Ein gartendenkmalpflegerisches Juwel mit Nutzungsansprüchen

Der Wohlerspark in Hamburg-Altona

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Grünzüge Friedhöfe
Abb. 1: Baumpflegemaßnahmen an den historischen Linden-Alleen und Sanierung der gesamten Erschließung, wassergebundenen Wege und Plätze. Foto: Hannah Agel

Der Grünzug Neu-Altona verläuft über eine Länge von rund 1,8 Kilometern vom Fischmarkt bis zum S-Bahnhof Holstenstraße. Diese grüne Achse mit ihren Spiel- und Freizeitangeboten genießt eine besondere Wertschätzung in der Bevölkerung.

Seit 1979 ist der ehemalige evangelische Friedhof an der Norderreihe entwidmet und wird unter dem Namen Wohlers Park als Teil des Altonaer Grünzugs öffentlich genutzt. Der Park hat eine besondere Stellung einerseits als ehemaliger Begräbnisplatz, andererseits als wohnungsnahe Grünfläche und Quartierspark der Altonaer Innenstadt. Insgesamt gehört der Wohlers Park mit seinem wertvollen Altbaumbestand und den noch vorhandenen denkmalgeschützten Grabmälern bekannter Altonaer Persönlichkeiten zu den bedeutenden Zeugnissen Altonaer Geschichte.

Im Jahr 2017 hat die Freie und Hansestadt Hamburg das Grundstück des Wohlers Parks mit einer Fläche von rund 50.000 Quadratmetern erworben und damit den Weg für die Grunderneuerung dieser gartendenkmalpflegerisch bedeutsamen Anlage frei gemacht. Das Flurstück mit dem Torgebäude verblieb im Eigentum der Kirchengemeinde.

Der Park ist geprägt durch seine Vielfältigkeit und durch die Kleinteiligkeit seiner Bereiche. Er dient sowohl der Durchgangsmöglichkeit zwischen den angrenzenden Stadtquartieren und dem Altonaer Grünzug als auch der Kurzzeiterholung. Er bietet ein geschütztes Umfeld, innerhalb dessen man sich gerne abseits des Verkehrs bewegt und aufhält. Vier vorhandene Zugänge führen in den Park: von der Wohlers Allee, von der Norderreihe durch das Torgebäude, von der Max-Brauer-Allee und von der St.-Johanniskirche her. Das Wegenetz besteht aus dem historischen Lindenkreuz mit umlaufender Lindenallee und den untergeordneten, orthogonal und diagonal ausgerichteten Wegen aus der zweiten Anlagenphase der 1970er und 1980er-Jahre.

Die der zweiten Anlagenphase entstammende Ausstattung ist in die Jahre gekommen und dringend erneuerungsbedürftig. In diesem Zuge soll eine Koordinierung der neuen Nutzungsanforderungen mit den Denkmalschutzaspekten erfolgen.

Die Grunderneuerung des Wohlers Parks wird sowohl über das "Rahmenprogramm Integrierte Stadtentwicklung (RISE)" als auch über "Wohnungsbaufolgemaßnahmen" gefördert.

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Abb. 2: Entwurfsplan Wohlers Park Hamburg Altona. Abbildung: Gudrun Lang

Organisatorische Voraussetzungen

Seit 2013 liegt ein Pflege- und Entwicklungskonzept für den Wohlers Park vor, erstellt durch Büro Gudrun Lang Freie Landschaftsarchitektin. In den Jahren 2017/18 folgte ein Beteiligungsverfahren, das durch die steg Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg mbH, Stadtteilbüro Altona-Altstadt, im Auftrag des Bezirksamts Altona durchgeführt wurde. Im Rahmen der Bürgerbeteiligung konnten die Parkbesucher und Anwohner ihre Nutzungswünsche äußern und Kritikpunkte benennen. Der Beteiligungsprozess wurde von Studierenden der HCU Hamburg untersucht. Daraus resultiert der Film "Wohlers Park - Umbau im Dialog" mit Interviews der verschiedenen Akteure, der im Rahmen der Ausstellung "Schöner Wohnen in Altona?" des Altonaer Museums gezeigt wird. Ergebnis der Untersuchung war der hohe identitätsstiftende Wert des Parks für den Stadtteil. Der Film dokumentiert den Stimmungswechsel von anfänglicher Skepsis beim ersten Beteiligungstermin hin zur wohlwollenden Aufnahme des überarbeiteten Konzepts am Ende des Beteiligungsverfahrens. Nutzerwünsche wurden berücksichtigt, sofern sie nicht dem Denkmalschutz entgegenstehen.

