Klartext

Insektenschutzgesetz - ist die Baumgesundheit jetzt geregelt?

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Das Bundeskabinett hat kürzlich auf Vorschlag von Bundesumweltministerin Svenja Schulze das Insektenschutzgesetz auf den Weg gebracht, mit dem zahlreiche Neuregelungen im Bundesnaturschutzgesetz vorgenommen werden. Der Gesetzentwurf zielt darauf ab, dass Biotope wie Streuobstwiesen und artenreiches Grünland für Insekten als Lebensräume erhalten bleiben. Auch die Lichtverschmutzung als Gefahr für nachtaktive Insekten soll künftig eingedämmt werden, so die Idee. Der Schutz der Insekten wird politisch als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden.

Es ist völlig unstrittig, dass die Gesamtmenge der Insekten als auch die Vielfalt der Insektenarten die letzten Jahre über in Deutschland stark zurückgegangen ist. Die Ursachen dafür sind vielfältig, zu den wichtigsten zählen aber der Verlust und die Verschlechterung von Insektenlebensräumen, der Verlust der Strukturvielfalt in der Landschaft, die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, der Eintrag von Schadstoffen in Böden und Gewässer und die Lichtverschmutzung.

Aber gilt das auch für die urbanen Lebensräume? Entomologische Studien zeigen immer wieder, dass Artenvielfalt und Populationsdichte von Insekten an Baumstandorten sogar an Extremstandorten groß sind. Schaut man wie in Berlin genauer hin, findet man nicht nur noch nie beschriebene Insekten für urbane Räume, sondern versteht auch ihre Verbreitung und ihre Lebensraumansprüche im Ökosystemansatz immer besser.

Diese Erkenntnisse müssen in die Optimierung der Grünen Infrastruktur einfließen, aber bitte kritisch und mit Sachverstand. Differenzierung und nicht Pauschalierung ist die Zukunftsaufgabe. Die Bürger werden es kaum tolerieren und wirksame Maßnahmen einfordern, wenn Lästlinge, Hygiene- und Pflanzenschädlinge oder allergieauslösende Insekten die Lebensqualität in der Stadt einschränken. Und was dann? Ist die reine Bekämpfung das Allheilmittel? Und wie soll man bei Großbäumen Maßnahmen wirkungsvoll umsetzen? Aktuelle Beispiele wie Eichenprozessionsspinner, Kastanienminiermotte und Asiatischer Laubholzbockkäfer zeigen uns doch klar die Grenzen auf.

Aber steckt darin nicht eine große Chance? Ja, lasst uns in der Stadt analog zum Forst und zur Landwirtschaft endlich anfangen, mit kontinuierlichem Monitoring die urbane Insektenwelt besser zu verstehen. Pflanzenverwendung hat eben viel mit Pflanzenproduktion, Standortgestaltung und Pflege zu tun. Natürlich werden hierfür Entomologen, Biologen und Phytopathologen auf allen Ebenen benötigt, sie alle sind die Partner für die visionäre Stadtplanung. Nur Blühmischungen auf Mittelstreifen zu posten und nicht wahrhaben zu wollen, dass viele der dort geborenen Insekten nebenan vom Verkehr getötet werden, ist nicht im Sinne des Insektenschutzgesetzes. Aber auch der Mensch hat in der Stadt seinen Lebens- und Rückzugsraum. Schon vergessen?

Ihr Prof. Dr. Hartmut Balder

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Prof. Dr. habil. Hartmut Balder
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Leiter Institut für Stadtgrün, Falkensee

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