Freiflächenumgestaltung auf dem Neuen Annenfriedhof in Dresden

Vom Parkfriedhof zum Friedhofspark

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1 In den Arkaden des Campo Santo befinden sich die Grabstätten vieler Industrieller. Der Bereich lädt zum Erkunden und Verweilen ein, ist aber leider in schlechtem Zustand. Foto: Lara Schink, Verband der Annenfriedhöfe Dresden.

Im Sommer 2021 erhielt die Landeshauptstadt Dresden die erfreuliche Nachricht, mit dem Projekt "Vom Parkfriedhof zum Friedhofspark: Freiflächenumgestaltung eines Teilbereichs des Neuen Annenfriedhofs in Dresden" als eines von sechs Projekten bundesweit für das Forschungsvorhaben "Green Urban Labs II" ausgewählt worden zu sein, im Rahmen des Programms "Experimenteller Wohnungs- und Städtebau" des Bundesministeriums des Inneren, für Bau und Heimat (BBSR).

Gesucht waren Modellprojekte, die "innovative, beispielgebende und kreative Ansätze für die zukunftsweisende Entwicklung grüner und blauer Infrastruktur in sich verdichtenden Städten" verfolgen. Dabei sollen die ausgewählten Kommunen sich untereinander austauschen, aber vor allem dem BBSR ihre Erkenntnisse zur Verfügung stellen, damit das gewonnene Wissen weiteren Kommunen zuteilwerden kann.

Die Frage zukünftiger Nutzung von perspektivisch nicht mehr als Friedhof benötigten Flächen und ihrer Bewahrung als Grün- und Freiflächen stellt sich derzeit in vielen Städten. In der Landeshauptstadt Dresden befinden sich 58 Kirch- und Friedhöfe mit einer Gesamtfläche von 173 Hektar. Die Prognose für 2050 geht von einem Bedarf von 57,7 Hektar Bestattungsfläche aus. Für nicht mehr benötigte Bestattungsflächen sind dringend Konzepte und Maßnahmen erforderlich, die die betreffenden Flächen erhalten und entwickeln.

Obwohl in Dresden 53 der 58 Friedhöfe in kirchlicher Trägerschaft sind, wird dies aufgrund des steigenden Ungleichgewichts zwischen Gebühreneinnahmen und (Grün-)Wert für den Stadtteil zunehmend als städtische Aufgabe begriffen. In den sich durch Bebauung in hohem Tempo verdichtenden Stadtquartieren soll unter anderem durch die Umwandlung von Friedhöfen in öffentliche Parks und Grünflächen das sich verschärfende Defizit an Grünraumausstattung ausgeglichen werden.

Mit dem Neuen Annenfriedhof soll auf einer Teilfläche modellhaft diese Umwandlung realisiert werden. Aufgrund der Vielfalt der Ansprüche an die Fläche bezüglich denkmalpflegerischer, naturschutzfachlicher, kultureller, naherholungstechnischer und sozialer Aspekte erfordert die Umsetzung des Modellprojektes ein sehr hohes Maß an fachbereichsübergreifender Kooperation mit sehr heterogenen Akteuren. Die Umsetzung soll beispielhaft für die zukünftigen multifunktionalen Transformationen der Friedhofslandschaft in Dresden sein.

Wichtige Schwerpunkte des Projekts sollen hier gemeinsam mit ersten Zwischenergebnissen nach einem Jahr Projektlaufzeit vorgestellt und ein Ausblick auf die weitere Arbeit gewährt werden.

