Gestresstes Grün in Frankfurt am Main – nicht erst seit Corona

Beliebt, besucht und (zu)viel genutzt

von:
Frankfurt Grünflächenmanagement
1 Die Frankfurter Mainufer sind seit ihrer Umgestaltung (bis 2006) eine hochattraktive Promenade. Im Zuge von Corona und Lockdowns wurden die Flächen noch intensiver genutzt als sonst, sogar zwischen den Schienen der Hafenbahn (verkehrt selten) und Fluss. Aufnahme Ende Mai 2021. Foto: Thomas Herrgen

Alle Parks und Grünflächen, egal ob lange bestehend oder neu, unterliegen üblichen Abnutzungserscheinungen, aber auch sich verselbständigendem Vandalismus. Regelmäßig, teilweise jährlich werden sie daher Instand gehalten oder in größeren Abständen grundhaft saniert, so etwa die wassergebundenen Wegedecken, Beläge, Bänke, Holzteile, Spielgeräte und regelmäßig die Bepflanzung, die als Folge der Trockensommer seit 2018 zusätzlich leidet.

Die Coronakrise mit ihren Lockdowns hat nun gezeigt, wie wichtig und begehrt Grün, öffentlicher Freiraum und Angebote an der frischen Luft sind. Doch die Nutzung führte auch schnell zu einer Übernutzung. Je attraktiver der Freiraum, mit Verweilangeboten, Sonnen- und Schattenplätzen unter Bäumen oder Möglichkeiten, sich im Umfeld mit Lebensmitteln zu versorgen, desto stärker auch die Nutzungsfrequenzen und ihre Folgen. Das Resultat sind große Menschenmengen, Müllberge, ausgewetzte Rasenflächen, teilweise Aggressivität und Konkurrenz um die besten Plätze auf Bänken und mit Sonne.

In Frankfurt am Main können die markantesten Beispiele an den Mainuferpromenaden ("Mainuferpark"), in den Wallanlagen, im Ostpark, Grüneburgpark, Holzhausenpark, aber vor allem im noch relativ neuen Hafenpark im prosperierenden Stadtteil Ostend beobachtet werden. Dort musste sogar die Polizei bei abendlichen Gewaltexzessen mehrfach einschreiten. Später wurden eigens Park-Mediatoren eingesetzt, die Streitigkeiten unterbinden oder schlichten sollten. Eines konnten sie jedoch nicht verhindern, die aus dem Nutzungsstress resultierenden Nutzungsspuren.

Beispiel Mainuferpark

Die relativ schmalen Uferpromenaden beidseits des Mains waren 2006 zur Fußballweltmeisterschaft in Deutschland saniert und umgestaltet worden.Neben Spazierwegen, Kinderspielplätzen und Rasenflächen gehörten auch gastronomische Einrichtungen zum Konzept. Schnell wurden die fortan auch als Mainuferpark bezeichneten Streifen zu einem Magneten für die Stadtbewohner*innen und ihrer Gäste.

Bei schönem Wetter und vor allem sonntags werden sie für Spaziergänge, Kaffeetrinken im Freien oder auch für Sport und Workout genutzt, so wie es bei den Planungen natürlich auch erwünscht war. Hinzu kommen die zahlreichen Veranstaltungen im Jahreszyklus, wie das Museumsuferfest, der IronMan oder Konzerte und andere Events. Dabei werden jedes Mal - wie einkalkuliert - Rasenflächen zerstört und danach mit Rollrasen wieder "geflickt". Die Kosten tragen die Verursacher und schon mit diesen routinemäßigen Schäden kam das Mainufer an die Grenzen seiner Belastbar- und Regenerierbarkeit.

