DGGL

Workshop des Arbeitskreises "Grün in der Stadt" zu Wassermanagement

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Mitte Juni fand der Workshop des Arbeitskreises der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL) zum Thema Hochwasser und Wassermanagement in Magdeburg statt. Die Tagung hatte drei inhaltliche Schwerpunkt: I. Hochwasser und die Folgen für die Umwelt, II. Regenwasserkonzepte und Stadtentwicklung, III. Elbhochwasser und die Auswirkungen im Herrenkrugpark (Abb. 1). Ein Fokus dieses Workshops lag auf der strukturellen Eignung und räumlichen Anlage von Wassermanagement für die Gehölzverwendung, i.e. Baumgesundheit, Pflege und Standsicherheit.
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Abb. 1: Stammnekrosen bei Ahorn in Folge der Hochwasserfluten 2013 im Herrenkrugpark, Magdeburg. Foto: Hartmut Balder

Das Land Sachsen-Anhalt war gewählt als Bezugsrahmen für die Vorträge zu Rahmenbedingungen von Land und Kommune für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft. Die Wahl des Ortes Magdeburg war nicht zuletzt begründet durch die Wahl von Thema und Anschauungsort der Exkursion am 16. Juni: der Herrenkrugpark in Magdeburg an der Elbe, einer historisch bedeutsamen und kulturell hochwertigen Parkanlage, mit Fragen zur Entwicklung der Elbauen unter Einfluss von Klimawandel im Konflikt mit den Zielen des Denkmalschutzes von Höherer und unterer Denkmalschutzbehörde.

Die Veranstaltung hatte elf Referenten und Teilnehmer aus insgesamt sechs Bundesländern zusammengeführt. Ihre initiale Anerkennung als Fortbildungsveranstaltung der Architektenkammer Berlin hatte in der Folge erlaubt, auch Mitglieder der Architektenkammern anderer Länder individuell in die Anerkennung durch Fortbildungszertifikat mittels Nachweis der erfolgreichen Teilnahme einzubeziehen.

Der erste inhaltliche Schwerpunkt "Hochwasser und die Folgen für die Umwelt" wurde eingeleitet und später vertieft durch die pflanzenkundlichen Vorträge von Prof. Dr. Hartmut Balder. Er machte aufmerksam auf den Stand des Wissens zur Atmungsaktivität von Pflanzen (Gehölze sterben ab, wenn sie 14 Tage im Wasser stehen), öffnete den Blick auf Forschungsfragen in der Systematik von Einflussfaktoren auf das Gedeihen von Gehölzen und regte die Diskussion an zum Konflikt zwischen Denkmalschutz (z. B. Erhaltung der Berliner Allee "Unter den Linden") und Nachpflanzungen von Bäumen, die im Klimawandel resilienter sind.

Burkhard Henning, Direktor des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt, Stefan Matz, Leiter des Eigenbetriebes Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg und auch Jacqueline Wegener, Mitarbeiterin der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau des Landes Sachsen-Anhalt informierten ausführlich über die systemischen Rahmenbedingungen und Herausforderungen der Wasserwirtschaft und des Hochwasserschutzes sowie der Schädlingsbekämpfung im Sinne der Praxis von Kartierungen, Regularien und Präventiv- sowie Schadensregulierungsmaßnahmen. Die Landschaftsarchitektin Katja Trippler ergänzte diese generellen Informationen konkret durch die Beschreibung der Geschichte von Anlage und Sanierung des Herrenkrugparks nach der Überflutung 2013 (Abb. 2).

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Abb. 2: Erste Nachpflanzungen zur Denkmalgerechten Parksanierung. Foto: Hartmut Balder

Der zweite inhaltliche Schwerpunkt "Regenwasserkonzepte und Stadtentwicklung" wurde mit generellen Informationen eingeleitet durch Birgitta Hörnschemeyer (FH Münster) zum Leitbild der Wasserbewussten Stadtentwicklung und ihrer auch ökonomischen Dimension. Leitbildaspekte wurden anhand von Beispielen (Blue-Green-Streets, Schwammstadt Quedlinburg) konkretisiert und vertieft durch die Vorträge von Prof. Erich Buhmann (Atelier Bernburg), Dr. Carlo Becker (bgmr Landschaftsarchitekten) und Christoph Dirksen (BdB). Dabei war die Vortragsdidaktik von Christoph Dirksen äußerst einprägsam und wegweisend lehrreich durch die Art der aktivierenden Mediation von Problemen und von guten Lösungen bei der Pflanzung von Gehölzen in wassersensiblen Projekten (Abb. 3).