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2 Auszug aus dem Friedhofsentwicklungskonzept (2018) – hier zu sehen ist der Bestandsplan des Neuen Annenfriedhofs. Der Bereich "Friede und Hoffnung" ist die langgestreckte Grünfläche im westlichen Teil des Neuen Annenfriedhofs. Abb.: Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft Dresden
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3 Perforierte Belegung zwischen Ostgrenze und Mittelallee Foto: Lara Schink, Verband der Annenfriedhöfe Dresden
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4 Efeubewachsenes Kreuz im südlichen Rondell der Allee. Foto: Lara Schink, Verband der Annenfriedhöfe Dresden

Der Neue Annenfriedhof und dessen Teilbereich "Friede und Hoffnung" - ein Blick auf die Vorgeschichte

Als dritten Annenfriedhof weihte die ev.-luth. Annenkirchgemeinde 1875 den Neuen Annenfriedhof. Großzügig angelegt als ca. 10,5 Hektar großer Parkfriedhof war der Friedhof zu seiner Zeit der größte Friedhof in und um Dresden und der erste mit gartenkünstlerischer Gestaltung (Gartenarchitekt: Max Bertram). Auch der Eingangsbereich mit monumentalem Hauptgebäude im Campo-Santo-Stil (Architekt: Robert Wimmer) macht den Friedhof bis heute zu einer Besonderheit.

1897 wurde durch die in Dresden-Löbtau ansässige Kirchgemeinde "Frieden und Hoffnung" unmittelbar angrenzend der Löbtau-Naußlitzer Friede- und Hoffnungsfriedhof geweiht; mit weiteren rund 3,5 Hektar. Da die Friedhöfe ohnehin als zusammengehörig gestaltet waren, lag die Übernahme der Verwaltung durch den Neuen Annenfriedhof in den 1940ern nahe; heute ist der Verband der Annenfriedhöfe Dresden Friedhofsträger.

Nach dem Krieg sanken die Bestattungszahlen. Die DDR-Zeit brachte darüber hinaus noch weitere Strapazen für die Friedhöfe in kirchlicher Trägerschaft mit sich: Den 53 konfessionellen Friedhöfen stehen in Dresden 5 kommunale Friedhöfe gegenüber.

Die Missbilligung der DDR-Regierung gegenüber kirchlichen Einrichtungen manifestierte sich in geringen Kirchenmitgliedszahlen und ausbleibender Unterstützung. Zusätzlich wurden die Urnenbestattung und speziell die anonymen Urnengemeinschaftsanlagen politisch idealisiert als passende Bestattungsform zur angestrebten gesellschaftlichen Gleichheit.

Heute gibt es in Dresden circa 10 Prozent christliche Bestattungen und circa 90 Prozent weltliche Bestattungen. Das gleiche Verhältnis besteht zwischen Erdbestattung und Urnenbestattung (zugunsten der Urnenbestattung).

Aufgrund ihres Wertes als wohnortnahe Bestattungsorte, aber auch ihrer sekundären Funktionen (Naherholungswert, kultureller/kunsthistorischer Wert, ökologischer Wert), werden die kirchlichen Friedhöfe seit der Wende zunehmend durch kommunale Fördermittel unterstützt.

Die geringen Belegungszahlen (statt circa 44.000 Grablagern sind heute circa 6000 Grablager belegt) hatten auf dem Neuen Annenfriedhof zur Konsequenz, dass etwa zwei Drittel der Fläche beschränkt oder ganz geschlossen sind. Bereits in den 1990ern hat man daher begonnen, die Bestattungen auf ein Kerngebiet zu konzentrieren, um die zunehmenden Freiflächen extensiver pflegen zu können. Dies betrifft auch den kompletten Teilbereich "Friede und Hoffnung".

Da der Friedhof in einem mit Grünflächen unterversorgten Stadtbezirk liegt, wird er rege von der Bürgerschaft besucht und als größte Grünanlage des Stadtteils sehr geschätzt. Der Nutzungsdruck - vor allem durch (zu schnelle) Radfahrende, Hundebesitzende (ohne Leine) und (laut spielende) Kinder - wird bisweilen zur Herausforderung für Trauernde, umgekehrt überwiegt die Freude über das meist friedliche Miteinander von Leben und Tod.

Um Lösungen für den Umgang mit dem Flächenüberhang auf Dresdner Friedhöfen aufzuzeigen, hat die Landeshauptstadt Dresden 2018 ein Friedhofsentwicklungskonzept (Verfasser: Landschaftsarchitektur-Büro Grohmann) beschlossen, das alle Friedhofsträger einschließt.