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Abb. 2: In Corona-Zeiten kam es, neben Pandemiegründen auch im Zuge der Übernutzung vonöffentlichen Grünflächen, zu zahlreichen Verboten. In Frankfurt war – wie hier im Peterskirchhof,heute ein kleiner Innenstadtpark – neben dem Rauchen und Fahrradfahren auch der Konsum von Alkohol untersagt. Foto: Thomas Herrgen
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Abb. 3: Beim Museumsuferfest Ende August sind beide Mainuferseiten dicht belegt (hier: 2018). Die jeweils erforderliche Renovierung danach, insbesondere der Rasenflächen, ist von den Verursachern zu tragen. Sie wird vom Grünflächenamt gemanagt und dauert immer mehrere Wochen. Foto: Thomas Herrgen
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Abb. 4: Ein Spielplatz in Frankfurt-Bockenheim mit dem Appell von Nutzer*innen an alle anderen.Das Müllaufkommen hat sich gerade in Corona-Zeiten um ein Vielfaches erhöht. Und allzu oft kommen die Hinterlassenschaften nicht da hin, wo sie hingehören . . . sondern bleiben einfach liegen! Das Schild gab es mehrsprachig, z. B. auch in Türkisch. Foto: Thomas Herrgen

Mit Corona hat sich der Trend zur (Über-) Nutzung aber drastisch verstärkt. Die Menschenmengen wurden immer größer, Picknicks auf dem Rasen abgehalten, teilweise auch mit Grillen, das eigentlich nur auf ausgewiesenen Flächen erlaubt ist. Und zurück blieben später: Pizzakartons, Flaschen, Plastiktüten und anderer Müll. Zudem wurden die Rasenflächen noch mehr in Mitleidenschaft gezogen, weil ihre Nutzung zu häufig und zu intensiv geriet.

Gegen die zunehmende Vermüllung stellte die Stadt zahlreiche große zusätzliche Sammelbehälter auf, die das Problem zumindest reduzierten. Die Rasenflächen werden im städtischen Kernbereich mit Uferfiltrat aus dem Main bewässert, ein Umstand, der angesichts der extremen Trockensommer von 2018 bis 2020 sehr hilfreich war. Dennoch benötigen Rasenflächen auch unter Wassergaben noch Wochen bis zur Wiederherstellung und erneuten Benutzbarkeit. Verglichen mit anderen Parks kommt das Mainufer - abgesehen von den Müllbergen - so aber noch recht glimpflich davon.

Beispiel Ostpark

Der zwischen 1907 und 1911 angelegte Park mit gut 32 Hektar ist der erste Volkspark Deutschlands. Er liegt im Stadtteil Ostend, der sich im Zuge der fast zeitgleichen Entstehung des Osthafens von 1908 bis 1912 schnell entwickelte und wuchs. Der Bedarf an Grün- und Erholungsflächen für Hafen- und Industriearbeiter, Einwohnerinnen und Einwohner im industriell wachsenden Osten der Stadt war entsprechend groß, auch für Sport, Spiel und den Schulbetrieb. Gleich mehrere Stadtgartendirektoren brachten das Projekt auf den Weg oder begleiteten es weiter, auch in den 1930er Jahren und während der Wiederaufbauzeit nach dem Krieg.

Nach mehr als 100 Jahren war der Ostpark marode und abgenutzt. Die notwendige Grundsanierung zum runden Geburtstag kam zwar nicht mehr zustande, wurde jedoch zwischen 2017 und 2020 nachgeholt, zugleich der Park zeitgemäß weiterentwickelt.

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Abb. 6: Der neue große Spielplatz für ältere Kinder im Ostpark wurde gleich nach Fertigstellung ein Magnet. Auch an sonnigen Tagen im Herbst (hier Mitte November 2020) herrscht noch relativ viel Betrieb. Foto: Thomas Herrgen
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Abb. 7: Bei starker Übernutzung von Grünflächen werden oft Abkürzungen genommen, die sich als Regelwege einschleichen. Folge sind Auswetzungen in der Pflanzung und den Rasenflächen, wie hier im Hafenpark. Eine "Reparatur" ist im laufenden Betrieb sehr schwierig und nur mit drastischen Absperrungen möglich. Foto: Thomas Herrgen
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Abb. 5: Einige Uferbereiche des Weihers im Ostpark sind besonders geschützt. Die Zonen für Biodiversität werden recht gut respektiert, während benachbarte Parkbereiche, etwa mit Fußballspielenden, hoch frequentiert sind. Foto: Thomas Herrgen