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Abb. 3: Christoph Dirksen fordert als Vertreter des BdB mehr Sachverstand in den wassersensiblen Grünkonzepten ein. Foto: Hartmut Balder

Den Abschluss bildeten weitere Vorträge von Prof. Dr. Hartmut Balder zur realen Wurzelentwicklung von Gehölzen in Regenwasseranlagen sowie zur Biodiversität und Unterhaltung von Mulden, wichtige Erkenntnisse aus langjährigen Berliner Studien zur Optimierung von Regenwasserkonzepten. Der Vortrag von Prof. Dr. Andrea Haase zur Neugestaltung der Isar wurde zur Vorbereitung der Exkursion und zur Einführung des Verständnisses einer alternativen Ausrichtung der Gestaltung von Überschwemmungsflächen (anders als im Herrenkrugpark) in den Grundzügen der Gestaltung "Dem Wasser mehr Raum geben, die Überschwemmungsflächen differenzieren und aufweiten" zusammenfassend vorgestellt.

Der dritte inhaltliche Schwerpunkt, die Exkursion im Herrenkrugpark mit Schwerpunkt der Baumschäden durch die Fluten von 2013 sowie der Parksanierung führte zu folgender konkreter Anschauung: Den landschaftlichen Rahmen für diese besondere Art der Anschauung bildeten die historischen Maßnahmen einer Deichführung in der Nähe des Flusslaufes und die Sichtbarkeit der Konsequenzen des Hochwassers von 2013 in Form von Baumschäden an Stämmen, Ästen und Kronen. Die Flut hatte den Deich übersprungen, war dann auf den dahinterliegenden Flächen wie in einer Badewanne gefangen, konnte nicht mehr abfließen und hatte so erheblichen Schaden an etlichen wertvollen Alt- und Jungbäumen verursacht. Hier zeigte sich der Konflikt "Denkmalschutz versus Klimawandel" deutlich, nicht zuletzt an der Sanierung des früheren Deiches nach 2013 durch eine weitere Erhöhung des Deichgrundes und des Deichbauwerkes (Abb. 4).

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Abb. 4: Deicherhöhung zur Flutvorsorge zum Schutz des historischen Parks (l.). Foto: Hartmut Balder

Der sichtbar gewordene Konflikt der "Badewannensituation" ist zurückzuführen darauf, dass die Reichweite der Überflutung vor der Anlage des Parks historisch nicht gesehen worden war. Das Ergebnis der Sanierung des Deichs nach 2013 zeigte aber auch, dass die Kultur des Parks vor der Naturgewalt des Elbwassers immer noch geschützt werden soll. Die Teilnehmer*innen waren vor Ort konfrontiert mit Maßnahmen der Schädlingserkennung und Bekämpfung. Der eingeschleppte Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) ist in Europa als Quarantäneerreger meldepflichtig und hat im Herrenkrug umfangreiche Kontroll- und Bekämpfungsmaßnahmen ausgelöst. Dies wurde anschaulich erläutert durch den Einsatz eines Spürhundes (Abb. 5) und die Demonstration von Kletteraktionen.

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Abb. 5: Spürhund auf der Suche nach ALB im praktischen Einsatz im Quarantänegebiet. Foto: Hartmut Balder

Prof. Erich Buhmann, Prof. Dr. Ing. Andrea Haase und LA Michael Schwahn, Teilnehmer*innen des LV Bayern-Süd, stellten die Frage nach der räumlichen Konsequenz für eine zeitgemäße Anerkennung der potenziellen Kraft des Hochwassers dem Beispiel der Isar-Neugestaltung, München, entsprechend im Sinne von "dem Wasser mehr Raum geben".

Die Arbeitsatmosphäre des Workshops war an beiden Tagen von Beginn bis Ende angeregt und intensiv, nahezu ohne nennenswerte Pausen, aber mit einem Get-Together beim gemeinsamen Dinner am Abend zur Möglichkeit des intensiven Fachaustausches. Die Feldexkursion war gut besucht und lehrreich besetzt mit Fachleuten der Wasserwirtschaft, des Denkmalschutzes und der Schädlingsbekämpfung. Schwerpunkt war die Erklärung von Schadsymptomen der Baumschäden durch die Fluten (Abb. 5) sowie die praktischen Bemühungen um den historisch wertvollen Baumbestand im Herrenkrugpark.

Die Teilnehmer waren sich einig, dass der interdisziplinäre Ansatz Abb. 5: Spürhund auf der Suche nach ALB im praktischen Einsatz im Quarantänegebiet.

Prof. Dr. Ing. Andrea Haase und Prof. Dr. Hartmut Balder

Prof. Dr. habil. Hartmut Balder
Autor

Leiter Institut für Stadtgrün, Falkensee

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