Neben einer umfassenden Analyse und wichtigen Planungsgrundlagen liefert das Konzept auch Vorschläge für vier Pilotprojekte mit Umnutzung von größeren Friedhofsfreiflächen oder ganzen Friedhöfen. Einer der Vorschläge ist die Umgestaltung des Teilbereichs "Friede und Hoffnung" auf dem Neuen Annenfriedhof zu einem Stadtteilpark mit eigenem Café.

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5 + 6 Studierende der TU Dresden stellen Ideen für die Weiterentwicklung des Neuen Annenfriedhofs im Rahmen des 2. GuLII-Workshops vor: Mit temporären Interventionen Studierender der Landschaftsarchitektur (Bild 5, Projekt "Das Monster aufdecken"- betreut durch: Prof. Ana Viader Soler/Michèle Robin Jankowski/Véronique Faucheur) und der Architektur (Bild 6, Projekt "Mitten im Leben – Neuer Annenfriedhof in Dresden" – betreut durch: Prof. Dr. Claudia Marx/Franziska Herborn/Tom Macht/Dr. Nils Schinker); Fotos: Juliane Tobies, Verband der Annenfriedhöfe Dresden
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5 + 6 Studierende der TU Dresden stellen Ideen für die Weiterentwicklung des Neuen Annenfriedhofs im Rahmen des 2. GuLII-Workshops vor: Mit temporären Interventionen Studierender der Landschaftsarchitektur (Bild 5, Projekt "Das Monster aufdecken"- betreut durch: Prof. Ana Viader Soler/Michèle Robin Jankowski/Véronique Faucheur) und der Architektur (Bild 6, Projekt "Mitten im Leben – Neuer Annenfriedhof in Dresden" – betreut durch: Prof. Dr. Claudia Marx/Franziska Herborn/Tom Macht/Dr. Nils Schinker); Fotos: Juliane Tobies, Verband der Annenfriedhöfe Dresden

"Friede und Hoffnung" - wichtige Gestaltungselemente und Themenbereiche

Der Friedhofsbereich "Friede und Hoffnung" ist gegliedert durch eine lange Lindenallee mit Rasenflächen auf beiden Seiten. Die östliche Seite ist dabei wesentlich stärker durch in Nutzung befindliche Grabstätten geprägt, wenngleich auch hier die Belegung lückig ist.

Begrenzt wird die Fläche durch eine Reihe historischer Grabstellen, die überwiegend verwaist sind. Dahinter befand sich ursprünglich eine dreireihige Weißdornhecke, die den Friedhofsbereich vom eigentlichen Neuen Annenfriedhof abgrenzen sollte, mittlerweile aber nur noch stellenweise in Form ausgewachsener Bäume vorhanden ist, gemischt mit anderen Bäumen und Sträuchern.

Auf der westlichen Rasenfläche sind fast keine Grabstätten mehr vorhanden. Diese Seite des Friedhofs ist geprägt von den Brandschutzwänden der angrenzenden Häuser, sowie von vielfach schlecht instand gehaltenen Backsteinmauern und Maschendrahtzäunen, die die freie Sicht auf Hinterhofparkplätze von Mehrfamilienhäusern ermöglichen.

Im nördlichsten Teil des Areals befindet sich ein verfallenes Friedhofsgebäude, das aktuell als Schuppen genutzt wird. Dahinter direkt angrenzend wurde ein abgeschlossener Bereich der Fläche als Gemeinschaftsgarten "Annengarten" verpachtet.