Schwerpunkt Wegebau

Bei der Masterplanung der zu bearbeitenden Teilflächen von 25 Hektar für die grundhafte Erneuerung durch das Büro RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten stand neben dem Erhalt der historischen Substanz die Wegesanierung im Zentrum. Das heißt Anpassung der Breiten, neue Einfassungen und Beläge mit allen Sitznischen einschließlich Bänken und Abfallbehältern. Die im Bestand dominierenden wassergebundenen Decken wurden bei starkem Gefälle oder hoher Nutzung durch gefärbten Asphalt mit Abstreuung ersetzt.

Neu entstanden ist ein Spielplatz für größere Kinder zum Klettern, Schaukeln, Wippen und Balancieren, überwiegend aus dem Material Holz. Er entstand als Ersatz für einen aufgegebenen Standort an der großen Ostparkwiese im Norden. Ein kleinerer mit Sandmulden und Sitzmöglichkeiten für die Eltern ist Kleinkindern gewidmet. Auch die Restaurierung von Park- und Kleinarchitekturen wie Brunnen, Pavillon und Bastionen sowie die Überarbeitung des Grünbestands mit Nachpflanzungen gehörte dazu. Gleichzeitig begann das Grünflächenamt ein Programm zur Vergrämung der Nilgänse und weiterer invasiver Vogelarten, die im Park (wie überall in der Stadt) eine große Plage geworden sind.

Sanierte Grünstrukturen

Die Pflanzung von 80 neuen Bäumen ergänzte das Grün oder vervollständigte historische Strukturen. Die großen Rasenflächen müssen nutzungsbedingt (z. B. Liegefläche, Grillen, Fußball) in der Vegetationszeit regelmäßig gemäht werden. Im Rahmen der Biodiversitätsmaßnahmen der Stadt entstanden aber auch neue Blühwiesen am Weiherufer. Sie verteilen sich auf sieben bis acht Einzelflächen rund um den mittig liegenden Ostparkweiher (4,2 ha), als Lebensraum für Insekten. Die Schilfzone im Norden ist als geschütztes Biotop definiert, darf nicht betreten werden und fungiert als Brutplatz für Wasservögel. Ausgedehnte Rasen- und Wiesenflächen westlich und östlich davon, Gehölzkulissen an den Rändern, Spielplätze und Sportanlagen prägen den Park bis heute.

Hoher Nutzungsdruck

Aufgrund des gegenwärtigen Drucks durch Zuzug und Wohnungsneubau im Ostend, auch im Umfeld der 2015 eröffneten Europäischen Zentralbank, hat der Park heute eine besondere Entlastungs- und Erholungsfunktion (Wege- und Wiesennutzung, Grillen, Sport) für die Wohn- und Arbeitsbevölkerung rundum. Weitere Nutzer im Park sind die Bewohnenden der Notübernachtungsstätte des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten e. V. Der Neubau wurde 2017 fertiggestellt, eine Erweiterung ist bereits geplant.

Der Fußballclub FFC Olympia 07 e. V. nutzt die 2013 neugestaltete Sportanlage auf der kleinen Ostparkwiese und ein Fanprojekt des Sportvereins FSV nutzt seit 2015 ein ehemaliges kleines Café. Schon seit 1928 hat der Aquarienverein Iris e. V. seinen Sitz in einem Gebäude am Bahndamm. Seit der Corona-Pandemie 2020 war und ist der Park ein wichtiger Erholungsort, für Begegnungen auf Abstand, Spaziergänge, sportliche Aktivitäten, um Sonne und frische Luft zu tanken, als Ausgleich zu Homeoffice und Lockdown.

