GALK-Tagung und Bundeskongress

Wie Städte klimanangepasst und wassersensibel werden können

Unter dem Titel "Zukunftsstädte – klimaangepasst und wassersensibel" fand im Rahmen der 65. Jahrestagung 2023 der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz der gemeinsame Bundeskongress der grünen Fachverbände (BdB, bdla, BGL, DGGL, GALK) am 12. Mai 2023 in Mannheim statt.
Zukunftsstadt Stadtklima
Innovative Dachlandschaften: Ein Stadtgarten auf dem Bunker Feldstraße in Hamburg, Stand Frühjahr 2023. Foto: Landschaftsarchitektur+

Mehr als 150 Fach- und Führungskräfte aus der kommunalen Grünflächen- und Umweltverwaltung sowie der Grünen Branche tauschten sich über ihre Erfahrungen zur Bedeutung der urbanen grünen Infrastruktur für das Thema "Zukunftsstädte – klimaangepasst und wassersensibel" aus. Sie diskutierten den aktuellen Wissensstand und ihre aktuellen Erfahrungen aus der konkreten Umsetzung und zu künftigen Entwicklungen. Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Politik, Verwaltungen sowie Planungsbüros und Verbänden stellten sowohl ihre konkreten Lösungen als auch strategischen und politischen Ziel für die Zukunftsthemen der klimaangepassten und wassersensiblen Entwicklungen unserer Städte und Gemeinden vor.

Für die Ausrichterstadt der Bundesgartenschau stellte zunächst Christian Konowalczyk, Sachgebietsleiter Freiraumplanung der Stadt Mannheim das Grünsystem Mannheims vor. Dabei folgte er der von der GALK vertretenen These, die Stadtentwicklung vom Freiraum her zu denken. Gerade der bereits heute regelmäßig in der Stadt Mannheim zu spürende Hitzestress, zeige die Bedeutung des urbanen Grüns für die Entwicklung der Stadt. Gleichzeitig erläuterte er die strategische Konversionsentwicklung im Grünzug Nord-Ost durch die Einbindung der Spinelli-Barracks. Markus Roeingh, Leiter des Eigenbetriebs Stadtraumservice stellte die zentrale Bedeutung der Pflege und Instandhaltung für die langfristige Wirkung der grünen Infrastruktur in den Mittelpunkt seines Vortags. Ausreichende Ressourcen in den Städten und Gemeinden seien hierfür unverzichtbar. Christian Lerch, Leiter Parkanlage und Infrastruktur BUGA Mannheim 2023 verdeutlichte insbesondere die Herausforderungen und Lösungen zur Entwicklung einer als internationales Logistiklager genutzten ehemaligen Militärfläche zu einer anspruchsvoll gestalteten und vielfältig nutzbaren Parkanlage.

Den Block unter der Überschrift Best Practice eröffnete Prof. Dr. Stefan Schweizer, Präsident der DGGL und beschrieb das historische Entwässerungssystem der von Schloss Benrath bei Düsseldorf. Unter der Leitlinie "Lernen aus der Historie" diskutierte er auch das heutige Regenwassermanagement und den aktuellen Hochwasserschutz im Bereich der Schlossanlage.

Die neue grün-blaue Infrastruktur von Tirschenreuth wurde im Jahr 2022 mit den Bundespreis Stadtgrün ausgezeichnet, stellte der Erste Bürgermeister Franz Stahl mit großer Begeisterung für das Thema Grün- und Stadtwicklung vor. Die Reaktivierung wichtiger Teile der ehemaligen historischen Teichanlagen, die fast 600 Jahre die Altstadt umgaben bedeutete eine zentrale Veränderung in der Stadt, die mit 2013 mit der bayrischen Landesgartenschau umgesetzt wurde. Bis heute setzt Tirschenreuth die Entwicklung der grün-blauen Infrastruktur in Verbindung mit der Entwicklung kultureller und sozialer Infrastruktur fort.

Mit der zentralen These "Ein Baum ist die effektivste Klimaanlage für die Stadt" stellte Landschaftsarchitekt Daniel Zimmermann (3:0 Landschaftsarchitektur) für den österreichischen Arbeitskreis Schwammstadt beeindruckende Beispiele für Baumpflanzungen in einem im Untergrund vollständig neu gestalteten Straßenraum vor. Mit dem "Schwammstadt-System für Bäume" fokussiere sich der Arbeitskreis auf die Bäume und deren Wurzelraum. Hier besteht für unsere Städte ein besonderes Potenzial, das dringend genutzt und mit umfänglichen Projekten aktiviert werden muss.