Die Lindenallee selbst ist gegliedert durch zwei Rondelle mit Hochkreuzen, sowie ein weiteres Rondell mit einem Kriegsdenkmal für die beiden Weltkriege. Der Bereich wird im Süden begrenzt durch die Hoffnungskirche und im Norden durch die stark befahrene Kesselsdorfer Straße. Im Verlauf der Arbeit am Projekt haben sich vier wesentliche Themenbereiche herauskristallisiert, die sich an vielen Stellen wunderbar verzahnen lassen:

Thema Gesamtgestaltung und Freiraumkonzept

Besonders zu diesem Thema ist ein regelmäßiger Austausch mit der Bürgerschaft wichtig, um die vielfältigen Nutzungsansprüche zusammen mit weiteren Aspekten in ein stimmiges Ganzes zusammenzuführen.

In Bezug auf die zukünftigen Nutzungen stellt sich die Frage, welchen Aktivitäten explizit ein Raum gegeben werden soll und bei welchen das weniger wünschenswert ist. Die Frage ist eng verbunden mit der Frage nach der Vereinbarkeit der Aktivitäten mit der Rücksicht auf Trauernde und das Pietätsempfinden der Bürgerschaft sowie deren Wünsche in Bezug auf neue Nutzungsmöglichkeiten.

Da im Osten der Fläche teils Grabstellen noch jahrzehntelang bestehen werden, muss hier nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich ein geeigneter Übergang für die neuen Nutzungen gefunden werden.

Mit vielen konzeptionellen Fragestellungen haben sich kurz vor Beginn des Projektes bereits Studierende in Bachelorarbeiten und Semesterprojekten befasst. Diese Arbeiten sind eine wichtige Grundlage für die Diskussion mit der Bürgerschaft, aber auch als Inspiration für den Umgestaltungsentwurf.

Besonders hilfreich für die Auseinandersetzung erwiesen sich hier die beiden abgebildeten Entwurfsprojekte, aber auch die gartenbauliche Bachelorarbeit von Anja Zuranski ("Weiterentwicklung des Teilbereiches "Friede und Hoffnung" des Neuen Annenfriedhofs Dresden - Vorschlag für die Umgestaltung unter Einbeziehung von Befragungen und Beobachtungen zum Besucherverhalten") sei hier erwähnt, in der eine erste Nutzungsanalyse und Zonierung erfolgte.

Bis Anfang 2023 soll das Planungsbüro Prugger Landschaftsarchitekten auf Basis der vielfältigen Ideen und der ebenfalls in Arbeit befindlichen Denkmalpflegerischen Zielstellung (Landschaftsarchitektin Birgit Pätzig) sowie unter Berücksichtigung von Artenschutzbelangen einen Vorentwurf für die Freiflächengestaltung erarbeiten.

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7 + 8 Mit einer Malaisefalle untersuchen Umweltmonitoring-Studierende die Insektenfauna des Neuen Annenfriedhofs. Zeitgleich untersucht Landschaftsentwicklungsstudent Axel Frieden mittels Schallaufzeichnung und Lebendfangaktionen die Fledermausquartiere auf fünf Dresdner Friedhöfen. Fotos: Lara Schink, Verband der Annenfriedhöfe Dresden.
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7 + 8 Mit einer Malaisefalle untersuchen Umweltmonitoring-Studierende die Insektenfauna des Neuen Annenfriedhofs. Zeitgleich untersucht Landschaftsentwicklungsstudent Axel Frieden mittels Schallaufzeichnung und Lebendfangaktionen die Fledermausquartiere auf fünf Dresdner Friedhöfen. Fotos: Lara Schink, Verband der Annenfriedhöfe Dresden.

Thema Ökologie und Artenschutz

Die Diskussion um diese Themen hat stets an Bedeutung gewonnen und auch der immense Beitrag innerstädtischer Friedhöfe zu Stadtklima, Artenvielfalt, Luftreinigung und als Habitat-Vernetzungsraum wird zunehmend beachtet. Das Alter des Baumbestands und die strukturelle Vielfalt ist auch auf dem Neuen Annenfriedhof bemerkenswert. Das Interesse der Bürgerschaft und der Wille vieler Friedhofsverwaltungen, hier einen noch größeren Beitrag zu leisten, sind groß.