Ein großes Problem waren das Grillen und der Müll. So wurde nun eine durch Schilder und Bodenmarkierungen (Pflasterzeilen aus Basalt) sichtbare, ca. 7000 Quadratmeter große Grillzone definiert und ein neuer Müllsammelplatz mit Containern angelegt. Auch für die Grillasche gibt es nun eigene Behälter. Die Probleme sind damit nicht gänzlich verschwunden, aber minimiert.

Beispiel Hafenpark

Seine Neuentstehung beruht auf einem europaweiten Wettbewerb von 2009, den das Berliner Büro SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH gewann. Schon bei der Planung wurde auf hohe Qualität geachtet, was sich heute auszahlt. Nutzungsspuren am Grün und Müllaufkommen konnten dadurch aber dennoch nicht verhindert werden.

Im Stadtteil Ostend sorgten schon seit Jahren viele Bauprojekte, darunter die neue Europäische Zentralbank (2300 Mitarbeiter*innen) dafür, dass immer mehr Menschen zum Wohnen und Arbeiten in ein Viertel zogen, das einst von Hafenarbeitern geprägt war. Als Ausgleich und zur Freiraumversorgung entstand bis 2015 der Park auf einem Teil des ehemaligen Osthafengeländes mit Fokus auf Spiel, Spaß und Sport. Ein Skatepark, das Sportband mit Spielfeldern für verschiedenste Ballspiele und die kleinen Fitness- und Spielplätze für Kinder sollten für Leben sorgen.

Zwei Jahre nach dem Wettbewerb erfolgte der erste Spatenstich. Die neue Skateanlage für über Achtjährige entstand in der Nordspitze der Parkfläche. Die detaillierte Ausformung erfolgte durch das örtliche Partnerbüro Götte Landschaftsarchitekten. Sichtbarer Oberflächenbelag ist ein glatter Ort- und Spritzbeton. Pflanzinseln mit Gräsern und schattenspendenden Schnurbäumen dazwischen lockern die versiegelten Flächen auf.

Im "Sportband" entstanden Basketball- und Multifunktionsfelder sowie zwei Fitnessanlagen und der Jugend-Kletterpark. Die Spielfelder sind von sehr robusten, widerstandsfähigen Metall-Treillagen eingefasst mit oben umgebogenen Enden, sowie versetzten Ein- und Ausgängen. Sie wurden als Schlosser-Sonderanfertigung hergestellt, mit einer leicht glitzernden Anthrazit-Beschichtung. Hinzu kamen Kinder- und Jugendspielplätze, Fitnessplätze für Athleten und Senioren.

Die einzelnen Felder im Sportband sind von bis zu 1,5 Meter hohen Zäunen und Hainbuchenhecken (Carpinus betulus) eingefasst. In den Pflanzbeeten dazwischen wachsen verschieden hohe, robuste Gräserarten, wie etwa Chinaschilf (Miscanthus), Reitgras (Calamagrostis), Hainsimse (Luzula) und Seggen (Carex) in Arten und Sorten. Südlich vor den Spielfeldern verläuft ein breiter Weg als zentrale Querachse durch den Park.

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Abb. 8: Der neue Hafenpark wurde bis 2015 mit vielen Spiel- und Sportattraktionen fertiggestellt. Daraus ergaben sich auch hohe Nutzungsfrequenzen, die in Corona-Zeiten noch höher wurden. Aufnahme von Ende April 2021. Foto: Thomas Herrgen
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Abb. 9: Die neue Skatebowl im Hafenpark war sehr bald nach Eröffnung mit Graffitis besprüht. Das wird geduldet und gehört offenbar zu Orten der Jugendkultur dazu. An sonnig-trockenen Tagen herrscht hier quirlige Lebendigkeit. Foto: Thomas Herrgen

Wiesenband mit Biodiversität

Grünes Herzstück des neuen Hafenparks ist das "Wiesenband". Fast die Hälfte der vier Hektar Parkfläche entfallen auf Rasenbereiche (ca. 15 500 m²) und Wiesen (ca. 4000 m²). Ein Teil der Wiesen wird extensiv gepflegt, das heißt, nur zweimal gemäht, damit Gräser, Wildstauden und Blumen blühen und sich ausbreiten können. Insekten finden Nahrung und die Vielfalt von Flora und Fauna wird gefördert.