Die bauliche Umsetzung der planerischen Ziele erfolgte im Zeitraum 2019 bis 2020.

Diskurs

Der Wohlers Park liegt in einem dicht besiedelten Umfeld. Diese Lage sowie die Beliebtheit führen zu verschiedensten Nutzungsansprüchen, die einander teilweise widersprechen und zu Konflikten führen. Der Park wird von vielen Besuchern als ein Ort der Ruhe und des Rückzugs geschätzt. Andere Menschen drehen auf der umlaufenden Allee ihre Joggingrunden, radeln - verbotener Weise - durch den Park, oder kommen zu abendlicher Stunde zu Grillpartys auf den Rasenflächen zusammen. Die unmittelbaren Anwohner beklagen sich über den Lärm der Feiern bis spät in die Nacht. Sie fühlen sich auch durch den Rauch der Grills belästigt, der sich an windstillen Tagen wie eine Dunstglocke über die Parkfläche und ihre angrenzenden Gärten legt. Immer wieder wird daher die Forderung laut, den Park über Nacht zu schließen.

Spaziergänger erfreuen sich an den vielen verschiedenen Parkbereichen. Diese resultieren einerseits aus der Vergangenheit als Friedhof, andererseits aus dem Ausbau zum öffentlichen Park mit entsprechenden Pflanzungen und Ausstattungselementen. Viele Strauchgruppen haben sich seit 40 Jahren frei entwickelt und sind zu undurchdringlichen Dickichten herangewachsen, insbesondere die Rhododendronpflanzungen. Dadurch ergeben sich auch Angsträume. In den Gehölzflächen wohnen zeitweise Obdachlose. Immer wieder kommt es zu Problemen durch die Hinterlassenschaften von Drogenkonsumenten. Ungeachtet all dessen ist der Wohlers Park, und vor allem sein Spielplatz, bei Kindergruppen mit Tagesmüttern und Erziehern beliebt. Ebenso wie bei Hundebesitzern, welche die bestehende Parkordnung in Bezug auf das Hundeverbot gänzlich missachten.

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Abb. 3: Denkmalgeschützte Hügelgruft des dänischen Oberpräsidenten von Altona, C. D. Graf von Blücher Altona (29.02.1764–01.08.1845). Foto: Hannah Agel
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Abb. 4: Anlage von Schmuckbeeten im Eingangsbereich. Foto: Gudrun Lang
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Abb. 5: Anlage von Schmuckbeeten im Eingangsbereich. Foto: Hannah Agel

Das Parkbild ist bis heute geprägt von den historischen Lindenalleen (Tilia x europaea - Holländische Linde). Ursprünglich waren die Lindenalleen wohl als Schattengänge geplant und wahrscheinlich als Formgehölze gezogen worden. Dafür spricht der enge Pflanzabstand von etwa 4 -5 Meter. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden diese Linden wahrscheinlich regelmäßig unter Schnitt gehalten, weil die Kronenentwicklung diese Form der Reduktion erforderte. Der Brennholzmangel im Krieg führte dazu, dass 115 der Linden verloren gingen und später ersetzt werden mussten. Ab 1946 kam es zu großen Versäumnissen in der weiteren Entwicklung der Alleen. Man stellte das regelmäßige Kappen der Linden zunächst komplett ein. In der Folge wurde nach 1972 mindestens noch zweimal der Altbaumbestand gekappt. Dieser Wechsel von Schnitt und Aussetzen von Schnittmaßnahmen führt heute zu großen Problemen. An ehemaligen Schnittstellen im Kronenbereich entstanden zum Teil erhebliche Stammmorschungen.

Ein Teil des Bestands, der nicht mehr vital und standsicher war, wurde entfernt und durch Neupflanzungen ersetzt. Einige Altbäume sind bereits saniert. Heute zeigen sich die Alleen stellenweise deshalb sehr uneinheitlich. Es sind vier verschiedene Altersgruppen der Linden feststellbar: Pflanzung der 1920er, -50er und -70er-Jahren sowie Pflanzung nach dem Jahr 2000. Die Linden weisen, bedingt durch den engen Pflanzabstand, geringe Kronendurchmesser und einen stark nach oben strebenden Wuchs mit einer Sekundärkrone auf. Die nahe an den Alleen gepflanzten sonstigen Bäume erhöhen den Konkurrenz- und Schattendruck auf die Linden. Dies bedeutet einen Stressfaktor für die Bäume, der zu nachlassender Vitalität und Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge führt.