Umgekehrt gibt es bislang wenige Untersuchungen zur Artenvielfalt auf Dresdner Friedhöfen, was sich hoffentlich im Verlauf des Projekts ändern wird - mehrere Akteure haben Interesse bekundet, die Realisierung soll im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft durch das Projektteam unterstützt werden. Erste Schritte wurden bereits unternommen, vor allem in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden:

So konnte 2015 in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Matthias Jentzsch und Umweltmonitoring-Studierenden eine Untersuchung von Vogelbrutquartieren sowie im Sommer 2022 eine entomologische Untersuchung mittels einer Malaise-Falle erfolgen. Landschaftsentwicklung-Masterstudent Axel Frieden untersucht auf dem Neuen Annenfriedhof und vier weiteren Dresdner Friedhöfen das Vorkommen von Fledermäusen (Betreuung: Prof. Dr. Frank Dziock und NaBu-Fledermausexpertin Bianka Schubert).

Im Studiengang Gartenbau konnten die Studierenden Natalie Niedziella und André Ulbricht in einem Semesterprojekt im Fach "Urbaner Garten- und Landschaftsbau" durch Messungen der Lufttemperatur die kühlende Wirkung des Friedhofs im Kontrast zur Aufheizung der bebauten Umgebung nachweisen (Betreuung: Prof. Dr. Henning Günther).

Potenziale der Fläche für den Artenschutz sollen auch bei der Umgestaltung mit berücksichtigt werden. Neben der Intensivierung der Untersuchung ökologischer Grundlagen soll durch thematische Führungen, Informationsangebote und die gemeinschaftliche Umsetzung kleiner Projekte in Zukunft auch das Umweltbildungsangebot auf dem Neuen Annenfriedhof erweitert werden.

Thema Denkmalpflege und Erinnerungskultur

Die Projektfläche steht als Teil des Neuen Annenfriedhofs in seiner Sachgesamtheit unter Denkmalschutz und ist darüber hinaus als Gartendenkmal geschützt. Zusätzlich sind als Einzeldenkmale in diesem Bereich das Kriegsdenkmal der Bildhauerin Ilse Plehn geschützt sowie 15 Grabstätten entlang der Ostgrenze.

Als Teil des Gartendenkmals geschützt sind die Lindenallee, die Reste der ursprünglichen Weißdornhecke, die Quartiersteine, das mit keramischen Platten gestaltete Schnittgerinne entlang des Hauptwegs, die Rondelle mit dem Stein- beziehungsweise Holzkreuz, die Zäune in den Eingangsbereichen, sowie die Reste von Toranlagen im Übergang zum Neuen Annenfriedhof.

So vielzählig die Schutzgüter, so gering sind aktuell die Möglichkeiten für Pflege und Konservierung derselben. Neben der Frage zum Erhalt der Denkmalsubstanz soll auch über eine Aufwertung darüber hinaus (z. B. durch Bepflanzung im Sinne ökologischer und ästhetischer Ansprüche) und Verbesserung der kulturellen Erlebbarkeit (z. B. durch Führungen, Broschüren, digital verfügbare Informationen) nachgedacht werden.

Als erste Maßnahme konnte im Rahmen des Projekts eine Denkmalpflegerische Zielstellung finanziert werden, die eine wichtige Grundlage für die weitere Arbeit und die Genehmigungsfähigkeit geplanter baulicher Maßnahmen sein wird. Zusätzlich soll eine Arbeitsgruppe aus Fachpersonen und Ehrenamtlichen Lösungsstrategien fü?r den Erhalt der Denkmalsubstanz und ihrer kulturellen Erschließung entwickeln, die sich auch auf andere Friedhöfe in Dresden übertragen lässt.

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9 Die historischen Grabstätten entlang der Ostgrenze sind kunsthistorisch und stadtteilgeschichtlich interessant und viele sind mit kunstvollen Zäunen eingefriedet. Foto: Lara Schink, Verband der Annenfriedhöfe Dresden.
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10 Zum 2. Workshop konnte dank der Unterstützung lokaler Akteure (Palais Café und Cross River Coffee) sowohl ein Café-Angebot in der Fläche ausprobiert werden wie auch ein Spielangebot für kleine Kinder (Outlaw Kinder- und Jugendhilfe). Foto: Juliane Tobies; Verband der Annenfriedhöfe Dresden.