Die schrägen Wiesenebenen steigen nach Süden hin leicht an, heben sich aus der Umgebung heraus und werden mehrfach von ebenen Korridoren durchschnitten. Höhen bis zu 90 Zentimetern machten Stützmauern aus geschichteten Basaltplatten erforderlich. In der Nullebene des Parks und den Korridoren liegt ein strapazierfähiger Rasenteppich. Parknutzer*innen können sich aussuchen, ob sie auf gemähtem glatten Rasen oder in einer blühenden Sommerwiese liegen möchten.

Hohe Frequentierung

An sonnigen oder zumindest trockenen Tagen zwischen März und Oktober war der neue Park von Beginn an stark frequentiert. Parknutzende sind alle Altersklassen und Geschlechter, wobei die 20 bis 30-jährigen männlichen Besucher dominieren. Sie prägen vor allem die Fußball-, Handball- und Basketball-Wettbewerbe im Sportband. Turniere und Stadtmeisterschaften, oft untermalt von Szenemusik, halten die Teilnehmer*innen in Schwung und die Zuschauer*innen bei Laune.

An den robusten Reckstangen und massiven Kraftgeräten zelebrieren "Muskelpakete" ihre Übungen vor Zuschauer*innen. An ganz normalen Tagen skaten und bladen die jüngeren Mädchen und Jungs durch die Modelllandschaft und abseits der Bewegungsflächen ruhen sich Singles, Mütter und Väter mit ihren Kindern in den Liegewiesen aus. An den Fitness-Geräten halten sich auch ältere Menschen in Übung und für die ganz Kleinen gibt es Sandflächen, Rutschen, Kletter- und Turngeräte.

Beregnung aus dem Fluss

Auf dem Gelände, das in der Vergangenheit nutzungsbedingt völlig baumlos war, stehen nun etwa einhundert neue Bäume und mehrstämmige Großsträucher, als Solitäre oder in Gruppen. Die häufigsten Arten sind Schnurbaum (Sophora japonica 'Regent'), Zürgelbaum (Celtis australis), Sumpfeiche (Quercus palustris), Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia) und die Waldkiefer (Pinus sylvestris). Zwischen den Schatten spendenden Bäumen und Großsträuchern liegen Picknick-Plätze, die punktuell mit "Bewegungsinseln" wie Spielstationen, Wippen, Schaukeln oder Rutschen ausgestattet sind.

Die erwartete, intensive Parknutzung in Verbindung mit den Klimaveränderungen führte zum Einbau einer Beregnungsanlage. Sie speist sich aus Flusswasser (Uferfiltrat) des angrenzenden Mains. Bewässert wird nachts bis zum frühen Morgen zwischen zwei und sechs Uhr. Die gute Regeneration der Rasen- und Wiesenflächen machte sich bereits im langen warmen Spätsommer 2016 und in den sehr heißen Sommern 2018 bis 2020 positiv bemerkbar. In den Corona-Jahren 2020/21 mussten zwar Spielgeräte und -anlagen aus Hygienegründen zeitweise abgesperrt werden, der Park insgesamt blieb jedoch offen und war ein wichtiger Ausgleichsfaktor.

Nutzungsschäden und Vandalismus

Rund sechs Jahre nach Einweihung und vollständiger Inbetriebnahme weist der Park vor allem die erwartbaren Abnutzungsspuren auf. Ein großes Problem sind die Auswetzungen im Rasen, vor allem mit den Füssen vor den Sitzmauern im Wiesenband sowie Bierkronkorken, Zigarettenstummel und weiterer Müll an gleicher Stelle. Für den Parkabfall insgesamt wurden zwar neue, zusätzliche und sehr große Behälter aufgestellt, doch immer wieder hinterlassen die Menschen ihre Dinge einfach dort, wo sie vorher saßen.