Im hoch verdichteten Stadtteil Altona hat eine Grünfläche, zumal mit umfangreichem Altbaumbestand und großflächigen Gehölzbereichen, immer auch Relevanz für den Natur- und Artenschutz. Hier gibt es Nahrungs-, Nist- und Rückzugsräume für Vögel, Kleinsäuger, Fledermäuse und Insekten.

Die Gehölzbereiche sind allerdings aufgrund des Nutzungs- und Schattendrucks weitgehend frei von einer Krautschicht. Der im Zuge des Beteiligungsverfahrens mehrfach geäußerte Wunsch nach mehr Rasen als Aufenthalts- und Liegeflächen ist im Schatten der Bäume nur bedingt realisierbar.

Aus der vorbeschriebenen Problematik resultiert heute eine Diskussion über die Frage, wie die Alleen gefördert werden können, bei gleichzeitigem bestmöglichem Erhalt des sonstigen Baumbestands. Es gilt, die Belange von Denkmalschutz, Arten- und Naturschutz, die Nutzerwünsche sowie die Vorgaben des Bezirks im Hinblick auf Pflege-Aufwendungen und Finanzmittel für die Grunderneuerung abzuwägen. Der eindeutige Schwerpunkt liegt auf dem Denkmalschutz. Die Grunderneuerung und Entwicklung sind in kurz-, mittel- und langfristig wirksam werdende Maßnahmen und Strategien gegliedert.

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Abb. 6: Umnutzung der vier Sitz-Rondelle, im nordöstlichen Quadrant zu einem "Quartierstreff". . . Foto: Hannah Agel
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Abb. 7: . . . und im südwestlichen Quadrant zu einem "Kleinkinderspielplatz". Foto: Gudrun Lang

Beseitigung von Störungen

  • Rückbau des Garagengebäudes und der großen Platzfläche am Betriebshof
  • Entnahme von Bäumen gemäß Baumliste, zeitlich gestaffelt
  • Entfernen des Gartenschachspiels und verlagern in das südöstliche Rondell
  • Verlagern und Neuausbau der vorhandenen Kleinkinder-Spielfläche in das südwestliche Rondell
  • Herstellen von Barrieren aus Hamburger Rabattengitter gegen die Bildung von Trampelpfaden
  • Symbolhafte Darstellung des Hunde- und Radfahrverbots an den Eingängen

Instandsetzen defekter denkmalrelevanter Parkelemente

  • Baumpflege- und Gehölzschnittmaßnahmen im Rahmen der Jahrespflege, Linden-Alleen, Kronenentwicklung und Sanierung/Belüftung des Wurzel-Traufbereichs stadtbildprägender Solitärbäume
  • Wiederherstellung des historischen Linden-Rondells am Haupteingang sowie der südwestlichen Lindenallee
  • Instandsetzen/Reparatur von Grabstellen bekannter Altonaer Persönlichkeiten
  • Erschließung vollständig sanieren: wassergebundenen Wegedecken, unter Berücksichtigung der neuen Nutzungsansprüche und Schonung des vorhandenen Baumbestands, befahrbar; Wegebreite der Hauptwege ist 3 Meter, untergeordnete Wege 1,5 Meter bis 1,8 Meter
  • Wiederherstellung/Umnutzung der Sitz-Rondelle in den vier Quadranten
  • Wiederherstellung der intensiv genutzten Rasenflächen

Langfristige zum Substanzgewinn führende Maßnahmen

  • Funktionale und ästhetische Inwertsetzung der außen liegenden Eingangsfläche an der Max-Brauer-Allee: Neuordnen, Aufwerten und Herstellen
  • Aufwertung der Eingänge: Schaffung einer Prägnanz (Wiedererkennungswert), Erhalt der Barrierefreiheit (drei von vier Zugängen)
  • Anlage von Schmuckbeeten am Haupteingang mit einer Staudenmischpflanzung und Zwiebelgewächsen für schattige Lagen; Sicherung der Schmuckbeete mit Hamburger Rabattengitter
  • Infrastruktureinrichtungen: Festlegung der Standorte von Mülleimern
  • Wegeleitsystem und Besucherinformation, Schildertyp gemäß vorhandenem Altonaer Standard; Ausbau der Erinnerungskultur als Parkprojekt zur Vermittlung der Anlagengeschichte
  • Thema Rose als Symbolpflanze
  • Obstbäume fördern, heimische Obstbäume pflanzen