Die grüne Dach- und Fassadenlandschaft des Hochbunkers Feldstraße in Hamburg stellte Landschaftsarchitekt Felix Holzapfel-Herziger (L+) vor. Dabei wurde neben dem Planungs- und Begrünungskonzept auch die dauerhafte Pflege, insbesondere die Bewässerung und Düngung in den Blick genommen. Neben der öffentlichen Zugänglichkeit hat sich der Investor an diesem neuen Anziehungspunkt auch zur dauerhaft hohen Pflegequalität dieses besonderen Stadtgrüns verpflichtet.

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Die Bewältigung des Klimawandels war eines der zentralen Themen des diesjährigen Gemeinsamen Bundeskongresses der Grünen Verbände in Mannheim. Foto: BGL, Wolfgang Groß

Die anschließende Diskussion der Vortragenden zeigte, dass der Wille zum Handeln künftig von besonderer Bedeutung sein wird und der Handlungsdruck die Klimaanpassung zu gestalten, auch einen neuen Mindset braucht.

Prof. Dr. Wolfgang Dickhaut und Dr. Darla Nickel gestalteten den Block "Netzwerke für wassersensible Städte". Das vorgestellte Forschungsprojekt "Blue Green Streets" zeigt, dass die Wasserwirtschaft den Stadtraum ebenfalls vollständig neu betrachten will und die Einbeziehung der grünen Infrastruktur hierbei eine zentrale Rolle spielen wird. Hier sollen in der praktischen Umsetzung möglichst rasch Erkenntnisse gesammelt werden, die neue Wege im Regenwassermanagement aufzeigen und deren Umsetzung skalierbar machen soll.

Die neue Toolbox soll Wasserwirtschaft und Grünplanung eine Basis dafür bilden künftig deutlich enger zusammenzuarbeiten. Dieser deutlichen verbesserten Zusammenarbeit widmete die Leiterin der Berliner Regenwasseragentur Dr. Darla Nickel. Diese agiert mit einem überschaubaren Team als Servicestelle für das Regenwassermanagement in Berlin, ist bei den Berliner Wasserbetrieben angesiedelt und bringt ebenfalls Wasserwirtschaft und Grünentwicklung zusammen.

In der anschließenden Diskussion mit FLL-Präsident Prof. Dr. Ulrich Kias und GALK-Präsident Rüdiger Dittmar lud die Leiterin der Regenwasseragentur dazu ein sich vorzustellen, für die nächsten zehn Jahre die bestehenden Normen beider Branchen auszusetzen und damit die Projektumsetzung zu beschleunigen.

Im abschließenden fachpolitischen Block stellte die Abteilungsleiterin Dr. Christiane Paulus des Bundesumweltministeriums das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz in den Mittelpunkt ihres Vortrags. Mit dem vier Milliarden Euro umfassenden Aktions- und Förderprogramm, will der Bund besonders die Kommunen bei der Umsetzung des natürlichen Klimaschutzes unterstützen. Paulus versicherte, dass mit Hochdruck daran gearbeitet werde erste Förderrichtlinien für naturbasierte Lösungen fertigzustellen und zu veröffentlichen. Dabei sei sichergestellt, dass die Förderung der Stadtnatur ein wichtiger Bestandteil des Aktionsprogramms sein und auch die Pflege in den Fokus nehmen wird.

Die für Klimaanpassung verantwortliche Beigeordnete des Deutschen Städtetags Dr. Christine Wilcken nahm neben die Resilienz der Städte im Klimawandel die Verbesserung der Lebensqualität in den Blick. Dabei war sie überzeugt, die grüne Infrastruktur müsse hierbei in integrierten Planungsprozessen künftig eine bedeutendere Rolle spielen.

Dass dies eine herausfordernde Aufgabe ist, die kurzfristig und konkret angegangen werden, muss bekräftigte die Umweltbürgermeisterin Prof. Dr. Diana Pretzell der Stadt Mannheim. Die konkrete Umsetzung stehe für die Kommunen hier im Mittelpunkt. Auch wenn es positiv sei die Klimaanpassung als kommunale Pflichtaufgabe zu definieren, ist die jeweilige Lösung passgenau vor Ort zu finden und umzusetzen.

In der anschließenden Diskussion waren sich alle drei vortragende einig, dass jetzt gehandelt werden muss. Von Seiten der Verbandsvertreter bekam der Bund für sein klares Bekenntnis zu naturbasierten Lösungen und deren Umsetzung mit einer intensiven finanziellen Unterstützung, großes Lob. Verbunden wurde dieses Lob mit der Forderung, die Förderrichtlinien nun rasch in Kraft zu setzen.

GALK/mk

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