In den Corona-Jahren hat sich die Problematik drastisch verschärft. Dem wurde mit Aufsammeln des Mülls und häufigeren Leerungen der Behälter begegnet. Für die Skate-Anlage war von vornherein Graffiti erwartet worden. So sind heute die meisten Betonflächen bunt. Die Farben verursachen keine Schäden, gehören irgendwie zum Stil solcher Anlagen und werden daher geduldet.

Bis Ende 2020 wurde an der Parkwestseite ein neuer Pumptrack für Kinder ab drei Jahren ergänzt. Der kompakte, geschlossene Rundkurs mit kleinen Wellen und Steilwandkurven war nachträglich notwendig geworden, weil es auf der großen Skateanlage im Norden zu viele Konflikte zwischen den verschiedenen Altersgruppen gab. Auf der neuen Anlage können sich nun auch kleine Kinder mit Geräten wie Skateboards, Rollern, Inline Skatern oder BMX-Rädern austoben.

Die Spiel- und Sportgeräte werden regelmäßig überprüft und sind funktionstüchtig. Die Nutzung bei anhaltend hoher Frequentierung verläuft inzwischen überwiegend konfliktfrei. In Frankfurt am Main leben Menschen aus mehr als 180 Nationen der Welt, die etwa ein Drittel der Stadtbevölkerung (etwa 764.000 Einwohner*innen) ausmachen. Die verschiedenen Kulturen und Altersgruppen praktizieren im Hafenpark und andernorts ein überwiegend friedvolles Miteinander. Das ist trotz Corona und Nutzungsstress die gute Nachricht aus der weltoffenen Stadt am Main.

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Abb. 10: Zum Nutzungsstress in Parks kommt der Klimastress. Der Baumbestand, wie hier in den Wallanlagen, ist relativ alt. Lange Trockenheit und dann ein Sommergewitter mit Sturm lassen immer wieder große Äste abbrechen oder ganze Bäume umstürzen. Foto: Thomas Herrgen
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Abb. 11: Von Trockenheit, Krankheiten und/oder Sturm geschädigte Bäume müssen vomGrünflächenamt gefällt und entfernt werden, wie hier in den Wallanlagen. Das ist ein merklich zunehmender Kostenfaktor im Jahresbudget. Foto: Thomas Herrgen

Projektdaten

Ostpark

  • Bauherr/Auftraggeber:
    Magistrat der Stadt Frankfurt am Main- Grünflächenamt -
  • Entstehung:
    1907-1911, erster Volkspark Deutschlands
  • Parkgröße:
    ca. 32 ha
  • Planung der Sanierung:
    rmpsl.la
  • Ausführungszeit(Sanierung)
    - Landschaftsbauarbeiten: Oktober 2017 bis November 2019
    - Nachpflanzungen im Frühjahr 2020
  • Ausstehende Arbeiten:
    - Pflege der Neupflanzungen durch die bauausführende Firma bis Herbst 2022
    - Wässerung der neuen Bäume bis Herbst 2024
  • Gesamtkosten: ca. 4 Mio. Euro

Hafenpark

  • Bauherr/Auftraggeber:
    Magistrat der Stadt Frankfurt am Main- Grünflächenamt -
  • Entstehung:
    2009-2015
  • Parkgröße:
    ca. 40.000 m² (~4 ha)
  • Planung/Entwurf:
    www.sinai.de (Wettbewerb, Entwurf bis Werkplanung)
    www.goette-landschaftsarchitekten.de (Bauüberwachung)
  • Zeitliche Umsetzung:
    - Erster Spatenstich: März 2011
    - Fertigstellung/Einweihung: Juli 2015
  • Baukosten: gesamt ca. 8 Mio. Euro
    inkl. Wettbewerbs- und Planungskosten


Anmerkung:

Weitere Informationen:
www.gruenflaechenamt.stadt-frankfurt.de

Dipl.-Ing.(FH) Thomas Herrgen
Autor

Landschaftsarchitekt

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