Artenschutzfachliche Maßnahmen

  • Trittsteine für den Artenschutz, Kleinstrukturen sichern und fördern, Gehölzneupflanzungen zur Sicherung von Nahrungsangebot, Schutzmöglichkeiten und Nestbau
  • Förderung von Stieleiche sowie nuss-, beeren- und fruchttragenden Gehölzen
  • Extensivierung von einigen Rasenflächen (2-schürige Mahd) und Förderung von Saumgesellschaften, Ziel: Erhöhung des Blüten- und Sämereienanteils heimischer Arten als Pflanzen- und Insektenlebensraum in sonnenexponierter Lage
  • Ergänzung von naturnahen Randbereichen als Sicht- und Lärmschutz zu den Wohnbebauungen
  • Berankung der Rondelle bevorzugt mit heimischen Kletterpflanzen

Denkmalverträgliche Nutzungen/Nutzungslenkung

  • Umnutzung der vier Sitz-Rondelle: im südwestlichen Quadrant zu einem Kleinkinderspielplatz; drei Rondelle werden für die Erholung als solche mit neuem Mobiliar aufgewertet; Beibehaltung der Pergolen mit Erneuerung der Wandelemente
  • Lenkung der Rasen-/Wiesen-Nutzung durch unterschiedliche Mähintervalle
  • Verwendung von Dornengewächsen auch zur Wegelenkung (Schutz störungsarmer naturnaher Bereiche)

Pflegemaßnahmen

  • Regelmäßige Pflege der Linden
  • Rasenbereiche mähen
  • Wiesenbereiche mit zweischüriger Mahd
  • Laub in den Randbereichen und Gebüschen liegen lassen, von Rasenflächen und Wegen entfernen und entsorgen - zweimal pro Herbst
  • Pflege der wassergebundenen Wegedecken - regelmäßiges Nacharbeiten, Walzen - zweijähriger Turnus
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Abb. 8: Instandsetzung und Neubepflanzung historisch bedeutsamer Grabstellen. Foto: Gudrun Lang
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Abb. 9: Instandsetzung und Neubepflanzung historisch bedeutsamer Grabstellen. Foto: Gudrun Lang

Fazit

Die anstehende Baumaßnahme findet in der Bevölkerung ein reges Echo. Die Sorge um den Park und die lieb gewordenen Plätze darin wurde im Zuge der Bürgerbeteiligung, aber auch darüber hinaus in persönlichen Gesprächen und E-Mails an die Planerinnen herangetragen. In den letzten vier Jahrzehnten hat der Park sein Gesicht immer wieder gewandelt. Zunächst lediglich ein ehemaliger Friedhof, wurden verschiedene Nutzungen appliziert und entsprechende Einbauten vorgenommen. Angestrebt war ein Park für die kontemplative Erholungsnutzung. Der Pflanzenbestand hat sich enorm entwickelt. In den vergangenen zehn bis 15 Jahren gewann die sportliche Nutzung mit Jogging, Slacken, Tai Chi an massivem Zulauf. Zeitweise gab es mit "Feen im Park" sogar kleine sommerliche Theaterabende, die historische Grüfte sowie Alleen als Bühne nutzten und viele Besucher anlockten.

Aktuell führt die Universität Hamburg im Park ein Forschungsprojekt zur Eichhörnchenpopulation durch. Die kleinen Nager haben sich stark vermehrt, da sie von den Besuchern sehr geliebt und gut gefüttert werden.

Der Wohlers Park spiegelt in seiner ganzen Erscheinung und Nutzung das vielfältige Leben im Quartier wider. Die Aufgabe für uns Planerinnen besteht darin, Nutzungen zu lenken und zwischen den verschiedenen Belangen abzuwägen. Der Erschließung mit den historischen Linden kommt die Hauptrolle zu. Sie muss über jeden Wandel hinweg das tragende Gerüst im Park sein und auch bleiben.

Dr.-Ing. Marketa Haist
Autorin

Landschaftsarchitektin

Dipl.-Ing. Gudrun Lang
Autorin

Freie Landschaftsarchitektin, Hamburg

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