Thema Begegnung

Aktuell suchen Menschen auf dem Neuen Annenfriedhof gleichermaßen Ruhe wie auch Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder, Auslaufmöglichkeiten für Hunde, Geselligkeit, Einsamkeit. Diese Nutzungen gilt es miteinander auszuhandeln und entsprechend wichtig ist für das Projekt die regelmäßige Beteiligung der Bürgerschaft. Im Rahmen des Projekts konnten bisher drei Veranstaltungen stattfinden, von denen die Emphase der ersten zwei jedoch eher auf der Vernetzung bekannter Akteure lag.

Im Juli 2022 fand eine erste öffentliche Veranstaltung statt: Mit Vorträgen und Informationen zum Projekt wie auch eigenen Kommentier- und Erkundungsmöglichkeiten. Im Rahmen des Caterings wurde das ehemalige Friedhofsverwaltungsgebäude in dem Bereich als Café inszeniert und erprobt - wie in den vorigen Befragungen mit großem Zuspruch aus der Bürgerschaft!

Gegenüber dem Café wurde ein betreutes Spielangebot für kleine Kinder ausprobiert. Weitere Ideen rund um die Fläche und eine Belebung in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren sind Aufenthaltsbereiche, eine ku?nstlerische Aufwertung der Brandschutzwände beispielsweise durch die Aufstellung von Kunststellwänden, sowie ruhige Spiel-/Umweltbildungselemente für Kinder.

Besonders die Ansprüche der zahlreichen Kinder in der Nachbarschaft sollen im Rahmen einer Kinderbeteiligung zu dem Projekt noch 2022 erforscht werden. Auf immaterieller Ebene können Führungen, Kulturveranstaltungen und Gesprächsangebote ebenfalls das Begegnungspotenzial des Friedhofs steigern. Einen Anfang hat hier die Gründung eines Trauer-Gesprächskreises gemacht, der durch Trauerbegleiterin Claudia Freitag als Teil der Arbeit im Freundeskreis der Annenfriedhöfe Dresden e. V. betreut wird.

Für das als Café in Betracht kommende Friedhofsgebäude konnte im Rahmen des Projekts eine Bauzustandsanalyse durchgeführt werden, ein Architekturbüro soll in den kommenden Jahren mit einem Entwurf beauftragt werden. Die Frage nach der Trägerschaft für das Café sollte entsprechend ebenfalls bis dahin geklärt werden können.

Zwischenfazit

Auch wenn das Projekt noch bis Ende 2024 innerhalb von "Green Urban Labs II" laufen wird, werden viele der Wege dort nicht enden. Letztlich ist eine der ganz wesentlichen Metaaufgaben für das Projektteam die Vernetzung beteiligter Akteure untereinander, um die so neu geschaffenen Strukturen der Zusammenarbeit auch für andere Friedhöfe in Dresden verfügbar zu machen - und andere Friedhofsträger und Kommunen bundesweit anzuregen, in ihrer Kommune ähnliche Netze zu spinnen.

Diese Aufgabe ist durch die Vielfalt an professionellen und ehrenamtlichen Akteuren und Themenfeldern zugleich auch die größte Herausforderung. Zum jetzigen Zeitpunkt macht das Interesse aber auf alle Fälle Hoffnung auf ein Gelingen!

Weitere spannende Fragen bleiben die Finanzierung der Umsetzung und die zukünftige Verantwortung für die Unterhaltung der entstehenden Parkfläche.

 Lara Schink
Autorin

Friedhofsverwalterin

Verband der Annenfriedhöfe Dresden
 Mattes Hoffmann
Autor

Abteilungsleiter Planung/Entwurf/Neubau

Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft Dresden
 Katja Porrmann
Autorin

Leiterin Stabsstelle Grundsatz

Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft Dresden

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