abb. 10: Blick über den Waldsee auf die nördliche Uferseite. Foto: Ferdinand v. Luckner

In Abstimmung mit der Denkmalpflege erhielten die Auftraggeber eine ausführliche Liste aller Materialien und eingebauten Objekte mit Liefernachweisen, um im Bedarfsfall auf einen passenden Ersatz zuzugreifen.

Ebenfalls wurde nach dem von der Denkmalpflege formulierten Wunsch einer externen Begleitung der Pflegemaßnahmen, ein vierteljährlicher Rundgang durch das Büro Georg v. Gayl Landschaftsarchitekten abgestimmt, mit dem Ziel, den Charakter des Gartens langfristig erlebbar zu halten.

Dipl.-Ing. Georg von Gayl
Autor

Landschaftsarchitekt

Georg von Gayl Landschaftsarchitekten Planungsgesellschaft mbH

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